Monat: Juni 2017

Neun Filmkritiken

Die Mumie
(The Mummy, Alex Kurtzman, USA 2017, 110 Minuten)
Gleich vorweg mal aufgeklärt: Die viele Ablehnung, die dem Film seit dem Start entgegen geschlagen ist, liegt weniger an der Qualität des Films, auch wenn dieser wahrlich kein Meisterwerk ist, sondern häufig daran, dass Marketing, Besetzung der Hauptrolle und Platzierung dieser neuen „Mumie“ im Kinosommer bei Publikum und Kritik völlig falsche Erwartungen geweckt haben – Zitat Variety: „ With Tom Cruise in the lead, the revival was poised to be a beat-the-heat, popcorn-flinging summer blockbuster, a nostalgia grab for millennial fans of the 1999 title..“
Nein!
Eben genau das will/soll der Film nicht sein, ob das nun gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Dies ist eben nicht eine Fortsetzung der modernen Mumie-Trilogie von Stephen Sommers (ab 1999), die viele noch positiv im Gedächtnis haben. Nein, dieser neue Mumie Film schielt keinesfalls wie die vorherige Trilogie auf die Indiana Jones-Filme, sondern besinnt sich tatsächlich auf die alten Boris Karloff-Filme aus den 1930ern und zitiert auch andere Horror-Filme von (besonders deutlich) „American Werewolf“ bis „Night of the Living Dead“, sowie insbesondere die vier spanischen „Reitenden Leichen“-Filme mit ihren zum Leben erweckten untoten Kreuzrittern. Daraus bezieht diese „Mumie“ aber auch durchaus ihren Charme, auch wenn die Unentschiedenheit des Films ihn nie richtig fesselnd werden lässt. Er lässt sich zwar auf Horror ein, ist aber als Sommer Blockbuster dafür letztlich zu harmlos und nicht spannend genug, und es war sicherlich nicht die beste Idee, einen eigentlich reinen Horrorstoff in die Hülle eines Tom Cruise-Kinosommervehikels zu wickeln. Denn so bekommen wir schon ein wenig Action, aber nicht zu viel, etwas Humor, aber nicht zu viel, etwas Horror, aber nicht zu drastisch, so dass letztlich von allem nicht zu viel – zu wenig ist. Eine Katastrophe ist der Film nicht (ist das ein Lob?), aber schon irgendwie unrund; der Zug kommt an, aber schlingernd. Das mystische Brimborium macht durchaus Spaß, wenn man sowas mag und die ersten Spurenelemente des neuen Dark Universe (Universals Gegenangebot zum Marvel Cinematic Universe und dem DC Extended Universe) wecken auch Lust auf mehr – nicht, weil man unbedingt die hingeworfenen Handlungsbrocken erklärt oder weitergesponnen haben möchte, sondern einfach, weil dies alles schon Erzählpotential birgt. Das man aber natürlich in Zukunft auch richtig nutzen muss.
Aktivposten sind die toughe und bildhübsche Annabelle Wallis (bitte mehr solche Rollen für die Dame!) als Heldin und Love Interest von Tom Cruise, sowie ein glucksend aufgeblasener Russel Crowe als Nick Fury, äh nein, als (ja DER) Dr. Jekyll und Chef einer Geheimorganisation gegen das Böse™. Schöner Score von Brian Tyler, und vereinzelt gelingen Regisseur Alex Kurtzman einige sehenswerte Einfälle, auch wenn ihn wohl niemand als visionären Filmemacher bezeichnen würde.
Von einem gelungenen, runden Eindruck kann man ernsthaft bei dieser „Mumie“ nicht sprechen, dafür passt zu viel nicht zusammen und vor allem, zu viele Szenen handeln von Menschen, die in halbdunklen Kammern und Hallen herumstehen. Nur herumstehen, ein Glück ist dieses Werk für einen Sommerblockbuster recht kurz ausgefallen und man reitet in deutlich unter zwei Stunden dem Abspann entgegen. Als seltsamer Hybrid eines groß budgetierten Horror-Films ist der Film eine Sichtung aufgrund seiner Schauwerte und des dezenten Gothic-Touches aber durchaus wert. Natürlich vor allem für Zuschauer, die die Universal-Monster sowieso mögen (der Verfasser dieser Zeilen ist da zugegeben voreingenommen). Next Stop: ‚Frankensteins Braut‘ von ‚Gods & Monsters‘-Regisseur Bill Condon im Februar 2019 – das hört sich immerhin toll an. 7/10 Punkte

