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Olis Kulturnotizen

Film: Blade Runer 2049 – Trailer-Jubiläum – Hörspiel: John Sinclair: Brandmal – Games: Red Dead Redemption – Musik: Tangerine Dream, JGB 3, Wolves in the Throne Room

Zunächst mal eine allgemeine Bemerkung. Jede Generation sucht sich ihre eigenen kulturellen Beschäftigungen und neue Formen sorgen häufig für Unverständnis bei den Altvorderen. Das war schon immer so. Da ich zu einer Generation gehöre, die anders als die Generationen davor nicht gewisse Verhaltensweisen und Hobbys aus der Jugend mit 30 Jahren abgelegt hat, weil man dann „zu erwachsen“ dafür sei, und ich auch nicht denke, dass ich diese Verhaltensweisen mit 50 Jahren, oder 70 Jahren ablegen werde, war und bin ich mal gespannt, welche Verhaltensweisen sich die Generation nach mir zulegen wird, die dann bei mir auf Unverständnis trifft – und ob es solche überhaupt gibt. Mit einiger Beruhigung und vielleicht auch Konsternierung darf ich feststellen, dass es diese durchaus gibt. Das sind zum Beispiel Youtuber, die Millionen Abonnenten dafür haben, dass sie dämlich rumzappeln, Amateurschminktipps geben oder sich durch irgendwelche Level von Computerspielen hampeln. Schön, dass wir das geklärt haben

Film
Am Wochenende habe ich „Blade Runner 2049“ gesehen, bei welchem viele Kritiker Meisterwerk-Alarm ausgerufen haben.
Zur Vorbereitung habe ich mir noch einmal das Original, also „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahr 1982 angesehen und will darüber gar nicht viel schreiben, denn der Film ist längst in diversen Bänden vollkommen ausanalysiert und fast zu Tode geschrieben worden. Ich hatte den Film jetzt eine Weile nicht gesehen und war erneut von der famosen, originellen und surrealen Bildsprache vollkommen berückt und angetan. Dies gilt gerade auch für die Momente, die fast schon Giallo-Qualität haben, wenn es sich dabei nicht um Roboter handeln würde. Gemeint sind die Mordszenen mit der Schlangen-Lady im Plastiktütenkostüm, die in einer künstlichen Schneelandschaft zu den elegischen Klängen von Vangelis ihr künstliches Leben durch die Kugeln von Harrsion Ford in den Rücken aushaucht, sowie insbesondere die Erschießung von Daryl Hannah als Pris, der vielleicht surrealste und eigentümlichste Moment des Films. Ich weiß, das haben schon Tausend andere vor mir geschrieben, aber: Gibt es eigentlich tatsächlich noch eine schönere Sterbeszene in der Filmgeschichte als die von Rutger Hauer am Ende? Ich denken, nicht. Interessanterweise, das ist vielleicht meinem Alter geschuldet, empfinde ich die Gewaltspitzen des Films heute als übertrieben, weiß aber natürlich, dass das auch der damaligen Zeit geschuldet war, Anfang der Achtziger waren harte und toughe Filme im Kino kein Problem, sondern eher en vogue, selbst richtiger Schmuddel wie „Death Wish II“ lief da in den großen Sälen der Schuhkarton-Paläste.
Eine letzte Bemerkung noch: Ich habe den Original-Film damals sogar im Kino gesehen, natürlich durch den Fluch der späten Geburt nicht die Erstaufführung, aber immerhin die Aufführung der 10th Anniversary Edition 1992, also den „Zwischen-Director’s Cut“ dem Scott noch einige andere Version folgen ließ. An diesen Kino-Besuch muss ich manchmal noch heute denken, denn es war einer von zwei Kinobesuchen, die mir deutlich machten, dass selbst ein Film, den man schon diverse Male im Heimkino gesehen hat, auf der großen Leinwand noch eine ganz andere Wirkung entfalten kann. Ich habe damals den Mund praktisch nicht mehr zu bekommen. Der andere Film mit einem solchen Erlebnis und Eindruck war übrigens Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“, da war der Überwältigungseffekt ähnlich.

Nun zur Fortsetzung „Blade Runner 2049“, der man vor allem mit Nachdruck das Prädikat mutig verleihen muss. Es ist im heutigen Studio-Umfeld wirklich mutig, einen offensichtlich hoch budgetierten Film in die Kinos zu bringen, der völlig konträr zur Machart aktueller Blockbuster seinen Bildern, Szenen und Figuren sehr viel Raum und Zeit zum atmen gibt. Viele Momente verweilen sehr lange, als wir es durch das ADHS-Kino eines Michael Bay oder auch des MCU gewohnt sind. Dabei langweilt man sich trotzdem in den durchaus langen 163 Minuten von „Blade Runner 2049“ keine einzige Sekunde, für ungeduldige Zuschauer dürfte allerdings das aus dem Original übernommene, eher langsame Tempo eine Herausforderung darstellen. Mutig ebenfalls, dass Denis Villeneuve und sein Team einen gänzlich anderen Weg einschlagen als zum Beispiel J.J. Abrams bei „The Force Awakens“: Viele Regisseure hätten wohl insbesondere die Erinnerung und Nostalgie-Gefühle der Zuschauer bedient, die mit „Blade Runner“ aufgewachsen sind, die Fortsetzung geht aber durch auseigene Wege und hat tatsächlich visuell und stilistisch mit dem Original nur sehr wenig gemein. Man befindet sich zwar erzählerisch im gleichen Kosmos, durch das fast völlige aufgeben der Film Noir-Elemente des Originals ergibt sich aber eine gänzlich andere Herangehensweise, die von den hervorragenden Darstellern glänzend getragen wird, allen voran der wie in „Drive“ herrlich stoische Ryan Gosling und der gerade mimisch diesmal ausgesprochen starke Harrison Ford in seinem längeren Kurzauftritt. „Blade Runner 2049“ hält viele hervorragend inszenierte und erzählte Momente bereit, an denen man sich delektieren kann – für ein Meisterwerk ist er aber vielleicht doch etwas zu unterkühlt. Andererseits, was heißt das? Unterkühlung passt eigentlich perfekt zum Thema und dem als größten SF Meisterwerk aller Zeiten kanonisierten „“2001 – Odyssee im Weltraum“ kann man nun auch nicht unbedingt große Gefühligkeit nachsagen.
Wer am Wochenende etwas die vielen Schlagzeilen verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass der große Mut der Macher sich einmal mehr nicht ausgezahlt hat: „Blade Runner 2049“ startete deutlich unter den nach hiesiger Ansicht viel zu hochgesteckten Erwartungen, was haben die Macher und viele jetzt hyperventilierende Online-Journalisten (wie auf deadline.com) denn erwartet von einem Film, dessen Original der Kernzielgruppe der unter 29-jährigen kaum noch etwas sagt und der über zweidreiviertel Stunden eher durch Szenen imponiert, die zum ertasten und auskundschaften einladen?!
Also: Ganz klare Empfehlung, sicherlich eine der besten und interessantesten Filme des Jahres. Noch klarere Warnung aber an die Zuschauer, die unter filmischer Qualität insbesondere Explosion und Sprüche verstehen, beides gibt es hier so gut wie gar nicht.

