Monat: Oktober 2016

Ganz herzlichen Glückwunsch an Black Gate!

Blogs gibt es wie Sand am Meer. Hier, das OliBlog, ist auch so ein Sandkorn.

Nur wenige Blogs ragen richtig heraus, im Phantastik-Bereich ist eines davon definitiv das Blog (mehr eine große Homepage) Black Gate, das immer wieder mit wahnsinnig interessanten Inhalten aufwarten kann.

Am Wochenende gewann John O’Neill, der Herausgeber des Black Gate Blogs, und sein Team, den World Fantasy Award für seine Arbeit.

Ganz herzlichen Glückwunsch von einem, ich will jetzt gar nicht Kollegen sagen, sondern, von einem begeisterten Black Gate Leser, der die Seite täglich ansteuert. Und es gibt nicht viele Internet-Seiten, die ich täglich besuche.

Schöner Zirkelschluss, ich verlinke am Ende zu der Black Gate-Meldung auf Black Gate mit dem dringenden Ratschlag an meine Leser: Bookmarken!

https://www.blackgate.com/2016/10/30/black-gate-wins-world-fantasy-award/

Geballte Übersetzer

In der neuen „phantastisch“ #64 findet sich ein sehr schöner Artikel, in welchem Übersetzer von Phantastik-Literatur gefragt werden, welche noch unübersetzen Bücher unbedingt mal übersetzt werden sollten.

Zu dem Bild: Anstelle von Markus Mäurer würde ich mir die hier abgebildete Seite rahmen lassen und zu Hause aufhängen, auf welcher er ganz lässig neben Star-Übersetzer und Fantasy-Hoffnungsträger Ken Liu liegt. 

Allerdings, auch geballte Kompetenz kann nicht perfekt sein, eher in die Kategorie „Alle Übersetzer in einem Sack stecken und draufschlagen“ fällt, dass keiner der genannten Herren an Ian Mcdonalds letzte Romane gedacht hat. Ob das Gerd Rottenecker auch passiert wäre, der hier leider nicht dabei ist?

Gelesen: The River of Stars (1913) von Edgar Wallace

The River Of StarsThe River Of Stars by Edgar Wallace
My rating: 2 of 5 stars

(English version of review follows below)
Kleinganoven machen sich auf dem Weg nach Afrika um einen Diamantenfluss zu finden, kommen sich davor und danach aber ständig selbst in die Quere, mit teilweise tödlichem Ausgang..
Der in die Afrika-Geschichten um Commissioner Sanders eingeordnete Band enthält nicht wie üblich Sanders-Kurzgeschichten, sondern stellt einen Roman dar, Sanders ist nur eine Nebenfigur am Rande. Mangelnde Charakterisierung macht den Zugang schwierig, ein sehr langweiliger und unbefriedigender Roman.

Small-time crooks go to Africa to find a diamond river, but before and after this journey, they constantly get in their own way, with sometimes fatal consequences ..
This volume, grouped with the Sanders Africa books of Wallace does not contain the usual Sanders-short stories, but is a novel, Sanders is only a minor character on the edge oft he proceedings. The lack of characterization makes access for the reader difficult, a very boring and unsatisfying novel.

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Gelesen: Grey Timothy or Pallard the Punter (1913) von Edgar Wallace

Grey TimothyGrey Timothy by Edgar Wallace
My rating: 4 of 5 stars

(English version of review follows below)
Die renommierte Familie Callander bekommt höchst unwillkommenen Besuch von ihrem australischen Verwandten, dem Neffen Brian Pallard von Familienoberhaupt Peter Callander. Unwillkommen, weil Pallard einen eher zweifelhaften Lebenswandel pflegt und sein Vermögen mit Pferdewetten gemacht. Bei Ankunft erweist sich Pallard als charmant und gewitzt, so dass sich Tochter Gladys gleich in ihn verguckt, er hat aber auch Rivalen, die vor schlimmen Taten nicht zurück schrecken und auch schon mal ein Pferd mit Tse Tse Fliegen umbrignen um ein Rennen zu manipulieren.
Kurzweilige und vergnügliche Mischung aus Gesellschaftskomödie, Melodram und leichtgewichtigem Kriminalroman. Sicherlich auf keinerlei Weise irgendwie bedeutend, aber nett zu lesen und noch heute so unterhaltsam, dass man die Lektüre empfehlen kann. Der Roman wurde gleich 1919 von J.L.V. Leigh mit Jack Leigh, Heather Thatcher und Lionel d’Aragon verfilmt, der Film gilt aber leider als verschollen.

