Comics

Ich lese gerade

Vorrede
Fangen wir zwei Mal mit dem Wort eigentlich an. Eigentlich sitze ich schon sehr lange an einem großen Artikel über Hörspiele, dieser wird und wird aber einfach nicht fertig. Ferner hatte ich eigentlich mehr eine Kolumne à la „Olis Kulturnotizen“ mal vor, um die Bereiche Musik, Film und Buch gleichberechtigt abbilden zu können, jetzt ist doch wieder nur ein Leseschwerpunkt daraus geworden, was vielleicht aber auch nicht so schlimm ist, da ich ja immer mal wieder auch Filmkurzkritiken schreibe und zumindest auf Facebook immer mal wieder auf interessante Musikerzeugnisse aus meinen präferierten Genres (Hip Hop, Metal, Electronica) hinweise.

Also, was lese ich im Moment?

Nach wie vor halte ich es so, dass ich diverses nebeneinander lese, was sich sehr bewährt hat, weil ich so unter dem Strich einfach mehr ‚schaffe‘, als wenn ich mich nur auf ganz wenige oder auch nur ein Buch am Tag konzentriere.

Mit viel Freude lese, höre und sehe ich mich im Moment durch den Kanon von Sherlock Homes von Sir Arthur Conan Doyle einmal von vorne bis hinten durch, was ich so vollständig und systematisch noch nie gemacht; auch wenn ich natürlich unzählige Filme, Hörspiele und andere Pastiche-Erzählungen immer mal wieder in meinem Leben genossen habe.
Im Vergleich finde ich hochinteressant, wie das Bild auf Holmes‘ Koprus durch die aktuellen Verfilmungen sich anders gestaltet, als es von Conan Doyle vermutlich gedacht war. So finde ich es bemerkenswert, dass kaum eine moderne Film- und auch andere Erzählung ohne Irène Adler auskommt, die offensichtlich die Phantasie der Autoren beflügelt und häufig als Holmes Geliebte dargestellt wird. Sicher, geschenkt, wenn ein Autor eine Figur in die Welt entlässt, hat sie jedes Recht ein Eigenleben zu entwickeln, auch wenn der Autor das so nicht vorgesehen hat. In diesem Fall Irène Adler ist das Missverhältnis aber besonders krass.
Nicht nur, dass heutzutage Irène Adler häufig als gleichberechtigte Figur neben Holmes eingeführt wird und fast immer sein Love Interest ist, was man ja gerne so machen kann, was aber nun sicherlich nicht von Conan Doyle so vorgesehen war. Denn bei ihm taucht Irène Adler gerade mal in einer einzigen Geschichte auf, auch wenn sie in dieser Geschichte eine der ganz wenigen Menschen (und dann auch noch eine Frau, was der Geschichte einer protofeministische Note gibt) ist, die Sherlock Homes sogar mal in einem geistigen Wettbewerb besiegt hat. Warum diese Figur aber sicherlich nicht so intendiert war, wie sie heute häufig eingesetzt wird, macht die Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“ mehr als deutlich: Nicht nur, dass Irène Adler wohl kurz nach der Geschichte bereits verstorben ist, nein, sie ist insbesondere deswegen nicht als Love Interest des großen Detektives geeignet, weil sie in dieser Geschichte einen in Verkleidung sich herumtreibenden Holmes dazu nötigt, Trauzeuge auf ihrer Hochzeit zu sein, auf welcher sie offensichtlich glücklich einen anderen Mann heiratet. Tja.
Noch eine amüsante Holmes-Beobachtung: Wir alle wissen, dass man Wikipedia und co. nicht immer trauen darf. In diesem Fall darf man zwar mal der offiziellen Wikipedia trauen, aber nicht der speziellen und ansonsten eigentlich sehr guten Sherlock Homes Wiki auf Deutsch, die sich eine bemerkenswerten Lapsus leistet. In der berühmte Geschichte „Die fünf Orangenkerne“, die für Sherlock Holmes eher unbefriedigend damit endet, dass die Täter auf hoher See untergehen, folgt die Zusammenfassung in der Holmes Wiki eben nicht der Conan Doyle-Geschichte, sondern ohne dies gesondert zu kennzeichnen, der Maritim-Vertonung(!), hier:
http://de.sherlockholmes.wikia.com/wiki/Die_f%C3%BCnf_Orangenkerne:_Inhaltsangabe
Die dort beschriebene Konfrontation zwischen Holmes und den Verbrechern im Finale findet nur im Hörspiel von Maritim statt, nicht in der Original-Geschichte. Der offizielle Wikipedia Eintrag gibt die Geschichte dahingegen korrekt wieder. Warum erzähle ich das hier und passe den Wiki-Eintrag nicht einfach an? Weil ich genug Erfahrung mit solchen Wiki-Admins gemacht habe, die stumpf-blockwartmäßig einfach jeder Änderung rückgängig machen, ohne sich in der Sache damit auseinander zu setzen.
Gerne werde ich weiter in Conan Doyles Werk weiter voranschreiten, wobei ich inzwischen die Verfilmungen zeitlich abgekoppelt habe, weil ich sonst nie damit zu Potte, geschweige denn hinterher kommen würde. Im Moment mache ich es so, dass ich mir jeweils eine Original-Geschichte von Steven Fry bei Audible vorlesen lasse, und dann die jeweiligen Hörspiele der BBC, des Imagination Theater (USA), sowie 2-3 deutsche Vertonungen mir anhöre, meist eine Radiovertonung (sofern vorhanden), sowie die Hörspiele von Maritim, Titania Medien oder WinterZeit.

