Hörspiel

Ich lese gerade

Vorrede
Fangen wir zwei Mal mit dem Wort eigentlich an. Eigentlich sitze ich schon sehr lange an einem großen Artikel über Hörspiele, dieser wird und wird aber einfach nicht fertig. Ferner hatte ich eigentlich mehr eine Kolumne à la „Olis Kulturnotizen“ mal vor, um die Bereiche Musik, Film und Buch gleichberechtigt abbilden zu können, jetzt ist doch wieder nur ein Leseschwerpunkt daraus geworden, was vielleicht aber auch nicht so schlimm ist, da ich ja immer mal wieder auch Filmkurzkritiken schreibe und zumindest auf Facebook immer mal wieder auf interessante Musikerzeugnisse aus meinen präferierten Genres (Hip Hop, Metal, Electronica) hinweise.

Also, was lese ich im Moment?

Nach wie vor halte ich es so, dass ich diverses nebeneinander lese, was sich sehr bewährt hat, weil ich so unter dem Strich einfach mehr ‚schaffe‘, als wenn ich mich nur auf ganz wenige oder auch nur ein Buch am Tag konzentriere.

Mit viel Freude lese, höre und sehe ich mich im Moment durch den Kanon von Sherlock Homes von Sir Arthur Conan Doyle einmal von vorne bis hinten durch, was ich so vollständig und systematisch noch nie gemacht; auch wenn ich natürlich unzählige Filme, Hörspiele und andere Pastiche-Erzählungen immer mal wieder in meinem Leben genossen habe.
Im Vergleich finde ich hochinteressant, wie das Bild auf Holmes‘ Koprus durch die aktuellen Verfilmungen sich anders gestaltet, als es von Conan Doyle vermutlich gedacht war. So finde ich es bemerkenswert, dass kaum eine moderne Film- und auch andere Erzählung ohne Irène Adler auskommt, die offensichtlich die Phantasie der Autoren beflügelt und häufig als Holmes Geliebte dargestellt wird. Sicher, geschenkt, wenn ein Autor eine Figur in die Welt entlässt, hat sie jedes Recht ein Eigenleben zu entwickeln, auch wenn der Autor das so nicht vorgesehen hat. In diesem Fall Irène Adler ist das Missverhältnis aber besonders krass.
Nicht nur, dass heutzutage Irène Adler häufig als gleichberechtigte Figur neben Holmes eingeführt wird und fast immer sein Love Interest ist, was man ja gerne so machen kann, was aber nun sicherlich nicht von Conan Doyle so vorgesehen war. Denn bei ihm taucht Irène Adler gerade mal in einer einzigen Geschichte auf, auch wenn sie in dieser Geschichte eine der ganz wenigen Menschen (und dann auch noch eine Frau, was der Geschichte einer protofeministische Note gibt) ist, die Sherlock Homes sogar mal in einem geistigen Wettbewerb besiegt hat. Warum diese Figur aber sicherlich nicht so intendiert war, wie sie heute häufig eingesetzt wird, macht die Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“ mehr als deutlich: Nicht nur, dass Irène Adler wohl kurz nach der Geschichte bereits verstorben ist, nein, sie ist insbesondere deswegen nicht als Love Interest des großen Detektives geeignet, weil sie in dieser Geschichte einen in Verkleidung sich herumtreibenden Holmes dazu nötigt, Trauzeuge auf ihrer Hochzeit zu sein, auf welcher sie offensichtlich glücklich einen anderen Mann heiratet. Tja.
Noch eine amüsante Holmes-Beobachtung: Wir alle wissen, dass man Wikipedia und co. nicht immer trauen darf. In diesem Fall darf man zwar mal der offiziellen Wikipedia trauen, aber nicht der speziellen und ansonsten eigentlich sehr guten Sherlock Homes Wiki auf Deutsch, die sich eine bemerkenswerten Lapsus leistet. In der berühmte Geschichte „Die fünf Orangenkerne“, die für Sherlock Holmes eher unbefriedigend damit endet, dass die Täter auf hoher See untergehen, folgt die Zusammenfassung in der Holmes Wiki eben nicht der Conan Doyle-Geschichte, sondern ohne dies gesondert zu kennzeichnen, der Maritim-Vertonung(!), hier:
http://de.sherlockholmes.wikia.com/wiki/Die_f%C3%BCnf_Orangenkerne:_Inhaltsangabe
Die dort beschriebene Konfrontation zwischen Holmes und den Verbrechern im Finale findet nur im Hörspiel von Maritim statt, nicht in der Original-Geschichte. Der offizielle Wikipedia Eintrag gibt die Geschichte dahingegen korrekt wieder. Warum erzähle ich das hier und passe den Wiki-Eintrag nicht einfach an? Weil ich genug Erfahrung mit solchen Wiki-Admins gemacht habe, die stumpf-blockwartmäßig einfach jeder Änderung rückgängig machen, ohne sich in der Sache damit auseinander zu setzen.
Gerne werde ich weiter in Conan Doyles Werk weiter voranschreiten, wobei ich inzwischen die Verfilmungen zeitlich abgekoppelt habe, weil ich sonst nie damit zu Potte, geschweige denn hinterher kommen würde. Im Moment mache ich es so, dass ich mir jeweils eine Original-Geschichte von Steven Fry bei Audible vorlesen lasse, und dann die jeweiligen Hörspiele der BBC, des Imagination Theater (USA), sowie 2-3 deutsche Vertonungen mir anhöre, meist eine Radiovertonung (sofern vorhanden), sowie die Hörspiele von Maritim, Titania Medien oder WinterZeit.