The renowned family Callander receives a very unwelcome visit from their Australian relative, nephew Brian Pallard of family patriarch Peter Callander. Unwelcome because Pallard cultivates a rather dubious way of life and made his considerable fortune on the races. Upon arrival, Pallard proves charming and witty, so that daughter Gladys immediately gets a crush on him, but he also has rivals who do not shy away from bad deed like killing a horse with tse tse flies to manipulate a horse-race…

Entertaining mix of social comedy, melodrama and lightweight detective novel. Surely in no way of any literary importance, but still so nice to read that it can be still recommended. Made pretty quickly into a movie in 1919 by J.L.V. Leigh, starring Jack Leigh, Heather Thatcher andd Lionel d’Aragon, this film seems to be lost, alas.

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Gelesen: Im Banne des Mächtigen – Karl Mays Magischer Orient 1 von Alexander Röder

Im Banne des Mächtigen (Karl Mays Magischer Orient 1)Im Banne des Mächtigen by Alexander Röder
My rating: 3 of 5 stars

Mit offiziellem Segen des Karl May Verlages darf der Autor Alexander Röder die Abenteuer von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar fortsetzen, mit der interessanten und in der Tat nachgehenswerten Prämisse, dass Karl May, würde er heute leben, möglicherweise auch Fantasy-Elemente in seinen Erzählungen eingesetzt hätte; entrückt-verträumt wirkte sein Orient vom Ende des 19. Jahrhunderts ja schon immer. Und so treffen unsere Helden diesmal auf persische Fabel-Wesen, magische Zelte und seltsame Füchse – insgesamt wirkt der Fantasy-Einsatz aber doch fast sparsam.

Der Autor ist offensichtlich ein Fan des Maysters, das merkt man dem Text an und das kommt ihm auch zu Gute. Dass recht viele Verweise auf zeitgenössische Literatur und Begebenheiten eingebaut werden, ist eine nette Zugabe, wirkt teilweise aber schon gestelzt und aufgesetzt, wofür der Autor sogar einmal Kara Ben Nemsi selbst eine Entschuldigung an die Leser aussprechen lässt. Mit manchem fühlt sich der Autor wohl auch nicht so wohl oder es wirkt rein angelesen, hier sei auf den seltsamen Dante-Verweis (den Nachnamen benutzt so gut wie niemand) und das finale Schachspiel (so reden keine Schachspieler!) am Ende verwiesen.

Offensichtlich im Hinblick auf jüngere Leser bekommen unsere beiden Helden zwei jugendliche Mitstreiter an die Seite gestellt, dieses gelang erzählerisch aber nur mäßig und offenbart zwei Konstruktionsfehler: Zum einen, weil die May-tpische personale Erzählperspektive aus der Sicht Kara Ben Nemsis (als erzählerischer Zopf?) beibehalten wird, wirken die beiden Jugendlichen etwas blass und nur als Staffage; dass sie zum anderen dann aber gleichzeitig häufig unseren beiden erwachsenen Helden (drei, wenn man Sir David Lindsay mitzählt) aus der Patsche helfen müssen, wirkt nicht nur durch die Erzählperspektive seltsam, sondern deutet gerade auch den Proto-Superhelden Kara Ben Nemsi – der eigentlich alles kann und alles weiß, auf nicht sehr angenehme Weise neu – so viel hätte man diesem bei einem Original-Stoff von Karl May nie helfen müssen. Dass der Held dann sogar mal bei geläufigen indischen Sprachen passen muss, ist ebenfalls seltsam und erdet die Figur über Gebühr – da rümpfen Fans die Nase.