Ich hatte auch schon mal erzählt, dass ich mich im Moment durch sämtliche fast 180 Edgar Wallace-Bücher durchlese. Nach gut 30 Bänden mache ich jetzt einmal eine Pause – verlasse aber den Namen Wallace nicht, sondern beschäftge mich jetzt mal mit den, nennen wir sie mal apokryphen Jugendbüchern, die es mit dem Namen Wallace auf dem Cover gibt.
Was hat es damit auf sich und wie komme ich darauf?
Schuld sind die neuen Hörspiele von Winterzeit Audio, die aktuell die sechs Jugendbücher, die in den Achtzigern verfasst von Dietmar Kuegler erschienen, vertonen. Durch diese Hörspiele zur Recherche angeregt, kam ich schließlich darauf, dass es in den Achtzigern sage und schreibe vier(!) verschiedene Jugendbuch-Serien gegeben hat, die sich mit dem Namen Edgar Wallace schmückten. Dazu kam es Anfang der 80er, weil zum einen der Name Edgar Wallace durch die ganzen TV-Wiederholungen der Rialto-Serie noch sehr populär war und wohl gerade die Schutzrechte für seinen Namen abgelaufen waren. Ferner waren in den Achtzigern Jugendkrimis mit einer Detektiv-Bande à la Die Drei Fragezeichen und TKKG schwer in Mode und höchst erfolgreich, so dass es wie bei Alfred Hitchcock bei den Drei ??? auch Edgar Wallace als eine Art Patron und Mentor für Jugenddetektive fungieren in solchen Geschichten durfte, was manchmal schon sich etwas bizarr liest und anhört. Während bei den eben schon erwähnten Werken von Dietmar Kuegler, die kürzlich beim Blitz Verlag gedruckt und als EBook wieder aufgelegt wurden, und wie gesagt, gerade aktuell bei Winterzeit vertont werden, sich ein Kriminalkommissar von den Werken von Edgar Wallace inspirieren lässt für seine Lösungen, gab es auch Reihen, in denen tatsächlich Jugendliche von Edgar Wallace selbst als Mentor unterstützt wurden, der teilweise als Geisterstimme in brenzligen Situationen Warnungen aussprach (eh?! Ja, so steht es geschrieben!) So unter anderem die Reihe Edgar Wallace und der Fall..von Felix Huby & co. , die es in den Achtzigern auf acht Bände brachte, von denen damals immerhin vier von Karussell vertont worden. Diese Hörspiele wurden Anfang 2000 von Universal auf CD neu aufgelegt und von den acht Abenteuern sind immerhin drei auch wieder als EBook erhältlich, wäre die restlichen fünf gedruckt nur gebraucht zu bekommen sind.
Ferner gab es noch eine Reihe Namens „Das silberne Dreieck“, die es immerhin auf 15 Bände gebracht hat, von welchen fünf inzwischen wieder als E-Book vorliegen, sowie schließlich eine Reihe namens „Edgar Wallace jagt das Phantom“, von denen ungefähr eine Handvoll Bände erschienen. Einen Teil davon hatte ich als Jugendlicher mal in der Hand, das weiß ich. Zu diesen immerhin vier Serien könnte man, wenn man wollte, noch einige der offiziellen Maritim Hörspiele zählen, denn deren 16 Edgar Wallace-Hörspiele wurden in vier Staffeln à vier Hörspiele aufgeteilt, mit jeweils wechselnden Helden und in einer dieser Staffeln ganz bewusst Jugendliche in die Handlungen der Originalromane hinein geschrieben. Sehr gekonnt und gelungen übrigens.