Letzte Woche, am 30. September, jährte sich zum 15. Mal die Veröffentlichung des für mich besten Trailers aller Zeiten und er muss schon etwas besonderes sein, wenn ich dessen Jahrestag nach wie vor im Kopf habe und auch ein wenig feiere. Ich meine den Trailer zu „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“. Ich kann mich noch wie heute dran erinnern, wie ich vor 15 Jahren zur Arbeit aufbrach und zum Frühstück schon wusste, dass ich hoffentlich gegen Abend dann den Trailer sehen kann, der für diesen Tag angekündigt war. Und so war es dann auch, und er hält bis heute den einsamen Rekord von über zwei Stunden. Ja, ich hab mir an diesem Tag über zwei Stunden lang diesen Trailer immer und immer wieder angesehen. Das ist dieser Trailer mit der Musik von Clint Mansell namens Lux Eterna in einer speziell für diesen Trailer neu arrangierten Version, das Original findet sich in Darren Aronofskys „Requiem for a Dream“. Den Trailer kann man nicht beschreiben, man muss ihn einfach gesehen haben, insbesondere die zweite Hälfte. Ich bleibe dabei, das ist bisher noch nicht übertroffen worden, obwohl die Trailer des Nachfolgers „Return of the King (2003)“ und auch der Haupttrailer von „Spider-Man 2 (2004)“ nahe dran kamen. Auch noch wie heute weiß ich, wie wahnwitzig hoch die Erwartungshaltung war, als „Die zwei Türme“ dann schließlich in den Kinos anlief. Der erste Teil „Die Gefährten“ war ein dreistündiger Nerdgasmus, dieser Trailer weckte die kühnsten Hoffnungen und es schadete dann wirklich überhaupt nicht, dass Peter Jackson noch einmal eine der besten Filme der ganzen Welt ablieferte. Nein, das schadete wirklich nicht.

Worauf ich mich dieses Jahr besonders freue, hatte ich ja schon mal geschrieben. Das sind nicht unbedingt die beiden großen Fan-Service Monolithen „Star Wars 8“ (MORGEN! FRÜH! NEUER! TRAILER!!!!!!!!!!!) und „Justice League“ (Final Trailer dieses Wochenende erschienen!), bei beiden ist meine Erwartungshaltung noch erstaunlich lauwarm, sondern es ist die Neuverfilmung eines sattsam bekannten, altbackenen Stoffes namens „Mord im Orient Express“ von und mit Kenneth Branagh. Hier noch einmal der Trailer, der mich sehr begeistert hat:

TV Serien
Zum Thema TV Serien, natürlich sehe ich auch schon aus alter Verbundenheit die neue Star Trek Serie Discovery. Diese kommt bisher recht kurzweilig unterhaltsam daher, wenn man aber strengere Maßstäbe anlegen würde, muss man schon konstatieren, dass die Bücher nun alles andere als originell ausgefallen sind und die Episoden somit inhaltlich in ziemlich ausgetrampelten SF Pfaden wandern. Auch sind die Figuren noch nicht ausreichend konturiert durch die Autoren und Darsteller. Gucke ich erstmal weiter.

Enttäuscht hat mich Marvel’s Defenders auf Netflix, die eigentlich ganz schön geschrieben und dargestellt war, aber doch etwas arg Dienst nach Vorschrift verrichtete. Ich meine damit jetzt nicht unbedingt spektakuläre Todesfälle und Explosionen, aber ein paar mehr hübsche Erzähleinfälle wären schon ganz nett gewesen.

Auch ich kann zeitlich nicht hexen und bei meinen diversen anderen Hobbys sind es häufig Serien, die aufgrund ihres extremen Zeitfresserpotenzials bei mir das Nachsehen haben, zwei Sachen habe ich aber zumindest mir mal vorgemerkt: Eine Serie, die mich inhaltlich sehr ansprechen müsste ist „Halt and Catch Fire“ über Computer-Pioniere aus den Achtzigern und Neunzigern, vielleicht finde ich dafür mal die Zeit.
Das andere ist vielleicht die zweite Staffel von „Stranger Things“. Darüber hört und sieht man ja bisher nur Gutes und ich habe zwar die erste Staffel nach der Pilotfolge nicht weiter gesehen, vielleicht bekommt die Serie im Herbst aber noch einmal eine Chance bei mir. Vielleicht habe ich auch einfach Glück und mich trifft irgendwann mal eine Zeitdilatation, so dass ich dazu komme, das alles aufzuholen, was man an Serien gucken könnte oder „müsste“.

Buch
Lektüretechnisch ist bei mir im Moment nicht so viel los, weil ich mich durch einige enorme Ziegelsteine zur Computerspielegeschichte durchwühle, machen wir mit diesem Thema auch gleich weiter.

Games
Ich hatte schon mehrfach erzählt, dass ich nach 15 Jahren meine Gamer-Abstinenz abgelegt habe und nun wieder voll dabei bin, sowohl als Gamer, als auch als Retro-Gamer. Wenn man so lange raus ist, kann man die seitdem erzielten Fortschritte noch viel mehr würdigen und das sind nicht nur die technischen Fortschritte, sondern gerade auch die Fortschritte, die dieses Medium im punkto Immersion und Inszenierung erlebt hat. Ohne jetzt Überraschungen zu verraten, aber die erste Stunde, die ich kürlich mit „Fallout 4“ und „Prey“, zwei halbwegs aktuellen SF Titeln erlebt habe, werde ich die nächsten Jahre nicht vergessen, so perfekt war das inszeniert, und erzählt auch.
Dazu ein krasses Gegenbeispiel, ich habe letzte Woche mal wieder das inzwischen über 20 Jahre alte „Diablo“ gestartet. Dort ist der Einstieg ein echter Abtörner, ja fast ein Coitus Interruptus. Begegnet man zuerst einem Opfer eines schändlichen Verbrechens und schwört für ihn Rache, betritt man dann wütend und hochmotiviert ein Haus – und landet für den Rest des Spiels in einem Dungeon, wie er generischer und 08/15-mäßiger nicht sein könnte. Der große Bruch zwischen Intro/Heranführung und Spiel selbst, da geht vom Spieldesign her echt mehr.

Ansonsten hohle ich im Moment mit Begeisterung „Red Dead Redemption“ (Rockstar, 2010, PS3) nach, auch natürlich im Vorgriff auf den zweiten Teil, der für nächstes Frühjahr angekündigt ist. Als Westernfan ist das für mich ein ganz besonderes Erlebnis und beglückt mich außerordentlich.
Diese Woche hat mich zum Beispiel eine Frau zu einem Pferdewettrennen herausgefordert, das ich verloren habe, weil mein Pferd mich abgeworfen hat. Darüber war ich so sauer, dass ich mein Gewehr genommen und dem Pferd in den Hintern geschossen habe. Das fand das Spiel gar nicht so gut, sodann haben mich der Sheriff und sein Asstent geschossen. Ja, für den Wilden Westen wäre ich wie geschaffen gewesen.

