Monat: August 2016

Gesehen: Wings

William Wellman, USA 1927, 144 Min (BD 24fps, 1), Format: 1,34:1 Academy Ratio, Eureka (UK)
Clara Bow, Charles „Buddy“ Rogers, Richard Arlen u.a.

Eines der erfolgreichsten und rennomiertesten (erster Oscar-Gewinner überhaupt) Stummfilm-Epen hat es nie ganz in den Kanon der ganz großen Filme dieser Ära geschafft: William Wellmans „Wings“, ein Doppeldecker-Fliegerepos aus dem zweiten Weltkrieg. Zwei Junge Männer, der eine reich (Richard Arlen), der andere sympathisch (Charles Rogers) mit ihn anhimmelnder Nachbarin (damaliger Mega-Star Clara Bow) werden in ein Luftkampfregiment eingezogen und erleben den ersten Weltkrieg an vorderster Front gegen Deutschland in waghalsigen Luftkämpfen.
Ein Glücksfall, genau der richtige Moment, Mann, Ort und die richtige Zeit: William Wellman hatte den ersten Weltkrieg selbst als Flieger erlebt und wusste, was er da inszenierte. Er war zufällig auch noch ein großes und ambitioniertes Regie-Talent, hatte tolle Stars an der Hand, die ihm blind folgten und für ihn sogar fliegen lernten, damit man in waghalsigen Manövern sie selbst im Bild sehen konnte, und die US-Armee stellte an Personal und Logistik so viel Unterstützung zur Verfügung, dass der Film ohne diese zu den aufwändigsten und teuersten aller Zeiten zählen dürfte.
Glücksfall deswegen, weil Wellman praktisch alles richtig macht: Er führt seine Helden ausführlich ein, so dass man mit ihnen mitfiebert, auch die Liebesgeschichten sind ganz schön erzählt (wenn auch etwas dick aufgetragen, diese Art von Zufällen erzählt man heute nicht mehr, außer im indischen Kino), verharmlost Krieg keineswegs und vermittelt wirklich einen guten Eindruck davon, wie es ist, mit einem Doppeldecker in die Lüfte zu gehen. Die Luftkämpfe sind bis heute aufregend anzusehen, faszinierend, von großer schrecklicher Schönheit und häufig gelingen Wellman Einstellen, bei welchen einem noch 90 Jahre später die Kinnlade runterklappt – wie müssen diese Szenen damals auf die Zuschauer gewirkt haben! Kein Wunder, dass der Film in einigen Kinos jahrelang lief. Die gesichtete Fassung in der wunderbar restaurierten Edition von Eureka (UK) enthält eine Musiktonspur mit vielen Toneffekten, wie es ab 1927 üblich war.
Ein involvierendes, fesselndes, hochinteressantes, mitunter vor allem in den Flugkampfszenen brillant inszeniertes Kriegsepos, welches sich allerdings nicht so ganz zwischen Kriegshorror und Abenteuerspielplatz entscheiden kann – was vermutlich für die Soldaten damals einen authentischen Eindruck wiedergibt. Abenteuer zumindest so lange, bis man verwundert oder getötet wurde. Wie ein Flieger in diesem Film, der nur einen kurzen Auftritt hat und von einem jungen Gary Cooper(!) gespielt wird.

Punkte: 9/10

Diese Besprechung ist Auftakt einer kleinen Reihe mit Besprechungen früher WWI-Doppeldecker-Filme. Die nächsten Tage werden hier noch Howard Hughes „Hell’s Angels (1930)“, sowie Howard Hawks‘ „Dawn Patrol (1930)“ und dessen Remake mit Douglas Fairbanks, Jr. (1938) besprochen.

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Gesehen: Hatari!

Howard Hawks, USA 1962, 151 Min (DVD-PAL), Format: 1,78:1 Widescreen, Paramount (D)
John Wayne, Elsa Martinelli u.a.

