Blick zurück in Neugier

nennt der aktuelle film-dienst einen Schwerpunktartikel zum so viel gescholtenen westdeutschen Filmschaffen der Jahre 1949-1963 und schreibt:

„Das deutsche Kino der 1950er-Jahre, von den jungen Filmemachern der 1960er-Jahre abgetan als »Papas« und »Opas Kino«, hat so viele pejorative Adjektive auf sich versammelt wie kein anderes. Es gilt als pompös und verlogen, kitschig und knallbunt, armselig und hölzern, banal und langweilig, reaktionär und primitiv, dumm-dreist und klamottig. Und doch hat es seine Ein- und Nachwirkungen hinterlassen, bis heute.“

Deutliche Worte. Nicht so gelungen ist gleich am Anfang die Erwähnung von „Das Spukschloss im Spessart“, denn dieses „Grusical“ von 1960 wird eigentlich immer von Schimpf und Schande dieses Kino betreffend ausgenommen und gilt als durchaus satisfaktionsfähig und Mini-Kultklassiker. Nein, gemeint sind natürlich die Heimat- und Schlagerfilme dieser Zeit und interessant an dem Anstoß im film-dienst ist in der Tat, dass man dieses Kino immer sofort abtut, so dass hier ein neuer, frischer Blick durchaus lohnen könnte. Ob ich das auch mal probiere? Meine Hemmungen demgegenüber sind auch sehr groß. Mal sehen.

Ein Versuch wäre wert: Ein wichtiger Teil des Artikels nimmt Fritz Langs Doppel-Film „Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal (1958/59)“ ein, die ich ebenfalls als sehr verstaubt, statisch, miefig und unangenehm in Erinnerung habe. Das Renommé dieses Filmdoppels ist in den letzten Jahren merklich gestiegen, vielleicht sollte ich es damit mal wieder versuchen, zumal ich zum Vergleich auch die vorherigen Verfilmungen des Stoffes von 1920 und 1938 im Regal stehen habe. Das hätte was. Vielleicht komme ich dann mit der ‚indischen Scheiße‘ zurecht – so hat Fritz Lang seinen Film lt. dieses fd-Artikels selbst betitelt.

Ob ich allerdings irgendwann meinen Schweinehund gegenüber Schlager- und Heimatfilmen überwinden kann, das weiß ich nicht. Auch wenn es vermutlich in der Tat interessant wäre, hier einen ‚Blick zurück in Neugier‘ zu wagen. Zumal ich auf dem Gebiet absolut jungfräulich bin – ich kenne nicht mal Standard-TV-Wiederholungsmeterware wie Immenhof, Sissi & co. Nichts davon.

Zum film-dienst geht es hier:
http://www.filmdienst.de/

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2 Kommentare

  1. Ich nehme an, der Artikel ist anlässlich des Filmfestivals Locarno entstanden, das dem deutschen Nachkriegskino dieses Jahr eine Retrospektive gewidmet hat. Ich war leider nur knapp drei Tage da, habe aber doch knapp ein halbes Dutzend Filme aus der Reihe gesehen, unter anderem auch das Fritz-Lang-Double-Feature.

    Nun ja, was soll man sagen? Von den Filmen, die ich gesehen habe, würde ich nun keinen als wirklich grosses Kino bezeichnen. Historisch interessant war fast alles, aber man hatte schon den Eindruck einer sehr anderen Zeit, die uns heute wenig sagt (im Gegensatz etwa zum Weimarer Kino, das in vielerlei Hinsicht zeitgenössischer wirkt). Ich habe es überhaupt nicht bereut, die Filme zu schauen, aber es war etwas ganz anderes wie beispielsweise die Lubitsch-Retro vor ein paar Jahren, wo man einen Spitzenfilm nach dem anderen sehen konnte.

    Zu den Lang-Filmen ist zu sagen, dass diese wirklich nur im Trash-Modus, als guilty pleasure, geniessbar sind. Dann sind sie sehr unterhaltsam und das Publikum hat auch viel gejohlt, aber im Grunde sind die Filme Riesenschmarrn, und das auf so ziemlich allen Ebenen

    1. Ich hätte auf die Locarno-Reihe hinweisen können, Du hast natürlich recht, darauf bezieht sich das.
      Jetzt hast Du mir hinsichtlich meiner Lang-Sichtung nicht gerade Mut gemacht. 🙂
      Im filmd-dienst werden immerhin Langs präzise Bildkompositionen auch bei diesem Film gelobt.

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