Fifty Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe
(Fifty Shades Darker, James Foley, USA 2017, 131 Min (extendcd cut)/118 Min Kinofassung)
Die Fortsetzung des großen Erfolgsfilms basierend auf den Millionen-Sellern von E.L. James erweist sich als ziemliche Mogelpackung: „Gefährlich“ ist hier nichts und „dunkler“ ist der Film auch nicht als der Vorgänger, eher im Gegenteil. Die Romanze von Ana und Christian dreht nach einer Versöhnung einfach eine weitere Runde und, nein, gipfelt kann man eigentlich nicht schreiben, also nicht gipfelt sondern enthält 3-4 kurze Sex-Szenen, die in Länge und mangelndem drauf einlassen das höchst seltsame Gefühl beim Zuschauen wecken, dass die Filmemacher diese schnell hinter sich bringen wollen – eine erstaunliche Attitüde bei einem Film, der nun schon hauptsächlich als Erotik-Film vermarktet werden soll. Vielleicht sind die weiblichen Fans dieser Reihe da genügsamer – wenn man z.B. einen Jurassic World-Film fast ohne Dinos in die Kinos bringen würde, würden sich wohl doch einige mehr beschweren. Die Handlung schleppt sich durch bemerkenswert lange 131 Minuten im extended cut von einer Verwicklung und Romance-Standard-Situation (leider ziemlich geschäftig abgehakt alles) zur nächsten, und bevor alles zu sehr still steht, darf Christian mal wieder kurz für maximal vier Sekunden zu der in solchen Filmen üblichen klebrigen Fahrstuhlmusik Ana von hinten.. Abblende. Eine Zod-Hommage („Kneel!“) wird immerhin bleiben von dem Film, die ist grandios – ob gewollt oder nicht, ist ja letztlich egal. Irgendwie sind diese Filme keine völlig totale Katastrophe, nüchtern gerechnet kommt man (und vor allem: Frau) mit einem baccara-Romanheft aus dem Supermarkt aber einfach günstiger weg. 4/10 Punkten.

Nocturnal Animals.
(Tom Ford, USA 2016, 116 Minuten)
Der neue Film von Designer und Regisseur Tom Ford ist diesmal ein komplex und kunstvoll erzählter, düsterer Thriller, der sich freilich etwas zu sehr in seiner Düsternis und Kunstgewerblichkeit gefällt. Die bei Tom Ford üblichen erlesenen Bilder und einige wirklich großartige filmische Momente (wie zum Beispiel die Schlussszene) heben den Film aber schon weit aus der Masse heraus. 8/10 Punkte

Split
(M. Night Shyamalan, USA 2017, 117 Minuten)
Der große Comeback-Film von M. Night Schyalalan erweist sich tatsächlich als unglaublich fesselnd gelungen. Ein grandios gestalteter Thriller, der aus seiner seltsamen Prämisse: ‚Schizophrener Täter mit 23 Persönlichkeiten hält drei junge Frauen gefangen‘ ein Maximum an Wirkung erzielt. James McAvoy empfiehlt sich mit seiner herausragenden Darstellung bereits jetzt für die nächste Oscar-Verleihung. Die Schluss Wendung will nicht so richtig zu dem Film passen, was man aber auch nicht ernsthaft als Vorwurf aufwerfen kann, da die Verbindung zu einer gewissen Trilogie (Teil 3 folgt in anderthalb Jahren) in Shyamalans-Werk sich ja auch erst am Ende erschließen soll. 8/10 Punkten

Sully
(Clint Eastwood, USA 2016, 96 Minuten)
Man kann über Tom Hanks ja denken was man möchte, aber für solche Rollen wurde er geschaffen. Der Film erzählt die wahre Geschichte von der glücklichen Notlandung einer Passagiermaschine auf dem Hudson River aus dem Jahr 2009 nach und übt Kritik an den offiziellen Ermittlungen, wobei er die Flugaufsichtsbehörden in einem schlechten Licht darstellt, was insbesondere bei staatsgläubigen Filmkritikern einigen Backlash erzeugt hatte. Dies ist ein Film, wie ihn nur Clint Eastwood inszenieren kann: Denn er schafft es gleichzeitig packend, spannend und aufregend zu sein, aber auch völlig unaufgeregt und entspannt daher zu kommen. Eastwood erweist sich auch als bemerkenswert konzentriert – nicht jeder Stoff verlangt Eastwoods sonst übliche zwei Stunden Plus, hier kommt er tatsächlich mal mit gut anderthalb Stunden aus, was dem Film sehr gut tut. 8/10 Punkten

