Monat: März 2017

Zwei Filmkritiken

Arrival (Denis Villeneuve, USA 2016, 117 Min)
Sehr schön gestalteter SF-Film um einen friedfertigen Alien-Besuch auf der Erde, der zwiespältige Gefühle weckt. Im vergleichbaren Kino-Umfeld ein herrlich unaufgeregter, intelligenter und interessanter Film in schönen Bildern – gleichzeitig ist es aber frustrierend, wie wenig sich die Macher an eine wirkliche Umsetzung der Themen (Determinismus, Wahrnehmung der physikalischen Gesetze, Sprache) in der brillanten und wunderschönen Novelle „Story of your Life“ von Ted Chiang heran getraut haben, die für „Arrival“ adaptiert wurde. Zumal sämtliche (durchaus sehr drastischen) Änderungen gegenüber der Novelle den Film konventioneller machen, als es notwendig gewesen wäre. Aber das war wohl Absicht. Sehenswert ist das alles durchaus trotzdem und vielleicht ist es auch gar nicht möglich, die mit Händen zu greifende Großartigkeit des vielleicht besten SF-Erzählers der Gegenwart in ein adäquates Kinoerlebnis zu transformieren. Das Resultat sind paradoxe Gefühle, wenn der Abspann von „Arrival“ läuft. Man ist zugleich zutiefst befriedigt ob eines gelungenen, schönen Films und unbefriedigt wegen des riesigen Abstandes in jeglicher Hinsicht zur ursprünglichen Novelle von Ted Chiang. 8/10 Punkte

Jack Reacher: Never go back (Edward Zwick, USA 2016, 118 Min)

Die vielen mäßigen bis negativen Kritiken verwundern – vielleicht fehlt vielen Menschen einfach die Dankbarkeit, endlich mal wieder einen gelungenen Mid-Level Thriller zu sehen, der sicherlich nichts Neues an den Tisch bringt, aber über knapp zwei Filmstunden blendend und rasant unterhält. Wer nicht ständig blöde Sprüche und Grinsen braucht, ist hier genau richtig, wenn Tom Cruise es mal von der Rolle vorgeschrieben bekommt, genau dies nicht zu dürfen. Gleiches Recht für alle: Da es unter Androhung von Shitstorms absolut Tabu ist, über die falsche Cup-Größe der Wonder Woman Darstellerin öffentlich zu reden, thematisieren wir hier auch nicht, dass Tom Cruise für die Rolle von Lee Childs Jack Reacher eigentlich ein bis anderthalb Köpfe zu klein ist. Begrüßenswert seine Souveränität (er ist auch Produzent – „A Tom Cruise Production“) sich klar die Show stehlen zu lassen von der atemberaubend großartigen Cobie Smulders (ja, die Maria Hill aus dem MCU), die eine Heldin spielt, an deren entschlossenen, harten Blick und toughen Moves man sich gar nicht satt sehen kann. So geht weibliche Heldin 2017!
Erstaunlich, was in den USA heute an knackenden Knochen und Filmblut bei einem PG-13 zulässig ist (bei uns ist der Film ab 16) und wirklich abartig, dass das Budget von 60 Millionen Dollar noch vor dreißig Jahren zum teuersten Film aller Zeiten gereicht hätte und heute fast in die Kategorie Low Budget gehört. Was dem Vergnügen an diesem herrlich gradlinigen Thriller keinen Abbruch tut. Leider lief der Film bisher nur mäßig gut (auch wenn er seine Kosten eingespielt hat), so dass von den bisher 21 Reacher-Romanen von Lee Child es wohl vermutlich bei diesen zwei Verfilmungen bleibt. Zumindest mit Tom Cruise. 8/10 Punkte

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Gelesen: ‚Teufelsgold‘ von Andreas Eschbach

Teufelsgold: ThrillerTeufelsgold: Thriller by Andreas Eschbach
My rating: 5 of 5 stars

