Monat: September 2016

Gelesen: The Fourth Plague von Edgar Wallace (1913)

The Fourth PlagueThe Fourth Plague by Edgar Wallace
My rating: 2 of 5 stars

(English version of review appears below)
Variation des zwei Jahre früher erschienene ‚The Nine Bears‘. Wieder jagt ein Superermittler eine mächtige Verbrecherbande namens The Red Hand, diesmal mit italienischem Hintergrund. Temporeich, mangels gelungener Figuren aber leerlaufendet Thriller, dessen Katz-und Mausspiel um Schmuck, eine schöne Frau und am Ende einen biologischen Kampfstoff nicht richtig fesseln kann. Musste Wallace sich wirklich schon so früh in seinem Werk wiederholen?

Variation of „The Nine Bears“, published two years earlier, again pits a master detective against a powerful crime syndicate called The Red Hand, this time with an Italian background. Fast-paced thriller is going in neutral because we don’t care about the characters. The cat and mouse game about high treasure, a beautiful woman and a bio-weapon never really leaves the ground and grips the reader. Did Wallace really have to repeat himself this early in his work already?

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Ich lese gerade 

Einfach mal schlaglichtartig, was mich lektüretechnisch im Moment bewegt.

Mit großem Vergnügen lese ich den neuen Roman „Crosstalk“ von Connie Willis, eine Darstellung eines modernen Kommunikationsunternehmens und insbesondere eine Studie über unsere heutige ständige Erreichbarkeit durch alle möglichen Geräte. Der Roman ist gestaltet als Comedy of Manners, die handelnden Personen sind also bewusst eindimensional gehalten und Willis zieht bei jeder Figur den eigentlich immer gleichen Gag dutzende von Malen durch. Das klingt weniger attraktiv als es ist, denn es ist eigentlich ziemlich großartig. Willis ist eine Meisterin des komödiantischen Timings und der Variation, das Vergnügen ist immens, sie dabei zu beobachten, wie sie den gleichen Gag auch in der 50. Variation noch so erzählt, dass man schmunzeln oder sogar lachen muss. Worum geht es? Die Heldin Briddey und ihr ständig beschäftigter Boy-Friend Trent unterziehen sich einer OP, nach welcher sie die Gefühle des anderen jeweils spüren müssten. Sollten. Wenn das denn richtig funktionieren würde, was es aber nicht tut. Stattdessen bekommt die Heldin telepathischen Kontakt zu einem nerdigen Arbeitskollegen und Handy-Designer, während ihre beiden Schwestern sie mit dutzenden Anrufen und Nachrichten pro Stunde bombardieren, weil die eine ständig Liebesnöte mit Männern hat und die andere als Helicopter-Mutter ihre neunjähige Tochter in den Wahnsinn treibt. Zumindest ich könnte mich über Dialoge wie „SIE HAT SICH EINGESPERRT! SIE GUCKT JETZT SICHER SNUFF-FILME AUF IHREM ZIMMER!!“ „Kathy, deine Tochter ist neun Jahre alt und ihr Lieblingsfilm ist „Frozen“, sie guckt keine Snuff-Filme“ jedes mal ausschütten vor lachen.. Dabei zieht Connie Willis in dem recht langen Roman (fast 500 Seiten) konsequent von Seite zu Seite die Hysterie-Schraube an, ich habe jetzt ein Drittel gelesen und keine Ahnung, was für ein Feuerwerk die Autorin noch abzubrennen gedenkt. Toll. 

Angefangen habe ich auch mit „Superhelden. 100 Seiten“ aus der entsprechend betitelten Reclam-Serie. Ausgerechnet (oder auch nicht) Dietmar Dath lässt sich zu dem Thema aus, und, jetzt muss ich mal Eulen nach Athen tragen: Er macht das unfassbar belesen, kenntnisreich und eloquent. Was auch sonst bei Dath? Großes Tennis, Lesen! 

