Gelesen: Crosstalk von Connie Willis

CrosstalkCrosstalk by Connie Willis
My rating: 4 of 5 stars

Kann man die Mechanismen einer Screwball-Comedy auf über 500 langen Seiten tatsächlich aufrecht erhalten? Ja, man kann. Nein, man kann nicht.

Briddey und Trent sind das Traumpaar in einer modernen Kommunikationsfirma, ein Mitbewerber von dem Unternehmen mit dem weißen Apfel auf ihren Geräten. Briddey und Trent wollen eine neue OP-Methode namens EED ausprobieren, die Paaren angeblich die Möglichkeit bietet, dass man die Gefühle des anderen Spüren kann. Alle warnen Briddey davor, die OP findet trotzdem statt. Mit ungeahnten Folgen. Plötzlich kann Briddey zwar nicht ihren Boy-Friend, aber die Gedanken aller anderen hören – auch die von dem einsiedlerischen Nerd C.B., der es sich zur Aufgabe macht, ihr zu helfen..

Ja. Screwball-Comedys leben von eindimensionalen, schrillen Figuren, auf deren Rücken man immer den gleichen Witz immer wieder erzählen kann. So macht Connie Willis das auch hier, Briddeys Familie ist hochgradig nervig – aber auch schreiend komisch. Tante Oona nervt alle mit ihrer Überbetonung ihrer irischen Wurzeln, Briddeys eine Schwester nervt mit ständigen Liebesnöten, die andere Schwester ist die schlimmsteHelicopter-Mutter diesseits der Hölle und quält ihre Tochter Maeve, eine aufgeweckte Neunjährige, die heimlich Zombie-Filme guckt.
Das klingt jetzt alles nicht so herausragend, ist aber von soghaften Tempo und tatsächlich über hunderte Seiten schreiend, wirklich schreiend komisch und extrem unterhaltsam.

Nein. Zum Finale muss die Autoren dann doch mal dieKarten auf denTisch legen und die angelegten Konflikte eher in Thriller-Mainer auflösen. Hier ist das Buch am schwächsten, denn hier verheddert sich Connie Willis in ihren eigenen, ziemlich komplizierten Telepathie-Regeln und wie man sich gegen fremde Gedanken(leser) schützt und zum anderen rächt sich nun die eindimensionale Anlage der Figuren, die teilweise wie auf Schienen schreiend unglaubwürdig handeln und damit die Glaubwürdigkeit des Romans torpedieren.

Trotzdem ein sehr lesenswerter Roman für diesen Herbst, der eine Menge zu sagen hat über unsere heutige Kommunikation mit ihrer hysterischen Dauer-Erreichbarkeit. Das eher schwache Finale hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, man vergisst aber trotzdem nicht, wie blenend einen die Autoren vorher auf hunderten Seiten unterhalten hat.

Crosstalk würde ich in diesem Leben nicht nochmal lesen wollen. Gerne gelesen habe ich ihn auf jeden Fall.

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