Der größte Regisseur aller Zeiten – der nie ein “household name” wurde. So wird Howard Hawks mitunter betitelt. Wenn man da an seine anderen Filme mit John Wayne denkt wie „Red River“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, kann man nur sagen: Besser geht Western nicht, besser geht Film nicht, besser geht Kino nicht. An der Titulierung von Hawks könnte etwas dran sein. Das Zitat berührt mich auch persönlich, weil ich von Hawks neben seinen Arbeite mit John Wayne noch sehr und sträflich wenig gesehen habe sonst. Keine seiner Komödien, keines seiner anderen Dramen. Nur seinen legendären SF-Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ kenne ich noch.
Hatari! handelt von einer verschworenen Gruppe westlicher Großwildjäger, die im Osten Afrikas wilde Tiere jagen und für Zoos einfangen. Die Gruppe wird angeführt vom Duke, ferner sind als kernige Jäger Hardy Krüger und Red Buttons zu sehen, sowie als Reporterin und Love Interest die charmante Elsa Martinelli und als Tochter des Stationsbesitzers die bezaubernde Michèle Girardon (spätere Waldröschen-Karl May-Darstellerin, nahm sich wegen einer unglücklichen Liebe leider sehr früh das Leben), der man gerne mehr Screentime oder die Hauptrolle gegönnt hätte.
Ein verblüffendes Paradoxon: Der Film altert hervorragend, obwohl Jagdszenen auf Tiere, auch wenn diese nicht getötet, sondern gefangen werden, heute nur noch schwerlich als reines Vergnügen goutiert werden können und die vermeintlich strahlenden Helden so manchmal fast etwas Abscheu hervorrufen, wenn sie den Tieren beim Fangen offensichtlich Qualen zufügen. Zugedeckt wird von diesem Paradoxon vieles davon aber von dem Faszinosum, dass offensichtlich die Hauptdarsteller selbst jagen (schon die FX-Technik war 1962 noch nicht so weit um das alles zu faken) und die Szenen atemberaubend und aufregend inszeniert sind. Neben seiner Action-Virtuosität verstand es Hawks auch wie ein kein Zweiter, eine Kameradschaft in einer Gruppe zu erzählen, weshalb der Film auch heute noch hervorragend unterhält und die gut zweieinhalb Stunden wie im Fluge vergehen. Die grandiose Inszenierung, die dichte Atmosphäre, der tonnenweise Charme, alles andere machen aber nur 20% der Qualität von „Hatari!“ aus. Den Rest von 80% bestreitet der Duke mal eben alleine. Wenn John Wayne sich mit einer ganzen Horde Elefanten anlegt und diese mit nur mit seinem entschlossenen Gesicht vertreibt (gut, auch mit 2-3 Flintenschüssen in die Luft), wenn man in sein entschlossenes Gesicht in diesem Film-Moment von „Hatari!“ blickt, weiß man, warum er der vielleicht größte Star des 20. Jahrhunderts war. Ach Jahrhundert, der größte Star des Universums. So. Kommen wir zum Ende. Grandioser Film, dringende Empfehlung.

Punkte 9/10

Und Handlungsempfehlung an mich: Demnächst und dringend so viele Hawks-Filme wie möglich nachholen. „Leider“ gibt es da so um die 40 von..

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Am Freitag: Fanpost und große Unterhaltung

Am Freitag veröffentlicht der Berliner Rapper Fler sein neues Album „Vibe“. Fler hat Beef mit Kollegah, was schon häufig für große Unterhaltung sorgte (Rathausuhren etc.). Pünktlich zum Fler Album-Release am Freitag kündigt Kollegah die Fortsetzung seines epischen Disstracks „Fanpost“ gegen Fler an. Am Freitag also Fanpost 2. Beef können sehr lustig sein, die epischen Tracks von Bushido und Kay One vor zwei Jahren waren meisterlich und liefen bei mir in Dauerschleife.
Der Trailer von Kollegah verspricht Vorfreude Deluxe. Ich kann es kaum erwarten, da kommt große Unterhaltung auf uns zu. Freitag. Fanpost 2.

Grandioser Clip: Bombing the Witches von Phantom Winter

Bilder wie aus einem Brian DePalma-Film, Musik zwischen Extreme und Sludge Metal, einen so tollen Clip habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Schon in den ersten Sekunden gingen mir die Augen über, so wunderbar passen da Bilder und Musik zusammen; die ersten 24 Sekunden kommen einem cineastischen Orgasmus ziemlich nahe. Diese Formen, wie die Heldin in den Bildkader marschiert.. Ganz groß, was Phantom Winter da gezaubert hat. Phantom Winter ist die Nachfolgeband von Omega Massif (der Sound ist etwas anders, und es gibt jetzt auch Gesang) und selbst wenn sie nicht aus meiner ehemaligen Heimat Unterfranken kommen würden, fände ich das ganz toll und berückend. ❤

Die Raumpatrouille wird 50.