Hörspiele
Vorletzte Woche erschienen gleich mehrere neue John Sinclair Hörspiele, darunter zwei aufwändige und überlange Sondereditionen, durch die ich mich gerade durchhöre. Besonders gespannt war ich auf „Brandmal“, die Sonderedition 7, denn in dieser gibt der TV Promi, Forensiker und Tattoo-Aktivist Mark Beneke ein Gastspiel, und das – durchaus beeindruckend – gleich in dreifacher Ausführung: Er ist nicht nur Co-Autor des Romans, sondern auch tragender Held in der Geschichte selbst, der zusammen mit John Sinclair in dem Fall ermittelt und schließlich spricht Beneke sich im Hörspiel auch noch selbst. Bringen wir das Schmerzhafte kurz hinter uns, bei aller Sympathie für diesen interessanten Menschen merkt man leider extrem deutlich, dass er keine professionelle Sprecher-Ausbildung besitzt, seine Dialoge stechen merklich aus dem professionellen Ensemble als amateurhaft heraus, da haben er Regie wohl bewusst oder unbewusst die Ohren angeklappt. Das Schöne ist aber, dass das eigentlich kaum stört, zu gelungen ist dieses Stunt Casting und vor allem wird Benekes Promistatus in dem Hörspiel selbst augenzwinkernd thematisiert. Ferner sind Dialoge und Inszenierung einfach zu spritzig und gelungen, um sich hier über Kleinigkeiten zu mokieren. Deshalb: Große Empfehlung, Daumen hoch, unbedingt anhören. Vor allem bekommt man viel Hörspiel fürs Geld, anders als die üblichen Sinclair Einstünder läuft „Brandmal“ geschlagene 166 Minuten lang.

Kennt eigentlich jemand die Radiohörspielö-Serie „Der letzte Detektiv“ von Michael Koser, dem Mann, den wir die Radio-Hörspiele um Professor van Dusen verdanken? Das sind Detektiv-Krimis mit ordentlichem SF Einschlag, also in der Regel futuristischen Themen und auch in der Zukunft spielend. Vielen Genrefans empfinden SF Propheten, die richtig lagen, ja immer als besonders befriedigend und wenn ich als Hörer täglich mit Euro zahle und mit Amazons Alexa kommuniziere, kann ich nur staunen, dass der Held dieser Geschichten dies auch schon tut, er bezahlt mit Euros (in der Serie wird der Plural verwendet, der sich nicht durchgesetzt hat) und spricht mit einem Computerassistent ganz ähnlich wie heute Alexa, Siri und co. Und die Hörspiele sind bereits über 30 Jahre alt und entstanden am Anfang der Achtziger! Diese Hörspiele sind leider kommerziell, im Gegensatz zu Professor van Dusen, noch nicht wieder veröffentlicht worden, beziehungsweise eine Veröffentlichung blieb mangels Erfolg schon in den Ansätzen stecken. Aber es soll ja im Internet so ein riesengroßes Videoportal geben, wo man auch nach Hörspielen suchen kann…

Musik
Wer mich kennt, weiß, dass ich an dem Jazz-Pop von Carol Emerald einen Narren gefressen habe, für mich ist sie das Beste, was Holland jemals exportiert hat. Sie hat jetzt eine neue EP herausgebracht namens „Emerald Island EP“, die bei mir seit Wochen rauf und runter läuft. Insbesondere die ersten drei Tracks sind, wie soll ich das sagen, also, wenn man die hört braucht man nicht in den Urlaub fahren. Diese Tracks sind Urlaub pur.

Auch meine Lieblingsband „Tangerine Dream“ hat ein neues Album rausgebracht, „Quantum Gate“ und es ist erstaunlich zu beobachten, dass diese eigentlich so skandalfreie Band nun für heftiges Kopfschütteln gesorgt hat. Zum einen wurde dieses Album viel über eine Pledgekampagne finanziert und ausgerechnet die Leute, die eine Pledge geleistet haben, werden im Moment als letzte mit dem Album beliefert, was nicht gerade für viel Begeisterung sorgt. Schließlich scheinen fast alle Versionen des Albums, die online angeboten werden zum Downloads oder Stream, mit einem heftigen Mastering Fehler versehen sind, der dafür sorgt, dass am Ende fast jeden Tracks eine stille Pause von gut einer Minute(!) erfolgt. Die CD Ausgabe soll davon nicht betroffen sein und die Band gelobt, die entsprechenden Download- und Streaming-Files möglichst bald auszutauschen.

Einige Fans nörgelten schon, dass das neue Album von „Wolves in the Throne Room“, einer der Platz Hirsch im US-Black Metal Bereich, zu kommerziell ausgefallen sei. Mag sein, weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht, denn, was haben wir? Wunderbar düstere Gitarrenwände? Check. Die obligatorische, mysteriöse Dungeon Synth-Passage? Check. Was will ich mehr? Reicht mir.

Viele meiner Laser schütteln ja gerne belustigt oder konsterniert den Kopf, wenn ich von meiner Deutschrap-Begeisterung schreibe. Ich bin dann wiederum belustigt, wenn die Marginalisierungsversuche dieser Musikrichtung immer mehr scheitern. Die beiden Gangster Rap Ikonen Kollegah und Farid Bang veröffentlichen Anfang Dezember ein neues Kollabo-Album, JBG3 natürlich, welches man sich schnell zulegen sollte, denn es wird vermutlich sehr schnell auf dem Index landen. Nun haben die beiden, einzig um dem neuen Kollabo-Album von den Platzhirschen Savas und Sido die Schau zu stehlen, Ende vorletzter Woche mal eben zwei Singles des neuen Albums „Jung, brutal, gut aussehend 3“ als Überraschungscoup gedropped und was passiert? Das gab es in den deutschen Charts so noch nie, beide Singles entern die Top Fünf der allgemeinen Single Charts und der Intro Song „Sturmmaske auf“ geht sogar von der Null auf die Eins. Das ist schon wirklich lustig, ein nicht Radio-tauglicher Song, der eigentlich nur davon handelt, wie die beiden mit den Müttern ihrer Gegner den Beischlaf vollziehen, belegt Platz eins der deutschen Charts. Ja, Savas und Sido müssen sich trotzdem nicht grämen, ihr Album mit prägnantem Haifisch-Cover namens „Royal Bunker“, das mir persönlich in großen Teilen allzu laid-back daherkommt, entert die Album-Charts auf der Eins und schaffte es immerhin paläontologische Absurditäten wie Andrea Berg und die Kastelruther Fratzen von der Spitze zu vertreiben von der Spitze zu vertreiben oder gar nicht erst hin zu lassen.

Das was es für diesmal; wieder wurde dieser Beitrag diktiert und nur einmal durchgesehen, Fehlerfreiheit kann aus Zeitgründen nicht garantiert werden (dafür immerhin keine Paywall!).

Wer auf diesen Beitrag antworten möchte: Ich freue mich darüber. Wahrscheinlich.

Noch immer habe ich nicht ganz für mich geklärt, ob ich diesen Beiträgen eine regelmäßige Frequenz geben soll, werde es vermutlich aber dabei lassen, diese unregelmäßig erscheinen zu lassen, weil ich halt immer nicht genau weiß, wann sich genug Material, Zeit und auch Inspiration zum Verfassen einige Zeilen bei mir angesammelt hat. Also: Wir lesen uns vielleicht morgen, vielleicht auch erst nächste Woche, oder nächsten Monat.

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Vier Filmkritiken

Ong Bak
Prachya Pinkaew, Thailand 2003, 104 Min (DVD PAL)
Endlich mal eine Bildungslücke geschlossen und den großen Durchbruch von Thai-Superstar Tony Jaa gesehen. Wow, schwer beeindruckt. In den fulminanten Stunts ist Tony Jaa dem Altmeister Jackie Chan durchaus ebenbürtig (der ihn auch prompt engagierte) und in den Kampfszenen von einer Eleganz und Durchschlagkraft, dass es nur so eine Freude ist. Grandioser Martial Arts-Film. Grandios. Jetzt schnell mal alle Tony Jaa-Filme nachholen. Sind ja noch nicht so viele. 9/10 Pukte.

