Fünf Filmkritiken

Mal wieder ein paar Filmkritiken, kurz und schmerzlos:

Abteilung Blockbuster:

Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
(Fantastic Beasts and where to find them), David Yates, USA 2016, 133 Minuten
Inhaltich eher loser Harry Potter-Spin of im New York der 20er (kein Harry und kein Hogwarts weit und breit), der allerdings visuell durch die Handschrift des Potter-Stammregisseurs (natürlich bewusst) einen sich sofort heimisch fühlen lässt. Die von Joanne Rowling erdachte neue Story in dem von ihr selbst erschaffenen Universum ist zumindest brauchbar, richtig sehenswert wird der Film dadurch, dass die gigantischen Server-Parks eines Hollywood-Studios mal nicht für die ewig gleichförmige CGI-Massen-Destruktion genutzt werden, sondern für höchst einfallsreiche, fantasievolle, manchmal richtig poetische Bilder bei der Visualisierung der potter-typischen Magie. Braucht man die vier geplanten Fortsetzungen davon? Wohl eher nicht. Eine aber erstmal gerne. 8/10 Punkte

Rogue One: A Star Wars Story
Gareth Edwards, USA 2016, 134 Minuten
Star Wars, Episode 3.9: Wie die Rebellen an die Pläne des Todessterns gelangt sind und warum die „Schwachstelle“ in der Konstruktion des Todessterns doch ihren Sinn hat. Star Wars einmal wirklich als Kriegsfilm und so gut wie ohne Lichtschwerter, Familien-Dynastie-Gedönse und possierliche Viecher. Das tut richtig gut, sorgt allerdings auch dafür, dass dieser gigantische Abenteuerspielplatz namens Rogue One etwas unterkühlt daher kommt, da ändert auch das sogar eher unangenehme Märtyrer- und Aufopferungs-Pathos gegen Ende nichts. Wir wollen aber bei der Sache bleiben: Der Star Wars-Fan (für nichtgläubige ist der Film eher nicht geeignet), der bei einer zentralen Action-Szene und vor allem bei dem gut halbstündigen Finale nicht einen enormen Kick verspürt, der oder die ist noch nicht geboren worden. Fürs Protokoll: Atemberaubend perfekte Schlussszene, die enorm viel Endorphin ausschüttet, allerdings kurzfristig aufgekommenes Gerede über eine Rogue One-Fortsetzung völlig absurd erscheinen lässt: Die völlig nahtlose „Fortsetzung“ existiert seit 40 Jahren. Die Höchstnote können wir aber wegen zu viel Geschwätzigkeit im Mittelteil und etwas arg viel Mythos-Anspielungs-auf-der-Stelle-treten (vor allem bei den Gastauftritten von Schwerverbrechern, Droiden etc.) nicht vergeben. 9/10 Punkten

Fast & Furious 8
(The Fate of the Furious), F. Gary Gray USA 2017, 136 Minuten
Ist das schön, einfach mal einen gut geölten Blockbuster zu sehen, der erstaunlicher Weise in seiner Machart, Gefühle seiner Helden durch massive und realitätsferne Destruktionen auszudrücken, sich sehr stark beim asiatischen (Süden und Fernost) Kino bedient. Die Family spielt befreit auf und dass auf dem Regie-Stuhl erstmals F. Gary Gray (Set it off, The Negotiator, The Italian Job) Platz genommen hat, ist bei dieser Reihe eigentlich ein Selbstgänger: Denn Gray kann nicht nur Action, sondern hat auch ein extrem sicheres Händchen dafür, Helden cool in Szene zu setzen, es ist eine Wonne, in diesem Film Testosteron-Bomber wie Diesel, The Rock und Statham in Action zu sehen. Dafür ist der Erotik-Faktor eher herunter geschraubt, zumindest was nackte Haut angeht, dem Verfasser dieser Zeilen reicht aber eigentlich schon Michelle Rodriguez‘ Schmollmund hinter einem Steuer. Dass Regisseur Gray schon länger im Geschäft ist, merkt man an einem der schönsten Zitate der letzten Jahre, wenn Jason Statham mit Baby auf Chow Yun-Fat in „Hard Boiled“ (John Woo, 1992) machen darf. 8/10 Punkte.

Abteilung Action-Helden

Pound of Flesh
Ernie Barbarash, Kanada 2015, 104 Minuten
Jean Claude van Damme wird in Manila seine Niere geklaut (NICHT FRAGEN!), die eigentlich seine Nichte bekommen sollte. Die Zeit tickt. Interessante Prämisse, und auch wenn das niedrige Budget teilweise sein hässliches Haupt in einer lächerlichen Autoverfolgungsjagd und teilweise spuckend hässlichen Kulissen (schlecht ausgeleuchtete chinesische Lagerhallen, die Manila darstellen sollen) hebt: JCVD ist in blendender Form – obwohl seine Filmfigur ja eigentlich eine ordentliche OP-Narbe durch den Nierenklau hat.. – und es macht viel Spaß, ihm bei seinen Kicks zuzusehen. Für eine DVD-Premiere ein sehr ordentliches Machwerk. 7/10 Punkten.

Die Todeskralle schlägt wieder zu
(Way of the Dragon), Bruce Lee, Hong Kong 1973, 99 Minuten
Wiederbegegnung mit einem frühen Chuck Norris-Film, in welchem er einen amerikanischen Superkämpfer-Bösewicht darstellt, der sich im Finale mit Bruce Lee im Kolosseum zu Rom (bzw. vor deutlich erkennbar gemalten Hintergründen in einem Studio in Hong Kong) prügeln darf. Die Story? Bruce Lee reist von Hong Kong nach Rom um einem Restaurant auszuhelfen, das von Schutzgelderpressern bedroht wird. Für den Bruce Lee-Kult ist der Verfasser dieser Zeilen etwas spät geboren, trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass dieser schon etwas holprig inszenierte Film von der großen Präsenz Bruce Lees lebt, dessen Kämpfe in ihrer Eleganz, Athletik, Grazie und schieren Durchschlagkraft heute noch eine hohe Faszinationskraft haben und den Film hervorragend altern lassen. Eher nervig sind die Stereotype, insbesondere in der kantonesischen Originalfassung gilt: Englisch=Böse, Kantonesisch=Heimat und gut. Natürlich hätte Chuck Norris in Wirklichkeit nie verloren, wie soll das gehen?! Aber im Film darf ja selbst Bruce Lee mal träumen. 8/10 Punkten

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