Ich hatte auch schon mal erzählt, dass ich mich im Moment durch sämtliche fast 180 Edgar Wallace-Bücher durchlese. Nach gut 30 Bänden mache ich jetzt einmal eine Pause – verlasse aber den Namen Wallace nicht, sondern beschäftge mich jetzt mal mit den, nennen wir sie mal apokryphen Jugendbüchern, die es mit dem Namen Wallace auf dem Cover gibt.
Was hat es damit auf sich und wie komme ich darauf?
Schuld sind die neuen Hörspiele von Winterzeit Audio, die aktuell die sechs Jugendbücher, die in den Achtzigern verfasst von Dietmar Kuegler erschienen, vertonen. Durch diese Hörspiele zur Recherche angeregt, kam ich schließlich darauf, dass es in den Achtzigern sage und schreibe vier(!) verschiedene Jugendbuch-Serien gegeben hat, die sich mit dem Namen Edgar Wallace schmückten. Dazu kam es Anfang der 80er, weil zum einen der Name Edgar Wallace durch die ganzen TV-Wiederholungen der Rialto-Serie noch sehr populär war und wohl gerade die Schutzrechte für seinen Namen abgelaufen waren. Ferner waren in den Achtzigern Jugendkrimis mit einer Detektiv-Bande à la Die Drei Fragezeichen und TKKG schwer in Mode und höchst erfolgreich, so dass es wie bei Alfred Hitchcock bei den Drei ??? auch Edgar Wallace als eine Art Patron und Mentor für Jugenddetektive fungieren in solchen Geschichten durfte, was manchmal schon sich etwas bizarr liest und anhört. Während bei den eben schon erwähnten Werken von Dietmar Kuegler, die kürzlich beim Blitz Verlag gedruckt und als EBook wieder aufgelegt wurden, und wie gesagt, gerade aktuell bei Winterzeit vertont werden, sich ein Kriminalkommissar von den Werken von Edgar Wallace inspirieren lässt für seine Lösungen, gab es auch Reihen, in denen tatsächlich Jugendliche von Edgar Wallace selbst als Mentor unterstützt wurden, der teilweise als Geisterstimme in brenzligen Situationen Warnungen aussprach (eh?! Ja, so steht es geschrieben!) So unter anderem die Reihe Edgar Wallace und der Fall..von Felix Huby & co. , die es in den Achtzigern auf acht Bände brachte, von denen damals immerhin vier von Karussell vertont worden. Diese Hörspiele wurden Anfang 2000 von Universal auf CD neu aufgelegt und von den acht Abenteuern sind immerhin drei auch wieder als EBook erhältlich, wäre die restlichen fünf gedruckt nur gebraucht zu bekommen sind.
Ferner gab es noch eine Reihe Namens „Das silberne Dreieck“, die es immerhin auf 15 Bände gebracht hat, von welchen fünf inzwischen wieder als E-Book vorliegen, sowie schließlich eine Reihe namens „Edgar Wallace jagt das Phantom“, von denen ungefähr eine Handvoll Bände erschienen. Einen Teil davon hatte ich als Jugendlicher mal in der Hand, das weiß ich. Zu diesen immerhin vier Serien könnte man, wenn man wollte, noch einige der offiziellen Maritim Hörspiele zählen, denn deren 16 Edgar Wallace-Hörspiele wurden in vier Staffeln à vier Hörspiele aufgeteilt, mit jeweils wechselnden Helden und in einer dieser Staffeln ganz bewusst Jugendliche in die Handlungen der Originalromane hinein geschrieben. Sehr gekonnt und gelungen übrigens.