The Demon Hunter
(Don’t Kill It), Mike Mendez, Kanada 2016, 89 Minuten
Man nehme die Prämisse des 80er-Klassikers „The Hidden“ von Jack Shoulder (Dämon (damals Alien) läuft Amok und muss ständig den Wirt wechseln) und füge Dolph Lundgren hinzu. Dolph passt perfekt in diese so lässig wie lustig angelegte Rolle, der Film weist ein hohes Tempo auf und die diversen, harten, manchmal albtraumhaften Amok-Szenen würzen Splatter und Humor zu einem enorm unterhaltsamen Film, von dem man sich nicht eine, sondern gleich mehrere Fortsetzungen wünscht – für die Rolle wurde Dolph Lundgren geboren. Sicher als Festival-Liebling gedacht, funktioniert aber auch zu Hause! 8/10 Punkte.

From Vegas To Macau III
Andrew Lau/Wong Jing, China 2016, 112 Minuten
Die moderne Wiederauflage der legendären God of Gamblers-Reihe aus den 90ern fährt mit diesem dritten Teil definitiv gegen die Wand. Waren die beiden Vorgänger noch sehr unterhaltsam, kann dieser Film nur noch damit überzeugen, dass er gespickt mit Stars ist. Karten gespielt wird wenig, ansonsten reagieren vor allem schlecht inszenierter Gigantismus und quälend-alberner Humor. Und der arme Chow Yun-Fat muss ausgerechnet gegen Psy(!) ein Kartenspiel bestreiten. 3/10 Punkte.

Kabali
Pa. Ranjith, Indien 2016, 143 Minuten
Neues Gangsterdrama mit dem tamilischen Superstar Super Star (ja, das ist sein Vorname) Rajinikanth. Man kann alles mal ausprobieren, aber ausgerechnet Rajinikanth nahe zu legen, auf seine üblichen Manierismen zu verzichten und möglichst „normal“ zu spielen, das war keine so tolle Idee. Sein Publikum kommt um seine Manierismen zu sehen, die will es sehen, ich auch. So verbleibt nur ein durchschnittlicher Gangster-Film, wie sie Ram Gopal Varma regelmäßig raushaut, mit deutlichen Scarface-Anleihen, insbesondere in dem immerhin recht wuchtigen und düsteren Finale. Eher mäßig, Rajinikanths Name sorgte aber immerhin dafür, dass Kabali kommerziell einer der größten Kollywood-Hits aller Zeiten wurde. 6/10 Punkte.

Wunderbar. Stephen Fry liest Sherlock Holmes. Komplett.

Eine schöne zeitliche Koinzidenz: Da lese, höre und sehe ich mich gerade dieses Jahr durch den kompletten Sherlock Holmes Canon von Arthur Conan Doyle, da gibt Audible bekannt, dass genau jetzt am 1. März eine große neue Komplettlesung von niemand geringerem als Stephen Fry veröffentlicht wird. Stephen Fry muss man niemandem mehr vorstellen, wobei in Deutschland vielleicht nicht jeder weiß, dass seine Stimme in England vor allem dafür bekannt ist, dass er (so wie Rufus Beck und Felix von Manteuffel bei uns) die Harry Potter-Romane als Hörbuch eingelesen hat (die britischen Fassungen, die US-Ausgabe liest Jim Doyle) und so wohl in vielen Kinder- und Wohnzimmern zu Hause war und ist.
Ich habe bisher die Holmes-Hörbücher mir von dem großen Shakespeare-Mimen Derek Jacobi vorlesen lassen, jetzt bin ich zu der Lesung von Stephen Fry umgestiegen. Seine höchst angenehme, klare und unaufdringlich-fesselnde Stimme hat was, man merkt, wie viel Freude dem lebenslangen Holmes-Fan dieses Projekt gemacht hat, in welchem er über 71 Stunden sämtliche vier Romane und 56 Kurzgeschichten eingelesen hat. Da ich Audible-Abonnent bin, kostete mich die sonst recht teure Sammlung lumpige € 9,95, bzw. gar nichts, weil gerade mein neuer Guthaben-Monat angefangen hatte. Oh je, schnell aufhören, ich wollte hier ja keinen Audible.de-Werbeblock veranstalten.
Also, an alle audiophilen Holmes-Fans: Unbedingt antesten!

http://www.ihearofsherlock.com/2017/03/stephen-fry-reads-complete-sherlock.html#.WL_CFjvhA2x

Gelesen: Winnetou – Eine neue Welt von Tinka Edel

Winnetou - Eine neue WeltWinnetou – Eine neue Welt by Tinka Edel
My rating: 3 of 5 stars

Was ist das hier? Dies ist eine Jugendbuch-Adaption des ersten Films des großen RTL-Dreiteilers, der Karl Mays Winnetou-Trilogie an Weihnachten 2016 „neu interpretiert“, geschrieben von Tinka Edel. Zugegeben, zumindest als Fan von Karl May und/oder Winnetou braucht es einige Überwindung, bis man so ein Buch mit einem auch noch abscheulich gestalteten Trash-Cover zur Hand nimmt, denn warum muss eine Dame namens Tinka Edel den Winnetou-Stoff neu erzählen, wenn doch das Original des Maysters ebenfalls greifbar ist und immer noch reichlich aufgelegt wird? Abgesehen ggf. von Rechtsgründen?

Bei diesem Buch sind Licht und Schatten sehr klar verteilt, sortieren wir mal und fangen mit den positiven Merkmalen an:

Trotz des Trash-Covers, trotz der Tatsache, dass die Autorin bisher nur Credentials als Pferde-Autorin aufweisen kann, zunächst Entwarnung: Tinka Edel kann zumindest ordentlich und routiniert schreiben, das Buch liest sich flüssig und flott weg und ist sprachlich zumindest annehmbar. Das ist schon mal viel wert.

Dann: Ja, es wird deutlich von der Vorlage abgewichen, das ist aber nun mehr als vertretbar, denn Karl May selbst hat seine Stoffe immer wieder überarbeitet und sogar testamentarisch verfügt, dass die Bücher auch von Dritten überarbeitet werden dürfen, eine Möglichkeit, von welcher auch der Karl May Verlag (der hiermit nichts zu tun hat) seit 100 Jahren reichlich Gebrauch gemacht hat. Auf dem Weg von Karl Mays „Winnetou I“ hin zu „Winnetou – Eine neue Welt“ von Tinka Edel wurde insbesondere Mays doch sehr ausufernde Erzählung stark verkürzt und geglättet, diverse Indianer-Stämme gestrichen und die unzähligen Gefangennahmen und Kämpfe auf wenige reduziert, wie auch die Figuren. Das berühmte Westmann-„Kleblatt“, welches Old Shatterhand zur Seite steht wird auf eine Person eingedampft, Sam Hawkens natürlich, und dieser tritt auch nur am Rande auf, wenn ich mich nicht irre (und „hihihi“ sagen darf er auch nicht mehr). Die Bösewicht-Rolle wird von dem Gauner Santer auf den Vorarbeiter Rattler übertragen, der im Buch eine unrühmliche Rolle am Marterpfahl spielt, hier aber sogar zum Mörder von Winnetous Vater transformiert wird (für wen das nach über 100 Jahren ein Spoiler ist – sorry, verloren, Pech gehabt!) – aber nicht, und das ist eigentlich die radikalste Abkehr von Karl Mays Original: Dies haben sich nicht mal die Kinofilme der 60er Jahre getraut: In „Winnetou – Eine neue Welt“ überlebt die sich in Old Shatterhand verliebende Ntscho-tschi, Winnetous Schwester! Sie stirbt nicht wie bei Karl May oder Lex Barker und Pierre Briece tragisch und darf hier somit an der Seite von Old Shatterhand weitere Abenteuer erleben. Dies ist sogar eine sinnvolle Änderung, da Karl Mays Original-Stoff fast völlig ohne große Frauenfiguren auskam – da May zwar im wirklichen Leben sehr viel mit Frauen anfangen konnte, häufig aber nicht in seinen großen Abenteuer-Epen für Jungs.