Während das alles eher Kleinigkeiten sind, verleidet ein Schwachpunkt des Romans das Lesevergnügen aber nicht unbeträchtlich: Wer Karl May schreibt, muss nicht wie Karl May schreiben, aber sollte sich schon die besten Eigenschaften des Maysters abgucken: Dazu gehören Tempo, spritziger Einfallsreichtum, leichte Verschrobenheit und, ja, auch Humor. Insbesondere Tempoprobleme gibt es in diesem Buch so einige zu gewärtigen, das viel zu lang geraten ist, und viel zu viele Absatz-Textwüsten ohne erholsame Zeileneinschübe (zumindest in der Kindle-Version) enthält, die häufig nur langatmige Beschreibungen liefern. Karl Mays abenteuerliche Reiseerzählungen zeichneten sich immer durch viel Action und lange, kurzweilige Dialogpassagen aus. In diesem Roman stapfen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar viel zu viel herum, reden zu wenig miteinander und erleben auch zu wenige aktionsreiche Abenteuer, so dass die Lektüre manchmal am Geduldsfaden zerrt, weil die Erzählung in diesen trockenen, humorlosen Passagen nicht voran kommt.

Insofern beendet man diesen Band leicht missmutig. Teil 2 klingt aber so vielversprechend – eine Chance bekommt der Magische Orient noch.

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Lesesplitter

Ungeordnete Schlaglichter aus meinen Leseerlebnissen. Bitte einfach herauspicken, was einen interessiert..

Während ich bei „Perry Rhodan“ der Erstauflage gerne folge, bekomme ich bei den Miniserien „Arkon“ (hänge da hinterher) und „Jupiter“ (da bin ich auf dem Laufenden, noch) langsam Probleme. Ich konnte bei Rhodan noch nie leiden, dass ich zu jedem Volk, auf das die Helden treffen, deren Hintergrundgeschichte präsentiert bekomme. Das interessiert mich meist überhaupt nicht, hilft zur Streckung der Romane und Zyklen aber natürlich enorm. Weiß nicht, ob ich Arkon und Jupiter noch weiter lese. Und in der Erstauflage erfuhr Gucky im aktuellen Roman die Hintergrundgeschichte von…argh.

Bleiben wir kurz bei deutschen Space Operas, insbesondere bei Klassikern. Bei „Ren Dhark“ verfolge ich die aktuelle Handlung der sieben Mal im Jahr erscheinenden Buchserie „Ren Dhark – Weg ins Weltall“, die ganz bewusst gegen die großen kosmischen Zusammenhänge bei „Perry Rhodan“ konzeptioniert sind und sehr bodenständige Agentenabenteuer erzählt – allerdings so, wie man das vor Jahrzehnten erzählt hat, was einerseits zu der Serie passt, aber nicht so richtig in das Jahr 2016. Die Bodenständigkeit ist eigentlich nett – könnte aber irgendwann mal auf den Geist gehen.

Zu schade, dass die „Rex Corda“-Bücher bei Heinz Mohlberg so schön aufgemacht sind. SF, vor welcher der Deutschlehrer immer gewarnt hat? Das ist Rex Corda. Wirklich grottig-scheußliche Sprache und absurde Handlung? Das ist Rex Corda – und noch schlimmer als das.

Auch wenn sie wunderschön editiert ist, aufgegeben habe ich die weitere Lektüre von „Sun Koh“, der Heftserie von Paul Alfred Müller aus den 1930ern. Das ist schlicht und einfach alles zu simpel gestrickt und verfügt auch nicht über den spritzigen Einfallsreichtum, um da dran zu bleiben. Hier ne Gefangennahme, da ne Schlägerei. Würde man ja alles hinnehmen, wenn die Figuren besser und die Handlung verschrobener wäre, aber irgendwann beschleicht einen das furchtbare Gefühl: Da kommt nix mehr, was sich noch lohnt..

