Science Fiction

Gelesen: Die Krone der Sterne

Die Krone der SterneDie Krone der Sterne by Kai Meyer
My rating: 5 of 5 stars

Das ist natürlich Absicht: Wenn einer der bekanntesten deutschen Fantasy- und Jugendbuchautoren wie Kai Meyer seinen allererste Space Opera vorlegt und den Roman gleich vorne Leigh Brackett und Edmond Hamilton widmet, steckt dahinter wohl weniger Ehrerbietung und mehr ein klares Signal an die häufig gestrengen Genre-Fans, dass sie gar nicht erst versuchen sollen, hier mehr zu erwarten als eine Rückbesinnung auf die Pulp-Ära des Genres von so ca. 1925-1955 (puh, langer erster Satz). Und mehr ist „Die Krone der Sterne“ auch tatsächlich nicht, trotzdem ist das SF-Debüt von Kai Meyer spektakulär gelungen. Das aufgelegte Programm, ein durchgetretenes Gaspedal von der ersten bis zur letzten Seite durchzuhalten, funktioniert tatsächlich: Obwohl sich eine Action-Szene an die andere reiht, kommt kein Leerlauf auf – und wenn dieses dann doch drohen könnte, ist der Roman auch schon zu Ende. Zum Gelingen trägt die hervorragende Figurenzeichnung bei, die die (Klischee-) Figuren mit Leben füllt und die Leser gerne an ihren Abenteuern teilnehmen lässt, sowie der geschickte und phantasiereiche Weltenbau nebenbei, der ganz streng sich der Handlung unterzuordnen hat und nicht, wie es z.B. beim großen Bruder Perry Rhodan ist, wo es aus Umfanggründen sich exakt umgekehrt verhält. Gerade in der SF werden häufig Innovationswunder gefordert und verlangt. Dies ist hier nicht der Fall, trotzdem wird es sicher auch verwöhnten und sich schnell langweilenden Lesern so gehen wie dem Verfasser dieser Zeilen: Ich habe von vorne bis hinten jede einzelne der 460 großzügig gesetzten Seiten genossen. Bei den beiden angekündigten Fortsetzungen bin ich definitiv an Bord. Tipp: So sehr ich Ebooks liebe und praktisch finde, aufgrund der wunderschönen Gestaltung sei dringend der käufliche Erwerb der gedruckten Ausgabe anempfohlen.

View all my reviews

Gesehen: Westworld (Pilotfilm)

Jonathan Nolan, USA 2016, 65 Min, HBO

Als Fan des Originals und von Western und SF-Stoffen an sich rennt dieser Pilotfilm bei mir natürlich offene Türen ein, ist beeindruckend aufwändig gestaltet und teilweise auch sehr gekonnt inszeniert, immerhin vom Dark Knight-Regisseur Christopher Nolan sein Brüderchen. Bemerkenswert der Kontrast zwischen gleißenden John Ford-Sonnenaufnahmen (gibt mit der Tür ein direktes Searchers-Zitat) und den unterkühlten Labors im üblichen grünlichen SF-Standardlook.
Auch blitzt durchaus Intelligenz durch, ist das ganze doch wohl als Meta-Kommentar zu gewalttätiger Unterhaltung gedacht. Handlungsmäßig muss sich zeigen, ob wirklich 10 Folgen Not tun, das Gebitche zwischen den Wissenschaftlern trägt Warnzeichen des serientypischen Breittretens in sich, das gilt auch dafür, dass ein Roboteraufstand natürlich nur eine Frage des Wann und nicht des Ob ist.

Auch wenn es einige Umgewöhnung erfordert, hat die Serie nicht mehr viel mit dem Original von Michael Crichton zu tun, was einerseits begrüßenswert ist, andererseits aber Befürchtungen in mir weckt, dass die klare Prämisse des Originals Nolan-typisch wieder überverkompliziert wird und ein finsterer, aber handelsüblicher 08/15-Verschwörungs-Plot droht (dafür sprechen einige ominöse Dialoge darüber, was das Management wohl mit dem Park vorhat..).

Ist es eigentlich unfair, wenn man das in Kinofilmen meist goutiert, bei TV-Serien wie hier aber anprangert, dass das übermäßige Kreißen der Blutwurst zu abgeschmackt und selbstzweckhaft-aufmerksamkeitsheischend wirkt?

Damit hier aber kein falscher Eindruck entsteht: Das alles ist Jammern auf hohem Niveau, das war schon ein sehr guter Pilot. Als Serienignorant komme ich bei 9 von 10 Pilot-Filmen nicht über diesen hinaus, hier werde ich definitiv weiter gucken. Erstmal.