Fängt die Ausgangskonstellation des Buches und die ersten Szenen noch sehr ähnlich an, wie in Karl Mays Original, wird dann spätestens ab der Mitte deutlich abgewichen, hier hat „Winnetou – Eine neue Welt“ dann inhaltlich faktisch nichts mehr mit dem Original „Winnetou I“ zu tun, aber, was solls? Was viele Fans immer gerne vergessen: Das hatten die Kinofilme der 60er auch nicht. Auch diese waren im wesentlichen nur „frei nach Karl May“ erzählt, so dass dieser neue RTL-Film, auf dem dieser Roman beruht, dies natürlich auch für sich in Anspruch nehmen darf. Und wir auf eine originalgetreue Verfilmung weitere Jahrzehnte warten dürfen.

Soweit die positiven Seiten, nunmehr die hässlichen und negativen:

Diese neuen Winnetou-Stoffe sollen laut Verlags-Eigenwerbung „zeitgemäß und spannend“ die von Karl May erdachte Handlung neu interpretieren, und da schießen sich die Macher dann schon etwas mit dem Henry-Stutzen in den Fuß: Der Karl May Verlag wird damit zitiert, dass die neuen Filme, auf welchen diese Kosmos-Bände basieren, nicht „frei nach, sondern frei von“ Karl May sein sollen. Das stimmt leider, und dann stellt sich schon die Frage: Warum Karl May neu erzählen, wenn man all das streicht, was einen Karl May-Roman so schön und besonders macht? Winnetou und Old Shatterhand sind hier nicht mehr die Proto-Superhelden, die alles können und wissen, schon die ganze Welt bereist haben und das alles, obwohl sie nicht mal dreißig sind, nein, hier sind Old Shatterhand und Winnetou ziemlich normale Helden mit normalen Fähigkeiten; Old Shatterhand bringt Winnetou das Boxen bei, Winnetou Old Shatterhand das Anschleichen. Mehr nicht. Na prima. Das mag realistischer sein, die verträumten Jungen-Allmachtphantasien, die den speziellen Reiz und den Riesen-Erfolg von Karl May ausmachten – weg. Old Shatterhand ist hier auch nicht mehr ein moralisch weit überlegender, gläubiger Christ, nein, er ist getauft, glaubt aber ansonsten „nur an die Vernunft“. Wie modern. Wie unendlich, unendlich langweilig aber auch. Vor allem passen dann gerade im Finale einige Handlungselemente nicht mehr: Warum sollten die auf Rache sinnenden Apachen die Bösewichte so verschonen?!
Einige Ecken und Kanten von Mays Stoffen wurden ebenfalls getilgt, ungerührt auf Pferde wie Ende des 19. Jahrhunderts schießt hier niemand mehr, und am schlimmsten: Alles, was den besonderen Charme des Maysters ausmachte, alle Skurillitäten, alles Spinnerte (wie ein Zauberwort, so dass ein Pferd wie ein Pfeil davon schießt), aller Humor, alle Liebenswürdigkeit der Figuren, alle Verhandlungen über Moral und Ehrgefühl, alles weg. Ein nüchterner Winnetou für unser nüchternes Zeitalter der Behördenbescheide auf grauem Umweltpapier – in eine andere Welt träumen, wie es früher mit dem Mayster problemlos möglich war, fällt hier sehr schwer. Sind dies alles eher Mängel, die Fans und Lesern von Karl May stören werden, gibt es aber auch ein objektives, großes Problem: Dies ist ein Jugendbuch, in welchem die Autorin zu einer gewissen Kürze streng verdonnert war. Vermutlich ist der über zweistündige Film sogar ausführlicher als dieser Roman, der so verknappt ausfallen musste, dass er teilweise, und das ist schon übel, sich nicht wie ein kurzer Roman liest, sondern eher wie eine sehr lange Zusammenfassung eines Romans. Alle Ereignisse der Handlung werden verhältnismäßig schnell und nüchtern abgehandelt, mit Details gespart, Verweilen ist nicht. Es kann nicht die Aufgabe von Zusammenfassungen sein, Emotionen und Aufregung eines Stoffes zu vermitteln, dies wirkt sich aber hier fatal aus, denn beides bleibt so hinter einer Plexiglasscheibe für den Leser unerreichbar.
Angesichts des Covers und der Vorgaben hätte der Roman eine richtige große Katastrophe werden können, das ist er nicht. Empfehlenswert ist er aber auch nicht sonderlich, denn „zeitgemäß“ heißt hier einfach nüchtern und langweilig, und „spannend“ stimmt einfach nicht, weil der Stoff dafür zu sehr verknappt werden musste um atmen zu können.
Somit kann das Buch neben Anhängern des TV-Films eigentlich nur sehr neugierigen Winnetou- oder Karl May-Komplettsammlern empfohlen werden, denn ob Jugendliche, die heute in der Regel keinerlei Bezug mehr zu Westernstoffen haben, zu diesem vorgeblich „zeitgemäßen“ Buch greifen, dürfte sehr fraglich sein.

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Gelesen: Im Banne des Mächtigen – Karl Mays Magischer Orient 1 von Alexander Röder

Im Banne des Mächtigen (Karl Mays Magischer Orient 1)Im Banne des Mächtigen by Alexander Röder
My rating: 3 of 5 stars

Mit offiziellem Segen des Karl May Verlages darf der Autor Alexander Röder die Abenteuer von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar fortsetzen, mit der interessanten und in der Tat nachgehenswerten Prämisse, dass Karl May, würde er heute leben, möglicherweise auch Fantasy-Elemente in seinen Erzählungen eingesetzt hätte; entrückt-verträumt wirkte sein Orient vom Ende des 19. Jahrhunderts ja schon immer. Und so treffen unsere Helden diesmal auf persische Fabel-Wesen, magische Zelte und seltsame Füchse – insgesamt wirkt der Fantasy-Einsatz aber doch fast sparsam.

Der Autor ist offensichtlich ein Fan des Maysters, das merkt man dem Text an und das kommt ihm auch zu Gute. Dass recht viele Verweise auf zeitgenössische Literatur und Begebenheiten eingebaut werden, ist eine nette Zugabe, wirkt teilweise aber schon gestelzt und aufgesetzt, wofür der Autor sogar einmal Kara Ben Nemsi selbst eine Entschuldigung an die Leser aussprechen lässt. Mit manchem fühlt sich der Autor wohl auch nicht so wohl oder es wirkt rein angelesen, hier sei auf den seltsamen Dante-Verweis (den Nachnamen benutzt so gut wie niemand) und das finale Schachspiel (so reden keine Schachspieler!) am Ende verwiesen.

