Gelesen: Im Banne des Mächtigen – Karl Mays Magischer Orient 1 von Alexander Röder

Im Banne des Mächtigen (Karl Mays Magischer Orient 1)Im Banne des Mächtigen by Alexander Röder
My rating: 3 of 5 stars

Mit offiziellem Segen des Karl May Verlages darf der Autor Alexander Röder die Abenteuer von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar fortsetzen, mit der interessanten und in der Tat nachgehenswerten Prämisse, dass Karl May, würde er heute leben, möglicherweise auch Fantasy-Elemente in seinen Erzählungen eingesetzt hätte; entrückt-verträumt wirkte sein Orient vom Ende des 19. Jahrhunderts ja schon immer. Und so treffen unsere Helden diesmal auf persische Fabel-Wesen, magische Zelte und seltsame Füchse – insgesamt wirkt der Fantasy-Einsatz aber doch fast sparsam.

Der Autor ist offensichtlich ein Fan des Maysters, das merkt man dem Text an und das kommt ihm auch zu Gute. Dass recht viele Verweise auf zeitgenössische Literatur und Begebenheiten eingebaut werden, ist eine nette Zugabe, wirkt teilweise aber schon gestelzt und aufgesetzt, wofür der Autor sogar einmal Kara Ben Nemsi selbst eine Entschuldigung an die Leser aussprechen lässt. Mit manchem fühlt sich der Autor wohl auch nicht so wohl oder es wirkt rein angelesen, hier sei auf den seltsamen Dante-Verweis (den Nachnamen benutzt so gut wie niemand) und das finale Schachspiel (so reden keine Schachspieler!) am Ende verwiesen.

Offensichtlich im Hinblick auf jüngere Leser bekommen unsere beiden Helden zwei jugendliche Mitstreiter an die Seite gestellt, dieses gelang erzählerisch aber nur mäßig und offenbart zwei Konstruktionsfehler: Zum einen, weil die May-tpische personale Erzählperspektive aus der Sicht Kara Ben Nemsis (als erzählerischer Zopf?) beibehalten wird, wirken die beiden Jugendlichen etwas blass und nur als Staffage; dass sie zum anderen dann aber gleichzeitig häufig unseren beiden erwachsenen Helden (drei, wenn man Sir David Lindsay mitzählt) aus der Patsche helfen müssen, wirkt nicht nur durch die Erzählperspektive seltsam, sondern deutet gerade auch den Proto-Superhelden Kara Ben Nemsi – der eigentlich alles kann und alles weiß, auf nicht sehr angenehme Weise neu – so viel hätte man diesem bei einem Original-Stoff von Karl May nie helfen müssen. Dass der Held dann sogar mal bei geläufigen indischen Sprachen passen muss, ist ebenfalls seltsam und erdet die Figur über Gebühr – da rümpfen Fans die Nase.

Während das alles eher Kleinigkeiten sind, verleidet ein Schwachpunkt des Romans das Lesevergnügen aber nicht unbeträchtlich: Wer Karl May schreibt, muss nicht wie Karl May schreiben, aber sollte sich schon die besten Eigenschaften des Maysters abgucken: Dazu gehören Tempo, spritziger Einfallsreichtum, leichte Verschrobenheit und, ja, auch Humor. Insbesondere Tempoprobleme gibt es in diesem Buch so einige zu gewärtigen, das viel zu lang geraten ist, und viel zu viele Absatz-Textwüsten ohne erholsame Zeileneinschübe (zumindest in der Kindle-Version) enthält, die häufig nur langatmige Beschreibungen liefern. Karl Mays abenteuerliche Reiseerzählungen zeichneten sich immer durch viel Action und lange, kurzweilige Dialogpassagen aus. In diesem Roman stapfen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar viel zu viel herum, reden zu wenig miteinander und erleben auch zu wenige aktionsreiche Abenteuer, so dass die Lektüre manchmal am Geduldsfaden zerrt, weil die Erzählung in diesen trockenen, humorlosen Passagen nicht voran kommt.

Insofern beendet man diesen Band leicht missmutig. Teil 2 klingt aber so vielversprechend – eine Chance bekommt der Magische Orient noch.

View all my reviews

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s