Da ich im Moment große Lust auf solche Jugendkrimis habe, und auch ehrlich gesagt, weil Edgar Wallace Romane so hinter einander sich schon etwas gleichförmig lesen, werde ich mir jetzt erst mal diese Jugendkrimis zu Gemüte führen, lesen und hören.

Wer es in diesem Artikel bis hierher geschafft hat, wird jetzt vermutlich mit den Augen rollen. Sherlock Homes, Edgar Wallace, kommt noch mal irgendwas anderes als, räusper, angestaubte Krimis? Tja, diese Art Krimis haben mich halt als Jugendlicher massiv geprägt, das hält bis heute an und fasziniert mich auch bis heute.

Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, im Moment habe ich auf zivile Krimis wenig Lust und lese lieber ein paar Military Thriller à la Tom Clancy, da ich mit Freude feststellen durfte, dass dessen letzte Werke, die er nach seinem Tod verfasste, Co-Autoren sei Dank, ziemlich gelungen sind. Einer der Co-Autoren heißt unter anderem Marc Greaney und weil mir dessen Bücher, die im Tom Clancy/Jack Ryan-Universum spielen, so gut gefallen haben, lese ich jetzt auch Solo Titel von ihm um seinen Helden Court Gentry, die zwar recht einfach gestrickte harte Action Thriller sind, aber durch ihre temporeiche Schreibe viel Spaß machen. Auch die Mitch Rapp-Romane von Vince Flynn, ebenfalls schon verstorben und durch das Wunder von Co-Autoren weiter aktiv, kann ich empfehlen, diese lesen sich äußerst kurzweilig und spannend, im Herbst kommt „American Assassin“ in die Kinos. Für Fans von Michael Moore und Edward Snowden ist das nichts, nur so als Warnung.
Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, auch von James Patterson komme ich irgendwie nicht los, auch wenn er häufig der Prügelknabe der arrivierte Kritik ist, was bei 8-9stelligen(!!!!) Jahreseinkommen ihn wohl aber nur wenig juckt. Kürzlich warb er selbst für seinen neuen Roman mit dem Slogan, dass dies sein bestes Buch seit 20 Jahren sei, worüber sich u.a. Stephen King in einem Tweet lustig machte. Eine solche Aussage von Patterson selbst wäre eigentlich mit Vorsicht zu genießen, festzustellen ist aber, dass das gemeinte „Black Book“ tatsächlich ein ausgesprochen spannender und mitreissender Polizei-Korruptions-Thriller war, den ich hier mit Nachdruck empfehlen kann.

Von meinem kürzlichen Besuch auf dem traditionsreichen Marburg Con habe ich mir drei Bücher mitgebracht, die ich jetzt erst mal hintereinander wech lese:

Das war zum einen „Fischmund“ von Uwe Voehl und Malte S. Sembten, eine eigentlich mal als Heftroman gedachte Horror-Novelle, die dann aber nicht veröffentlicht wurde, weil sie den inhaltlichen Kriterien eines Heftromans nicht entsprach, dazu hätte es u.a. mehr Action bedurft. Nun wurde sie als extrem edles Hartcover in der Edition CL von Erik Hansch posthum aufgelegt, denn Malte S. Sembten ist ja letztes Jahr leider verstorben, so dass dieses Buch auch ein wenig so etwas ist wie sein Vermächtnis. Die Novelle fängt ausgesprochen gut und atmosphärisch an, kann dieses hohe Niveau aber nicht bis zum Ende durchhalten, weil sich trotz erzählter Fremdbeeinflussung Probleme mit der Figurenmotivation einstellen und vor allem allzu sehr auf reichlich abgenutzte Lovecraft-Motive zurückgegriffen wird. Eine schöne Erinnerung an Malte ist dieser traumhaft gestaltete bibliophile Band aber trotzdem.

