Gehört: „Hardwired…to Self-Destruct“ von Metallica

12 Tracks, 77 Minuten (2 CDs)
26 Tracks, 158 Minuten (mit 3. Bonus Disc)

Was kann es besseres geben, als auf eine knapp einstündigen Dienstreise nach Bremen ein neues Metallica-Album im Auto hören zu können? Sowas hat dann u.a. zur Folge, dass man in einem Stau der einzige mit fröhlichem Gesicht ist, weil durch die künstlich verlängerte Fahrt man sich mehr auf das Album konzentrieren und dieses durchhören kann. Denn das Album ist etwas ganz besonderes, noch Jahre später lief bei mir „Death Magnetic“ regelmäßig.
Ja, ich rede nicht von heute, sondern vom 12 September im Jahres des Herren 2008. Heute, acht Jahre später, erscheint nach ewiger Funkstille endlich das neue Album von Metallica namens „Hardwired to self-destruct“ – und ausgerechnet heute musste ich wieder nach Bremen, was in der Regel allenfalls 5-10x im Jahr vorkommt. Das muss also etwas heißen. Fragt sich nur was. Ein Zeichen? Wie dem auch sei, nach acht langen, langen, langen, langen Jahren und dem ständig von Metallica in Interviews herumtrompeteten Anspruch, dass man aus Hunderten von Songs die besten auswähle und es gar nicht perfekt genug sein könne, hängen die Erwartungen natürlich turmhoch, Minimalziel Next Level Shit™, am besten gleich Jahrhundert-Offenbarung.

Und, was soll ich sagen? Mal abgesehen von einer Jahrhundert-Offenbarung wurden meine gewaltigen Erwartungen erstaunlicherweise tatsächlich erfüllt. Auf der ersten CD finden sich die drei schon recht ordentlichen Single-Auskopplungen, also neben dem Titeltrack „Moth into Flame“ und „Atlas, Rise!“, sowie das auch sehr gelungene „Now That We’re Dead“ und der wuchtige Abschluss der ersten CD „Halo on Fire“. War da der Grad der Zufriedenheit schon groß, startete dann die zweite CD – und hier dann die richtige Begeisterung. Es folgt mit „Confusion“, „ManUNkind“, „Here Comes Revenge“ und „Am I Savage“ Brett auf glücklich machendes Brett, alle groovy as f**k und das Pendel schlägt aus von „ordentlich“ auf „sehr gut“.

Aber die entscheidende musikalische Frage hat die Band bis dahin noch nicht beantwortet, die Kernfrage jeglicher Musik, die Frage, die Künstler und Musikliebhaber seit Jahrhunderten beschäftigt: „Kommt noch eine richtige, so richtige Abrissbirne?“ Und zu unserem oder zumindest meinem großen Glück: Sie kommt. Hielt sich die Band meist auf dem neuen Album eher im Mid-Tempo Bereich auf (nach Metallica-Geschwindigkeit gemessen) folgt dann mit dem allerletzten Track tatsächlich noch eine gloriose Abrissbirne: „Spit Out The Bone“, 7 Minuten und 9 Sekunden lang fast durchgehend ungezügeltes High Speed Geballer – der Track wird da teilweise fast nachgerade unfair, weil man eigentlich nicht weiß, womit man so viel Glück verdient hat. Ich war wirklich überglücklich, als ich das Ding das erste Mal hörte.

Und dann folgt auf der Deluxe-Edition noch eine dritte CD mit 14 weiteren Tracks, darunter der vor einiger Zeit als Single veröffentlichte, gute Track „Lords of Summer“ (mit gänzlich anderem Sound als das neue Album), drei Coverversionen und ein Mittschnitt von einem Live-Konzert am Record Day.
Ja, Menschen mit Distinktionsbedürfnis tun sich beim Mögen von Metallica immer etwas schwer, weil die „jeder“ mag, das mag aber einfach auch Gründe haben. Hier ist einer: Die Wartezeit von acht Jahren hat sich tatsächlich gelohnt, „Hardwired to self-destruct“ ist ein großer, epochaler Wurf mit 12 wuchtigen langen Songs, verteilt über gut 77 Minuten. Sehr wuchtig produziert und ein Glück vom Loudness War von „Death Magnetic“ weit entfernt.
Und jetzt ist genug geschrieben, jetzt wird „Spit out the Bone“ auf Dauer-Repeat geschaltet. Gibt es noch was zu sagen? Nein. Doch. Heute war kein Stau von und nach Bremen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s