La La Land
(Damien Chazelle, USA 2016, 128 Minuten)
Der eine der beiden großen Oscar Gewinner 2016 (neben „Moonlight“) erweist sich bei näherer Betrachtung doch ein wenig als Scheinriese. Dieses grundsympathische Musical um die alten Themen künstlerischer Erfolg vs. künstlerische Integrität erzählt seine sattsam bekannte Geschichte etwas zu sehr so, als wäre es etwas Neues, was doch leicht verwundert. Die Musicalnummern sind eher rar gesät, erstaunlicherweise. Ferner scheint die teilweise hysterische Liebe, die dem Film entgegen geschwappt war, wohl daher auch zu rühren, dass die in solchen Musicalnummern mögliche befreiende visuelle Fantasie in den letzten Jahren im Mainstream-Kino rar geworden ist und viele Zuschauer, die in der Regel sowieso mit Musicals fremdeln, sich dessen entwöhnt haben. Vielleicht ist das etwas ungerecht, aber da waren die MGM-Musicals vor acht Jahrzehnten durchaus gewagter, schmissiger und einfallsreicher. Die in sehr breitem Scope-Format (2,55:1) fotografierten, gesucht schönen Bilder bezaubern trotzdem, ebenso wie die beiden wirklich vortrefflichen und intensiven Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling, weswegen der Film schon sehenswert ist. Vielleicht hatte man von Damien Chazelle nach dem bezwingenden, meisterlichen „Whiplash“ auch einfach etwas anderes erwartet, als ein solch entspanntes Zurücklehnen; was natürlich sein gutes Recht und kein Vorwurf ist. 7/10 Punkten

xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage
(D.J. Caruso, USA 2017, 107 Miuten)
Vin Diesel erweckt seine alte Quasi-James Bond Franchise von vor 15 Jahren wieder zum Leben und gestaltet sie nunmehr im Stile seiner größten Erfolge, der Fast & Furious Filme: Wir bekommen also auch beim dritten Triple-X Film jetzt eine Art Film-Familie und völlig abgedrehte Action Szenen zu sehen. Wobei letztere natürlich auch schon die USPs bei den Vorgängern waren. Das alles ist eine Nummer kleiner als beim großen Bruder F&F in Budget, Aufwand und Einfallsreichtum, trotzdem sehr schön anzusehen, wenn diesmal eine noch deutlich internationalere Besetzung antritt mit großen süd- und ostasiatischen Stars. Letzteres erklärt wohl auch, dass der Film dort ein Riesen-Hit war – nicht aber in den USA. Da inzwischen die Kaufkraft des asiatischen Marktes (vor allem von China) mehr als ausreichend ist um Hollywood-Sequels anzuschieben, dürfte ein Teil 4 irgendwann amtlich sein. Trotz einiger wirklich fulminanter Action-Szenen (Regisseur D.J. Caruso hat sich nach dem katastrophal inszenierten und montierten „Eagle Eye“ (2008) deutlich gesteigert) muss man dem Film ein Verbrechen vorwerfen: Der in der Regel atemberaubende Tony Jaa wird kriminell ungenutzt verschwendet in seiner zu kleinen Rolle. 7/10 Punkten

Lethal Warrior / Kill Zone 2 / SPL 2: A Time for Consequences
(Cheaung Pou-Soi, HK/China 2015, 118 Minuten)
Diese größer aufgestellte Fortsetzung zu dem modernen Hongkong Klassiker SPL von Wilson Yip aus dem Jahr 2005 hat mit dem Vorgänger eigentlich fast nichts gemein, bis auf ein, zwei Namen in der Besetzung, darunter auch Simon Yam, dessen Figur den Vorgänger nicht überlebte und der hier eine andere Rolle spielt. Dies hier ist ein Klopp-Vehikel für Tony Jaa, macht insofern also alles richtig, und enthält einige tolle Momente, vor allem ein wirklich grandios gestaltetes, eindrückliches Finale. Für Martial Arts Fans mehr als sehenswert. 8/10 Punkten