Dirk van den Boom hasst es, wenn ich ihm immer erzähle, dass ich in seinen Roman sich mit den Namen seiner Figuren und Alien-Rassen verheddere. Da ich seinen ersten Skiir-Roman für eine andere Dirk-Lektüre unterbrechen „musste“, habe ich jetzt aber wieder exakt dieses Problem. Wer war diese Alienrasse und jene Figur nochmal? Um es mal ketzerisch zu sagen: Über einiges kann man auch einfach drüberlesen..

2-3 Jahre währte die Abwesenheit, nun bin ich Ein-Mann-Imperium James Patterson wieder verfallen. Im Moment lese ich seinen neuesten Nr.1-Bestseller „Woman of God“ um eine Ärztin in Afrika, die später in der Hierarchie einer Abspaltung der katholischen Kirche rasant aufsteigt. Das erste Drittel war ziemlich toll und schilderte mit großer Intensität ein Lazarett in Südsudan, seitdem ist der Roman leider reichlich unglaubwürdig und sprunghaft geworden. Schade.

In zwei Wochen veröffentlicht Patterson als so genannten Bookshot (günstige EBook-Novellen) den Krimi „Taking the Titanic“ und schildert einen Krimi auf dem untergehenden Schiff. Moment, ach ja. Kürzlich hatte ich ja über Bernward Schneider hier erzählt und die vielen Gemeinsamkeiten, wie wir haben (vorliebe für Karl May, Kolportage etc.). Schneider hat ebenfalls einen Krimi veröffentlicht, der auf der Titanic spielt, deshalb habe ich jetzt „Todeseis“ angefangen, der sich am Anfang fast wie in Edgar Wallace-Roman (mit etwas mehr Sex) liest..

Immer noch unmöglich und unfair finde ich, wie früh Michael Crichton von uns gegangen ist, was habe ich praktisch jeden seiner Romane geliebt. Jetzt bin ich an seinem teilweise posthum veröffentlichen letzten Roman „Micro“ dran, der von Richard Preston (ja, Bruder von Dogulas) vollendet wurde. Ich habe von Crichton und Preston (Richard zumindest) alles gelesen, kann aber trotzdem nicht sagen, wer was verfasst hat. Liest sich gut an, schön so Crichtons Werk noch etwas verlängern zu können. Und dann hat Crichtons Witwe in der Garage gerade noch ein Manuskript gefunden (kein Witz, kommt nächstes Jahr..).

Nach drei Jahren Pause habe ich zurück zu Stephen King gefunden. Ich musste mich erstmal an „Doctor Sleep“ herantrauen, der teilweise seine Alkoholkrankheit verarbeitet. Harter Tobak, aber toll geschrieben. Erwähnte ich harter Tobak?

Nach gut zehn Jahren Pause und zwei gescheiterten Versuchen habe ich auch zurück zu Dean Koontz gefunden. Seinen spezifischen Stil, wie er Figuren beschreibt und Stimmungen einfängt und seine häufig ins blumig-schwärmerische abgleitende Prosa muss man mögen, Millionen tun das und ich früher auch, ich habe in den 1990ern und Anfang 2000 seine Romane geradezu verschlungen. Dann konnte ich das eine zeitlang nicht mehr ab. Jetzt lese ich das wieder mit großer Freude und lese die beiden Novellen „Last Light“ und „Final Hour“, die in seinen großen (zumindest: langen) aktuellen Roman „Ashley Bell“ münden. Dean, ich bin wieder da! Sorry für die lange Trennungszeit. Brauchte die einfach mal.

Zwei Fantasy-Epen lese ich im Moment, die werden mich sicher noch einige Monate beschäftigen, weil beide recht lang sind: Beide enthalten das Wort King im Titel, wobei das Zufall ist. Einmal „The Seer King“ von Chris Bunch und „The Grace of Kings“ von Ken Liu.