Ebenfalls aus Marburg mitgebracht hatte ich mir das Bändchen „Drei-Kapellen“ (wirklich mit Bindestrich geschrieben) von Arnold Drebeck und Jörg Kleudgen, in dessen Verlag Goblin Press der handgefertigte, sehr schöne Band auch erschienen ist. Diese Novelle stellt eine Hommage an die Filme von Dario Argento dar und spinnt in angenehm und vor allem kongenialen fieberhaften Tonfall einen Mythos (natürlich, was sonst) um den Mythos der Mütter-Trilogie (Suspira, Inferno, La Terza Madre) des großen italienischen Maestros.

Ebenfalls mitgebracht hatte ich mir noch einen Fantasy-Schmöker aus dem Verlag Torsten Low, den mir auf dem Con zwei der dort anwesenden Autoren, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, auch signiert haben. Der Band muss aber einen Moment warten, denn heute erschien der neue Roman von Michael Crichton, „Dragon Teeth“, der auf dem Cover mal wieder mit einem Saurier-Totenschädel aufwartet, aber kein Jurassic Park-Nachfolger ist, sondern eher ein Western aus der Frühzeit der Paläontologie Mitte des 19. Jahrhunderts. Als immer noch großer Fan von Michael Crichton bin ich sehr froh, dass der Autor sich nicht von seinem Tod vor knapp 10 Jahren hat abhalten lassen, immer mal wieder neue Romane zu veröffentlichen (dies ist bereits der dritte posthume Roman) und ich hoffe das sich in seiner Garage, seinem Dachboden, seinen Festplatten oder seinem Garten noch eine Menge Manuskripte auffinden lassen. Danach dann ist dieser eben erwähnte Fantasy-Schmöker namens „Herbstlande“ dran.

Damit verlassen wir für heute den Bereich der reinen Buchstaben und treten ein in das Reich der Buchstaben kombiniert mit Bildern, also Comics und Mangas.

Als Einzelband sehr empfehlen kann ich die Graphic Novel „Hieronymus Bosch“ von Marcel Ruijters, der das Leben des Hieronymus Bosch in eindrückliche Bilder fasst und auch nicht davor zurück schreckt, die schreckliche Zeit, in der er lebte, in prägnante und eindrückliche Panels zu fassen. Ein toller Band, gibt es auch als Kindle Version für Tablets.

Auch lese ich, schon aus Kostengründen, ganz gerne die als Graphic Novel zusammengefassten Sammelbände der großen US Comicverlage wie Marvel, DC und Image Comics und schließe so gerne Bildungslücken. So lese ich mich im Moment durch den Band „Wolverine – Old Man Logan“, um mich auf die Blu-Ray des Kinofilms „Logan“ vorzubereiten, der auch von einem alternativen, alten Wolverine berichtet. Grandios erzählt und gezeichnet – diese Stimmung dort! Ferner lese ich die Original „Luke Cage – Hero for Hire“ Comics von Anfang der Siebziger, als Blacksploitation ihre Blüte erlebte, um die Netflix-Serie um „Marvel’s Luke Cage“ noch einmal richtig angehen zu können, von der ich bisher nur wenige Folgen gesehen habe. Auch diese Bände machen sehr viel (rohen) Spaß. Schließlich schließe ich mal eine Origin-Bildungslücke um Peter Parker und lese die allerallerersten „Spider-Man“ Geschichten. Ja, die sind simpel gezeichnet und erzählt, machen aber durch viel Fantasie, Sprüche und Tempo enorm Laune. Ich überlege ernsthaft, hier erstmal weiter zu lesen, sind ja nur knapp 600 Bände (argh).

Bei aktuellen amerikanischen Comics kann ich im Moment insbesondere bei Superhelden die Serie „Hulk“ empfehlen, die nicht von dem traditionellen Hulk Dr. Bruce Banner handelt, sondern von She-Hulk Jennifer Walters (beruflich eine Kollegin von mir), eine in sehr ernsten Tonfall und auf hohem Niveau verfasste Serie, die eine sehr befriedigende Lektüre darstellt. Bruce Banner ist ja im Moment bei Marvel nach dem Secret War angeblich tot, bis zu seiner Rückkehr, handelt auch die aktuelle Reihe um einen männlichen Hulk, der „Totally Awesome Hulk“, nicht von Bruce Banner.