Es gilt nach wie vor: Bei Andreas Eschbach gibt es die Kategorien knapp/voll daneben oder Volltreffer/Großtat. „Teufelsgold“ zählt definitiv mal wieder zu letzterer Kategorie und reiht sich ein bei seinen vorzüglichen Romane wie „Das Jesus Video“, „Eine Billion Dollar“, „Ausgebrannt“ und „Herr aller Dinge“. Nach zwei eher mäßigen Romanen („Todesengel“, Der Jesus Deal“) läuft der Autor nun wieder zu Hochform auf in dieser Geschichte eines selbstständigen Seminarveranstalters, der seine Teilnehmer zum Reichtum an der Börse zu führen verspricht und seine Seminare mit leicht esoterisch-alchemistischen Überbau würzt. Eschbach verschränkt die Geschichte eines lebenshungrigen, gierigen Familienvaters, der sein Leben auf Blendwerk und Betrug aufbaut mit einer Fantasy-Geschichte aus dem Mittelalter um berühmte Alchemisten und den Stein der Weisen, der Unsterblichkeit verheißt. Ob letzteres nur in der Einbildung stattfindet oder ein phantastisches Element des Romans darstellt, löst der Autor sehr klar auf (in einem fulminanten Twist!), trotzdem ist das Buch natürlich auch als Metapher zu lesen.

Dabei kreuzt der Autor sehr geschickt die realistische Welt von Seminarräumen mit einer Abenteuer- und Queste-Geschichte. Aufgrund hervorragender Figurenzeichnung und dichter Atmosphäre kann man einmal mehr einen Eschbach praktisch nicht aus der Hand legen, fesselnder Page-Turner ist fast noch untertrieben.

Ferner merkt man deutlich eine Reifung des Autors: „Teufelsgold“ will nicht nur unterhalten, sondern stellt auch eine schneidend scharfe Kritik an (Lebens-)Gier dar, wobei es dem Autor vortrefflich gelingt, seine Moritat ohne erhobenen Zeigefinger auskommen zu lassen, während dem (Anti-)Helden sein Leben entgleitet und er zu immer drastischeren Maßnahmen greifen muss um die Reste davon zu retten. Wobei es für interessant ist, dass die Hauptfigur Hendrik Busske, dem die Leserschaft auf der Schulter sitzt, von Seite zu Seite unsympathischer wird, aus der zunehmenden Distanz wird viel Spannung gewonnen.

Wie häufig bei Eschbach ist gerade das Ende vorzüglich geraten: Sehr berührend, befriedigend, rund. „Teufelsgold“ ist ein hervorragend konzipierter, erzählter und durchdachter Roman.

Höchstwertung? Selbstredend.

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Wunderbar. Stephen Fry liest Sherlock Holmes. Komplett.

Eine schöne zeitliche Koinzidenz: Da lese, höre und sehe ich mich gerade dieses Jahr durch den kompletten Sherlock Holmes Canon von Arthur Conan Doyle, da gibt Audible bekannt, dass genau jetzt am 1. März eine große neue Komplettlesung von niemand geringerem als Stephen Fry veröffentlicht wird. Stephen Fry muss man niemandem mehr vorstellen, wobei in Deutschland vielleicht nicht jeder weiß, dass seine Stimme in England vor allem dafür bekannt ist, dass er (so wie Rufus Beck und Felix von Manteuffel bei uns) die Harry Potter-Romane als Hörbuch eingelesen hat (die britischen Fassungen, die US-Ausgabe liest Jim Doyle) und so wohl in vielen Kinder- und Wohnzimmern zu Hause war und ist.
Ich habe bisher die Holmes-Hörbücher mir von dem großen Shakespeare-Mimen Derek Jacobi vorlesen lassen, jetzt bin ich zu der Lesung von Stephen Fry umgestiegen. Seine höchst angenehme, klare und unaufdringlich-fesselnde Stimme hat was, man merkt, wie viel Freude dem lebenslangen Holmes-Fan dieses Projekt gemacht hat, in welchem er über 71 Stunden sämtliche vier Romane und 56 Kurzgeschichten eingelesen hat. Da ich Audible-Abonnent bin, kostete mich die sonst recht teure Sammlung lumpige € 9,95, bzw. gar nichts, weil gerade mein neuer Guthaben-Monat angefangen hatte. Oh je, schnell aufhören, ich wollte hier ja keinen Audible.de-Werbeblock veranstalten.
Also, an alle audiophilen Holmes-Fans: Unbedingt antesten!

http://www.ihearofsherlock.com/2017/03/stephen-fry-reads-complete-sherlock.html#.WL_CFjvhA2x