Da ich im Moment große Lust auf solche Jugendkrimis habe, und auch ehrlich gesagt, weil Edgar Wallace Romane so hinter einander sich schon etwas gleichförmig lesen, werde ich mir jetzt erst mal diese Jugendkrimis zu Gemüte führen, lesen und hören.

Wer es in diesem Artikel bis hierher geschafft hat, wird jetzt vermutlich mit den Augen rollen. Sherlock Homes, Edgar Wallace, kommt noch mal irgendwas anderes als, räusper, angestaubte Krimis? Tja, diese Art Krimis haben mich halt als Jugendlicher massiv geprägt, das hält bis heute an und fasziniert mich auch bis heute.

Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, im Moment habe ich auf zivile Krimis wenig Lust und lese lieber ein paar Military Thriller à la Tom Clancy, da ich mit Freude feststellen durfte, dass dessen letzte Werke, die er nach seinem Tod verfasste, Co-Autoren sei Dank, ziemlich gelungen sind. Einer der Co-Autoren heißt unter anderem Marc Greaney und weil mir dessen Bücher, die im Tom Clancy/Jack Ryan-Universum spielen, so gut gefallen haben, lese ich jetzt auch Solo Titel von ihm um seinen Helden Court Gentry, die zwar recht einfach gestrickte harte Action Thriller sind, aber durch ihre temporeiche Schreibe viel Spaß machen. Auch die Mitch Rapp-Romane von Vince Flynn, ebenfalls schon verstorben und durch das Wunder von Co-Autoren weiter aktiv, kann ich empfehlen, diese lesen sich äußerst kurzweilig und spannend, im Herbst kommt „American Assassin“ in die Kinos. Für Fans von Michael Moore und Edward Snowden ist das nichts, nur so als Warnung.
Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, auch von James Patterson komme ich irgendwie nicht los, auch wenn er häufig der Prügelknabe der arrivierte Kritik ist, was bei 8-9stelligen(!!!!) Jahreseinkommen ihn wohl aber nur wenig juckt. Kürzlich warb er selbst für seinen neuen Roman mit dem Slogan, dass dies sein bestes Buch seit 20 Jahren sei, worüber sich u.a. Stephen King in einem Tweet lustig machte. Eine solche Aussage von Patterson selbst wäre eigentlich mit Vorsicht zu genießen, festzustellen ist aber, dass das gemeinte „Black Book“ tatsächlich ein ausgesprochen spannender und mitreissender Polizei-Korruptions-Thriller war, den ich hier mit Nachdruck empfehlen kann.

Von meinem kürzlichen Besuch auf dem traditionsreichen Marburg Con habe ich mir drei Bücher mitgebracht, die ich jetzt erst mal hintereinander wech lese:

Das war zum einen „Fischmund“ von Uwe Voehl und Malte S. Sembten, eine eigentlich mal als Heftroman gedachte Horror-Novelle, die dann aber nicht veröffentlicht wurde, weil sie den inhaltlichen Kriterien eines Heftromans nicht entsprach, dazu hätte es u.a. mehr Action bedurft. Nun wurde sie als extrem edles Hartcover in der Edition CL von Erik Hansch posthum aufgelegt, denn Malte S. Sembten ist ja letztes Jahr leider verstorben, so dass dieses Buch auch ein wenig so etwas ist wie sein Vermächtnis. Die Novelle fängt ausgesprochen gut und atmosphärisch an, kann dieses hohe Niveau aber nicht bis zum Ende durchhalten, weil sich trotz erzählter Fremdbeeinflussung Probleme mit der Figurenmotivation einstellen und vor allem allzu sehr auf reichlich abgenutzte Lovecraft-Motive zurückgegriffen wird. Eine schöne Erinnerung an Malte ist dieser traumhaft gestaltete bibliophile Band aber trotzdem.