Zum fünfzigjährigen Jubiläum der Serie habe ich heute Morgen mal die Romanfassungen von Hanns Kneifel aus einem Sammelband angefangen. Ich denke und fürchte, ich werde es bei einem der sieben Romane zur TV-Serie belassen, über 1.000 Seiten in 7 Romanen brauche ich davon nicht. Der zugegeben inhaltlichen naiven Flachheit der Serie bekommt die Adaption in Romanform weniger gut (ohne Joghurtbecher & co.) und vor allem folgt die Romanfassung ziemlich sklavisch der TV-Serienepisode. Auch macht sich das Alter des Romans nicht immer nur positiv bemerkbar. Ich neige nun bei antifeministischen Volten nicht zu 1 Empörungsbluthochdruck, wenn allerdings die Bordfunkterin Helga Legrelle als „Maskottchen“ der Mannschaft bezeichnet wird, das ist selbst mir zu doof – dabei treten immerhin ja sehr kernige weibliche Generäle und GSD-Offiziere in der Handlung auf, trotzdem. Meinen laaangen TV-Abend übernächsten Samstag (alle sieben Folgen am Stück) möchte ich aber dennoch durchziehen.

Raumpatrouille Orion - Die 7 phantastischen Abenteuer des Raumschiffs ORION in einem Band

Rechtsanwalt, Schriftsteller und Verleger

Bevor jemand zuckt: Nein, ich verkünde jetzt nicht zwei neue Karriere-Ziele oder -Standbeine. So sehr ich Bücher und Literatur über alles liebe, die Muse zum Schriftstellerdasein hat mich noch nicht geküsst, ebenso wenig die Berufung zum Verleger mich heimgesucht. Aber: Ich wüsste jetzt exakt, wen ich fragen könnte, wie man das macht.

Es gibt da einen im Familienrecht tätigen Rechtsanwalt in Niedersachsen, der in Marburg an der Lahn studiert hat, Mitglied der Karl May Gesellschaft ist, einen Faible für klassische Kolportage-Romane hat und.. nein, ich rede tatsächlich immer noch nicht über mich. Obwohl alle diese sechs Merkmale exakt auf mich auch zutreffen.

Ich rede von meinem Kollegen Bernward Schneider aus Hildesheim.

Bernward Schneider ist nicht nur..siehe die sechs Punkte eben, sondern reüssiert auch erfolgreich als Autor und Verleger (anders als ich – erwähne ich nur fürs Protokoll nochmal). Als Autor hat er schon ein halbes Dutzend Krimis veröffentlicht, darunter eine Reihe über einen Anwalt im 3. Reich, die so interessant klingt, dass ich die vielleicht mal anteste (und vorher vielleicht noch seinen Krimi „Todeseis“, der auf der untergehenden Titanic spielt – da habe ich mal Lust drauf). Als Verleger ist er Chef des Benu-Verlages und gibt Abenteuer- und phantastische Klassiker aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert heraus, meist deutsche Autoren, aber auch englische Klassiker wie die von Edward Bulwer-Lytton.

Wie kam ich auf Bernward Schneider?
Nun, seit einem guten halben Jahr lese ich mit großer Begeisterung jede Woche eine Lieferung (ca. 24 Seiten) von Karl Mays Kolportage-Mammutepos (2.700 Seiten) „Waldröschen oder die Rächerjagd rund um die Erde (1882-1884)“ (ganz große, atemberaubend temporeiche Unterhaltung – herrlich!). Ferner: Die letzten Wochen habe ich mich intensiv mit Robert Kraft beschäftigt, einem Zeitgenossen und Kollegen des Maysters, der ebenfalls sehr erfolgreiche Kolportageromane veröffentlichte, heute aber leider etwas vergessen ist. Dieter von Reeken hat sehr schöne Ausgaben zweier von Robert Krafts seltenerer Romane (Atalanta oder Das Geheimnis des Sklavensees, Loke Klingsor – Der Mann mit den Teufelsaugen) veröffentlicht. Durch das Lesen über Krafts höchst abenteuerliches Leben (der war wirklich an vielen der Orte, über die der Mayster „nur“ schrieb!) bekam ich Lust, auch mal ein Robert Kraft-Kolportageepos zu lesen und habe sein elfteiliges Abenteuer-Epos „Detektiv Nobody (1904-1906)“ (auch fast 3.000 Seiten) angefangen.

Und was veröffentlicht mein Kollege Bernward Schneider in seinem Benu-Verlag? Unter anderem neue Ausgaben im Print und Ebook vom „Waldröschen“ und von „Detektiv Nobody“. Sachen gibt es, Zufälle gibt es. Dieses Internet ist manchmal trotz Milliarden Seiten doch so klein wie unsere Welt.

Wenn sich das irgendwann mal ergibt, würde ich mit meinem Kollegen gerne mal ein paar Worte wechseln, bei so vielen Gemeinsamkeiten. Nein, ich glaube immer noch nicht, dass ich danach Bücher schreiben oder verlegen würde, aber ich hätte sicher mit einem interessanten Menschen gesprochen.