Ebenfalls Freude macht mir Moment der X-Men Relaunch, wo über diverse neue X-Men Serien mal wieder die Team-Kader durchgemischt werden und mit recht dynamischen Geschichten überzeugen. Ferner lese ich mich noch durch einige „Wonder Woman“ Origin Storys, von denen es diverse gibt, die man schon vom Namen her („Earth One“, „Year One“) kaum unterscheiden kann und mich entsprechend auf den großen Kinofilm vorzubereiten, auf welchen ich mich schon sehr freue. Früher wäre es mit obszönen Geldausgaben auf Trödelmärkten einher gegangen, heute kann man in der Comixology App völlig problemlos und für sehr wenig Geld zum Beispiel den aller ersten Wonder Woman Auftritt aus dem Dezember 1941(!) nachlesen, in welchem sie u.a. Adolf Hitler (der vom Mars beeinflusst schon mal vor Wut in einen Teppich beißt – großartig!) belauscht und bei einem Baseball-Game aushelfen muss. Kurz hintereinander, ist ja auch beides sehr wichtig.

Schließlich noch Mangas, hier lese ich im Moment zwei Serien bzw. Bände gleichzeitig. Nachdem Naoki Urasawas „20th Century Boys“ zum Besten gehörte, was ich in meinem Leben (nicht nur als Manga) gelesen habe, möchte ich auch seinen anderen Serien eine Chance geben und lese im Moment seinen älteren Hit „Monster“, eine Geschichte um einen japanischen Arzt in Deutschland der Achtziger Jahre, der einen Serienkiller jagt. Diese 18-bändige Serie erschien in den letzten Jahren in Amerika in neun großen Doppelbänden. Ich bin jetzt im zweiten Doppelband und erfreue mich wieder an den hohen Niveau und der brillanten Erzählkunst Uraswas. Ganz tolle Geschichte, echt. Lesen!

Dann habe ich mit der aktuellen Serie „One-Punch Man“ angefangen, die mich aufgrund ihrer Prämisse überzeugt: In Mangas, geht es wie in Comics allgemein ja häufig nur um das eine. Seitenweise, Seite um Seite um Seite – Kloppe und nochmals Kloppe. Diese Serie macht sich darüber lustig, indem sie einen Helden beschreibt, der mal so richtig, ja mal so ganz richtig trainiert hat und jedes Monster und jeden Gegner, egal wie groß und mächtig, mit einem einzigen Schlag umhaut, und wenn der Gegner hoch wie ein Berg ist und mit einem Schlag eine ganze Stadt plättet. Um diesen einen Schlag zu vermeiden tun Freund und Feind alles, und dies birgt sehr viel komisches Erzählpotenzial und macht viel Spaß. „One-Punch Man“ erscheint auf Deutsch bei Kazé Manga, leider nicht digital.

Soweit für heute mal, jetzt ist Schluss, ich will ja äh, nochmal was lesen heute.

Technisches Detail: Um längere Artikel verfassen und das zeitlich wuppen zu können habe ich mir angewöhnt, diese zu diktieren; geht recht gut, auch wenn es der Überarbeitung bedarf.

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Gelesen: Dark Knight – A True Batman Story von Paul Dini

Dark Night: A True Batman StoryDark Night: A True Batman Story by Paul Dini
My rating: 5 of 5 stars

Autor und Batman-Zeichner Paul Dini verarbeitet in diesem Roman einen brutalen Raubüberfall auf sich, den er nur durch viel Glück überlebt habt. Die Geschichte changiert somit zwischen imaginrären und vor allem autobiographischen Teilen aus dem Leben und der Arbeit des Zeichners. Gefühlvoll, vielschichtig, drängend, bitter, unheimlich, zeichnerisch brillant, viel besser hätte man das fast nicht umsetzen können. Am Ende gewinnt der Autor so viel Stärke zurück, dass es ihm sogar gelingt, die zynischen Sirenen-Gesänge der vielen Batman-Bösewichte zurück zu drängen – und für sich zu nutzen.

