Monat: Dezember 2014

Filmkritik: Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere

(OT: The Hobbit – The Battle of the Five Armies, Peter Jackson, USA/NZ 2014, 144 Min, Scope, 3D, HFR)

Gestern nun endlich den dritten und letzten Hobbit-Film gesehen. Wie erwartet und angemessener Weise der beste der drei Filme, allerdings wird die schiere majestätische Größe des Abschlusses der Vorgänger-Trilogie „Der Herr der Ringe“ nicht erreicht, deren Teile immer länger wurden (178/179/201 Min Kinofassungen, 208/223/252 Min Extended Versions), während die Hobbit-Filme immer kürzer wurden (169/161/144 Min Kinofassungen, 183/186/? Min Extended Versions).
Und es ist sicher auch gut, dass dies jetzt „‪#‎Ein‬ letztes Mal“ ist. Irgendwann hat man genug Legolas-Einlagen gesehen, sich an den Bilderwelten in an die 20 Kinostunden satt gesehen, und selbst die eigentlich großartige Abwechslung zwischen wuchtigen Schlachtszenen und durchaus berührenden Charakterszenen wirkt inzwischen allzu vertraut und dass sich Jackson eine Kamerafahrt mit einem Smaug-Drüberflug über die Wasserstadt gönnen würde, wussten wir auch vorher.
Was nicht heißt, dass dieser Film nicht auch großartige Momente hat: Auch ohne Filmblut zu vergießen, macht er am Ende sehr deutlich, dass eine Schlacht kein Abenteuerspielplatz ist (was viele andere Filme ‚vergessen‘) und hat bezeichnender Weise seine stärksten Momente in ruhigen Szenen: Wenn im großen Final-Duell zwischen Thorin und Azog sich beide durch eine Eisschicht ansehen, da bekommt man eine Gänsehaut und in einer wichtigen Szene nach der Schlacht Bilbo und Gandalf einfach mal nur neben einander sitzen und schweigen und nicht das offensichtliche quatschen zu lassen zeigt, dass Jackson immer noch über ein untrügliches Gespür für richtige filmische Entscheidungen verfügt, das ihn nur selten verlässt (wie wenn er aus einem Stoff für 1-2 Filme plötzlich 3 macht). Natürlich gibt es auch brillant choreographierte Schlacht- und Kampfszenen (dazu zählt auch der Auftakt mit Smaugs Angriff auf die Stadt) und wenn Jackson zum großen Pathos ausholt (ich bin inzwischen übrigens der Meinung, dass jeder, der Pathos nicht mag, stinkt) wie in der Szene, wenn Thorin mit den Seinen in die Schlacht zieht, das hat nach wie vor majestätische Größe und ist der Grund, warum wir im Kino sitzen.
Ein schöner Abschluss, es sollte aber jetzt auch wirklich ein Abschlusss sein, mal abgesehen von der noch folgenden Extended Edition. Gefühlt habe ich vor allem im ersten Teaser (aus dem letzten Sommer) einige Szenen gestern in der Kinofassung nicht gesehen, die bekommen wir dann wohl in der Langfassung zu sehen.
Abschließende Protokollnotiz: Dem inzwischen 93jährigen Christopher Lee via CGI-Magie noch eine große und wilde Kampfszene zu gönnen, ist eine treffliche und mehr als willkommene Wiedergutmachung dafür, dass seine große Sterbeszene in der Vorgängertrilogie aus zwei Kinofilmen rausflog und schließlich nur auf dem Silberling zu sehen war.
9/10 Punkte.

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Meine Alben und Tracks des Jahres 2014

Jeder veröffentlicht im Moment seine Jahresend-Bestenlisten. Dann will ich auch mal. Hier sind meine Alben und Songs des Jahres 2014, bevorzugt unterteilt nach den 2-3 Genres, die ich am meisten höre, ansonsten ist das immer ein wenig ein Äpfel- und Birnenvergleich. Und: Was soll ich eine Indie Rock oder Funk-Liste machen, wenn ich das Zeuch praktisch nicht höre? Eben. Also Schwerpunkt Metal, Hip Hop, Electronica, Rest. Aus Gründen des „Aufkommens“ sind die Listen unterschiedlich lang, in die Wichtung floss neben Qualität auch Quantität (wie oft gehört?) ein. In manchen Fällen habe ich auch noch 2013er-Titel zugelassen, die ich erst dieses Jahr entdeckt habe.
Zur Begründung könnte ich in jedem einzelnen Fall viel schreiben, in der epischen Länge will das aber niemand lesen. Also, ohne große Vorrede, bitte schön.