Dann möchte ich noch ein Wort zu einem sehr alten Phantastik-Roman verlieren. Mit großem Vergnügen lese ich im Moment „Reise nach Polstadt“ von Friedrich Wilhelm Mader, bereits 1911 erschienen und sichtlich in der Tradition von Jules Verne, Karl May und Henry Rider Haggard stehend. Klar, wir wissen heute mehr, sind aufgeklärter und halten uns für cooler, dafür ist uns aber etwas der naive Charme dieser phantastischen Proto-Erzählungen verloren gegangen. So erzählt Mader in dem Roman von einer Erfindung, die von der Idee her so charmant ist, dass ich den Autor am liebsten umarmen möchte, wenn er noch leben würde: Ein Paläoskop. Ein Gerät, mit welchem man in die Vergangenheit schauen kann. Wie? Wir alle wissen ja, dass das Licht ferner Sterne schon einen weiten Weg hinter sich hat und deshalb eigentlich Dinge aus der Vergangenheit abbildet. Wie kann man das nun nutzen, um sich die Vergangenheit auf der Erde anzusehen? Nichts einfach als das, wie der große Erfinder dieses Romans uns erzählt: Man baut einfach ein extrem leistungsfähiges Weltraumteleskop, und da Lichtwellen ja immer und unendlich wandern, muss man sich einfach nur zu Nutze machen, dass auf sehr vielen Planeten große Flächen, insbesondere Meeresflächen existieren, die das Licht reflektieren. Jetzt muss man sich nur noch einen Planeten aussuchen, der exakt so weit entfernt liegt (kein Problem – bei der Riesenauswahl im All!), dass die Entfernung des zurück gelegten Weges des Lichtes für Hin- und Rückweg zu der Zeit passt, die man in der Vergangenheit der Erde sich betrachten möchte – und fertig. Natürlich muss man dieses Teleskop mit Rädchen versehen, die eine Feinjustierung des Blinkwinkels im unzähligen Bruchteil eines Millimeters ermöglichen – und fertig. Na, hat das Charme oder nicht? Im Synergen-Verlag sind vier Bände von Friedrich Wilhelm Mader Anfang September erschienen, zum 100. Todestag des Autors. Sehr liebevoll editiert – unbedingt mal ansehen! Hier geht es zur Mader-Seite des Verlages: 

http://www.synergenverlag.de/fr-wilhelm-mader.html

Gesehen: Opfergang

Melodram von Veit Harlan, DTL 1944, 97 Min (Academy-Format 1,37:1), Agfacolor

Mit Kristina Söderbaum, Irene von Meyendorff, Carl Raddatz u.a. 

Sich Veit Harlan anders als mit spitzen Fingern zu nähern, fällt bei dem „Nazi-Regisseur“ schlechthin, dessen berühmteste Werke „Jud Süß“ und „Kolberg“ die hässliche Fratze des 3. Reiches indirekt ziemlich ungefiltert auf Film bannten, gar nicht so leicht, gleichwohl hat sein in den letzten Kriegsmonaten Ende 1944 in die Kinos gekommene Melodram „Opfergang“ durchaus seine Fans, interessanter Weise gerade auch bei dezidiert progressiven und linken Filmemachern, dazu später.

An der Oberfläche ist „Opfergang“ nur eine konventionelle Dreiecksgeschichte: Aufgeweckter Bürgersohn (Carl Raddatz) findet seine lebenshungrige, aber totkranke Nachbarin Aels (Kristina Söderbaum) deutlich interessanter als die ihm zugedachte hübsche, duldsame, aber langweilige und steife Partie Ocatvia (Irene von Meyendorff).

Was den Film so interessant und sehenswert macht ist, dass Harlan hier unter Goebbels Augen seinem Affen Zucker geben und einen in Inhalt und Form bemerkenswert delirierenden, düsteren, unheilsdurstigen, morbiden, ja, todessehnsüchtigen Film abliefern durfte. Die handelnden Personen werden gerade nicht in ein, wie man es zur Entstehungszeit erwarten könnte, moralisches Koordinatensystem eingepresst und dürfen teilweise bemerkenswert seltsame, unheilschwangere Dinge sagen („Wir lieben uns, mein Freund, und es wird schlimm werden“) und nicht so handeln, wie man es von ihnen erwarten könnte.