„The Seer King“ des bereits verstorbenen Chris Bunch ist der Auftakt einer Military-Fantasy Trilogie und ziemlich gut geschrieben mit intensiven Schlacht- und vielen Sexszenen. Im wahrsten Sinne des Wortes Vollblut-Fantasy. Ich muss gestehen: Gerne mehr davon. Hat noch jemand Tipps für diese Art von Fantasy, bitte..?
Kurzgeschichten-Preiseeinheimser und chinesische SF-Übersetzer Ken Liu hat sich ebenfalls an ein großes Fantasy-Epos gewagt und ich habe „The Grace of Kings“ erstmal mit spitzen Fingern angefasst, weil ich fürchtete, dass der Zugang alles andere als einfach sein würde. Mitnichten, ein Glück! Packende Figuren, glasklare Gedankenführung, guter Stil, viel Einfallsreichtum, aber auch Härte. Tolle epische Fantasy! Macht sehr viel Freude. Das gibt mir Mut, erstmal weiter zu lesen, auch wenn ich mir da was vorgenommen habe: Schon Band 1 ist über 600 Seiten lang, der gerade veröffentlichte zweite Teil „The Wall of Storms“ ist bereits ein furchteinflößender fast-900-Seiten-Findling..

Wie jeden Herbst nehme ich mir auch dieses Jahr wieder ein Buch von Thomas Mann vor, dieses Jahr „Doktor Faustus“, auf das ich wegen des Themas sowieso Lust hatte: Komponist geht faustischen Pakt ein und hat Jahrzehnte Riesenerfolg, der Preis: Seine Seele.. Auf den ersten 50 Seiten entschuldigt sich der Autor mehrfach dafür, dass sich das alles so langwierig und lahm liest. Was denn? Finde ich gar nicht, bisher finde ich es sehr gut zu lesen. Sorge macht mir eher, dass der Roman viele und heftige Ausflüge in die trockene Musiktheorie unternehmen soll, was mir so gar nicht liegt, mal sehen, wie ich damit zurecht komme, wenn ich da hin komme.

Erst kürzlich stieß ich auf den Zeitgenossen und großen Konkurrenten von Karl May namens Robert Kraft und lese jede Woche in zwei seiner mäandernde Riesen-Epen weiter: In sein Spätwerk „Loke Klingsor“, das deutlich den spiritistischen Geist der 1920er atmet und mich mit zig verschrobenen Ideen auf jeder Seite blendend unterhält. Und „Detektiv Nobody“, sein Krimi-Epos aus der Zeit von 1905. Auch dieses wirft eine ganze Fülle von Ideen auf den Leser und überzeugt durch rasantes Tempo und ständige Schauplatzwechsel, manchmal würde man sich hier aber schon ein paar Kürzungen wünschen. Loke Klingsor erscheint bei Dieter von Reeken in einer wunderbaren HC-Ausgabe, für Deketiv Nobody empfehle ich die Ausgabe (TB oder EBook) aus dem Verlag von Bernward Schneider (siehe oben) namens Benu Verlag.

A propos Karl May. Immer noch lese ich begeistert jede Woche an seinem 2.700-Mammut-Kolportage-Epos „Waldröschen oder die Rächerjagd rund um die Erde“ weiter. Dies ist im besten Sinne des Wortes Karl May pur – und ein Riesenspaß mit herrlichen Dialogen, Ideen und Figuren. Und Ecken und Kanten, die man heute nicht mehr so schreibt: Wenn der Held sich an eine dreißigköpfige Räuberbande anschleicht und belauscht, dass diese Ungutes im Schulde führen – richtet er sich auf, schreit einen Kampfruf (zur Fairness, natürlich..) und schießt dann alle 30 Räuber über den Haufen. So muss das..