Ebenfalls aus Marburg mitgebracht hatte ich mir das Bändchen „Drei-Kapellen“ (wirklich mit Bindestrich geschrieben) von Arnold Drebeck und Jörg Kleudgen, in dessen Verlag Goblin Press der handgefertigte, sehr schöne Band auch erschienen ist. Diese Novelle stellt eine Hommage an die Filme von Dario Argento dar und spinnt in angenehm und vor allem kongenialen fieberhaften Tonfall einen Mythos (natürlich, was sonst) um den Mythos der Mütter-Trilogie (Suspira, Inferno, La Terza Madre) des großen italienischen Maestros.

Ebenfalls mitgebracht hatte ich mir noch einen Fantasy-Schmöker aus dem Verlag Torsten Low, den mir auf dem Con zwei der dort anwesenden Autoren, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, auch signiert haben. Der Band muss aber einen Moment warten, denn heute erschien der neue Roman von Michael Crichton, „Dragon Teeth“, der auf dem Cover mal wieder mit einem Saurier-Totenschädel aufwartet, aber kein Jurassic Park-Nachfolger ist, sondern eher ein Western aus der Frühzeit der Paläontologie Mitte des 19. Jahrhunderts. Als immer noch großer Fan von Michael Crichton bin ich sehr froh, dass der Autor sich nicht von seinem Tod vor knapp 10 Jahren hat abhalten lassen, immer mal wieder neue Romane zu veröffentlichen (dies ist bereits der dritte posthume Roman) und ich hoffe das sich in seiner Garage, seinem Dachboden, seinen Festplatten oder seinem Garten noch eine Menge Manuskripte auffinden lassen. Danach dann ist dieser eben erwähnte Fantasy-Schmöker namens „Herbstlande“ dran.

Damit verlassen wir für heute den Bereich der reinen Buchstaben und treten ein in das Reich der Buchstaben kombiniert mit Bildern, also Comics und Mangas.

Als Einzelband sehr empfehlen kann ich die Graphic Novel „Hieronymus Bosch“ von Marcel Ruijters, der das Leben des Hieronymus Bosch in eindrückliche Bilder fasst und auch nicht davor zurück schreckt, die schreckliche Zeit, in der er lebte, in prägnante und eindrückliche Panels zu fassen. Ein toller Band, gibt es auch als Kindle Version für Tablets.

Auch lese ich, schon aus Kostengründen, ganz gerne die als Graphic Novel zusammengefassten Sammelbände der großen US Comicverlage wie Marvel, DC und Image Comics und schließe so gerne Bildungslücken. So lese ich mich im Moment durch den Band „Wolverine – Old Man Logan“, um mich auf die Blu-Ray des Kinofilms „Logan“ vorzubereiten, der auch von einem alternativen, alten Wolverine berichtet. Grandios erzählt und gezeichnet – diese Stimmung dort! Ferner lese ich die Original „Luke Cage – Hero for Hire“ Comics von Anfang der Siebziger, als Blacksploitation ihre Blüte erlebte, um die Netflix-Serie um „Marvel’s Luke Cage“ noch einmal richtig angehen zu können, von der ich bisher nur wenige Folgen gesehen habe. Auch diese Bände machen sehr viel (rohen) Spaß. Schließlich schließe ich mal eine Origin-Bildungslücke um Peter Parker und lese die allerallerersten „Spider-Man“ Geschichten. Ja, die sind simpel gezeichnet und erzählt, machen aber durch viel Fantasie, Sprüche und Tempo enorm Laune. Ich überlege ernsthaft, hier erstmal weiter zu lesen, sind ja nur knapp 600 Bände (argh).

Bei aktuellen amerikanischen Comics kann ich im Moment insbesondere bei Superhelden die Serie „Hulk“ empfehlen, die nicht von dem traditionellen Hulk Dr. Bruce Banner handelt, sondern von She-Hulk Jennifer Walters (beruflich eine Kollegin von mir), eine in sehr ernsten Tonfall und auf hohem Niveau verfasste Serie, die eine sehr befriedigende Lektüre darstellt. Bruce Banner ist ja im Moment bei Marvel nach dem Secret War angeblich tot, bis zu seiner Rückkehr, handelt auch die aktuelle Reihe um einen männlichen Hulk, der „Totally Awesome Hulk“, nicht von Bruce Banner.