The Perfect Weapon
(Titus Paar, USA/SWE/SP 2016, 89 Minuten)
Kein übliches Steven Seagal-Vehikel (und sein siebenter, wiederhole SIEBENTER Film 2016!!), sondern eine Dystopie um eine Diktatur im ‚Hunger Games‘-Stil. Seagal spielt diesmal den bösen Diktator, der auch kurz einmal seine Martial Arts-Künste zeigen darf. Witze über Steven Seagals Körpergewicht und mangelnde Beweglichkeit die letzten 15 Jahre sind nun mehr als genug gemacht worden, insofern darf man hier eher traurig registrieren, dass man in einer Szene das untrügliche Gefühl hat, dass der arme Seagal sogar seine Arme nur noch schwer hoch bekommt – und alle anderen seiner Action-Szenen höchst seltsam montiert sind, so dass zwar Defizite kaschiert werden, aber keine Wucht aufkommen kann. Der bar jeglicher Einfälle und Esprit inszenierte, budgetmäßig verhungernde Film ist beim Abspann bereits vergessen, auch wenn einige nicht allzu blutige Action-Szenen zumindest leidlich unterhalten. 4/10 Punkte

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Ich lese gerade

Vorrede
Fangen wir zwei Mal mit dem Wort eigentlich an. Eigentlich sitze ich schon sehr lange an einem großen Artikel über Hörspiele, dieser wird und wird aber einfach nicht fertig. Ferner hatte ich eigentlich mehr eine Kolumne à la „Olis Kulturnotizen“ mal vor, um die Bereiche Musik, Film und Buch gleichberechtigt abbilden zu können, jetzt ist doch wieder nur ein Leseschwerpunkt daraus geworden, was vielleicht aber auch nicht so schlimm ist, da ich ja immer mal wieder auch Filmkurzkritiken schreibe und zumindest auf Facebook immer mal wieder auf interessante Musikerzeugnisse aus meinen präferierten Genres (Hip Hop, Metal, Electronica) hinweise.

Also, was lese ich im Moment?

Nach wie vor halte ich es so, dass ich diverses nebeneinander lese, was sich sehr bewährt hat, weil ich so unter dem Strich einfach mehr ‚schaffe‘, als wenn ich mich nur auf ganz wenige oder auch nur ein Buch am Tag konzentriere.

