Filmkritik: Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere

(OT: The Hobbit – The Battle of the Five Armies, Peter Jackson, USA/NZ 2014, 144 Min, Scope, 3D, HFR)

Gestern nun endlich den dritten und letzten Hobbit-Film gesehen. Wie erwartet und angemessener Weise der beste der drei Filme, allerdings wird die schiere majestätische Größe des Abschlusses der Vorgänger-Trilogie „Der Herr der Ringe“ nicht erreicht, deren Teile immer länger wurden (178/179/201 Min Kinofassungen, 208/223/252 Min Extended Versions), während die Hobbit-Filme immer kürzer wurden (169/161/144 Min Kinofassungen, 183/186/? Min Extended Versions).
Und es ist sicher auch gut, dass dies jetzt „‪#‎Ein‬ letztes Mal“ ist. Irgendwann hat man genug Legolas-Einlagen gesehen, sich an den Bilderwelten in an die 20 Kinostunden satt gesehen, und selbst die eigentlich großartige Abwechslung zwischen wuchtigen Schlachtszenen und durchaus berührenden Charakterszenen wirkt inzwischen allzu vertraut und dass sich Jackson eine Kamerafahrt mit einem Smaug-Drüberflug über die Wasserstadt gönnen würde, wussten wir auch vorher.
Was nicht heißt, dass dieser Film nicht auch großartige Momente hat: Auch ohne Filmblut zu vergießen, macht er am Ende sehr deutlich, dass eine Schlacht kein Abenteuerspielplatz ist (was viele andere Filme ‚vergessen‘) und hat bezeichnender Weise seine stärksten Momente in ruhigen Szenen: Wenn im großen Final-Duell zwischen Thorin und Azog sich beide durch eine Eisschicht ansehen, da bekommt man eine Gänsehaut und in einer wichtigen Szene nach der Schlacht Bilbo und Gandalf einfach mal nur neben einander sitzen und schweigen und nicht das offensichtliche quatschen zu lassen zeigt, dass Jackson immer noch über ein untrügliches Gespür für richtige filmische Entscheidungen verfügt, das ihn nur selten verlässt (wie wenn er aus einem Stoff für 1-2 Filme plötzlich 3 macht). Natürlich gibt es auch brillant choreographierte Schlacht- und Kampfszenen (dazu zählt auch der Auftakt mit Smaugs Angriff auf die Stadt) und wenn Jackson zum großen Pathos ausholt (ich bin inzwischen übrigens der Meinung, dass jeder, der Pathos nicht mag, stinkt) wie in der Szene, wenn Thorin mit den Seinen in die Schlacht zieht, das hat nach wie vor majestätische Größe und ist der Grund, warum wir im Kino sitzen.
Ein schöner Abschluss, es sollte aber jetzt auch wirklich ein Abschlusss sein, mal abgesehen von der noch folgenden Extended Edition. Gefühlt habe ich vor allem im ersten Teaser (aus dem letzten Sommer) einige Szenen gestern in der Kinofassung nicht gesehen, die bekommen wir dann wohl in der Langfassung zu sehen.
Abschließende Protokollnotiz: Dem inzwischen 93jährigen Christopher Lee via CGI-Magie noch eine große und wilde Kampfszene zu gönnen, ist eine treffliche und mehr als willkommene Wiedergutmachung dafür, dass seine große Sterbeszene in der Vorgängertrilogie aus zwei Kinofilmen rausflog und schließlich nur auf dem Silberling zu sehen war.
9/10 Punkte.

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3 Kommentare

  1. Ich kann deine Euphorie ganz und gar nicht teilen. Für mich ist THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES eindeutig der schwächste Hobbit-Teil. Peter Jackson war schon immer ein Vorreiter, was Visual Effects und Motion-/Performance Capture angeht, aber hier übertreibt er maßlos. Selbst für einen Fantasyfilm wirkt die Welt zu unrealistisch, zu glatt. Und gerade die Szene mit Thorin und Azog ist einfach nur lächerlich und unnötig lang. Jeder Filmtod wird mit einem leidenden Blick kommentiert. Legolas hüpft auf fallenden Steinen herum. In der Vorstellung, die ich besucht habe, haben wir (also die Zuschauer) irgendwann nur noch das Lachen angefangen, weil der Film so absurd und grotesk war. Zwei Hobbit-Filme hätten es auch getan.

    Hier meine ausführliche Kritik: https://filmkompass.wordpress.com/2014/12/26/the-hobbit-the-battle-of-the-five-armies-omu-2014/

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