Eine Graphic Novel als schierer Triumph.

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Film, Buch und Musik

Vieles könnte ich seit dem letzten Blogeintrag erzählen, lange Rezensionen schreiben, aufwändig verlinken und Clips und Bilder einbinden..wir wissen schon, das wird aus Zeitgründen so einfach nicht passieren.

Machen wir das anders.

Keine fancy Bilder und Verlinkungen. Keine megalangen Reviews und Berichte zu jedem einzelnen Film, Buch oder Album. Machen wir einen gerafften Artikel mit teilweise nur Ein-Satz Erwähnungen; ich hoffe, interessierte Leserinnen und Leser können sich trotzdem heraus ziehen, was für sie wichtig ist.

Film

Gesehen habe ich die neue deutsche Blu Ray von „The Punisher (1989)“ mit Dolph Lundgren. So gut sah der noch nie aus und der altert hervorragend mit seinem kompromisslos hohen Body-Count, den wunderbar dynamisch und rhythmisch montierten Action-Szenen und einem Dolph Lundgren in Bestform. Gleichzeitig deckt die Blu-Ray aber auch die Schwächen des Films auf. Mangels Budget kann man von einer stringenten visuellen Gestaltung kaum sprechen und insbesondere das mangelnde Beleuchtungskonzept („Alles hell und zu sehen? Roll Camera!“) sieht gerade auf BD unschön aus. Sieht man den Film erneut, ist die ungeschnittene FSK 16-Freigabe durchaus verständlich. Trotz hohem Bodycount und viel Filmblut ist der tatsächlich doch harmloser, als man ihn in Erinnerung hatte. Nichtsdestotrotz: Sehr schönes Wiedersehen!

Hochamt für Horror-Fans: Fede Alvarez aus Uruguay hat einen Run: Schon sein „Evil Dead“-Remake war in seiner kompromisslosen Härte und einem enormen Tempo ein Highlight, nun hat er einen Home Invasion-Thriller inszeniert, der exzellente Kritiken bekam und so stark in den US-Kinos abräumte, dass er zwei Wochen die Nr.1-Position verteidigen konnte, das schafft fast kein Horror-Film. „ Don’t Breathe“ schon. Ich bin sehr gespannt darauf.

Ansonsten plane ich demnächst eine Howard Hawks-Filmreihe, sowie eine Reihe mit deutschen Abenteuerfilmen mit einem Schwerpunkt auf den drei Zweiteilern um das „Indische Grabmal“, also die Verfilmungen von 1920, 1938 und 1957/58. Sowie einige andere Abenteuer-Filme, darunter zwei Karl May-Verfilmungen aus den 50ern- entstanden also zeitlich noch vor der Rialto-Reihe mit Pierre Briece & co..

Buch

Gelesen habe ich die Novelle „The Ballad of Ballard and Sandrine“, eine erotisch aufgeladene Afrika-Phantasie von Peter Straub, der für mich gegen Ende die Luft ausging. Habe ich das Ende kapiert? Ich weiß es nicht. Ebenfalls nicht völlig überzeugen konnte mich die bei Tor.com veröffentlichte Kurzgeschichte „The Weight of Memories“ von Liu Cixin, die sich um genetisch vererbte Fähigkeiten dreht und ein bitteres Ende aufweist. Nun lese ich gerade ebenfalls von Tor.com „A Dead Djinn in Cairo“ von P. Djeli Clark, eine Ermittler-Story um, na, siehe Titel.

Ich bin ja mitten drin in einer Edgar Wallace-Komplettlesereihe (14 down, noch ca. 165 to go) und lese gerade mit großem Vergnügen „Private Selby“ aus dem Jahr 1912, eine Proto-Alternative History um eine Invasion Englands durch eine mitteleuropäische Herrscherin – mit Luftschiffangriff auf London und was man noch so braucht. Sehr nett. Etwas ins Stocken geraten bin ich mit meiner Shakespeare-Reihe und hänge im Moment mitten in „Richard III“ – da fehlt mir leider häufig doch die Muße um mich darauf hochkonzentriert einlassen zu können.