Ihr wollt über das Wochenende was zum Nachlesen haben? Gerne.

Hier die Autorenseite von Bernward Schneider im Gmeiner-Verlag, wo die meisten seiner Krimis verlegt werden:
http://www.gmeiner-verlag.de/autoren/autor/207-bernward-schneider.html

Bernward Schneiders eigener Verlag, der Benu-Verlag:
http://www.benu-verlag.de/

Ein sehr lesenswertes Interview mit B. Schneider im Zauberspiegel:
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/durchblick-hintergrnde-mainmenu-15/im-gesprch-mit-mainmenu-179/2532-bernward-schneider-ber-detektiv-nobody-den-deutschen-jules-verne-waldrschen-und-karl-may

Die Robert Kraft-Bücher bei Dieter von Reeken:
http://www.dieter-von-reeken.de/#Atalanta

Die sehr verdienstvolle Kraft-Edition bei Braatz&Mayrhofer (leider extrem kleine Auflagen), die veranstalten zum 100. Todestag sogar diesen Oktober ein Robert Kraft-Treffen in Leipzig!
http://www.robert-kraft.de/

Gelesen: The People of the River (1911), von Edgar Wallace

The People Of The RiverThe People Of The River by Edgar Wallace
My rating: 3 of 5 stars

(Englisch Review follows below)

Zweite Sammlung mit Abenteuern von Comissioner Sanders, der im Auftrag der britischen Krone ein großes Gebiet in Afrika verwaltet. Auch diese Geschichten atmen natürlich den kolonialen Geist und sind paternalistisch und rassistisch bis ins Mark, aber es gibt zumindest etwas weniger Erhängungen und Auspeitschungen der „ungezogenen Kinder“. Die mitunter geschilderten Menschlichen Konflikte sind sogar halbwegs unterhaltsam, auch durch den manchmal verschlagenen Humor. Auf diese Länge ist die recht umfangreiche Sammlung letztlich aber schon auch ermüdend, zumal heutige Leser sich nur schwer mit dem arroganten Helden identifizieren können.

Second collection of adventures of Comissioner Sanders who governs a huge region of Africa for the British Crown some hundred years ago. Of course these stories are also deeply rooted in the colonial world view and are paternalistic to boot and deeply steeped in racism. At least there are a less hangings and floggings in this volume of the „rascals“, i.e. the African tribes. The human conflicts are actually quite entertaining, mostly because of the sly humor. But, on the hole, this long collections gets tiresome at some point, especially because it is hard to identify with the cocky and arrogant hero of these proceedings.

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Blick zurück in Neugier

nennt der aktuelle film-dienst einen Schwerpunktartikel zum so viel gescholtenen westdeutschen Filmschaffen der Jahre 1949-1963 und schreibt:

„Das deutsche Kino der 1950er-Jahre, von den jungen Filmemachern der 1960er-Jahre abgetan als »Papas« und »Opas Kino«, hat so viele pejorative Adjektive auf sich versammelt wie kein anderes. Es gilt als pompös und verlogen, kitschig und knallbunt, armselig und hölzern, banal und langweilig, reaktionär und primitiv, dumm-dreist und klamottig. Und doch hat es seine Ein- und Nachwirkungen hinterlassen, bis heute.“

Deutliche Worte. Nicht so gelungen ist gleich am Anfang die Erwähnung von „Das Spukschloss im Spessart“, denn dieses „Grusical“ von 1960 wird eigentlich immer von Schimpf und Schande dieses Kino betreffend ausgenommen und gilt als durchaus satisfaktionsfähig und Mini-Kultklassiker. Nein, gemeint sind natürlich die Heimat- und Schlagerfilme dieser Zeit und interessant an dem Anstoß im film-dienst ist in der Tat, dass man dieses Kino immer sofort abtut, so dass hier ein neuer, frischer Blick durchaus lohnen könnte. Ob ich das auch mal probiere? Meine Hemmungen demgegenüber sind auch sehr groß. Mal sehen.

Ein Versuch wäre wert: Ein wichtiger Teil des Artikels nimmt Fritz Langs Doppel-Film „Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal (1958/59)“ ein, die ich ebenfalls als sehr verstaubt, statisch, miefig und unangenehm in Erinnerung habe. Das Renommé dieses Filmdoppels ist in den letzten Jahren merklich gestiegen, vielleicht sollte ich es damit mal wieder versuchen, zumal ich zum Vergleich auch die vorherigen Verfilmungen des Stoffes von 1920 und 1938 im Regal stehen habe. Das hätte was. Vielleicht komme ich dann mit der ‚indischen Scheiße‘ zurecht – so hat Fritz Lang seinen Film lt. dieses fd-Artikels selbst betitelt.