An den schön komponierten, in wunderbarer Agfacolor-Farbdramaturgie gestalteten Bildern des Films kann man sich kaum satt sehen. Wenn die damals als „Reichswasserleiche“ (vielleicht eines der schönsten Worte deutscher Zunge – sie starb in mehreren ihrer Filme einen Tod im Wasser)) titulierte Kristina Söderbaum in weißem, knappen Dress den Strand auf- und abreiten und dabei Bogen schießen darf, kann man eine erotischen Spannung kaum verleugnen. Wenn dann im Finale Veit Harlan sich hemmungslosem Schwulst und einem Farben- und Überblendungsrausch sondergleichen hingeben darf, getragen von grandiosen Chorälen von Hans-Otto Borgmann und den Bildern von Bruno Mundi, ist das sogar ein großer Kinomoment. Und wir sind voll an Bord, weil die Figuren entsprechend interessant gezeichnet und gespielt werden. Mithin: Sehr sehenswerter Film, insbesondere in der neuen Restaurierung durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Tatsächlich mal ein Veit Harlan-Film, den man uneingeschränkt feiern darf.

Ein absurder Witz könnte so gehen: Niemand geringerer als Christoph Schlingensief hätte ja mal ein Remake des Films drehen können, am besten mit Helge Schneider in der Hauptrolle. Nur, dass dies kein Witz ist: Mutters Maske, 1988. Muss ich dringend als nächstes sehen. Genauso wie „Immensee“, einen damals zeitgleich zu „Opfergang“ entstandenen Harlan-Film mit praktisch gleicher Besetzung und Crew. Nur, dass man das Wort Crew früher nicht hätte verwenden dürfen.

Punkte: 9/10
Hier ein recht prägnanter Trailer des Films, der den Bilderrausch erahnen lässt:

Im Gespräch mit: Dirk van den Boom

Ein recht langes Interview mit Dirk van den Boom, das ich geführt habe, ist online gegangen. Ich habe mal wieder mehr Bock gehabt, als Redakteur von Phantastik-News.de was zu machen. Ist nett geworden, das Interview, finde ich.

http://www.phantastiknews.de/index.php/interviews/12625-im-gespraech-mit-dirk-van-den-boom-2

Keine Kindle-Zeitschriften auf dem Fire. Echt, Amazon? Dann eben nicht.

Gerne hätte ich die ganzen US-Literaturzeitschriften aus dem Bereich SF/F/H mal auf einem Kindle in Farbe gelesen und nicht immer nur auf dem Kindle die Cover und Illustrationen in s/w betrachtet, zumal die Navigation in der Kindle App (Android/iOS) häufig eleganter ist als auf dem Kindle selbst.

Also dachte ich mir: Kindle=6 Zoll. Es gibt doch ein Fire-Tablet in der gleichen Größe. Klar, das ist schwerer, aber immerhin in Farbe. Günstig ist das Fire HD 6 von Amazon auch noch.

Gesagt, getan.

Als das Gerät geliefert wurde, wurde das Gesicht lang. Man kann sich zwar die Kindle Zeitschriften wie Clarkesworld, Asimov’s oder Analog zum Fire HD 6 technisch liefern lassen. Sie kommen aber nie an.
Was geht, Amazon?
Zwei lange Chat-Gespräche mit dem Kundenservice brachten nichts, außer tolle hilfreiche Tipps wie „Haben Sie W-Lan an“? (yeah, thanks!).