Film, Buch und Musik

Vieles könnte ich seit dem letzten Blogeintrag erzählen, lange Rezensionen schreiben, aufwändig verlinken und Clips und Bilder einbinden..wir wissen schon, das wird aus Zeitgründen so einfach nicht passieren.

Machen wir das anders.

Keine fancy Bilder und Verlinkungen. Keine megalangen Reviews und Berichte zu jedem einzelnen Film, Buch oder Album. Machen wir einen gerafften Artikel mit teilweise nur Ein-Satz Erwähnungen; ich hoffe, interessierte Leserinnen und Leser können sich trotzdem heraus ziehen, was für sie wichtig ist.

Film

Gesehen habe ich die neue deutsche Blu Ray von „The Punisher (1989)“ mit Dolph Lundgren. So gut sah der noch nie aus und der altert hervorragend mit seinem kompromisslos hohen Body-Count, den wunderbar dynamisch und rhythmisch montierten Action-Szenen und einem Dolph Lundgren in Bestform. Gleichzeitig deckt die Blu-Ray aber auch die Schwächen des Films auf. Mangels Budget kann man von einer stringenten visuellen Gestaltung kaum sprechen und insbesondere das mangelnde Beleuchtungskonzept („Alles hell und zu sehen? Roll Camera!“) sieht gerade auf BD unschön aus. Sieht man den Film erneut, ist die ungeschnittene FSK 16-Freigabe durchaus verständlich. Trotz hohem Bodycount und viel Filmblut ist der tatsächlich doch harmloser, als man ihn in Erinnerung hatte. Nichtsdestotrotz: Sehr schönes Wiedersehen!

Hochamt für Horror-Fans: Fede Alvarez aus Uruguay hat einen Run: Schon sein „Evil Dead“-Remake war in seiner kompromisslosen Härte und einem enormen Tempo ein Highlight, nun hat er einen Home Invasion-Thriller inszeniert, der exzellente Kritiken bekam und so stark in den US-Kinos abräumte, dass er zwei Wochen die Nr.1-Position verteidigen konnte, das schafft fast kein Horror-Film. „ Don’t Breathe“ schon. Ich bin sehr gespannt darauf.

Ansonsten plane ich demnächst eine Howard Hawks-Filmreihe, sowie eine Reihe mit deutschen Abenteuerfilmen mit einem Schwerpunkt auf den drei Zweiteilern um das „Indische Grabmal“, also die Verfilmungen von 1920, 1938 und 1957/58. Sowie einige andere Abenteuer-Filme, darunter zwei Karl May-Verfilmungen aus den 50ern- entstanden also zeitlich noch vor der Rialto-Reihe mit Pierre Briece & co..

Buch

Gelesen habe ich die Novelle „The Ballad of Ballard and Sandrine“, eine erotisch aufgeladene Afrika-Phantasie von Peter Straub, der für mich gegen Ende die Luft ausging. Habe ich das Ende kapiert? Ich weiß es nicht. Ebenfalls nicht völlig überzeugen konnte mich die bei Tor.com veröffentlichte Kurzgeschichte „The Weight of Memories“ von Liu Cixin, die sich um genetisch vererbte Fähigkeiten dreht und ein bitteres Ende aufweist. Nun lese ich gerade ebenfalls von Tor.com „A Dead Djinn in Cairo“ von P. Djeli Clark, eine Ermittler-Story um, na, siehe Titel.

Ich bin ja mitten drin in einer Edgar Wallace-Komplettlesereihe (14 down, noch ca. 165 to go) und lese gerade mit großem Vergnügen „Private Selby“ aus dem Jahr 1912, eine Proto-Alternative History um eine Invasion Englands durch eine mitteleuropäische Herrscherin – mit Luftschiffangriff auf London und was man noch so braucht. Sehr nett. Etwas ins Stocken geraten bin ich mit meiner Shakespeare-Reihe und hänge im Moment mitten in „Richard III“ – da fehlt mir leider häufig doch die Muße um mich darauf hochkonzentriert einlassen zu können.

Gut voran komme ich dafür mit zwei Kolportage-Romanen, nach wie vor mit dem „Waldröschen (1882-1884)“ von Karl May, das ich schon mehrfach erwähnt habe, sowie mit „Detektiv Nobody (1904/1905)“ von Robert Kraft. Ich habe dieses Jahr den Kolportage-Roman so richtig für mich entdeckt und finde es ganz wunderbar, wie in dieser Textform die Handlung vor sich hin mäandert und mal hierhin und mal dorthin springt. Für Leser wie mich, die bei streng durchgeplotteten Romanen vor Langeweile vergehen, ist das eine Wohltat.