Offensichtlich im Hinblick auf jüngere Leser bekommen unsere beiden Helden zwei jugendliche Mitstreiter an die Seite gestellt, dieses gelang erzählerisch aber nur mäßig und offenbart zwei Konstruktionsfehler: Zum einen, weil die May-tpische personale Erzählperspektive aus der Sicht Kara Ben Nemsis (als erzählerischer Zopf?) beibehalten wird, wirken die beiden Jugendlichen etwas blass und nur als Staffage; dass sie zum anderen dann aber gleichzeitig häufig unseren beiden erwachsenen Helden (drei, wenn man Sir David Lindsay mitzählt) aus der Patsche helfen müssen, wirkt nicht nur durch die Erzählperspektive seltsam, sondern deutet gerade auch den Proto-Superhelden Kara Ben Nemsi – der eigentlich alles kann und alles weiß, auf nicht sehr angenehme Weise neu – so viel hätte man diesem bei einem Original-Stoff von Karl May nie helfen müssen. Dass der Held dann sogar mal bei geläufigen indischen Sprachen passen muss, ist ebenfalls seltsam und erdet die Figur über Gebühr – da rümpfen Fans die Nase.

Während das alles eher Kleinigkeiten sind, verleidet ein Schwachpunkt des Romans das Lesevergnügen aber nicht unbeträchtlich: Wer Karl May schreibt, muss nicht wie Karl May schreiben, aber sollte sich schon die besten Eigenschaften des Maysters abgucken: Dazu gehören Tempo, spritziger Einfallsreichtum, leichte Verschrobenheit und, ja, auch Humor. Insbesondere Tempoprobleme gibt es in diesem Buch so einige zu gewärtigen, das viel zu lang geraten ist, und viel zu viele Absatz-Textwüsten ohne erholsame Zeileneinschübe (zumindest in der Kindle-Version) enthält, die häufig nur langatmige Beschreibungen liefern. Karl Mays abenteuerliche Reiseerzählungen zeichneten sich immer durch viel Action und lange, kurzweilige Dialogpassagen aus. In diesem Roman stapfen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar viel zu viel herum, reden zu wenig miteinander und erleben auch zu wenige aktionsreiche Abenteuer, so dass die Lektüre manchmal am Geduldsfaden zerrt, weil die Erzählung in diesen trockenen, humorlosen Passagen nicht voran kommt.

Insofern beendet man diesen Band leicht missmutig. Teil 2 klingt aber so vielversprechend – eine Chance bekommt der Magische Orient noch.

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Lesesplitter

Ungeordnete Schlaglichter aus meinen Leseerlebnissen. Bitte einfach herauspicken, was einen interessiert..

Während ich bei „Perry Rhodan“ der Erstauflage gerne folge, bekomme ich bei den Miniserien „Arkon“ (hänge da hinterher) und „Jupiter“ (da bin ich auf dem Laufenden, noch) langsam Probleme. Ich konnte bei Rhodan noch nie leiden, dass ich zu jedem Volk, auf das die Helden treffen, deren Hintergrundgeschichte präsentiert bekomme. Das interessiert mich meist überhaupt nicht, hilft zur Streckung der Romane und Zyklen aber natürlich enorm. Weiß nicht, ob ich Arkon und Jupiter noch weiter lese. Und in der Erstauflage erfuhr Gucky im aktuellen Roman die Hintergrundgeschichte von…argh.

Bleiben wir kurz bei deutschen Space Operas, insbesondere bei Klassikern. Bei „Ren Dhark“ verfolge ich die aktuelle Handlung der sieben Mal im Jahr erscheinenden Buchserie „Ren Dhark – Weg ins Weltall“, die ganz bewusst gegen die großen kosmischen Zusammenhänge bei „Perry Rhodan“ konzeptioniert sind und sehr bodenständige Agentenabenteuer erzählt – allerdings so, wie man das vor Jahrzehnten erzählt hat, was einerseits zu der Serie passt, aber nicht so richtig in das Jahr 2016. Die Bodenständigkeit ist eigentlich nett – könnte aber irgendwann mal auf den Geist gehen.

Zu schade, dass die „Rex Corda“-Bücher bei Heinz Mohlberg so schön aufgemacht sind. SF, vor welcher der Deutschlehrer immer gewarnt hat? Das ist Rex Corda. Wirklich grottig-scheußliche Sprache und absurde Handlung? Das ist Rex Corda – und noch schlimmer als das.

Auch wenn sie wunderschön editiert ist, aufgegeben habe ich die weitere Lektüre von „Sun Koh“, der Heftserie von Paul Alfred Müller aus den 1930ern. Das ist schlicht und einfach alles zu simpel gestrickt und verfügt auch nicht über den spritzigen Einfallsreichtum, um da dran zu bleiben. Hier ne Gefangennahme, da ne Schlägerei. Würde man ja alles hinnehmen, wenn die Figuren besser und die Handlung verschrobener wäre, aber irgendwann beschleicht einen das furchtbare Gefühl: Da kommt nix mehr, was sich noch lohnt..

Dirk van den Boom hasst es, wenn ich ihm immer erzähle, dass ich in seinen Roman sich mit den Namen seiner Figuren und Alien-Rassen verheddere. Da ich seinen ersten Skiir-Roman für eine andere Dirk-Lektüre unterbrechen „musste“, habe ich jetzt aber wieder exakt dieses Problem. Wer war diese Alienrasse und jene Figur nochmal? Um es mal ketzerisch zu sagen: Über einiges kann man auch einfach drüberlesen..

2-3 Jahre währte die Abwesenheit, nun bin ich Ein-Mann-Imperium James Patterson wieder verfallen. Im Moment lese ich seinen neuesten Nr.1-Bestseller „Woman of God“ um eine Ärztin in Afrika, die später in der Hierarchie einer Abspaltung der katholischen Kirche rasant aufsteigt. Das erste Drittel war ziemlich toll und schilderte mit großer Intensität ein Lazarett in Südsudan, seitdem ist der Roman leider reichlich unglaubwürdig und sprunghaft geworden. Schade.

In zwei Wochen veröffentlicht Patterson als so genannten Bookshot (günstige EBook-Novellen) den Krimi „Taking the Titanic“ und schildert einen Krimi auf dem untergehenden Schiff. Moment, ach ja. Kürzlich hatte ich ja über Bernward Schneider hier erzählt und die vielen Gemeinsamkeiten, wie wir haben (vorliebe für Karl May, Kolportage etc.). Schneider hat ebenfalls einen Krimi veröffentlicht, der auf der Titanic spielt, deshalb habe ich jetzt „Todeseis“ angefangen, der sich am Anfang fast wie in Edgar Wallace-Roman (mit etwas mehr Sex) liest..

Immer noch unmöglich und unfair finde ich, wie früh Michael Crichton von uns gegangen ist, was habe ich praktisch jeden seiner Romane geliebt. Jetzt bin ich an seinem teilweise posthum veröffentlichen letzten Roman „Micro“ dran, der von Richard Preston (ja, Bruder von Dogulas) vollendet wurde. Ich habe von Crichton und Preston (Richard zumindest) alles gelesen, kann aber trotzdem nicht sagen, wer was verfasst hat. Liest sich gut an, schön so Crichtons Werk noch etwas verlängern zu können. Und dann hat Crichtons Witwe in der Garage gerade noch ein Manuskript gefunden (kein Witz, kommt nächstes Jahr..).