Gut voran komme ich dafür mit zwei Kolportage-Romanen, nach wie vor mit dem „Waldröschen (1882-1884)“ von Karl May, das ich schon mehrfach erwähnt habe, sowie mit „Detektiv Nobody (1904/1905)“ von Robert Kraft. Ich habe dieses Jahr den Kolportage-Roman so richtig für mich entdeckt und finde es ganz wunderbar, wie in dieser Textform die Handlung vor sich hin mäandert und mal hierhin und mal dorthin springt. Für Leser wie mich, die bei streng durchgeplotteten Romanen vor Langeweile vergehen, ist das eine Wohltat.

Für den Rest des Jahres plane ich noch zu lesen die Kurzgeschichtenbände von Ted Chiang und Ken Liu, sowie einen kleinen Karl May-Schwerpunkt mit der neu gestarteten Serie „Karl Mays magsicher Orient“ (Kara Ben Nemsi in einem Fantasy-Setting – ich kann es kaum abwarten) aus dem Karl May Verlag, sowie aus dem Blitz-Verlag die moderne Fortschreibung „Karl Mays Kara Ben Nemsi“ von G.G.Gradt. Mit viel Glück und Zeit komme ich ggf. noch im Herbst zu „Doktor Faustus“ von Thomas Mann und plane jetzt kurzfristig, den neuen Roman von Connie Willis namens „Crosstalk“ zu lesen. Eine romantische Komödie um eine Technologie, die den anderen seine eigenen Gefühle spüren lässt, wenn man das möchte. Romantische Komödien sind nun nicht unbedingt mein lesetechnisches Kerngebiet, dieser Autorin folge ich aber gerne überall hin, schon immer.

An der Comic-Front habe ich mit „Dark Night: A True Batman Story“ von Paul Dini begonnen und finde die Zeichnungen brillant, sowie die Idee so bedrückend wie genial: Erfolgreicher Batman-Zeichner verarbeitet mit einem autobiographischen Batman-Comic einen brutalen Überfall auf sich.

Im Bereich Manga habe ich mich mal an der Bestseller-Serie „Tokyo Ghoul“ von Sui Ishida versucht und musste mir eingestehen, dass das nichts für mich ist; klar, das ist eher für Teenies konzipiert, aber diese Ghoul-Story mit Vampir-Handlungsmechanismen konnte mich einfach nicht packen. Jetzt versuche ich mich an dem Sindbad-Manga „Magi: The Labyrinth of Magic“ von Shinobu Othaka.

Auf meinem Zeitschriftenstapel liegt noch die neue SOL, sowie diverse US-Storymagazine.

Musik

Fangen wir mit meiner einen großen Vorliebe Metal an.

Die neuen Langrillen „Decision Day“ von Sodom (geht gut nach vorne los) und „Rapid Foray“ von Running Wild (bei allem Geläster immer über diese Band – das neue Album kann was!) habe ich gerne gekauft und höre sie viel.

Ebenfalls eine Freude ist mal wieder die neue von Equlibrium namens „Armageddon“ mit vielen hymnischen Tracks, sowie die neue Tarja-Scheibe „Thy Shadow Self“. Letztere hat mich sogar sehr positiv überrascht, denn die vor einigen Wochen veröffentlichte Tarja-EP konnte mich nicht so überzeugen. Wenn wir schon bei Damen sind, ganz wunderbar sind zwei neue Scheiben von zwei Eine-Frau-Metal Bands, diese beiden Tipps kommen von mir wirklich von Herzen: Das neue Darkher-Album „Realms“, sowie das Live-Album „Mausoleum“ von Myrkur. Ganz tolle, berückende Scheiben.

 Nach der großartigen Vorab-Single „Downshifter“ freue ich mich sehr auf „Wanderer“, das neue Album von Heaven Shall Burn. Bis dahin halte ich mich mit den richtig guten Schweizer New Metal-Jungs von Breakdown of Sanitiy über Wasser, deren Album „Coexistence“ herrlich druckvoll ausgefallen ist.

Vor zwei Jahren war „Phobos Monolith“ von Mare Cognitum mein Album des Jahres. Dementsprechend gespannt war ich auf den dieses Wochenende veröffentlichten Nachfolger „Luminiferous Aether“. Tja, einige tolle Momente, muss ich mich vielleicht noch mehr einhören, ja, so formuliert man Zurückhaltung..