Mit viel Freude lese, höre und sehe ich mich im Moment durch den Kanon von Sherlock Homes von Sir Arthur Conan Doyle einmal von vorne bis hinten durch, was ich so vollständig und systematisch noch nie gemacht; auch wenn ich natürlich unzählige Filme, Hörspiele und andere Pastiche-Erzählungen immer mal wieder in meinem Leben genossen habe.
Im Vergleich finde ich hochinteressant, wie das Bild auf Holmes‘ Koprus durch die aktuellen Verfilmungen sich anders gestaltet, als es von Conan Doyle vermutlich gedacht war. So finde ich es bemerkenswert, dass kaum eine moderne Film- und auch andere Erzählung ohne Irène Adler auskommt, die offensichtlich die Phantasie der Autoren beflügelt und häufig als Holmes Geliebte dargestellt wird. Sicher, geschenkt, wenn ein Autor eine Figur in die Welt entlässt, hat sie jedes Recht ein Eigenleben zu entwickeln, auch wenn der Autor das so nicht vorgesehen hat. In diesem Fall Irène Adler ist das Missverhältnis aber besonders krass.
Nicht nur, dass heutzutage Irène Adler häufig als gleichberechtigte Figur neben Holmes eingeführt wird und fast immer sein Love Interest ist, was man ja gerne so machen kann, was aber nun sicherlich nicht von Conan Doyle so vorgesehen war. Denn bei ihm taucht Irène Adler gerade mal in einer einzigen Geschichte auf, auch wenn sie in dieser Geschichte eine der ganz wenigen Menschen (und dann auch noch eine Frau, was der Geschichte einer protofeministische Note gibt) ist, die Sherlock Homes sogar mal in einem geistigen Wettbewerb besiegt hat. Warum diese Figur aber sicherlich nicht so intendiert war, wie sie heute häufig eingesetzt wird, macht die Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“ mehr als deutlich: Nicht nur, dass Irène Adler wohl kurz nach der Geschichte bereits verstorben ist, nein, sie ist insbesondere deswegen nicht als Love Interest des großen Detektives geeignet, weil sie in dieser Geschichte einen in Verkleidung sich herumtreibenden Holmes dazu nötigt, Trauzeuge auf ihrer Hochzeit zu sein, auf welcher sie offensichtlich glücklich einen anderen Mann heiratet. Tja.
Noch eine amüsante Holmes-Beobachtung: Wir alle wissen, dass man Wikipedia und co. nicht immer trauen darf. In diesem Fall darf man zwar mal der offiziellen Wikipedia trauen, aber nicht der speziellen und ansonsten eigentlich sehr guten Sherlock Homes Wiki auf Deutsch, die sich eine bemerkenswerten Lapsus leistet. In der berühmte Geschichte „Die fünf Orangenkerne“, die für Sherlock Holmes eher unbefriedigend damit endet, dass die Täter auf hoher See untergehen, folgt die Zusammenfassung in der Holmes Wiki eben nicht der Conan Doyle-Geschichte, sondern ohne dies gesondert zu kennzeichnen, der Maritim-Vertonung(!), hier:
http://de.sherlockholmes.wikia.com/wiki/Die_f%C3%BCnf_Orangenkerne:_Inhaltsangabe
Die dort beschriebene Konfrontation zwischen Holmes und den Verbrechern im Finale findet nur im Hörspiel von Maritim statt, nicht in der Original-Geschichte. Der offizielle Wikipedia Eintrag gibt die Geschichte dahingegen korrekt wieder. Warum erzähle ich das hier und passe den Wiki-Eintrag nicht einfach an? Weil ich genug Erfahrung mit solchen Wiki-Admins gemacht habe, die stumpf-blockwartmäßig einfach jeder Änderung rückgängig machen, ohne sich in der Sache damit auseinander zu setzen.
Gerne werde ich weiter in Conan Doyles Werk weiter voranschreiten, wobei ich inzwischen die Verfilmungen zeitlich abgekoppelt habe, weil ich sonst nie damit zu Potte, geschweige denn hinterher kommen würde. Im Moment mache ich es so, dass ich mir jeweils eine Original-Geschichte von Steven Fry bei Audible vorlesen lasse, und dann die jeweiligen Hörspiele der BBC, des Imagination Theater (USA), sowie 2-3 deutsche Vertonungen mir anhöre, meist eine Radiovertonung (sofern vorhanden), sowie die Hörspiele von Maritim, Titania Medien oder WinterZeit.

Ich hatte auch schon mal erzählt, dass ich mich im Moment durch sämtliche fast 180 Edgar Wallace-Bücher durchlese. Nach gut 30 Bänden mache ich jetzt einmal eine Pause – verlasse aber den Namen Wallace nicht, sondern beschäftge mich jetzt mal mit den, nennen wir sie mal apokryphen Jugendbüchern, die es mit dem Namen Wallace auf dem Cover gibt.
Was hat es damit auf sich und wie komme ich darauf?
Schuld sind die neuen Hörspiele von Winterzeit Audio, die aktuell die sechs Jugendbücher, die in den Achtzigern verfasst von Dietmar Kuegler erschienen, vertonen. Durch diese Hörspiele zur Recherche angeregt, kam ich schließlich darauf, dass es in den Achtzigern sage und schreibe vier(!) verschiedene Jugendbuch-Serien gegeben hat, die sich mit dem Namen Edgar Wallace schmückten. Dazu kam es Anfang der 80er, weil zum einen der Name Edgar Wallace durch die ganzen TV-Wiederholungen der Rialto-Serie noch sehr populär war und wohl gerade die Schutzrechte für seinen Namen abgelaufen waren. Ferner waren in den Achtzigern Jugendkrimis mit einer Detektiv-Bande à la Die Drei Fragezeichen und TKKG schwer in Mode und höchst erfolgreich, so dass es wie bei Alfred Hitchcock bei den Drei ??? auch Edgar Wallace als eine Art Patron und Mentor für Jugenddetektive fungieren in solchen Geschichten durfte, was manchmal schon sich etwas bizarr liest und anhört. Während bei den eben schon erwähnten Werken von Dietmar Kuegler, die kürzlich beim Blitz Verlag gedruckt und als EBook wieder aufgelegt wurden, und wie gesagt, gerade aktuell bei Winterzeit vertont werden, sich ein Kriminalkommissar von den Werken von Edgar Wallace inspirieren lässt für seine Lösungen, gab es auch Reihen, in denen tatsächlich Jugendliche von Edgar Wallace selbst als Mentor unterstützt wurden, der teilweise als Geisterstimme in brenzligen Situationen Warnungen aussprach (eh?! Ja, so steht es geschrieben!) So unter anderem die Reihe Edgar Wallace und der Fall..von Felix Huby & co. , die es in den Achtzigern auf acht Bände brachte, von denen damals immerhin vier von Karussell vertont worden. Diese Hörspiele wurden Anfang 2000 von Universal auf CD neu aufgelegt und von den acht Abenteuern sind immerhin drei auch wieder als EBook erhältlich, wäre die restlichen fünf gedruckt nur gebraucht zu bekommen sind.
Ferner gab es noch eine Reihe Namens „Das silberne Dreieck“, die es immerhin auf 15 Bände gebracht hat, von welchen fünf inzwischen wieder als E-Book vorliegen, sowie schließlich eine Reihe namens „Edgar Wallace jagt das Phantom“, von denen ungefähr eine Handvoll Bände erschienen. Einen Teil davon hatte ich als Jugendlicher mal in der Hand, das weiß ich. Zu diesen immerhin vier Serien könnte man, wenn man wollte, noch einige der offiziellen Maritim Hörspiele zählen, denn deren 16 Edgar Wallace-Hörspiele wurden in vier Staffeln à vier Hörspiele aufgeteilt, mit jeweils wechselnden Helden und in einer dieser Staffeln ganz bewusst Jugendliche in die Handlungen der Originalromane hinein geschrieben. Sehr gekonnt und gelungen übrigens.

