Karl Mays Magischer Orient

Darauf habe ich mich in diesem Lektüre-Herbst mit am meisten gefreut: Die neue Reihe „Karl Mays Magischer Orient“ aus dem Karl May Verlag. Basierend auf der in der Tat bestechenden Idee, dass, Karl May, würde er heute leben, vermutlich tatsächlich Fantasy-Elemente in seine Romane einbauen würde.

Dies ist keinesfalls einfach nur ein verzweifelter Aktualisierungsversuch um dem Mayster neue und jüngere Leserschichten zu erschließen, nein, wie Leser und Fans seiner Werke wissen: Der von Karl May ersonnene und beschriebene Orient war schon immer mehr ein verträumter Abenteuer-Sehnsuchtsort, denn präzise beschriebenes Zeitkolorit.

Niemanden hätten wohl phantastische Elemente in Mays Werken gewundert, die wohl nur deshalb damals nicht Eingang in seine Geschichten fanden, weil in diesem Genre als Massenunterhaltung nur wenige Zeitgenossen Mays reüssierten, wie z.B. H.R. Haggard und Jules Verne. Wobei selbstverständlich sowieso niemand widersprechen kann, dass das schönste an Mays Werken, die genialistische Verschränkung von Ich-Erzähler, Autor und Identifikationsfigur alle Züge eines (Proto-)Superhelden trägt, der schlicht alles weiß und kann, mithin ein phantastisches Element durchaus vorhanden ist, das in der Figur Kara Ben Nemsi/Old Shatterhand Bären eigenhändig besiegt, 1.000 Sprachen spricht und jeden Ort der Welt bereits bereist hat und wie seine Westentasche kennt.

Während weitere Fortsetzungs-Geschichten von Helden, die den Schutzschirm des Urheberechts aus Zeitgründen verlassen mussten, manchmal Legion sind (man denke nur an die unüberschaubar große Menge an Sherlock Holmes-Geschichten), sind inoffizielle Fortsetzungen mit unseren LIeblingshelden Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar eher selten.  Da fallen neben den schon Jahrzehnte alten inoffiziellen Fortsetzungen von „Im Reich des Silbernen Löwen“ von Otto Eicke und Heinz Gill und vor ein paar Jahren „Hadschi Halef Omar“ von Jörg Weigand nur einige Kleinverlagsprojekte ein – wie aktuell zwei neue Abenteuerreihen aus dem Blitz-Verlag um Kara Ben Nemsi (sieben Bände bisher angekündigt) und Old Shatterhand (Band 1 erscheint dieser Tage).

Heute, am 4. Oktober, erschienen gleich drei neue Bücher im Karl May Verlag: Die von Alexander Röder verfassten Romane „Im Banne des Mächtigen“ und „Der Fluch des Skipetaren“ als Band 1 und 2 von „Karl Mays Magischer Orient“, sowie eine Anthologie mit magischen Karl May Kurzgeschichten, herausgegeben von Thomas Le Blanc, dieser Band heißt „Auf phantastischen Pfaden“.

Mit Vorfreude und Feuereifer habe ich heute Morgen gleich mit „Im Banne des Mächtigen“ angefangen und bin recht zufrieden. Röder beherrscht die May’sche Nomenklatur von Bakschisch bis Sidhi, die Atmosphäre stimmt auch, einziger Unterschied zum Mayster bisher: Röder beschreibt und sinniert viel mehr, was zu deutlich längeren Absätzen führt, wo May lieber mit kurzweiligen Dialogen und viel veräußerlichter Handlung aufs Gaspedal drückte. Das muss aber nicht schlecht sein. Zaghaft merkt man bereits, dass Röder viel Wert auf intertextuelle Verweise legt, sowohl zu Mays Werk selbst, als auch zu anderen Autoren, Helden und Figuren. Das könnte viel Freude machen. Wie sich phantastische Elemente um Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar herum lesen, kann ich noch nicht sagen, am Anfang des Romans wird zunächst nur ein Dieb über den Basar von Basra verfolgt.

Ich freue mich auf die drei Bände, und werde diesen Herbst auch den beiden o.g. Blitz-Reihen eine Chance geben.

Sauertöpfe könnten jetzt einwenden, dass bei allen Problemen im „Nahen Osten“ (Krieg in Syrien, Daesh etc.) solch eskapistische Romane mit ihren klischeehaften Figuren nicht angezeigt seien. Diejenigen verkennen aber völlig, mit welcher großen Liebe und Zuneigung Karl May den Orient und die Menschen dort beschrieben hat, vom Taschendieb bis zum Edelmann, vom abgefeimten Mörder bis zum Prinzen. Dieser Tradition wird Alexander Röder sicher auch verpflichtet sein; so geht Völkerverständigung, Karl Mays Liebe für diese Gegend (die er nie bereist hat) und die Menschen dort ist ansteckend.

Die offizielle Seite der Reihe:

Erlebe magische Abenteuer

Ein sehr gelungener Artikel beim Zauberspiegel:
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/phantastisches/gedrucktes-mainmenu-147/29291-kara-ben-nemsi-ist-wieder-unterwegs-karl-mays-magischer-orient

Zum Karl May Verlag:
http://www.karl-may.de/

Zum Blitz Verlag:
https://www.blitz-verlag.de/

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