Schließlich fand ich es selbst raus: Kindle-Zeitschriften sind zwar auf allen Tablets der Welt möglich (mit Android und iOS), auch auf angloamerikanischen Fires, nicht aber auf deutschen Geräten. Amazon, meint Ihr das ernst?! Wie ich darauf komme? Vergleicht mal die US-Hilfeseite für Kindle-Magazine
https://www.amazon.com/gp/help/customer/display.html?nodeId=201265770
mit dem deutschen Äquivalent der Seite:
https://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=201265770

Was fällt auf?
Richtig. Auf der US-Seite werden sämtliche Fire-Modelle genannt, auf der deutschen Seite nicht. Angeblich hätte man keine Lizenzen für die deutschen Fires, so der Kundenservice Ne, ist klar. Geht ja auch nur auf sämtlichen Androiden und Apple-Geräten weltweit. Muss ja dann nicht, und das macht mich echt wütend und fassungslos, auf Amazon eigenen Geräten gehen. Speziell für Amazon-Geräte hergestellte Kindle-Ausgaben von US-Story-Magazinen laufen nicht auf deutschen Fire-Geräten.

Na toll. Geht das Gerät halt zurück.

Dath schreibt 100 Seiten über Superhelden

Muss man wohl nicht viel zu sagen. In Reclams 100-Seiten-Reihe schreibt Dietmar Dath darüber, welche enorme intellektuelle Kraft in Superhelden-Comics steckt. Freue mich auf die Lektüre. Fürs Protokoll, aber das wussten wir schon immer: Dath rules

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/dietmar-dath-ueber-superhelden-in-reclam-buch-a-1112322.html

Gelesen: Private Selby (1912) von Edgar Wallace

13. Buch meiner Edgar Wallace-Lesereihe

Private SelbyPrivate Selby by Edgar Wallace
My rating: 4 of 5 stars

(English Version of review follows below)
Junger Kleinganove wird von seinem großen Schwarm aus der Nachbarschaft vor der schiefen Bahn gerettet, weil er ihrem Wunsch folgt, zum Militär zu gehen. Dort erlebt er an vorderster Front die Invasion Englands durch das Land Mitteleuropa mit, Ballon-Luftangriffe auf London, sowie eine direkte Begegnung mit der Kaiserin von Mitteleuropa.
Ein interessant im Setting und Tonfall changierender Roman, der im provinziellen Kleinganovenmilieu anfängt, dann ein Militärdrama wird und schließlich in eine Alternativ-Weltutopie vor dem ersten Weltkrieg einmündet, mit fiktivem Gegner, der aber offensichtlich Pate steht für das Deutsche Reich oder Österreich-Ungarn. Das hübsche, ja, schräge Setting kann nicht recht zur Geltung kommen, weil der Roman durch seine Kürze und das angeschlagene atemberaubende Tempo voller Szenenwechsel und Abenteuer diesem gar keine Luft zum Atmen gibt. Das macht den Roman, wie viele von Edgar Wallace Stoffen, sehr oberflächlich, aber auch höchst vergnüglich und unterhaltsam. Dieser 104 Jahre alte Roman ist auch heute noch ein Pageturner und für Alternativwelt-Fans ein interessantes Kuriosum.

Young small-time crook gets lured from crime by his big neighborhood crush and enlists in the British Military. There, he lives through the war and invasion of Britain by the country of Mid-Europe, survives an air raid on London by balloon and a direct encounter with the empress of Mid-Euorpe.
An interesting small novel which changes rather abruptly from a crime novel to a military drama and finally an early alternative history-meller describing a conflict with a thinly disguised German Reich (or Austria-Hungary) before WWI. As the novel is rather short and quite fast-paced with a lot of scenery-changes and adventures, this nice, even zany setting is not allowed enough breathing space. This makes this novel, like many of Edgar Wallace books, rather shallow, but “Private Selby” is still a very entertaining and fun read. This 104-year-old novel is still a page-turner and for fans of the alternate-history genre still an interesting curiosity item.

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Film, Buch und Musik

Vieles könnte ich seit dem letzten Blogeintrag erzählen, lange Rezensionen schreiben, aufwändig verlinken und Clips und Bilder einbinden..wir wissen schon, das wird aus Zeitgründen so einfach nicht passieren.

Machen wir das anders.

Keine fancy Bilder und Verlinkungen. Keine megalangen Reviews und Berichte zu jedem einzelnen Film, Buch oder Album. Machen wir einen gerafften Artikel mit teilweise nur Ein-Satz Erwähnungen; ich hoffe, interessierte Leserinnen und Leser können sich trotzdem heraus ziehen, was für sie wichtig ist.