Bisher hält sich leider bei dem ersten Band des neuen Projekt des Karl May Verlages, der brandneuen Abenteuer aus Karl Mays Magischer Orient (also Karl May plus etwas Fantasy) namens „Im Bann des Mächtigen“ meine Freunde in Grenzen. Wer Karl May schreibt, muss nicht wie Karl May schreiben, aber sich zumindest mal ansehen, wieso der Mayster so erfolgreich war. Das lag sicher unter anderem an seinem atemberaubenden Erzähltempo, ewige Beschreibungen und Monologe von Kara Ben Nemsi will man da nicht lesen. Dann wurden offensichtlich mit Schielen auf die Zielgruppe zwei neue Jugendlichte Helden eingeführt, die aber etwas blass rüberkommen, weil der Roman nur aus der Sicht von Kara Ben Nemsi geschrieben ist – aber trotzdem diesem häufiger aus der Patsche helfen muss. Der große Proto-Superheld Kara Ben Nemsi braucht ständig Hilfe? Und trotzdem wird das alles aus seiner Sicht erzählt? Das ist konzeptionell sicherlich nicht ideal gelöst. So lesen sich die neuen Abenteuer von Karl Mays Alter Ego, Hadschi Halef Omar, Lord David Lindsay und zwei Jugendlichen leider etwas banal und langatmig bisher.  Bin jetzt bei der Hälfte des ersten von bisher geplanten vier Bänden, hoffentlich steigert sich der Band noch.

Gesehen

 

Gesehen habe ich die letzten Tage zwei Filme, und kann von drei Serien-Eindrücken berichten.

Nach vielen guten Kritiken und dem erneut großen Erfolg von „The Conjuring 2“ hatte ich von James Wans neuem Werk einiges erwartet und wurde auch nicht enttäuscht. Wan ist ein so talentierter Geisterbahn-Zampano, dass es mir mehrfach während des Films eiskalt den Rücken runterlief, obwohl Wan nie einen Hehl daraus macht, wie er arbeitet und keinesfalls das Rad neu erfindet. Man weiß, dass er einen packen will, man bereitet sich vor – und trotzdem erwischt er einen. Trotzdem ist „The Conjuring 2“ kein Meisterwerk, die Kombination aus Überlänge und der Fehleinschätzung, dass man Spannungssteigerung vor allem mit gesteigerter Lautstärke und Destruktionsbohei verwechselt, verhindert die Aufnahme in höhere Instant-Klassiker Sphären. Gruselfans kommen aber auf ihre Kosten.

Zwei Filme mit Tom Cruise muss ich 1-2 Mal im Jahr sehen. Jedes Jahr. Neben „Eine Frage der Ehre / A Few Good Men“ ist das auch „Collateral“, der jetzt mal wieder dran war. In diesen L.A. Thriller, in welchem Tom Cruise einen Killer spielt und Jamie Foxx einen Taxifahrer, hatte ich mich von Anfang an verliebt. Die Atmosphäre von L.A. bei Nacht, die Bilder, die Neigung von Michael Mann, coole Menschen bei coolen Tätigkeiten zu schildern – hier fällt insbesondere ein Latino-Cop auf, gespielt vom späteren Hulk Mark Ruffalo. Der Film hat mehrere Momente, die sich besonders tief in mein Gedächtnis eingegraben haben: Der Flirt am Anfang zwischen Jamie Foxx und Jana Pinkett Smith, bei welchem man gar nicht anders kann als sich in Will Smiths Frau zu verlieben  (sorry, Will!), so charmant agiert sie da. Eine wunderbar befriedigende Charlie Bronson-Szene, in welcher Tom Cruise zwei Creeps exekutiert. Die Begegnung mit Wölfen mitten in der Stadt. Und eine atemberaubend furios inszenierte Schießerei in einem Nachtclub. Und immer wieder Momentaufnahmen von L.A. bei Nacht, und diese Musik…

Zu den Serien.

Auf dem Laufenden bin ich im Moment bei „Westworld“, drei Folgen habe ich auf Sky Ticket gesehen. Mehr aus Neugierde, denn aus totaler Begeisterung. Ich bin nicht die Serien-Kernzielgruppe, wenn das mit „Westworld“ so weiter geht, was Serien-Fans so toll finden, dass man ständig weiter hingehalten wird, worum es eigentlich geht und offensichtliche Breittret-Tendenzen immer mehr in den Vordergrund drängen, dann weiß ich noch nicht, ob ich da dran.

Die als achtteilige Mini-Serie umgesetzte Adaption von Stephen Kings „11.22.63“  (britische Blu-Ray) hat mir als großen Fan des Romans einigermaßen gut gefallen. Klar, das geringe Budget und das mühsame Einhegen des ausufernden Romans merkt man schon, im Prinzip wurde die Essenz des Stoffes aber gut eingefangen.