Da ich im Moment große Lust auf solche Jugendkrimis habe, und auch ehrlich gesagt, weil Edgar Wallace Romane so hinter einander sich schon etwas gleichförmig lesen, werde ich mir jetzt erst mal diese Jugendkrimis zu Gemüte führen, lesen und hören.

Wer es in diesem Artikel bis hierher geschafft hat, wird jetzt vermutlich mit den Augen rollen. Sherlock Homes, Edgar Wallace, kommt noch mal irgendwas anderes als, räusper, angestaubte Krimis? Tja, diese Art Krimis haben mich halt als Jugendlicher massiv geprägt, das hält bis heute an und fasziniert mich auch bis heute.

Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, im Moment habe ich auf zivile Krimis wenig Lust und lese lieber ein paar Military Thriller à la Tom Clancy, da ich mit Freude feststellen durfte, dass dessen letzte Werke, die er nach seinem Tod verfasste, Co-Autoren sei Dank, ziemlich gelungen sind. Einer der Co-Autoren heißt unter anderem Marc Greaney und weil mir dessen Bücher, die im Tom Clancy/Jack Ryan-Universum spielen, so gut gefallen haben, lese ich jetzt auch Solo Titel von ihm um seinen Helden Court Gentry, die zwar recht einfach gestrickte harte Action Thriller sind, aber durch ihre temporeiche Schreibe viel Spaß machen. Auch die Mitch Rapp-Romane von Vince Flynn, ebenfalls schon verstorben und durch das Wunder von Co-Autoren weiter aktiv, kann ich empfehlen, diese lesen sich äußerst kurzweilig und spannend, im Herbst kommt „American Assassin“ in die Kinos. Für Fans von Michael Moore und Edward Snowden ist das nichts, nur so als Warnung.
Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, auch von James Patterson komme ich irgendwie nicht los, auch wenn er häufig der Prügelknabe der arrivierte Kritik ist, was bei 8-9stelligen(!!!!) Jahreseinkommen ihn wohl aber nur wenig juckt. Kürzlich warb er selbst für seinen neuen Roman mit dem Slogan, dass dies sein bestes Buch seit 20 Jahren sei, worüber sich u.a. Stephen King in einem Tweet lustig machte. Eine solche Aussage von Patterson selbst wäre eigentlich mit Vorsicht zu genießen, festzustellen ist aber, dass das gemeinte „Black Book“ tatsächlich ein ausgesprochen spannender und mitreissender Polizei-Korruptions-Thriller war, den ich hier mit Nachdruck empfehlen kann.