Film

Gesehen habe ich die neue deutsche Blu Ray von „The Punisher (1989)“ mit Dolph Lundgren. So gut sah der noch nie aus und der altert hervorragend mit seinem kompromisslos hohen Body-Count, den wunderbar dynamisch und rhythmisch montierten Action-Szenen und einem Dolph Lundgren in Bestform. Gleichzeitig deckt die Blu-Ray aber auch die Schwächen des Films auf. Mangels Budget kann man von einer stringenten visuellen Gestaltung kaum sprechen und insbesondere das mangelnde Beleuchtungskonzept („Alles hell und zu sehen? Roll Camera!“) sieht gerade auf BD unschön aus. Sieht man den Film erneut, ist die ungeschnittene FSK 16-Freigabe durchaus verständlich. Trotz hohem Bodycount und viel Filmblut ist der tatsächlich doch harmloser, als man ihn in Erinnerung hatte. Nichtsdestotrotz: Sehr schönes Wiedersehen!

Hochamt für Horror-Fans: Fede Alvarez aus Uruguay hat einen Run: Schon sein „Evil Dead“-Remake war in seiner kompromisslosen Härte und einem enormen Tempo ein Highlight, nun hat er einen Home Invasion-Thriller inszeniert, der exzellente Kritiken bekam und so stark in den US-Kinos abräumte, dass er zwei Wochen die Nr.1-Position verteidigen konnte, das schafft fast kein Horror-Film. „ Don’t Breathe“ schon. Ich bin sehr gespannt darauf.

Ansonsten plane ich demnächst eine Howard Hawks-Filmreihe, sowie eine Reihe mit deutschen Abenteuerfilmen mit einem Schwerpunkt auf den drei Zweiteilern um das „Indische Grabmal“, also die Verfilmungen von 1920, 1938 und 1957/58. Sowie einige andere Abenteuer-Filme, darunter zwei Karl May-Verfilmungen aus den 50ern- entstanden also zeitlich noch vor der Rialto-Reihe mit Pierre Briece & co..

Buch

Gelesen habe ich die Novelle „The Ballad of Ballard and Sandrine“, eine erotisch aufgeladene Afrika-Phantasie von Peter Straub, der für mich gegen Ende die Luft ausging. Habe ich das Ende kapiert? Ich weiß es nicht. Ebenfalls nicht völlig überzeugen konnte mich die bei Tor.com veröffentlichte Kurzgeschichte „The Weight of Memories“ von Liu Cixin, die sich um genetisch vererbte Fähigkeiten dreht und ein bitteres Ende aufweist. Nun lese ich gerade ebenfalls von Tor.com „A Dead Djinn in Cairo“ von P. Djeli Clark, eine Ermittler-Story um, na, siehe Titel.

Ich bin ja mitten drin in einer Edgar Wallace-Komplettlesereihe (14 down, noch ca. 165 to go) und lese gerade mit großem Vergnügen „Private Selby“ aus dem Jahr 1912, eine Proto-Alternative History um eine Invasion Englands durch eine mitteleuropäische Herrscherin – mit Luftschiffangriff auf London und was man noch so braucht. Sehr nett. Etwas ins Stocken geraten bin ich mit meiner Shakespeare-Reihe und hänge im Moment mitten in „Richard III“ – da fehlt mir leider häufig doch die Muße um mich darauf hochkonzentriert einlassen zu können.

Gut voran komme ich dafür mit zwei Kolportage-Romanen, nach wie vor mit dem „Waldröschen (1882-1884)“ von Karl May, das ich schon mehrfach erwähnt habe, sowie mit „Detektiv Nobody (1904/1905)“ von Robert Kraft. Ich habe dieses Jahr den Kolportage-Roman so richtig für mich entdeckt und finde es ganz wunderbar, wie in dieser Textform die Handlung vor sich hin mäandert und mal hierhin und mal dorthin springt. Für Leser wie mich, die bei streng durchgeplotteten Romanen vor Langeweile vergehen, ist das eine Wohltat.