Sehr begeistert bin ich im Moment von „Bosch“ (Eigenkreation von Amazon, auf Amazon Prime), der Adaption von Michael Connellys Krimi-Buchserie, die es schon auf fast zwanzig Romane gebracht hat. Hauptdarsteller und Atmsophäre sind toll, obwohl es sich streng genommen ja nur um eine weitere Ermittle-Serie handelt. Allerdings eine sehr hochwertig und gekonnt produzierte. Hier könnte selbst ich zu etwas verführt werden, was ich das letzte Mal vor 20-25 Jahren gemacht habe: Zum wegbingen. Was das damals war? Twin Peaks natürlich.  Werde jetzt auch mal mit einem Connelly-Roman anfangen. Die Serie setzt bei der Adaption von Buch 3 ein, also perfekt, mal mit Buch 1 „The Black Echo“ anzufangen..

Geänderte Lesegewohnheiten, oder wie man auf zig Hochzeiten..

Im letzten Vierteljahr habe ich meine Lesegewohnheiten ziemlich radikal umgestellt. Statt 2-3 Bücher parallel zu lesen, lese ich jetzt, ach, die Menge würde meine Blog-Leser nur verunsichern.

Warum?

Weil ich damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlage, mehrere Probleme für mich löse:
Mich wurmt es, viele Bücher vor der Brust zu haben, die ich wegen verstopfter Zeit-Pipeline nicht anfangen kann. Jetzt kann ich das.

Da mit zunehmendem Alter Toleranz und Geduld abnehmen, ist es sehr von Vorteil, Bücher in 10-20 Seiten-Häppchen zu lesen. Kommt Ungeduld, Unwillen oder gar Ärger auch nur entfernt auf, zack, ist das Lesepensum in diesem Buch für den Tag schon erfüllt.

Diese Art zu lesen bietet sich für mich an, da ich zu den Menschen gehöre, denen es völlig egal ist, wann sie mit einem Buch durch sind. Ich werde so und so viele Bücher in der Zeit schaffen, die Gott mir auf der Erde vergönnt; die, die ich nicht schaffe, dann eben nicht. Ich habe überhaupt nichts davon, mir Zahlen anzusehen, wie viele Bücher ich gelesen habe, das gibt mir gar nichts. Mir macht es sehr viel Spaß, Bücher zu lesen, nicht beendete Bücher in eine Statistik einzutragen.

Deshalb verstehe ich auch einfach Menschen nicht, die sagen (und davon gibt es viele), dass sie keine langen Bücher lesen, weil sie dafür keine Zeit haben. Ja, wer um Himmels willen sagt denn, dass man lange Bücher in der gleichen Zeit beenden muss wie kurze Bücher? Ob ich nun ein langes oder 3-5 kurze Bücher lese, das ist doch völlig egal. Und wenn ich wenig Zeit habe, brauche ich für lange Bücher halt – lange. Wo ist das Problem? Im Gegenteil, bei wirklich schönen Lektüreerlebnissen, das muss von mir aus nie enden.
Um da nicht den Überblick zu verlieren, erfordert das nicht nur Disziplin und Fanatismus, sondern auch ein wenig das Erstellen und Durchführen von komplexen „Leseplänen“, und da genau sowas mir Spaß macht, ja, wundervoll, let’s do it.

So habe ich jetzt vor dem Frühstück, in der Mittagspause und abends feste Dates mit mehreren Büchern. Und wenn, wie häufig, tagsüber Termine und abends meine Müdigkeit in die Quere kommt? Kein Problem, morgen ist auch noch ein Tag, und ich habe ja keine Deadline. Ganz wichtig bei dem Konzept: Sich selbst ein nachholen nicht „geschaffter“ Seiten verbieten, dann dürfte einen das schnell strangulieren..

Vielleicht bricht das Konzept irgendwann über mir zusammen (vor allem, wenn ich mal ohne es zu wollen (kommt ja immer was dazwischen im Leben, Gutes oder Schlechtes) viele Tage nicht zum lesen komme), und ich kehre zur alten Leseweise zurück, aber bis dahin..fange ich auch mal eine neue Kolumne namens Lesesplitter an.