Für den Rest des Jahres plane ich noch zu lesen die Kurzgeschichtenbände von Ted Chiang und Ken Liu, sowie einen kleinen Karl May-Schwerpunkt mit der neu gestarteten Serie „Karl Mays magsicher Orient“ (Kara Ben Nemsi in einem Fantasy-Setting – ich kann es kaum abwarten) aus dem Karl May Verlag, sowie aus dem Blitz-Verlag die moderne Fortschreibung „Karl Mays Kara Ben Nemsi“ von G.G.Gradt. Mit viel Glück und Zeit komme ich ggf. noch im Herbst zu „Doktor Faustus“ von Thomas Mann und plane jetzt kurzfristig, den neuen Roman von Connie Willis namens „Crosstalk“ zu lesen. Eine romantische Komödie um eine Technologie, die den anderen seine eigenen Gefühle spüren lässt, wenn man das möchte. Romantische Komödien sind nun nicht unbedingt mein lesetechnisches Kerngebiet, dieser Autorin folge ich aber gerne überall hin, schon immer.

An der Comic-Front habe ich mit „Dark Night: A True Batman Story“ von Paul Dini begonnen und finde die Zeichnungen brillant, sowie die Idee so bedrückend wie genial: Erfolgreicher Batman-Zeichner verarbeitet mit einem autobiographischen Batman-Comic einen brutalen Überfall auf sich.

Im Bereich Manga habe ich mich mal an der Bestseller-Serie „Tokyo Ghoul“ von Sui Ishida versucht und musste mir eingestehen, dass das nichts für mich ist; klar, das ist eher für Teenies konzipiert, aber diese Ghoul-Story mit Vampir-Handlungsmechanismen konnte mich einfach nicht packen. Jetzt versuche ich mich an dem Sindbad-Manga „Magi: The Labyrinth of Magic“ von Shinobu Othaka.

Auf meinem Zeitschriftenstapel liegt noch die neue SOL, sowie diverse US-Storymagazine.

Musik

Fangen wir mit meiner einen großen Vorliebe Metal an.

Die neuen Langrillen „Decision Day“ von Sodom (geht gut nach vorne los) und „Rapid Foray“ von Running Wild (bei allem Geläster immer über diese Band – das neue Album kann was!) habe ich gerne gekauft und höre sie viel.

Ebenfalls eine Freude ist mal wieder die neue von Equlibrium namens „Armageddon“ mit vielen hymnischen Tracks, sowie die neue Tarja-Scheibe „Thy Shadow Self“. Letztere hat mich sogar sehr positiv überrascht, denn die vor einigen Wochen veröffentlichte Tarja-EP konnte mich nicht so überzeugen. Wenn wir schon bei Damen sind, ganz wunderbar sind zwei neue Scheiben von zwei Eine-Frau-Metal Bands, diese beiden Tipps kommen von mir wirklich von Herzen: Das neue Darkher-Album „Realms“, sowie das Live-Album „Mausoleum“ von Myrkur. Ganz tolle, berückende Scheiben.

 Nach der großartigen Vorab-Single „Downshifter“ freue ich mich sehr auf „Wanderer“, das neue Album von Heaven Shall Burn. Bis dahin halte ich mich mit den richtig guten Schweizer New Metal-Jungs von Breakdown of Sanitiy über Wasser, deren Album „Coexistence“ herrlich druckvoll ausgefallen ist.

Vor zwei Jahren war „Phobos Monolith“ von Mare Cognitum mein Album des Jahres. Dementsprechend gespannt war ich auf den dieses Wochenende veröffentlichten Nachfolger „Luminiferous Aether“. Tja, einige tolle Momente, muss ich mich vielleicht noch mehr einhören, ja, so formuliert man Zurückhaltung..

Für Freunde etwas „obskurerer“ Bands habe ich Revelation im Angebot. So heißen diverse Bands, ich meine ein weißrussisches Duo, das eine tollte Mischung aus Gothic und Doom spielt, garniert mit schwarmetallischem Dungeon Synth-Sound. Toll. Die nicht sehr produktiven Jungs haben in gut 17 Jahren bisher vier Alben rausgehauen, gibt es alle auf Bandcamp, das gerade wieder veröffentlichte, wirklich tolle Debüt heißt „Expulsion from Paradise“.

Ansonsten wolle ich noch sagen: Meine Metal-Single des Jahres ist und bleibt „Nores Sorte Himmel“ von Nordjevel vom selbstbetitelten Album.

Hip Hop

Herrlicher Old School 90er-Hip Hop mit Wu-Tang Clan Gästen, gefällt mir sehr: “Lost Scrolls” von Hermetic Order.  