Für den Rest des Jahres plane ich noch zu lesen die Kurzgeschichtenbände von Ted Chiang und Ken Liu, sowie einen kleinen Karl May-Schwerpunkt mit der neu gestarteten Serie „Karl Mays magsicher Orient“ (Kara Ben Nemsi in einem Fantasy-Setting – ich kann es kaum abwarten) aus dem Karl May Verlag, sowie aus dem Blitz-Verlag die moderne Fortschreibung „Karl Mays Kara Ben Nemsi“ von G.G.Gradt. Mit viel Glück und Zeit komme ich ggf. noch im Herbst zu „Doktor Faustus“ von Thomas Mann und plane jetzt kurzfristig, den neuen Roman von Connie Willis namens „Crosstalk“ zu lesen. Eine romantische Komödie um eine Technologie, die den anderen seine eigenen Gefühle spüren lässt, wenn man das möchte. Romantische Komödien sind nun nicht unbedingt mein lesetechnisches Kerngebiet, dieser Autorin folge ich aber gerne überall hin, schon immer.

An der Comic-Front habe ich mit „Dark Night: A True Batman Story“ von Paul Dini begonnen und finde die Zeichnungen brillant, sowie die Idee so bedrückend wie genial: Erfolgreicher Batman-Zeichner verarbeitet mit einem autobiographischen Batman-Comic einen brutalen Überfall auf sich.

Im Bereich Manga habe ich mich mal an der Bestseller-Serie „Tokyo Ghoul“ von Sui Ishida versucht und musste mir eingestehen, dass das nichts für mich ist; klar, das ist eher für Teenies konzipiert, aber diese Ghoul-Story mit Vampir-Handlungsmechanismen konnte mich einfach nicht packen. Jetzt versuche ich mich an dem Sindbad-Manga „Magi: The Labyrinth of Magic“ von Shinobu Othaka.

Auf meinem Zeitschriftenstapel liegt noch die neue SOL, sowie diverse US-Storymagazine.

Musik

Fangen wir mit meiner einen großen Vorliebe Metal an.

Die neuen Langrillen „Decision Day“ von Sodom (geht gut nach vorne los) und „Rapid Foray“ von Running Wild (bei allem Geläster immer über diese Band – das neue Album kann was!) habe ich gerne gekauft und höre sie viel.

Ebenfalls eine Freude ist mal wieder die neue von Equlibrium namens „Armageddon“ mit vielen hymnischen Tracks, sowie die neue Tarja-Scheibe „Thy Shadow Self“. Letztere hat mich sogar sehr positiv überrascht, denn die vor einigen Wochen veröffentlichte Tarja-EP konnte mich nicht so überzeugen. Wenn wir schon bei Damen sind, ganz wunderbar sind zwei neue Scheiben von zwei Eine-Frau-Metal Bands, diese beiden Tipps kommen von mir wirklich von Herzen: Das neue Darkher-Album „Realms“, sowie das Live-Album „Mausoleum“ von Myrkur. Ganz tolle, berückende Scheiben.

 Nach der großartigen Vorab-Single „Downshifter“ freue ich mich sehr auf „Wanderer“, das neue Album von Heaven Shall Burn. Bis dahin halte ich mich mit den richtig guten Schweizer New Metal-Jungs von Breakdown of Sanitiy über Wasser, deren Album „Coexistence“ herrlich druckvoll ausgefallen ist.

Vor zwei Jahren war „Phobos Monolith“ von Mare Cognitum mein Album des Jahres. Dementsprechend gespannt war ich auf den dieses Wochenende veröffentlichten Nachfolger „Luminiferous Aether“. Tja, einige tolle Momente, muss ich mich vielleicht noch mehr einhören, ja, so formuliert man Zurückhaltung..