Meine Alben des Jahres:

Metal:

1 Mare Cognitum Phobos Monolith Black Metal
2 Wolves in the Throne Room Celestite Ambient
3 Primordial Where Greater Men Have Fallen Black Metal
4 Subway to Sally MitGift Dark Metal
5 Slipknot 5: The Gray Chapter Extreme Metal
6 Vallenfyre Splinters Death Metal
7 Gamma Ray Empire of the Undead Power Metal
8 Machinae Supremacy Phantom Shadow SID Metal
9 Spectral Lore III Black Metal
10 Machine Head Bloodstones & Diamonds Thrash Metal
11 Avatarium Avatarium Doom Metal / Rock
12 Savn Savn Symphonic Metal
13 Insomnium Shadows of the Dying Sun Melodic Death Metal
14 Eden weint im Grab Geysterstunde II Dark Metal
15 Triptykon Melana Chasmata Death Metal
16 Swans To Be Kind Alternative
17 Killer Be Killed Killer Be Killed Death Metal
18 Sepultura & Les Tambours Metal Veins – Alive At Rock in Rio Thrash Metal
19 Epica The Quantum Enigma Symphonic Metal
20 Agalloch The Serpent & The Sphere Progressive Metal

Hip Hop/Rap:

1 Kollegah King Gangsta Rap
2 Bushido Sonny Black Gangsta Rap
3 Die Fantastischen Vier Rekord Hip Hop / Pop
4 Kate Tempest Everybody Down British Hip Hop
5 ScHoolboy Q Oxymoron Hip Hop
6 Eko Fresh Deutscher Traum Hip Hop
7 Kool Savas Märtyrer Hip Hop
8 Nicki Minaj The Pinkprint Hip Hop
9 Shindy FVCKB!TCHE$GETMONEY Gangsta Rap
10 Doe B D.O.A.T. 3 Hip Hop
11 Wiz Khalifa Blacc Hollywood Hip Hop
12 Black Knights Medieval Chamber Hip Hop
13 YG My Krazy Life Hip Hop
14 Run the Jewels Run the Jewels 2 Hip Hop
15 Gucci Mane Trap House 4 Gangsta Rap

Electronica:

1 Faber Stories Electronica
2 Lord Lovidicus Wandervogel des Waldes Dungeon Synth
3 Klaus Schulze & Lisa Gerard Big in Europe II Electronica
4 Tangerine Dream Josephine the Mouse Singer Electronica
5 Dungeon Lore Foundation Dungeon Beatz Dungeon Synth
6 Tangerine Dream Phaedra Farewell Tour 2014 Electronica
7 Burzum The Ways of Yore Dungeon Synth
8 Robert Schroeder Backspace Electronica
9 Bernd Kistenmacher Paradise Electronica
10 Tangerine Dream Sorerer 2014 Electronica

Rest (Pop / Rock etc.):

1 Kasabian 48:13 Electronic Rock
2 Clan of Xymox Matters of Mind, Body & Soul Dark Wave
3 Herbert Grönemeyer Dauernd Jetzt Pop
4 Liv Kristine Vervain Pop/Rock
5 Lana De Rey Ultraviolence Pop
6 Hans Zimmer Interstellar Soundtrack
7 Le Butcherettes Cry is for the Flies Punk
8 Alien Vampires Harsh Drugs & BDSM Dark Techno
9 Pink Floyd The Endless River Ambient / Rock
10 Apolo Tercer Solar Rock

Single Tracks:

Metal:

1 Mare Cognitum Ephemeral Eternities Black Metal
2 Primordial Where Greater Men Have Fallen Black Folk Metal
3 Slipknot The Negative One Extreme Metal
4 Arkona Na Strazhe Novyh Let Pagan Metal
5 Exmortus Warrior of the Night Thrash/Death Metal
6 Insomnium Out to the Sea Melodic Death Metal
7 Diabulus in Musica Healing Symphonic Metal
8 Savn I am Free (feat. Liv Kristine) Symphonic Metal
9 Machinae Supremacy Renegades SID Metal
10 Eden weint im Grab Wesen aus dem Nichts Gothic Rock

Hip Hop:

1 Sido Maskerade (feat. Genetikk & Marsimoto) Hip Hop
2 Kay One Tag des Jüngsten Gerichts Disstrack
3 Shindy JFK Hip Hop
4 Bushido Mitten in der Nacht Gangsta Rap
5 ScHoolboy Q Los awesome (feat. Jay Rock) Hip Hop
6 Koree Rückhand Hip Hop
7 Haftbefehl Lass die Affen aus’m Zoo Gangsta Rap
8 Die Fantastischen Vier Der Mann den nichts bewegt Hip Hop / Pop
9 Ghostface Killah Battlefield Hip Hop
10 Kate Tempest Lonely Daze British Hip Hop

