Neun Filmkritiken

Die Mumie
(The Mummy, Alex Kurtzman, USA 2017, 110 Minuten)
Gleich vorweg mal aufgeklärt: Die viele Ablehnung, die dem Film seit dem Start entgegen geschlagen ist, liegt weniger an der Qualität des Films, auch wenn dieser wahrlich kein Meisterwerk ist, sondern häufig daran, dass Marketing, Besetzung der Hauptrolle und Platzierung dieser neuen „Mumie“ im Kinosommer bei Publikum und Kritik völlig falsche Erwartungen geweckt haben – Zitat Variety: „ With Tom Cruise in the lead, the revival was poised to be a beat-the-heat, popcorn-flinging summer blockbuster, a nostalgia grab for millennial fans of the 1999 title..“
Nein!
Eben genau das will/soll der Film nicht sein, ob das nun gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Dies ist eben nicht eine Fortsetzung der modernen Mumie-Trilogie von Stephen Sommers (ab 1999), die viele noch positiv im Gedächtnis haben. Nein, dieser neue Mumie Film schielt keinesfalls wie die vorherige Trilogie auf die Indiana Jones-Filme, sondern besinnt sich tatsächlich auf die alten Boris Karloff-Filme aus den 1930ern und zitiert auch andere Horror-Filme von (besonders deutlich) „American Werewolf“ bis „Night of the Living Dead“, sowie insbesondere die vier spanischen „Reitenden Leichen“-Filme mit ihren zum Leben erweckten untoten Kreuzrittern. Daraus bezieht diese „Mumie“ aber auch durchaus ihren Charme, auch wenn die Unentschiedenheit des Films ihn nie richtig fesselnd werden lässt. Er lässt sich zwar auf Horror ein, ist aber als Sommer Blockbuster dafür letztlich zu harmlos und nicht spannend genug, und es war sicherlich nicht die beste Idee, einen eigentlich reinen Horrorstoff in die Hülle eines Tom Cruise-Kinosommervehikels zu wickeln. Denn so bekommen wir schon ein wenig Action, aber nicht zu viel, etwas Humor, aber nicht zu viel, etwas Horror, aber nicht zu drastisch, so dass letztlich von allem nicht zu viel – zu wenig ist. Eine Katastrophe ist der Film nicht (ist das ein Lob?), aber schon irgendwie unrund; der Zug kommt an, aber schlingernd. Das mystische Brimborium macht durchaus Spaß, wenn man sowas mag und die ersten Spurenelemente des neuen Dark Universe (Universals Gegenangebot zum Marvel Cinematic Universe und dem DC Extended Universe) wecken auch Lust auf mehr – nicht, weil man unbedingt die hingeworfenen Handlungsbrocken erklärt oder weitergesponnen haben möchte, sondern einfach, weil dies alles schon Erzählpotential birgt. Das man aber natürlich in Zukunft auch richtig nutzen muss.
Aktivposten sind die toughe und bildhübsche Annabelle Wallis (bitte mehr solche Rollen für die Dame!) als Heldin und Love Interest von Tom Cruise, sowie ein glucksend aufgeblasener Russel Crowe als Nick Fury, äh nein, als (ja DER) Dr. Jekyll und Chef einer Geheimorganisation gegen das Böse™. Schöner Score von Brian Tyler, und vereinzelt gelingen Regisseur Alex Kurtzman einige sehenswerte Einfälle, auch wenn ihn wohl niemand als visionären Filmemacher bezeichnen würde.
Von einem gelungenen, runden Eindruck kann man ernsthaft bei dieser „Mumie“ nicht sprechen, dafür passt zu viel nicht zusammen und vor allem, zu viele Szenen handeln von Menschen, die in halbdunklen Kammern und Hallen herumstehen. Nur herumstehen, ein Glück ist dieses Werk für einen Sommerblockbuster recht kurz ausgefallen und man reitet in deutlich unter zwei Stunden dem Abspann entgegen. Als seltsamer Hybrid eines groß budgetierten Horror-Films ist der Film eine Sichtung aufgrund seiner Schauwerte und des dezenten Gothic-Touches aber durchaus wert. Natürlich vor allem für Zuschauer, die die Universal-Monster sowieso mögen (der Verfasser dieser Zeilen ist da zugegeben voreingenommen). Next Stop: ‚Frankensteins Braut‘ von ‚Gods & Monsters‘-Regisseur Bill Condon im Februar 2019 – das hört sich immerhin toll an. 7/10 Punkte