Von meinem kürzlichen Besuch auf dem traditionsreichen Marburg Con habe ich mir drei Bücher mitgebracht, die ich jetzt erst mal hintereinander wech lese:

Das war zum einen „Fischmund“ von Uwe Voehl und Malte S. Sembten, eine eigentlich mal als Heftroman gedachte Horror-Novelle, die dann aber nicht veröffentlicht wurde, weil sie den inhaltlichen Kriterien eines Heftromans nicht entsprach, dazu hätte es u.a. mehr Action bedurft. Nun wurde sie als extrem edles Hartcover in der Edition CL von Erik Hansch posthum aufgelegt, denn Malte S. Sembten ist ja letztes Jahr leider verstorben, so dass dieses Buch auch ein wenig so etwas ist wie sein Vermächtnis. Die Novelle fängt ausgesprochen gut und atmosphärisch an, kann dieses hohe Niveau aber nicht bis zum Ende durchhalten, weil sich trotz erzählter Fremdbeeinflussung Probleme mit der Figurenmotivation einstellen und vor allem allzu sehr auf reichlich abgenutzte Lovecraft-Motive zurückgegriffen wird. Eine schöne Erinnerung an Malte ist dieser traumhaft gestaltete bibliophile Band aber trotzdem.

Ebenfalls aus Marburg mitgebracht hatte ich mir das Bändchen „Drei-Kapellen“ (wirklich mit Bindestrich geschrieben) von Arnold Drebeck und Jörg Kleudgen, in dessen Verlag Goblin Press der handgefertigte, sehr schöne Band auch erschienen ist. Diese Novelle stellt eine Hommage an die Filme von Dario Argento dar und spinnt in angenehm und vor allem kongenialen fieberhaften Tonfall einen Mythos (natürlich, was sonst) um den Mythos der Mütter-Trilogie (Suspira, Inferno, La Terza Madre) des großen italienischen Maestros.

Ebenfalls mitgebracht hatte ich mir noch einen Fantasy-Schmöker aus dem Verlag Torsten Low, den mir auf dem Con zwei der dort anwesenden Autoren, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, auch signiert haben. Der Band muss aber einen Moment warten, denn heute erschien der neue Roman von Michael Crichton, „Dragon Teeth“, der auf dem Cover mal wieder mit einem Saurier-Totenschädel aufwartet, aber kein Jurassic Park-Nachfolger ist, sondern eher ein Western aus der Frühzeit der Paläontologie Mitte des 19. Jahrhunderts. Als immer noch großer Fan von Michael Crichton bin ich sehr froh, dass der Autor sich nicht von seinem Tod vor knapp 10 Jahren hat abhalten lassen, immer mal wieder neue Romane zu veröffentlichen (dies ist bereits der dritte posthume Roman) und ich hoffe das sich in seiner Garage, seinem Dachboden, seinen Festplatten oder seinem Garten noch eine Menge Manuskripte auffinden lassen. Danach dann ist dieser eben erwähnte Fantasy-Schmöker namens „Herbstlande“ dran.

Damit verlassen wir für heute den Bereich der reinen Buchstaben und treten ein in das Reich der Buchstaben kombiniert mit Bildern, also Comics und Mangas.

Als Einzelband sehr empfehlen kann ich die Graphic Novel „Hieronymus Bosch“ von Marcel Ruijters, der das Leben des Hieronymus Bosch in eindrückliche Bilder fasst und auch nicht davor zurück schreckt, die schreckliche Zeit, in der er lebte, in prägnante und eindrückliche Panels zu fassen. Ein toller Band, gibt es auch als Kindle Version für Tablets.

Auch lese ich, schon aus Kostengründen, ganz gerne die als Graphic Novel zusammengefassten Sammelbände der großen US Comicverlage wie Marvel, DC und Image Comics und schließe so gerne Bildungslücken. So lese ich mich im Moment durch den Band „Wolverine – Old Man Logan“, um mich auf die Blu-Ray des Kinofilms „Logan“ vorzubereiten, der auch von einem alternativen, alten Wolverine berichtet. Grandios erzählt und gezeichnet – diese Stimmung dort! Ferner lese ich die Original „Luke Cage – Hero for Hire“ Comics von Anfang der Siebziger, als Blacksploitation ihre Blüte erlebte, um die Netflix-Serie um „Marvel’s Luke Cage“ noch einmal richtig angehen zu können, von der ich bisher nur wenige Folgen gesehen habe. Auch diese Bände machen sehr viel (rohen) Spaß. Schließlich schließe ich mal eine Origin-Bildungslücke um Peter Parker und lese die allerallerersten „Spider-Man“ Geschichten. Ja, die sind simpel gezeichnet und erzählt, machen aber durch viel Fantasie, Sprüche und Tempo enorm Laune. Ich überlege ernsthaft, hier erstmal weiter zu lesen, sind ja nur knapp 600 Bände (argh).