Ob ich allerdings irgendwann meinen Schweinehund gegenüber Schlager- und Heimatfilmen überwinden kann, das weiß ich nicht. Auch wenn es vermutlich in der Tat interessant wäre, hier einen ‚Blick zurück in Neugier‘ zu wagen. Zumal ich auf dem Gebiet absolut jungfräulich bin – ich kenne nicht mal Standard-TV-Wiederholungsmeterware wie Immenhof, Sissi & co. Nichts davon.

Zum film-dienst geht es hier:
http://www.filmdienst.de/

Gelesen: Exodus #34

Exodus #34Exodus #34 by René Moreau
My rating: 4 of 5 stars

Durch das Konzept der Herausgeber, Grafiker und Autoren gleich viel Anerkennung zukommen zu lassen, ist auch diese Ausgabe von Exodus, die 34, haptisch ein Genuss. Jede Geschichte ist meist mehrfach illustriert, und es gibt noch sehr schöne Grafik-Strecken, die durch ordentliche Druckqualität auch entsprechend präsentiert werden.
Elf Geschichten werden diesmal geboten, davon sind vier lesenswert; andere sind leider eher amateurhaft und/oder basieren auf nicht zündenden Ideen. Selbst Raum für Skurrilitäten ist hier: Ein Autor illustriert seine fiktive Geschichte wohl mit Urlaubsfotos, ein anderer führt Altherrenwitze auf eine neue, schreckliche Stufe. Nun aber zu den Highlights der Ausgabe.
Wirklich lesenswert, in der Reihenfolge des Abdrucks: Dirk Alt kombiniert in „Die Stadt XY“ so gekonnt eine Kriegs- und Eroberungsgeschichte (Nanotechnik) mit einer Beziehungsgeschichte und Gothic Horror-Elementen, dass man sich den Namen des Autors mal merken muss; sehr eindrücklich, die Geschichte. Trotz vorhersehbarem Ende erzählt Jaqueline Montemurri in „humanoid experiment“ eine schöne Liebesgeschichte im All. Der bekannteste Autor der Ausgabe, Andreas Eschbach, wird den Erwartungen gerecht, die man an seinen Namen knüpft: Seine Geschichte „Acapulco! Acapulco!“ erzählt dermaßen geschickt und fesselnd von einer dekadenten Party-Gesellschaft der Zukunft, die von Robotern bedient wird, dass man der Auflösung des Geheimnisses, das dahintersteckt, richtiggehend entgegen fiebert. Toll, wie er durch kleine Hinweise die Geschichte gleich am Anfang in eine gewisse Richtung lenkt, am Ende ist man so angetan, dass man die doch recht konventionelle Auflösung gerne nachsieht. „Feenland“ von Frank Haubold ist, wie bei dem Autor zu erwarten, sehr gut geschrieben und erzählt, die Geschichte verkrampft sich aber etwas in ihrer bärbeißigen Grimmigkeit, die die Story sowohl vorhersehbar macht, als ihr auch leider einen kleinen Hauch des Funktionalen zum Transport der Botschaft verleiht; lesenswert und beachtlich ist sie aber.
Tolle Grafiken und vier lesens- bis sehr lesenswerte (Alt, Eschbach) Geschichten, Exodus #34 ist sein Geld und die investierte Zeit mehr als wert.

Hier bekommt man das Heft:
http://www.exodusmagazin.de/

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Die HUGO-Dankesrede von Hao Jingfang

Ich hatte ja schon mehrfach betont, wie toll ich die Novelle „Folding Beijing“ von Hao Jingfang fand. Deshalb hatte ich mich auch sehr gefreut, dass dieser Text letzten Samstag den HUGO gewonnen hatte. Hier ist die Dankesrede der bezaubernden und hochtalentierten Hao Jingfang auf der HUGO-Verleihung letzten Samstag Abend:

Ihr englischer Übersetzer Ken Liu ist ebenfalls auf der Bühne.

Der Preis wurde präsentiert von Ellen Datlow, die vielleicht beste Horror-Herausgeberin der Welt (die Dame mit der gelben Strickjacke), durch den Abend führte Cyberpunk-Legende Pat Cadigan (graues Dress), assistiert von der britischen Fantasy-Autorin Jan Siegel (die Damen mit dem erstaunlich ausladenden roten Dress).

Hier kann man Folding Beijing in voller Länge lesen, die Story erschien im Uncanny Magazine, die den Text online kostenlos anbieten:

Folding Beijing