Gesehen: Wings

William Wellman, USA 1927, 144 Min (BD 24fps, 1), Format: 1,34:1 Academy Ratio, Eureka (UK)
Clara Bow, Charles „Buddy“ Rogers, Richard Arlen u.a.

Eines der erfolgreichsten und rennomiertesten (erster Oscar-Gewinner überhaupt) Stummfilm-Epen hat es nie ganz in den Kanon der ganz großen Filme dieser Ära geschafft: William Wellmans „Wings“, ein Doppeldecker-Fliegerepos aus dem zweiten Weltkrieg. Zwei Junge Männer, der eine reich (Richard Arlen), der andere sympathisch (Charles Rogers) mit ihn anhimmelnder Nachbarin (damaliger Mega-Star Clara Bow) werden in ein Luftkampfregiment eingezogen und erleben den ersten Weltkrieg an vorderster Front gegen Deutschland in waghalsigen Luftkämpfen.
Ein Glücksfall, genau der richtige Moment, Mann, Ort und die richtige Zeit: William Wellman hatte den ersten Weltkrieg selbst als Flieger erlebt und wusste, was er da inszenierte. Er war zufällig auch noch ein großes und ambitioniertes Regie-Talent, hatte tolle Stars an der Hand, die ihm blind folgten und für ihn sogar fliegen lernten, damit man in waghalsigen Manövern sie selbst im Bild sehen konnte, und die US-Armee stellte an Personal und Logistik so viel Unterstützung zur Verfügung, dass der Film ohne diese zu den aufwändigsten und teuersten aller Zeiten zählen dürfte.
Glücksfall deswegen, weil Wellman praktisch alles richtig macht: Er führt seine Helden ausführlich ein, so dass man mit ihnen mitfiebert, auch die Liebesgeschichten sind ganz schön erzählt (wenn auch etwas dick aufgetragen, diese Art von Zufällen erzählt man heute nicht mehr, außer im indischen Kino), verharmlost Krieg keineswegs und vermittelt wirklich einen guten Eindruck davon, wie es ist, mit einem Doppeldecker in die Lüfte zu gehen. Die Luftkämpfe sind bis heute aufregend anzusehen, faszinierend, von großer schrecklicher Schönheit und häufig gelingen Wellman Einstellen, bei welchen einem noch 90 Jahre später die Kinnlade runterklappt – wie müssen diese Szenen damals auf die Zuschauer gewirkt haben! Kein Wunder, dass der Film in einigen Kinos jahrelang lief. Die gesichtete Fassung in der wunderbar restaurierten Edition von Eureka (UK) enthält eine Musiktonspur mit vielen Toneffekten, wie es ab 1927 üblich war.
Ein involvierendes, fesselndes, hochinteressantes, mitunter vor allem in den Flugkampfszenen brillant inszeniertes Kriegsepos, welches sich allerdings nicht so ganz zwischen Kriegshorror und Abenteuerspielplatz entscheiden kann – was vermutlich für die Soldaten damals einen authentischen Eindruck wiedergibt. Abenteuer zumindest so lange, bis man verwundert oder getötet wurde. Wie ein Flieger in diesem Film, der nur einen kurzen Auftritt hat und von einem jungen Gary Cooper(!) gespielt wird.

Punkte: 9/10

Diese Besprechung ist Auftakt einer kleinen Reihe mit Besprechungen früher WWI-Doppeldecker-Filme. Die nächsten Tage werden hier noch Howard Hughes „Hell’s Angels (1930)“, sowie Howard Hawks‘ „Dawn Patrol (1930)“ und dessen Remake mit Douglas Fairbanks, Jr. (1938) besprochen.

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