Fifty Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe
(Fifty Shades Darker, James Foley, USA 2017, 131 Min (extendcd cut)/118 Min Kinofassung)
Die Fortsetzung des großen Erfolgsfilms basierend auf den Millionen-Sellern von E.L. James erweist sich als ziemliche Mogelpackung: „Gefährlich“ ist hier nichts und „dunkler“ ist der Film auch nicht als der Vorgänger, eher im Gegenteil. Die Romanze von Ana und Christian dreht nach einer Versöhnung einfach eine weitere Runde und, nein, gipfelt kann man eigentlich nicht schreiben, also nicht gipfelt sondern enthält 3-4 kurze Sex-Szenen, die in Länge und mangelndem drauf einlassen das höchst seltsame Gefühl beim Zuschauen wecken, dass die Filmemacher diese schnell hinter sich bringen wollen – eine erstaunliche Attitüde bei einem Film, der nun schon hauptsächlich als Erotik-Film vermarktet werden soll. Vielleicht sind die weiblichen Fans dieser Reihe da genügsamer – wenn man z.B. einen Jurassic World-Film fast ohne Dinos in die Kinos bringen würde, würden sich wohl doch einige mehr beschweren. Die Handlung schleppt sich durch bemerkenswert lange 131 Minuten im extended cut von einer Verwicklung und Romance-Standard-Situation (leider ziemlich geschäftig abgehakt alles) zur nächsten, und bevor alles zu sehr still steht, darf Christian mal wieder kurz für maximal vier Sekunden zu der in solchen Filmen üblichen klebrigen Fahrstuhlmusik Ana von hinten.. Abblende. Eine Zod-Hommage („Kneel!“) wird immerhin bleiben von dem Film, die ist grandios – ob gewollt oder nicht, ist ja letztlich egal. Irgendwie sind diese Filme keine völlig totale Katastrophe, nüchtern gerechnet kommt man (und vor allem: Frau) mit einem baccara-Romanheft aus dem Supermarkt aber einfach günstiger weg. 4/10 Punkten.

Nocturnal Animals.
(Tom Ford, USA 2016, 116 Minuten)
Der neue Film von Designer und Regisseur Tom Ford ist diesmal ein komplex und kunstvoll erzählter, düsterer Thriller, der sich freilich etwas zu sehr in seiner Düsternis und Kunstgewerblichkeit gefällt. Die bei Tom Ford üblichen erlesenen Bilder und einige wirklich großartige filmische Momente (wie zum Beispiel die Schlussszene) heben den Film aber schon weit aus der Masse heraus. 8/10 Punkte

Split
(M. Night Shyamalan, USA 2017, 117 Minuten)
Der große Comeback-Film von M. Night Schyalalan erweist sich tatsächlich als unglaublich fesselnd gelungen. Ein grandios gestalteter Thriller, der aus seiner seltsamen Prämisse: ‚Schizophrener Täter mit 23 Persönlichkeiten hält drei junge Frauen gefangen‘ ein Maximum an Wirkung erzielt. James McAvoy empfiehlt sich mit seiner herausragenden Darstellung bereits jetzt für die nächste Oscar-Verleihung. Die Schluss Wendung will nicht so richtig zu dem Film passen, was man aber auch nicht ernsthaft als Vorwurf aufwerfen kann, da die Verbindung zu einer gewissen Trilogie (Teil 3 folgt in anderthalb Jahren) in Shyamalans-Werk sich ja auch erst am Ende erschließen soll. 8/10 Punkten

Sully
(Clint Eastwood, USA 2016, 96 Minuten)
Man kann über Tom Hanks ja denken was man möchte, aber für solche Rollen wurde er geschaffen. Der Film erzählt die wahre Geschichte von der glücklichen Notlandung einer Passagiermaschine auf dem Hudson River aus dem Jahr 2009 nach und übt Kritik an den offiziellen Ermittlungen, wobei er die Flugaufsichtsbehörden in einem schlechten Licht darstellt, was insbesondere bei staatsgläubigen Filmkritikern einigen Backlash erzeugt hatte. Dies ist ein Film, wie ihn nur Clint Eastwood inszenieren kann: Denn er schafft es gleichzeitig packend, spannend und aufregend zu sein, aber auch völlig unaufgeregt und entspannt daher zu kommen. Eastwood erweist sich auch als bemerkenswert konzentriert – nicht jeder Stoff verlangt Eastwoods sonst übliche zwei Stunden Plus, hier kommt er tatsächlich mal mit gut anderthalb Stunden aus, was dem Film sehr gut tut. 8/10 Punkten