Für Freunde etwas „obskurerer“ Bands habe ich Revelation im Angebot. So heißen diverse Bands, ich meine ein weißrussisches Duo, das eine tollte Mischung aus Gothic und Doom spielt, garniert mit schwarmetallischem Dungeon Synth-Sound. Toll. Die nicht sehr produktiven Jungs haben in gut 17 Jahren bisher vier Alben rausgehauen, gibt es alle auf Bandcamp, das gerade wieder veröffentlichte, wirklich tolle Debüt heißt „Expulsion from Paradise“.

Ansonsten wolle ich noch sagen: Meine Metal-Single des Jahres ist und bleibt „Nores Sorte Himmel“ von Nordjevel vom selbstbetitelten Album.

Hip Hop

Herrlicher Old School 90er-Hip Hop mit Wu-Tang Clan Gästen, gefällt mir sehr: “Lost Scrolls” von Hermetic Order.  

Und aus Deutschland? Natürlich habe ich mir auch „Fanpost 2“ von Kollegah angehört und obwohl man als Fan natürlich dankbar ist für einen neuen, aufwändigen 18-Minuten-Brocken, bleibt die Frage natürlich schon: Tat das wirklich Not? In der Länge? Mit so viel Tiefkühlgemüse (und ich gehöre immerhin noch zu denen, die über Fler-Karottenwitze noch lachen können)? Man kann es sehen, wie man will, aber Fler hat von dem Track sogar profitiert: Der Hype um das Ding half sicher dabei, sein neues Album „Vibe“ von der Null auf die Eins zu katapultieren. Auch wenn das nicht unverdient ist, das Album ist ziemlich gut. Wie auch Kay Ones neues Album „Der Junge von Damals“, welches neben einigem Müll auch wieder einige technisch abenteuerlich gute Abrissbirnen enthält.

Ebenfalls ganz nett zu hören ist das brandneue „Zurück zur Straße“ von Alpa Gun. Nach einigem echten Vorspul-Material kommt das Album erst so ab der Hälfte in Fahrt – dann aber so richtig. Und besten Dank an Alpa Gun für einen Disss der 187-Straßenbande – der hysterische, unreflektierte Hype um die Kerle ist mir einfach ein Rätsel. Mir gehen deren raue Hafenstraßen-Stimmen eher auf den Sack.
 
Vermischtes 

Hier noch ein paar Tips, die oben nicht reinpassen. Ich habe eine Schwäche für Dark Ambient mit langen, unheimlichen Klangflächen. Toll in dem Bereich sind Flowers for Bodysnatchers mit ihren Alben über den magischen japanischen Wald „Aokigahara“ und der Nachfolger „ Love Like Blood“, der den Tokyoter Untergrund musikalisch erkundet. Großes Tennis! 

Beauty of Gemina machen auf „Minor Sun“ klassischen Gothic Rock/Pop, einige der Stücke gefallen mir sehr. So wie das neue Art-Rock Album von Russian Circles namens „Guidance“; einfach mal „Calla“ probieren. Toll!

Last but not least: Die romantischste Interview-Aussage, die ich je von einer Frau gehört habe, ist, dass sie abends im Wohnzimmer die Musik aus der „Ultima“-Serie (Rollenspiel auf dem C-64 aus der 80ern) spielt. Die Rede ist von Michelle Sternberger, die als ComputeHer Chiptune-Musik macht. Ihr neues Album „Bliptastic“ ist soundtechnisch deutlich aufwändiger produziert und enthält fast zu viel Wumms, einige Tracks sind aber sehr gelungen. Sternberger hat ihren Mann über diese Art Musik kennen gelernt, zusammen nennen sie sich „8 Bit Weapon“ – auch da ist ein neues Album mal fällig, bitte.

Soweit für heute. Demnächst dann vielleicht mal wieder geordneter mit mehr Links und Lametta und länger und so. Vielleicht aber auch nicht. Ich experimentiere lieber etwas mit der Form und blogge was, bevor ich das Blog nochmal wieder einmotten muss, weil ich nicht hinterher komme. Ihr könnt ja mal schreiben, ob Ihr mit solchen Sammelartikeln zurecht kommt und mit denen etwas anfängen könnt, wenn Ihr mögt.