Monat: Februar 2016

Gelesen: Death Note

(デスノート, Desu Nōto)
12teliger Managa von Tsugumi Oba (Text) und Takeshi Obata (Zeichner)

Gestern Abend den 12. und letzten Band des Mangas „Death Note“ ausgelesen und begeistert festgestellt: Das alles kann man kaum besser machen; ich verneige mich und ziehe die Höchstnote. Schon die Prämisse ist unfassbar gut: Light Yagami, Jurastudent, findet Heft aus der Totenwelt, in welches er nur einen Namen eintragen muss, dann stirbt der Namensträger (wie das genau geht, dafür gibt es ein hochkomplexes Regelwerk). Mit überdurchschnittlicher Intelligenz und Skrupellosigkeit ausgestattet, schreibt dieser Student dieses Heft schnell voll mit allen Menschen, die in seinen Augen nicht mehr verdienen zu leben, nennt sich Kira und beginnt damit, die ganze Welt zu verändern. Die von Tsugumi Oba erdachte und geschriebene Handlung konzentriert sich im wesentlichen auf ein in Umfang, Komplexität und Einfallsreichtum so nicht gekanntes kriminalistisches Katz- und Mausspiel zwischen den von einem „L“ geleiteten Ermittlern und Kira. Obwohl ein Shōnen-Manga, kommen hier die Action-Boys, die gerne schnell umblättern, nicht auf ihre Kosten. „Death Note“ ist geprägt von exzessivem Einsatz des Stilmittels innerer Monolog mit sehr viel Text, was für die taktischen Überlegungen in dem Katz- und Mausspiel wichtig ist, aber auch reichlich Raum für philosophische Erwägungen um Schuld und Sühne, Moral und Allmachtsphantasien lässt. Hinzu kommen exzellent konturierte Figuren und ein teilweise begnadetes Ausnutzen des spezifischen Erzählrhythmus‘ dieses Mediums durch den Zeichner Takeshi Obata, machen Passagen sind da so großartig gelungen, dass ich sie zig mal gelesen habe. Kann wirklich gut sein, dass ich diesen Manga in Gänze noch mal lese. Kein Wunder, dass sich ein riesiger Erfolg einstelle, der ein ganzes Franchise-Universum nach sich zog: In den letzten zehn Jahren entstanden in Japan drei Realfilme, eine 37teilige Anime-Serie, Spin Ofs in Form von zwei OVAs und zwei Light Novels und viel Merchandisekram. Aufgrund des anhaltenden Erfolges entstand ganz aktuell letztes Jahr in Japan eine Neuerzählung in Form einer TV-Serie, und ein Hollywood-Remake ist auch in Planung. Würde ich in so ein Heft reinschreiben wollen? Namen wüsste ich schon so einige. Ich hätte aber wohl zu viele Skrupel. Zulegen werde ich mir zum Spaß so ein Heft aber mal – natürlich gibt es das als Merchandise-Artikel. Und, wer ein Problem mit mir hat, möge beten, dass das Heft nicht, siehe oben, funktioniert!

Ich lese im Moment

Ich erzähle gerne mal, was ich so lese.

Gestaunt habe ich in einer Biographie über einen zwölfjährigen Jungen, der im London der 1880er von seinem Arbeitgeber um seinen Lohn betrogen wurde, vors Arbeitsgericht zog, sich selbst vertrat (mit 12 Jahren!!) und gegen die Fabrik gewann! Holla. Das nenne ich Zielstrebigkeit. Aus dem Jungen wurde später auch was.
http://www.thehistorypress.co.uk/publication/Stranger-than-Fiction/9780752498829/

Das schöne an SF Kurzgeschichten ist die Möglichkeit zur abgedrehten Spielweise: Mann wacht nach 800 Jahren aus dem Kälteschlaf auf einer Station auf, soll dringend den Genpool diversifizieren und könnte mit jeder Frau auf der Station schlafen. Problem nur: Der Mann ist schwul, ekelt sich vor Sex mit Frauen und gehört einer längst vergangenen christlichen Sekte an, die die Bibel so las, dass Gott nur gleichgeschlechtlichen Verkehr gestattete (eine vor 800 Jahren von der Regierung gestreute Leseart zur Bevölkerungskontrolle..). Ein paar dieser Christen leben noch auf der Station, deren Wortführer muss natürlich ‚Oliver‘ heißen.. Auf so eine Prämisse muss man erstmal kommen. Habe ich gespannt gelesen, gut erzählt. Vom IGMS-Herausgeber Schubert selbst.
http://www.intergalacticmedicineshow.com/cgi-bin/mag.cgi?do=issue&vol=i48&article=_005

Dann lese ich immer noch mit Begeisterung eine unheimlich dicke Schwarte (1.100 große Seiten), an welcher ich schon einen guten Monat dran bin und wahrscheinlich noch einen Monat brauchen werde. Für mich literarisch das höchste der Gefühle überhaupt: Einer der Romane, die nicht aufhören und auch gar nicht aufhören sollen, da kann ich mich, bzw. man sich rettungslos drin verlieren. Ich freue mich jeden Tag wie ein Schneekönig auf den Moment, in welchem ich das Buch jeweils zur Hand nehmen darf. Um es nach der Lektüre dann natürlich in den nächsten Monaten mit gut einem Dutzend Verfilmungen zu vergleichen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo

Nach dem gefühlt 413. Relaunch aller Marvel-Serien letzten Herbst bekommt seit letzter Woche nun auch Mike Morales, der ‚farbige Spider-Man‘ seine eigene neue Serie, die nur „Spider-Man“ heißt, während die Serie mit Peter Parker „Amazing Spider-Man“ heißt und bereits wieder bei Band # 7 ist (ja, und gefühlt weitere sechs Spidey-Universums-Gschichten gibt es auch noch). Kontinuität? Wird einfach parallel erzählt. Hat damit jemand ein Problem? Ich nicht.
Die Morales-Serie ist toll gezeichnet (wunderbar detailverliebt), schön erzählt und geschickt positioniert: Während Peter Parker im Moment auf globalen Franchise-Unternehmer macht (fast wie ein Tony Stark), wird die ebenfalls zu Spidey gehörende Teenie-in-Nöten-Thematik nun bei Mike Morales verhandelt. Der Auftaktband hat mir viel Freude gemacht.
http://marvel.com/comics/issue/55693/spider-man_2016_1