Ebenfalls Freude macht mir Moment der X-Men Relaunch, wo über diverse neue X-Men Serien mal wieder die Team-Kader durchgemischt werden und mit recht dynamischen Geschichten überzeugen. Ferner lese ich mich noch durch einige „Wonder Woman“ Origin Storys, von denen es diverse gibt, die man schon vom Namen her („Earth One“, „Year One“) kaum unterscheiden kann und mich entsprechend auf den großen Kinofilm vorzubereiten, auf welchen ich mich schon sehr freue. Früher wäre es mit obszönen Geldausgaben auf Trödelmärkten einher gegangen, heute kann man in der Comixology App völlig problemlos und für sehr wenig Geld zum Beispiel den aller ersten Wonder Woman Auftritt aus dem Dezember 1941(!) nachlesen, in welchem sie u.a. Adolf Hitler (der vom Mars beeinflusst schon mal vor Wut in einen Teppich beißt – großartig!) belauscht und bei einem Baseball-Game aushelfen muss. Kurz hintereinander, ist ja auch beides sehr wichtig.

Schließlich noch Mangas, hier lese ich im Moment zwei Serien bzw. Bände gleichzeitig. Nachdem Naoki Urasawas „20th Century Boys“ zum Besten gehörte, was ich in meinem Leben (nicht nur als Manga) gelesen habe, möchte ich auch seinen anderen Serien eine Chance geben und lese im Moment seinen älteren Hit „Monster“, eine Geschichte um einen japanischen Arzt in Deutschland der Achtziger Jahre, der einen Serienkiller jagt. Diese 18-bändige Serie erschien in den letzten Jahren in Amerika in neun großen Doppelbänden. Ich bin jetzt im zweiten Doppelband und erfreue mich wieder an den hohen Niveau und der brillanten Erzählkunst Uraswas. Ganz tolle Geschichte, echt. Lesen!

Dann habe ich mit der aktuellen Serie „One-Punch Man“ angefangen, die mich aufgrund ihrer Prämisse überzeugt: In Mangas, geht es wie in Comics allgemein ja häufig nur um das eine. Seitenweise, Seite um Seite um Seite – Kloppe und nochmals Kloppe. Diese Serie macht sich darüber lustig, indem sie einen Helden beschreibt, der mal so richtig, ja mal so ganz richtig trainiert hat und jedes Monster und jeden Gegner, egal wie groß und mächtig, mit einem einzigen Schlag umhaut, und wenn der Gegner hoch wie ein Berg ist und mit einem Schlag eine ganze Stadt plättet. Um diesen einen Schlag zu vermeiden tun Freund und Feind alles, und dies birgt sehr viel komisches Erzählpotenzial und macht viel Spaß. „One-Punch Man“ erscheint auf Deutsch bei Kazé Manga, leider nicht digital.

Soweit für heute mal, jetzt ist Schluss, ich will ja äh, nochmal was lesen heute.

Technisches Detail: Um längere Artikel verfassen und das zeitlich wuppen zu können habe ich mir angewöhnt, diese zu diktieren; geht recht gut, auch wenn es der Überarbeitung bedarf.

Professor Dr. Dr. Dr. van Dusen, die Denkmaschine

Gerne möchte ich hier mal meine Begeisterung für die Kriminalgeschichten mit Professor Dr. Dr. Dr. van Dusen teilen, die insbesondere im Hörspiel reüssieren.

Der von dem amerikanischen Journalisten Jacques Futrelle geschaffene Amateur-Kriminologe van Dusen ist sichtlich von Sherlock Homes inspiriert, aber, und das macht ihn interessant und lässt ihn aus der Masse heraus stechen, eine stark aufgebohrte Version von Sherlock Holmes. Nicht nur, dass van Dusen Holmes wohl geistig überlegen ist, weswegen er auch die „Denkmaschine“ genannt wird – insbesondere in seiner Selbstsicherheit ist er Holmes noch weit überlegen, was schon was heißen muss. In unserer heutigen Zeit der gebrochenen, ironisierten oder bescheidenen Helden ist es einfach eine herrliche Abwechslung, mal einen Helden zu hören, dessen ungebrochene, aufgeblasene Arroganz und Selbstüberzeugtheit keinerlei Grenzen kennt. Das entfaltet mehr Unterhaltungswert, als man glaubt.