La La Land
(Damien Chazelle, USA 2016, 128 Minuten)
Der eine der beiden großen Oscar Gewinner 2016 (neben „Moonlight“) erweist sich bei näherer Betrachtung doch ein wenig als Scheinriese. Dieses grundsympathische Musical um die alten Themen künstlerischer Erfolg vs. künstlerische Integrität erzählt seine sattsam bekannte Geschichte etwas zu sehr so, als wäre es etwas Neues, was doch leicht verwundert. Die Musicalnummern sind eher rar gesät, erstaunlicherweise. Ferner scheint die teilweise hysterische Liebe, die dem Film entgegen geschwappt war, wohl daher auch zu rühren, dass die in solchen Musicalnummern mögliche befreiende visuelle Fantasie in den letzten Jahren im Mainstream-Kino rar geworden ist und viele Zuschauer, die in der Regel sowieso mit Musicals fremdeln, sich dessen entwöhnt haben. Vielleicht ist das etwas ungerecht, aber da waren die MGM-Musicals vor acht Jahrzehnten durchaus gewagter, schmissiger und einfallsreicher. Die in sehr breitem Scope-Format (2,55:1) fotografierten, gesucht schönen Bilder bezaubern trotzdem, ebenso wie die beiden wirklich vortrefflichen und intensiven Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling, weswegen der Film schon sehenswert ist. Vielleicht hatte man von Damien Chazelle nach dem bezwingenden, meisterlichen „Whiplash“ auch einfach etwas anderes erwartet, als ein solch entspanntes Zurücklehnen; was natürlich sein gutes Recht und kein Vorwurf ist. 7/10 Punkten

xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage
(D.J. Caruso, USA 2017, 107 Miuten)
Vin Diesel erweckt seine alte Quasi-James Bond Franchise von vor 15 Jahren wieder zum Leben und gestaltet sie nunmehr im Stile seiner größten Erfolge, der Fast & Furious Filme: Wir bekommen also auch beim dritten Triple-X Film jetzt eine Art Film-Familie und völlig abgedrehte Action Szenen zu sehen. Wobei letztere natürlich auch schon die USPs bei den Vorgängern waren. Das alles ist eine Nummer kleiner als beim großen Bruder F&F in Budget, Aufwand und Einfallsreichtum, trotzdem sehr schön anzusehen, wenn diesmal eine noch deutlich internationalere Besetzung antritt mit großen süd- und ostasiatischen Stars. Letzteres erklärt wohl auch, dass der Film dort ein Riesen-Hit war – nicht aber in den USA. Da inzwischen die Kaufkraft des asiatischen Marktes (vor allem von China) mehr als ausreichend ist um Hollywood-Sequels anzuschieben, dürfte ein Teil 4 irgendwann amtlich sein. Trotz einiger wirklich fulminanter Action-Szenen (Regisseur D.J. Caruso hat sich nach dem katastrophal inszenierten und montierten „Eagle Eye“ (2008) deutlich gesteigert) muss man dem Film ein Verbrechen vorwerfen: Der in der Regel atemberaubende Tony Jaa wird kriminell ungenutzt verschwendet in seiner zu kleinen Rolle. 7/10 Punkten

Lethal Warrior / Kill Zone 2 / SPL 2: A Time for Consequences
(Cheaung Pou-Soi, HK/China 2015, 118 Minuten)
Diese größer aufgestellte Fortsetzung zu dem modernen Hongkong Klassiker SPL von Wilson Yip aus dem Jahr 2005 hat mit dem Vorgänger eigentlich fast nichts gemein, bis auf ein, zwei Namen in der Besetzung, darunter auch Simon Yam, dessen Figur den Vorgänger nicht überlebte und der hier eine andere Rolle spielt. Dies hier ist ein Klopp-Vehikel für Tony Jaa, macht insofern also alles richtig, und enthält einige tolle Momente, vor allem ein wirklich grandios gestaltetes, eindrückliches Finale. Für Martial Arts Fans mehr als sehenswert. 8/10 Punkten

The Perfect Weapon
(Titus Paar, USA/SWE/SP 2016, 89 Minuten)
Kein übliches Steven Seagal-Vehikel (und sein siebenter, wiederhole SIEBENTER Film 2016!!), sondern eine Dystopie um eine Diktatur im ‚Hunger Games‘-Stil. Seagal spielt diesmal den bösen Diktator, der auch kurz einmal seine Martial Arts-Künste zeigen darf. Witze über Steven Seagals Körpergewicht und mangelnde Beweglichkeit die letzten 15 Jahre sind nun mehr als genug gemacht worden, insofern darf man hier eher traurig registrieren, dass man in einer Szene das untrügliche Gefühl hat, dass der arme Seagal sogar seine Arme nur noch schwer hoch bekommt – und alle anderen seiner Action-Szenen höchst seltsam montiert sind, so dass zwar Defizite kaschiert werden, aber keine Wucht aufkommen kann. Der bar jeglicher Einfälle und Esprit inszenierte, budgetmäßig verhungernde Film ist beim Abspann bereits vergessen, auch wenn einige nicht allzu blutige Action-Szenen zumindest leidlich unterhalten. 4/10 Punkte

Advertisements

Ein Kommentar

  1. Acht Punkte für SPLIT? Der Film taugt bestenfalls als unfreiwillige Parodie; diverse abgestandene Psychothriller-Klischees mit einem vollkommen unplausiblen Clou verrührt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s