Gesehen: The Legend of Tarzan

David Yates, USA 2016, 110 Minuten

Beeindruckend bildgewaltiger neuer Tarzan-Film, der recht erfolgreich den Spagat zwischen dezidiert altmodischem Abenteuerfilm in neuem Gewand vollführt, die souveräne Hand von David Yates (der die letzten vier Potter-Filme verantwortete), ist deutlich spürbar. So beißt sich auch nicht der pseudorealistische/historische Ansatz mit den offensichtlichen märchenhaften Proto-Superhelden-Obertönen um den von Affen augezogenen Mann, der mit allen Tieren sprechen und so klettern kann, dass es wie fliegen wirkt. 

Die heute unangenehm wirkendene Elemente der alten Tarzan-Filme wie das gedankenlose Abschlachten von Tieren durch selbst die positiven Figuren und die paternalistisch-rassistische Sicht auf die Eingeborenen fehlt natürlich. Stattdessen bekommen wir einen spannenden Abenteuerfilm mit einigen tollen Action-Szenen und auch wenn die Origin-Story eher unelegant in den Film einmontiert wurde ist es angenehm, wie kurz diese gehalten wird. 
Der Hauptdarsteller hat mimisch nicht viel zu tun, sieht aber toll aus. Margot Robbie als Jane sieht bildhübsch aus, verbleibt als Figur irgendwo zwischen moderner Heldin und traditionellem Damsel in Distress (wie früher) und es ist nett zu sehen, wie sie wirkte, bevor sie jetzt nächste Woche ihren Durchbruch weltweit haben wird (als Harley Quinn in Suicide Squad). Christoph Waltz ist als Bösewicht toll wie immer, es stört nur das winzige Detail (das ist Ironie), dass er solche Rollen inzwischen im Schlaf spielen kann. Samuel L. Jackson überzeugt in einer traditionellen Rolle fast noch mehr als in einer seiner üblichen exaltierten Rollen. 
Also: Sehr sehenswerter moderner Tarzan- und Abenteuerfilm. Ich persönlich würde mich ja sehr über eine neue Filmserie freuen, dafür wird der eigentlich achtbare kommerzielle Erfolg angesichts des aufgeblasenen Riesenbudgets aber nicht reichen. Auch wenn letzteres immerhin für eine Tarzan-holt-am-Ende-wie-immer-die-Urwaldtiere-zu-Hilfe-Szene genutzt wird, bei welcher einem angesichts der epischen Wucht die Augen übergehen.  
Nur in einem bleibt der Film deutlich hinter den alten Tarzan-Filmen zurück: Wenn Johnny Weissmueller als Tarzan gegen die Nazis ins Feld zog, gab sich ein Tarzan-Film nie der Illusion hin, dass der Affenmensch dann gleich das ganze Dritte Reich beseitigte. In diesem FIlm ist Tarzans Gegner im Hintergrund einer der größten und schlimmste Verbrecher der letzten 150 Jahre, König Leopold II. von Belgien, der Abermillionen Afrikaner verstümmeln und ermorden ließ, und der FIlm erweckt am Ende den Eindruck, dass Tarzan diese Pläne zunichte gemacht hätte, so dass Leopolds Häscher nicht in Afrika in großem Stil wüten konnten. Schön wäre es ja gewesen, leider kam es aber so.
Immerhin,  das schlimmste, was der Tarzan-Figur in den 100 Jahren ihres Bestehens angetan wurde, gerät jetzt hoffentlich langsam in Vergessenheit: Dieser Film enthält keine Songs mehr von Phil Collins.

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