Rest (Electronica, Pop, Rock etc.):

1 Robert Schroeder Slowmo Electronica
2 Bernd Kistenmacher Utopia (feat. Vana Verouti) Electronica / Pop
3 The Hat The Angry River Dark Folk
4 Kasabian Explodes Electronic Rock
5 Arpita Chakraboty Lori of Death Filmi/Bollywood
6 Siddarth Mahdevan Malang Filmi/Bollywood
7 Herbert Grönemeyer Der Löw Pop
8 Liv Kristine Lotus Pop/Rock
9 S.P.Balasubramaniam Pattu Onnu Filmi/Tollywood
10 Hans Zimmer Coward Soundtrack

Herkules ist wieder da – zwei Mal sogar

Gestern die beiden 2014er Hercules-Filme gesehen. Zu meinem Erstaunen war ich beide Male angetan, und ich bin kein Peplum-Fan.
Der von Renny Harlin mit Kellan Lutz („Legend of Hercules“) ist von heiligem Ernst bar jeden Humors (ich liebe das, Filmhumor wird überbewertet) und enthält einige sehr ordentliche Kampfszenen (bis’gen viel Slomo, zugegeben) und eine zwar altbackende, aber packende Geschichte. Und die bildhübsche Gaia Weiss. Da sieht man bulgarische Computerspiel-CGI, einige Story-Idiotien, sowie dass der Hauptdarsteller einen tollen Body, aber Null Schauspiel-Talent hat (dagegen ist Ahnuld tatsächlich Lord Laurence Olivier!) und sich mimisch sichtlich anstrengen muss, locker nach.
Der von Brett Ratner mit The Rock („Hercules“) ist aufwendiger, smoother und mehr auf leichtfüßige Unterhaltung gezirkelt. The Rock spielt den Hercules mit einem Augenzwinkern, passt aber trotzdem sehr gut zu der und in die Rolle, ein Großteil des Unterhaltungswertes geht auf sein Konto – was wir vorher wussten. Der Film unterhält mit hohem Tempo und recht vielen Schauwerten, wozu auch einige sehr schmissige Action-Szenen gehören.
Beide Filme enthalten viele brutale Kämpfe ohne einen einzigen Blutstropfen, um jeweils im PG-13 Bereich bleiben zu können. Und beide sind erfrischend kurz, der Abspann setzt jeweils bereits bei 86 Minuten ein, so dass man bei 95 resp. 94 Minuten (24fps) landet. Beide Filme erzählen übrigens keine „klassische“ Herkules-Geschichte, die 12 Arbeiten kommen u.a. nur am Rande vor; Harlins Film geriert sich als eine Art „Origin Story“, während Ranter im wesentlichen eine singuläre Episode heraus pickt und den Götterhimmel demystifiziert, wie Petersen damals bei „Troja“. Ich wüsste nicht, welchen der beiden Filme ich bevorzugen sollte und würde jeweils zwischen 7-8 Punkten landen.

Rezension von ‚Vaterjahre‘ von Michael Kleeberg

VaterjahreVaterjahre by Michael Kleeberg
My rating: 4 of 5 stars

Nicht so gut wie der Vorgänger „Karlmann“, für fast die Höchstwertung reicht es aber immer noch knapp. Unser Held, der Hamburger Kaufmannssohn Charly Renn, ist inzwischen in den gesetzten Jahren angekommen (Erzählzeitraum: ca. 1990-11.9.2001, an welchem Hochhaustürme einstürzen und der Hund der Familie eingeschläfert werden muss), so dass der Roman aus der Hanseatischen Mittel- bis Oberschicht sicher nicht für linke Rezensenten/Leser mit antibourgeoisen Ressentiments geeignet ist.
Oberflächlich geht es häufig unspektakulär zu und Kleebergs Modus Operandi ist nun auch vertraut, was aber erneut die Höchstwertung auslöst sind die mitunter frappierend brillanten Beobachtungen und Betrachtungen, kombiniert mit der Ehrfurcht gebietenden Sprachmacht des Autors. Das ist jeweils oberste Königsklasse. Abzüge in der B-Note setzt es für einige allzu manisch-akribische Erzählstränge, die in Redundanzen ausarten und ein Gespür dafür vermissen lassen, wann der Leser das Interesse an manchen Backstorys verliert. Trotzdem: Habe die Lektüre wieder sehr genossen und würde einen dritten Band begrüßen.

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