Gelesen: Crosstalk von Connie Willis

CrosstalkCrosstalk by Connie Willis
My rating: 4 of 5 stars

Kann man die Mechanismen einer Screwball-Comedy auf über 500 langen Seiten tatsächlich aufrecht erhalten? Ja, man kann. Nein, man kann nicht.

Briddey und Trent sind das Traumpaar in einer modernen Kommunikationsfirma, ein Mitbewerber von dem Unternehmen mit dem weißen Apfel auf ihren Geräten. Briddey und Trent wollen eine neue OP-Methode namens EED ausprobieren, die Paaren angeblich die Möglichkeit bietet, dass man die Gefühle des anderen Spüren kann. Alle warnen Briddey davor, die OP findet trotzdem statt. Mit ungeahnten Folgen. Plötzlich kann Briddey zwar nicht ihren Boy-Friend, aber die Gedanken aller anderen hören – auch die von dem einsiedlerischen Nerd C.B., der es sich zur Aufgabe macht, ihr zu helfen..

Ja. Screwball-Comedys leben von eindimensionalen, schrillen Figuren, auf deren Rücken man immer den gleichen Witz immer wieder erzählen kann. So macht Connie Willis das auch hier, Briddeys Familie ist hochgradig nervig – aber auch schreiend komisch. Tante Oona nervt alle mit ihrer Überbetonung ihrer irischen Wurzeln, Briddeys eine Schwester nervt mit ständigen Liebesnöten, die andere Schwester ist die schlimmsteHelicopter-Mutter diesseits der Hölle und quält ihre Tochter Maeve, eine aufgeweckte Neunjährige, die heimlich Zombie-Filme guckt.
Das klingt jetzt alles nicht so herausragend, ist aber von soghaften Tempo und tatsächlich über hunderte Seiten schreiend, wirklich schreiend komisch und extrem unterhaltsam.

Nein. Zum Finale muss die Autoren dann doch mal dieKarten auf denTisch legen und die angelegten Konflikte eher in Thriller-Mainer auflösen. Hier ist das Buch am schwächsten, denn hier verheddert sich Connie Willis in ihren eigenen, ziemlich komplizierten Telepathie-Regeln und wie man sich gegen fremde Gedanken(leser) schützt und zum anderen rächt sich nun die eindimensionale Anlage der Figuren, die teilweise wie auf Schienen schreiend unglaubwürdig handeln und damit die Glaubwürdigkeit des Romans torpedieren.

Trotzdem ein sehr lesenswerter Roman für diesen Herbst, der eine Menge zu sagen hat über unsere heutige Kommunikation mit ihrer hysterischen Dauer-Erreichbarkeit. Das eher schwache Finale hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, man vergisst aber trotzdem nicht, wie blenend einen die Autoren vorher auf hunderten Seiten unterhalten hat.

Crosstalk würde ich in diesem Leben nicht nochmal lesen wollen. Gerne gelesen habe ich ihn auf jeden Fall.

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Gelesen: Dark Knight – A True Batman Story von Paul Dini

Dark Night: A True Batman StoryDark Night: A True Batman Story by Paul Dini
My rating: 5 of 5 stars

Autor und Batman-Zeichner Paul Dini verarbeitet in diesem Roman einen brutalen Raubüberfall auf sich, den er nur durch viel Glück überlebt habt. Die Geschichte changiert somit zwischen imaginrären und vor allem autobiographischen Teilen aus dem Leben und der Arbeit des Zeichners. Gefühlvoll, vielschichtig, drängend, bitter, unheimlich, zeichnerisch brillant, viel besser hätte man das fast nicht umsetzen können. Am Ende gewinnt der Autor so viel Stärke zurück, dass es ihm sogar gelingt, die zynischen Sirenen-Gesänge der vielen Batman-Bösewichte zurück zu drängen – und für sich zu nutzen.

Eine Graphic Novel als schierer Triumph.

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