Da der deutsche Hörspielmarkt sehr lebhaft ist, erscheint der gute Professor gleich in drei Serien:
1. Dass man heute überhaupt noch von dieser über 100 Jahre alten Figur spricht, liegt insbesondere daran, dass eine Radio Serie vom Rias Berlin (später Deutschlandradio Kultur) von Michael Koser aus den Jahren 1978 bis 1999 einen so guten Ruf hat, und es vor einigen Jahren Sebastian Pobot von Highscore Music endlich gelang, diese Serie aus einem komplizierten rechtlichen Dschungel zu befreien. Zwischen 2010-2015 erschienen zwölf der 77 damals ausgestrahlten Folgen auf CD und als Download, dann war leider erst mal Pause. Jetzt geht es nach über zwei Jahren Funkstille am morgigen Freitag weiter mit der 13. Folge „Wer stirbt schon gerne in Monte Carlo“, und dann hoffentlich in kürzerem zeitlichen Abstand, so dass man noch erleben darf, dass alle 77 Radio Hörspiele als CD oder Downloads wieder zugänglich sind; nachdem Fans viele Jahre vergeblich versucht hatten, ein Archiv aufzubauen und an rechtlichen Schwierigkeiten gescheitert waren. Die Neuveröffentlichungen enthalten als Bonus-Tracks noch Kommentare von Autor Koser und dem Regisseur.
2. Ebenfalls aus dem gleichen Haus kommen ganz neue Fälle mit Professor van Dusen mit offiziellem Segen und unter Mitarbeit von Michael Koser, der immerhin auch inzwischen auf die 80 zugeht. Hier erscheint im Mai bereits die zehnte Folge mit ganz neuen Abenteuern, wobei man sagen muss, dass schon die alte Radioserie sich nur in der ersten Handvoll Episoden an den Original-Vorlagen orientiert und dann eigene Geschichten erzählt hat. Trotzdem darf man dies als direkte Fortsetzung der Radio-Serie betrachten, auch wenn einige der Sprecher nicht mehr verfügbar oder sogar verstorben sind.
3. Schließlich erscheint bei der Romantruhe innerhalb deren Reihe „Sherlock Holmes und Co.“ neben Abenteuern von Doyles Sherlock Holmes und Edgar Allan Poes Figur Auguste Dupin auch noch Abenteuer von Professor van Dusen, die sich wiederum mehr an den Originalvorlagen von Futrelle orientieren sollen. Von den gut 30 Folgen dieser Reihe handeln immerhin 11 von Professor van Dusen bisher, so dass insgesamt fast 100 Hörspiele von ihm auf dem Markt sind.

Verfilmt wurde die Figur praktisch nur ganz selten (zwei Folgen innerhalb einer Reihe „Sherlock Holmes‘ Rivals“ aus den 70ern) und im englischen Sprachraum erschienen kaum Hörspiele von ihm. Kürzlich erschienen innerhalb einer Hörspielreihe der BBC4 namens The Rivals of Sherlock Holmes (die sich an die alte TV-Serie anlehnt) auch zwei van Dusen-Geschichten; die Reihe gibt es u.a. bei Audible.

Der Autor Jacques Futrelle, der aufgrund des Erfolges seiner Figur eine Journalisten-Laufbahn aufgeben und vom Schreiben leben konnte sorgte dafür, dass in kurzer Zeit von 1905-1912 gut 50 van Dusen Geschichten erschienen, von der Kurzgeschichte bis zum ausgewachsenen Roman. Dann starb der Autor leider viel zu früh mit nur 37 Jahren. Wie? Der letzte lebende Anblick, den seine spätere Witwe von ihm sah, war, dass er eine Zigarette mit dem berühmten John Jacob Astor rauchte. An Bord der Titanic, 30 Minuten vor ihrem Untergang am 15. April 1912. Einige neue van Dusen-Geschichten sind dabei mit untergegangen.

Hier einige Links:

Ein Kindle EBook mit wirklich fast allen van Dusen-Texten im Original:

Die Hörspiel-Reihen van Dusen Klassiker & neue Fälle erscheinen beide bei Maritim:
http://www.maritim-hoerspiele.de

Die Reihe Sherlock Holmes & co. erscheint bei der Romantruhe:
https://www.romantruhe.de/audio/krimi-und-thriller/sherlock-holmes-und-co/

Die beste Info-Seite ist diesmal wirklich die Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Professor_van_Dusen

Die offizielle Seite von Michael Koser (umfangreich, aber nicht ganz aktuell) gibt es hier:
http://www.profvandusen.com/

Und, schließlich, eine BBC-Verfilmung eine der ersten und besten van Dusen-Geschichten, „Das sicherste Gefängnis der Welt“, mit Holmes-Darsteller Douglas Wilmer als Van Dusen aus den frühen 70ern:

Und immer daran denken: 2 + 2 ergibt immer 4!