Nach drei Jahren Pause habe ich zurück zu Stephen King gefunden. Ich musste mich erstmal an „Doctor Sleep“ herantrauen, der teilweise seine Alkoholkrankheit verarbeitet. Harter Tobak, aber toll geschrieben. Erwähnte ich harter Tobak?

Nach gut zehn Jahren Pause und zwei gescheiterten Versuchen habe ich auch zurück zu Dean Koontz gefunden. Seinen spezifischen Stil, wie er Figuren beschreibt und Stimmungen einfängt und seine häufig ins blumig-schwärmerische abgleitende Prosa muss man mögen, Millionen tun das und ich früher auch, ich habe in den 1990ern und Anfang 2000 seine Romane geradezu verschlungen. Dann konnte ich das eine zeitlang nicht mehr ab. Jetzt lese ich das wieder mit großer Freude und lese die beiden Novellen „Last Light“ und „Final Hour“, die in seinen großen (zumindest: langen) aktuellen Roman „Ashley Bell“ münden. Dean, ich bin wieder da! Sorry für die lange Trennungszeit. Brauchte die einfach mal.

Zwei Fantasy-Epen lese ich im Moment, die werden mich sicher noch einige Monate beschäftigen, weil beide recht lang sind: Beide enthalten das Wort King im Titel, wobei das Zufall ist. Einmal „The Seer King“ von Chris Bunch und „The Grace of Kings“ von Ken Liu.

„The Seer King“ des bereits verstorbenen Chris Bunch ist der Auftakt einer Military-Fantasy Trilogie und ziemlich gut geschrieben mit intensiven Schlacht- und vielen Sexszenen. Im wahrsten Sinne des Wortes Vollblut-Fantasy. Ich muss gestehen: Gerne mehr davon. Hat noch jemand Tipps für diese Art von Fantasy, bitte..?
Kurzgeschichten-Preiseeinheimser und chinesische SF-Übersetzer Ken Liu hat sich ebenfalls an ein großes Fantasy-Epos gewagt und ich habe „The Grace of Kings“ erstmal mit spitzen Fingern angefasst, weil ich fürchtete, dass der Zugang alles andere als einfach sein würde. Mitnichten, ein Glück! Packende Figuren, glasklare Gedankenführung, guter Stil, viel Einfallsreichtum, aber auch Härte. Tolle epische Fantasy! Macht sehr viel Freude. Das gibt mir Mut, erstmal weiter zu lesen, auch wenn ich mir da was vorgenommen habe: Schon Band 1 ist über 600 Seiten lang, der gerade veröffentlichte zweite Teil „The Wall of Storms“ ist bereits ein furchteinflößender fast-900-Seiten-Findling..

Wie jeden Herbst nehme ich mir auch dieses Jahr wieder ein Buch von Thomas Mann vor, dieses Jahr „Doktor Faustus“, auf das ich wegen des Themas sowieso Lust hatte: Komponist geht faustischen Pakt ein und hat Jahrzehnte Riesenerfolg, der Preis: Seine Seele.. Auf den ersten 50 Seiten entschuldigt sich der Autor mehrfach dafür, dass sich das alles so langwierig und lahm liest. Was denn? Finde ich gar nicht, bisher finde ich es sehr gut zu lesen. Sorge macht mir eher, dass der Roman viele und heftige Ausflüge in die trockene Musiktheorie unternehmen soll, was mir so gar nicht liegt, mal sehen, wie ich damit zurecht komme, wenn ich da hin komme.

Erst kürzlich stieß ich auf den Zeitgenossen und großen Konkurrenten von Karl May namens Robert Kraft und lese jede Woche in zwei seiner mäandernde Riesen-Epen weiter: In sein Spätwerk „Loke Klingsor“, das deutlich den spiritistischen Geist der 1920er atmet und mich mit zig verschrobenen Ideen auf jeder Seite blendend unterhält. Und „Detektiv Nobody“, sein Krimi-Epos aus der Zeit von 1905. Auch dieses wirft eine ganze Fülle von Ideen auf den Leser und überzeugt durch rasantes Tempo und ständige Schauplatzwechsel, manchmal würde man sich hier aber schon ein paar Kürzungen wünschen. Loke Klingsor erscheint bei Dieter von Reeken in einer wunderbaren HC-Ausgabe, für Deketiv Nobody empfehle ich die Ausgabe (TB oder EBook) aus dem Verlag von Bernward Schneider (siehe oben) namens Benu Verlag.

A propos Karl May. Immer noch lese ich begeistert jede Woche an seinem 2.700-Mammut-Kolportage-Epos „Waldröschen oder die Rächerjagd rund um die Erde“ weiter. Dies ist im besten Sinne des Wortes Karl May pur – und ein Riesenspaß mit herrlichen Dialogen, Ideen und Figuren. Und Ecken und Kanten, die man heute nicht mehr so schreibt: Wenn der Held sich an eine dreißigköpfige Räuberbande anschleicht und belauscht, dass diese Ungutes im Schulde führen – richtet er sich auf, schreit einen Kampfruf (zur Fairness, natürlich..) und schießt dann alle 30 Räuber über den Haufen. So muss das..

Bisher hält sich leider bei dem ersten Band des neuen Projekt des Karl May Verlages, der brandneuen Abenteuer aus Karl Mays Magischer Orient (also Karl May plus etwas Fantasy) namens „Im Bann des Mächtigen“ meine Freunde in Grenzen. Wer Karl May schreibt, muss nicht wie Karl May schreiben, aber sich zumindest mal ansehen, wieso der Mayster so erfolgreich war. Das lag sicher unter anderem an seinem atemberaubenden Erzähltempo, ewige Beschreibungen und Monologe von Kara Ben Nemsi will man da nicht lesen. Dann wurden offensichtlich mit Schielen auf die Zielgruppe zwei neue Jugendlichte Helden eingeführt, die aber etwas blass rüberkommen, weil der Roman nur aus der Sicht von Kara Ben Nemsi geschrieben ist – aber trotzdem diesem häufiger aus der Patsche helfen muss. Der große Proto-Superheld Kara Ben Nemsi braucht ständig Hilfe? Und trotzdem wird das alles aus seiner Sicht erzählt? Das ist konzeptionell sicherlich nicht ideal gelöst. So lesen sich die neuen Abenteuer von Karl Mays Alter Ego, Hadschi Halef Omar, Lord David Lindsay und zwei Jugendlichen leider etwas banal und langatmig bisher.  Bin jetzt bei der Hälfte des ersten von bisher geplanten vier Bänden, hoffentlich steigert sich der Band noch.

Geänderte Lesegewohnheiten, oder wie man auf zig Hochzeiten..

Im letzten Vierteljahr habe ich meine Lesegewohnheiten ziemlich radikal umgestellt. Statt 2-3 Bücher parallel zu lesen, lese ich jetzt, ach, die Menge würde meine Blog-Leser nur verunsichern.

Warum?

Weil ich damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlage, mehrere Probleme für mich löse:
Mich wurmt es, viele Bücher vor der Brust zu haben, die ich wegen verstopfter Zeit-Pipeline nicht anfangen kann. Jetzt kann ich das.