Bei aktuellen amerikanischen Comics kann ich im Moment insbesondere bei Superhelden die Serie „Hulk“ empfehlen, die nicht von dem traditionellen Hulk Dr. Bruce Banner handelt, sondern von She-Hulk Jennifer Walters (beruflich eine Kollegin von mir), eine in sehr ernsten Tonfall und auf hohem Niveau verfasste Serie, die eine sehr befriedigende Lektüre darstellt. Bruce Banner ist ja im Moment bei Marvel nach dem Secret War angeblich tot, bis zu seiner Rückkehr, handelt auch die aktuelle Reihe um einen männlichen Hulk, der „Totally Awesome Hulk“, nicht von Bruce Banner.

Ebenfalls Freude macht mir Moment der X-Men Relaunch, wo über diverse neue X-Men Serien mal wieder die Team-Kader durchgemischt werden und mit recht dynamischen Geschichten überzeugen. Ferner lese ich mich noch durch einige „Wonder Woman“ Origin Storys, von denen es diverse gibt, die man schon vom Namen her („Earth One“, „Year One“) kaum unterscheiden kann und mich entsprechend auf den großen Kinofilm vorzubereiten, auf welchen ich mich schon sehr freue. Früher wäre es mit obszönen Geldausgaben auf Trödelmärkten einher gegangen, heute kann man in der Comixology App völlig problemlos und für sehr wenig Geld zum Beispiel den aller ersten Wonder Woman Auftritt aus dem Dezember 1941(!) nachlesen, in welchem sie u.a. Adolf Hitler (der vom Mars beeinflusst schon mal vor Wut in einen Teppich beißt – großartig!) belauscht und bei einem Baseball-Game aushelfen muss. Kurz hintereinander, ist ja auch beides sehr wichtig.

Schließlich noch Mangas, hier lese ich im Moment zwei Serien bzw. Bände gleichzeitig. Nachdem Naoki Urasawas „20th Century Boys“ zum Besten gehörte, was ich in meinem Leben (nicht nur als Manga) gelesen habe, möchte ich auch seinen anderen Serien eine Chance geben und lese im Moment seinen älteren Hit „Monster“, eine Geschichte um einen japanischen Arzt in Deutschland der Achtziger Jahre, der einen Serienkiller jagt. Diese 18-bändige Serie erschien in den letzten Jahren in Amerika in neun großen Doppelbänden. Ich bin jetzt im zweiten Doppelband und erfreue mich wieder an den hohen Niveau und der brillanten Erzählkunst Uraswas. Ganz tolle Geschichte, echt. Lesen!

Dann habe ich mit der aktuellen Serie „One-Punch Man“ angefangen, die mich aufgrund ihrer Prämisse überzeugt: In Mangas, geht es wie in Comics allgemein ja häufig nur um das eine. Seitenweise, Seite um Seite um Seite – Kloppe und nochmals Kloppe. Diese Serie macht sich darüber lustig, indem sie einen Helden beschreibt, der mal so richtig, ja mal so ganz richtig trainiert hat und jedes Monster und jeden Gegner, egal wie groß und mächtig, mit einem einzigen Schlag umhaut, und wenn der Gegner hoch wie ein Berg ist und mit einem Schlag eine ganze Stadt plättet. Um diesen einen Schlag zu vermeiden tun Freund und Feind alles, und dies birgt sehr viel komisches Erzählpotenzial und macht viel Spaß. „One-Punch Man“ erscheint auf Deutsch bei Kazé Manga, leider nicht digital.

Soweit für heute mal, jetzt ist Schluss, ich will ja äh, nochmal was lesen heute.

Technisches Detail: Um längere Artikel verfassen und das zeitlich wuppen zu können habe ich mir angewöhnt, diese zu diktieren; geht recht gut, auch wenn es der Überarbeitung bedarf.