Und aus Deutschland? Natürlich habe ich mir auch „Fanpost 2“ von Kollegah angehört und obwohl man als Fan natürlich dankbar ist für einen neuen, aufwändigen 18-Minuten-Brocken, bleibt die Frage natürlich schon: Tat das wirklich Not? In der Länge? Mit so viel Tiefkühlgemüse (und ich gehöre immerhin noch zu denen, die über Fler-Karottenwitze noch lachen können)? Man kann es sehen, wie man will, aber Fler hat von dem Track sogar profitiert: Der Hype um das Ding half sicher dabei, sein neues Album „Vibe“ von der Null auf die Eins zu katapultieren. Auch wenn das nicht unverdient ist, das Album ist ziemlich gut. Wie auch Kay Ones neues Album „Der Junge von Damals“, welches neben einigem Müll auch wieder einige technisch abenteuerlich gute Abrissbirnen enthält.

Ebenfalls ganz nett zu hören ist das brandneue „Zurück zur Straße“ von Alpa Gun. Nach einigem echten Vorspul-Material kommt das Album erst so ab der Hälfte in Fahrt – dann aber so richtig. Und besten Dank an Alpa Gun für einen Disss der 187-Straßenbande – der hysterische, unreflektierte Hype um die Kerle ist mir einfach ein Rätsel. Mir gehen deren raue Hafenstraßen-Stimmen eher auf den Sack.
 
Vermischtes 

Hier noch ein paar Tips, die oben nicht reinpassen. Ich habe eine Schwäche für Dark Ambient mit langen, unheimlichen Klangflächen. Toll in dem Bereich sind Flowers for Bodysnatchers mit ihren Alben über den magischen japanischen Wald „Aokigahara“ und der Nachfolger „ Love Like Blood“, der den Tokyoter Untergrund musikalisch erkundet. Großes Tennis! 

Beauty of Gemina machen auf „Minor Sun“ klassischen Gothic Rock/Pop, einige der Stücke gefallen mir sehr. So wie das neue Art-Rock Album von Russian Circles namens „Guidance“; einfach mal „Calla“ probieren. Toll!

Last but not least: Die romantischste Interview-Aussage, die ich je von einer Frau gehört habe, ist, dass sie abends im Wohnzimmer die Musik aus der „Ultima“-Serie (Rollenspiel auf dem C-64 aus der 80ern) spielt. Die Rede ist von Michelle Sternberger, die als ComputeHer Chiptune-Musik macht. Ihr neues Album „Bliptastic“ ist soundtechnisch deutlich aufwändiger produziert und enthält fast zu viel Wumms, einige Tracks sind aber sehr gelungen. Sternberger hat ihren Mann über diese Art Musik kennen gelernt, zusammen nennen sie sich „8 Bit Weapon“ – auch da ist ein neues Album mal fällig, bitte.

Soweit für heute. Demnächst dann vielleicht mal wieder geordneter mit mehr Links und Lametta und länger und so. Vielleicht aber auch nicht. Ich experimentiere lieber etwas mit der Form und blogge was, bevor ich das Blog nochmal wieder einmotten muss, weil ich nicht hinterher komme. Ihr könnt ja mal schreiben, ob Ihr mit solchen Sammelartikeln zurecht kommt und mit denen etwas anfängen könnt, wenn Ihr mögt.

Die Raumpatrouille wird 50.

Zum fünfzigjährigen Jubiläum der Serie habe ich heute Morgen mal die Romanfassungen von Hanns Kneifel aus einem Sammelband angefangen. Ich denke und fürchte, ich werde es bei einem der sieben Romane zur TV-Serie belassen, über 1.000 Seiten in 7 Romanen brauche ich davon nicht. Der zugegeben inhaltlichen naiven Flachheit der Serie bekommt die Adaption in Romanform weniger gut (ohne Joghurtbecher & co.) und vor allem folgt die Romanfassung ziemlich sklavisch der TV-Serienepisode. Auch macht sich das Alter des Romans nicht immer nur positiv bemerkbar. Ich neige nun bei antifeministischen Volten nicht zu 1 Empörungsbluthochdruck, wenn allerdings die Bordfunkterin Helga Legrelle als „Maskottchen“ der Mannschaft bezeichnet wird, das ist selbst mir zu doof – dabei treten immerhin ja sehr kernige weibliche Generäle und GSD-Offiziere in der Handlung auf, trotzdem. Meinen laaangen TV-Abend übernächsten Samstag (alle sieben Folgen am Stück) möchte ich aber dennoch durchziehen.

Raumpatrouille Orion - Die 7 phantastischen Abenteuer des Raumschiffs ORION in einem Band