Für Freunde etwas „obskurerer“ Bands habe ich Revelation im Angebot. So heißen diverse Bands, ich meine ein weißrussisches Duo, das eine tollte Mischung aus Gothic und Doom spielt, garniert mit schwarmetallischem Dungeon Synth-Sound. Toll. Die nicht sehr produktiven Jungs haben in gut 17 Jahren bisher vier Alben rausgehauen, gibt es alle auf Bandcamp, das gerade wieder veröffentlichte, wirklich tolle Debüt heißt „Expulsion from Paradise“.

Ansonsten wolle ich noch sagen: Meine Metal-Single des Jahres ist und bleibt „Nores Sorte Himmel“ von Nordjevel vom selbstbetitelten Album.

Hip Hop

Herrlicher Old School 90er-Hip Hop mit Wu-Tang Clan Gästen, gefällt mir sehr: “Lost Scrolls” von Hermetic Order.  

Und aus Deutschland? Natürlich habe ich mir auch „Fanpost 2“ von Kollegah angehört und obwohl man als Fan natürlich dankbar ist für einen neuen, aufwändigen 18-Minuten-Brocken, bleibt die Frage natürlich schon: Tat das wirklich Not? In der Länge? Mit so viel Tiefkühlgemüse (und ich gehöre immerhin noch zu denen, die über Fler-Karottenwitze noch lachen können)? Man kann es sehen, wie man will, aber Fler hat von dem Track sogar profitiert: Der Hype um das Ding half sicher dabei, sein neues Album „Vibe“ von der Null auf die Eins zu katapultieren. Auch wenn das nicht unverdient ist, das Album ist ziemlich gut. Wie auch Kay Ones neues Album „Der Junge von Damals“, welches neben einigem Müll auch wieder einige technisch abenteuerlich gute Abrissbirnen enthält.

Ebenfalls ganz nett zu hören ist das brandneue „Zurück zur Straße“ von Alpa Gun. Nach einigem echten Vorspul-Material kommt das Album erst so ab der Hälfte in Fahrt – dann aber so richtig. Und besten Dank an Alpa Gun für einen Disss der 187-Straßenbande – der hysterische, unreflektierte Hype um die Kerle ist mir einfach ein Rätsel. Mir gehen deren raue Hafenstraßen-Stimmen eher auf den Sack.
 
Vermischtes 

Hier noch ein paar Tips, die oben nicht reinpassen. Ich habe eine Schwäche für Dark Ambient mit langen, unheimlichen Klangflächen. Toll in dem Bereich sind Flowers for Bodysnatchers mit ihren Alben über den magischen japanischen Wald „Aokigahara“ und der Nachfolger „ Love Like Blood“, der den Tokyoter Untergrund musikalisch erkundet. Großes Tennis! 

Beauty of Gemina machen auf „Minor Sun“ klassischen Gothic Rock/Pop, einige der Stücke gefallen mir sehr. So wie das neue Art-Rock Album von Russian Circles namens „Guidance“; einfach mal „Calla“ probieren. Toll!

Last but not least: Die romantischste Interview-Aussage, die ich je von einer Frau gehört habe, ist, dass sie abends im Wohnzimmer die Musik aus der „Ultima“-Serie (Rollenspiel auf dem C-64 aus der 80ern) spielt. Die Rede ist von Michelle Sternberger, die als ComputeHer Chiptune-Musik macht. Ihr neues Album „Bliptastic“ ist soundtechnisch deutlich aufwändiger produziert und enthält fast zu viel Wumms, einige Tracks sind aber sehr gelungen. Sternberger hat ihren Mann über diese Art Musik kennen gelernt, zusammen nennen sie sich „8 Bit Weapon“ – auch da ist ein neues Album mal fällig, bitte.

Soweit für heute. Demnächst dann vielleicht mal wieder geordneter mit mehr Links und Lametta und länger und so. Vielleicht aber auch nicht. Ich experimentiere lieber etwas mit der Form und blogge was, bevor ich das Blog nochmal wieder einmotten muss, weil ich nicht hinterher komme. Ihr könnt ja mal schreiben, ob Ihr mit solchen Sammelartikeln zurecht kommt und mit denen etwas anfängen könnt, wenn Ihr mögt.