Da mit zunehmendem Alter Toleranz und Geduld abnehmen, ist es sehr von Vorteil, Bücher in 10-20 Seiten-Häppchen zu lesen. Kommt Ungeduld, Unwillen oder gar Ärger auch nur entfernt auf, zack, ist das Lesepensum in diesem Buch für den Tag schon erfüllt.

Diese Art zu lesen bietet sich für mich an, da ich zu den Menschen gehöre, denen es völlig egal ist, wann sie mit einem Buch durch sind. Ich werde so und so viele Bücher in der Zeit schaffen, die Gott mir auf der Erde vergönnt; die, die ich nicht schaffe, dann eben nicht. Ich habe überhaupt nichts davon, mir Zahlen anzusehen, wie viele Bücher ich gelesen habe, das gibt mir gar nichts. Mir macht es sehr viel Spaß, Bücher zu lesen, nicht beendete Bücher in eine Statistik einzutragen.

Deshalb verstehe ich auch einfach Menschen nicht, die sagen (und davon gibt es viele), dass sie keine langen Bücher lesen, weil sie dafür keine Zeit haben. Ja, wer um Himmels willen sagt denn, dass man lange Bücher in der gleichen Zeit beenden muss wie kurze Bücher? Ob ich nun ein langes oder 3-5 kurze Bücher lese, das ist doch völlig egal. Und wenn ich wenig Zeit habe, brauche ich für lange Bücher halt – lange. Wo ist das Problem? Im Gegenteil, bei wirklich schönen Lektüreerlebnissen, das muss von mir aus nie enden.
Um da nicht den Überblick zu verlieren, erfordert das nicht nur Disziplin und Fanatismus, sondern auch ein wenig das Erstellen und Durchführen von komplexen „Leseplänen“, und da genau sowas mir Spaß macht, ja, wundervoll, let’s do it.

So habe ich jetzt vor dem Frühstück, in der Mittagspause und abends feste Dates mit mehreren Büchern. Und wenn, wie häufig, tagsüber Termine und abends meine Müdigkeit in die Quere kommt? Kein Problem, morgen ist auch noch ein Tag, und ich habe ja keine Deadline. Ganz wichtig bei dem Konzept: Sich selbst ein nachholen nicht „geschaffter“ Seiten verbieten, dann dürfte einen das schnell strangulieren..

Vielleicht bricht das Konzept irgendwann über mir zusammen (vor allem, wenn ich mal ohne es zu wollen (kommt ja immer was dazwischen im Leben, Gutes oder Schlechtes) viele Tage nicht zum lesen komme), und ich kehre zur alten Leseweise zurück, aber bis dahin..fange ich auch mal eine neue Kolumne namens Lesesplitter an.

Gelesen: Crosstalk von Connie Willis

CrosstalkCrosstalk by Connie Willis
My rating: 4 of 5 stars

Kann man die Mechanismen einer Screwball-Comedy auf über 500 langen Seiten tatsächlich aufrecht erhalten? Ja, man kann. Nein, man kann nicht.

Briddey und Trent sind das Traumpaar in einer modernen Kommunikationsfirma, ein Mitbewerber von dem Unternehmen mit dem weißen Apfel auf ihren Geräten. Briddey und Trent wollen eine neue OP-Methode namens EED ausprobieren, die Paaren angeblich die Möglichkeit bietet, dass man die Gefühle des anderen Spüren kann. Alle warnen Briddey davor, die OP findet trotzdem statt. Mit ungeahnten Folgen. Plötzlich kann Briddey zwar nicht ihren Boy-Friend, aber die Gedanken aller anderen hören – auch die von dem einsiedlerischen Nerd C.B., der es sich zur Aufgabe macht, ihr zu helfen..

Ja. Screwball-Comedys leben von eindimensionalen, schrillen Figuren, auf deren Rücken man immer den gleichen Witz immer wieder erzählen kann. So macht Connie Willis das auch hier, Briddeys Familie ist hochgradig nervig – aber auch schreiend komisch. Tante Oona nervt alle mit ihrer Überbetonung ihrer irischen Wurzeln, Briddeys eine Schwester nervt mit ständigen Liebesnöten, die andere Schwester ist die schlimmsteHelicopter-Mutter diesseits der Hölle und quält ihre Tochter Maeve, eine aufgeweckte Neunjährige, die heimlich Zombie-Filme guckt.
Das klingt jetzt alles nicht so herausragend, ist aber von soghaften Tempo und tatsächlich über hunderte Seiten schreiend, wirklich schreiend komisch und extrem unterhaltsam.

Nein. Zum Finale muss die Autoren dann doch mal dieKarten auf denTisch legen und die angelegten Konflikte eher in Thriller-Mainer auflösen. Hier ist das Buch am schwächsten, denn hier verheddert sich Connie Willis in ihren eigenen, ziemlich komplizierten Telepathie-Regeln und wie man sich gegen fremde Gedanken(leser) schützt und zum anderen rächt sich nun die eindimensionale Anlage der Figuren, die teilweise wie auf Schienen schreiend unglaubwürdig handeln und damit die Glaubwürdigkeit des Romans torpedieren.

Trotzdem ein sehr lesenswerter Roman für diesen Herbst, der eine Menge zu sagen hat über unsere heutige Kommunikation mit ihrer hysterischen Dauer-Erreichbarkeit. Das eher schwache Finale hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, man vergisst aber trotzdem nicht, wie blenend einen die Autoren vorher auf hunderten Seiten unterhalten hat.

Crosstalk würde ich in diesem Leben nicht nochmal lesen wollen. Gerne gelesen habe ich ihn auf jeden Fall.

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10 Goldene Roman-Schreibregeln (nach E. Leonard)

Das hier ist Gold wert. Natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und genug Autoren, die ganz andere Regeln aufstellen, ich kann aber für mich sagen: Wenn man diese Regeln befolgt, das sind Romane, die ich gerne lese.

Ich kommentiere mal über den Regeln:
1+2 finde ich nicht so schlimm. Gibt schöne Buchanfänge mit 1.
3+4 wird explizit in einigen Schreibschulen anders gelehrt – leider. Finde ich richtig ätzend, so ‚>>…,<< explodierte Dirk wütend'. Da kenne ich auch einige Pappenheimer, die so schreiben, liest sich fast immer schundromanig-deppenhaft. Und extrem unelegant.
5+6 Muss man wohl nicht so streng sehen, wobei 5 übertrieben sich richtig schlecht liest.
7 Ganz wichtig. Das HASSE ich.
8+9 ist für viele Autoren sehr wichtig, ich neige dazu, dies zu überblättern siehe 10. Figuren und Schauplätze müssen sich für mich indirekt erschließen. Absatzweise Figurenbeschreibungen gehen mir tierisch auf den Geist, die skippe ich fast immer.

Was lerne ich daraus? Muss wohl mal was von Elmore Leonard lesen.

“Elmore Leonard's Ten Rules of Writing

1. Never open a book with weather.
2. Avoid prologues.
3. Never use a verb other than "said" to carry dialogue.
4. Never use an adverb to modify the verb "said”…he admonished gravely.
5. Keep your exclamation points under control. You are allowed no more than two or three per 100,000 words of prose.
6. Never use the words "suddenly" or "all hell broke loose."
7. Use regional dialect, patois, sparingly.
8. Avoid detailed descriptions of characters.
9. Don't go into great detail describing places and things.
10. Try to leave out the part that readers tend to skip.

My most important rule is one that sums up the 10.

If it sounds like writing, I rewrite it.”
― Elmore Leonard