Zwei Filmkritiken

Arrival (Denis Villeneuve, USA 2016, 117 Min)
Sehr schön gestalteter SF-Film um einen friedfertigen Alien-Besuch auf der Erde, der zwiespältige Gefühle weckt. Im vergleichbaren Kino-Umfeld ein herrlich unaufgeregter, intelligenter und interessanter Film in schönen Bildern – gleichzeitig ist es aber frustrierend, wie wenig sich die Macher an eine wirkliche Umsetzung der Themen (Determinismus, Wahrnehmung der physikalischen Gesetze, Sprache) in der brillanten und wunderschönen Novelle „Story of your Life“ von Ted Chiang heran getraut haben, die für „Arrival“ adaptiert wurde. Zumal sämtliche (durchaus sehr drastischen) Änderungen gegenüber der Novelle den Film konventioneller machen, als es notwendig gewesen wäre. Aber das war wohl Absicht. Sehenswert ist das alles durchaus trotzdem und vielleicht ist es auch gar nicht möglich, die mit Händen zu greifende Großartigkeit des vielleicht besten SF-Erzählers der Gegenwart in ein adäquates Kinoerlebnis zu transformieren. Das Resultat sind paradoxe Gefühle, wenn der Abspann von „Arrival“ läuft. Man ist zugleich zutiefst befriedigt ob eines gelungenen, schönen Films und unbefriedigt wegen des riesigen Abstandes in jeglicher Hinsicht zur ursprünglichen Novelle von Ted Chiang. 8/10 Punkte

Jack Reacher: Never go back (Edward Zwick, USA 2016, 118 Min)

Die vielen mäßigen bis negativen Kritiken verwundern – vielleicht fehlt vielen Menschen einfach die Dankbarkeit, endlich mal wieder einen gelungenen Mid-Level Thriller zu sehen, der sicherlich nichts Neues an den Tisch bringt, aber über knapp zwei Filmstunden blendend und rasant unterhält. Wer nicht ständig blöde Sprüche und Grinsen braucht, ist hier genau richtig, wenn Tom Cruise es mal von der Rolle vorgeschrieben bekommt, genau dies nicht zu dürfen. Gleiches Recht für alle: Da es unter Androhung von Shitstorms absolut Tabu ist, über die falsche Cup-Größe der Wonder Woman Darstellerin öffentlich zu reden, thematisieren wir hier auch nicht, dass Tom Cruise für die Rolle von Lee Childs Jack Reacher eigentlich ein bis anderthalb Köpfe zu klein ist. Begrüßenswert seine Souveränität (er ist auch Produzent – „A Tom Cruise Production“) sich klar die Show stehlen zu lassen von der atemberaubend großartigen Cobie Smulders (ja, die Maria Hill aus dem MCU), die eine Heldin spielt, an deren entschlossenen, harten Blick und toughen Moves man sich gar nicht satt sehen kann. So geht weibliche Heldin 2017!
Erstaunlich, was in den USA heute an knackenden Knochen und Filmblut bei einem PG-13 zulässig ist (bei uns ist der Film ab 16) und wirklich abartig, dass das Budget von 60 Millionen Dollar noch vor dreißig Jahren zum teuersten Film aller Zeiten gereicht hätte und heute fast in die Kategorie Low Budget gehört. Was dem Vergnügen an diesem herrlich gradlinigen Thriller keinen Abbruch tut. Leider lief der Film bisher nur mäßig gut (auch wenn er seine Kosten eingespielt hat), so dass von den bisher 21 Reacher-Romanen von Lee Child es wohl vermutlich bei diesen zwei Verfilmungen bleibt. Zumindest mit Tom Cruise. 8/10 Punkte

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