Superheldenfilme im Herbst 2017

Gestern habe ich mir die beiden aktuellen Superhelden-Kinofilme hintereinander gegönnt. Reden wir darüber.

Thor 3: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarök, Takia Waititi, USA 2017, 130 Minuten)

Der dritte Teil von Marvels vielleicht schwächster Superhelden Filmserie wurde fantastisch besprochen und ist ein riesiger Kassenerfolg. Wegen eines technischen Fehlers im von mir besuchten Kino fällt mir eine Bewertung etwas schwer. Bei uns war der gesamte mittlere Akt des Films leider versehentlich ausgetauscht worden durch einen entsprechenden Akt von Michael Herbigs letztem Bullyparade-Film, obwohl ich schon gestaunt habe, dass Herbig einen Weltstar wie Jeff Goldblum dafür gewinnen konnte..
Wir wollen den Witz jetzt nicht ausreizen, denn Witze ausreizen ist ja genau das Problem des dritten Thor-Films. Nebenan bei Disney, bei Star Wars, werden Regisseure gefeuert, wenn sie einen Film, der _auch_ Humor haben darf, in eine alberne Farce umschlagen lassen (so geschehen bei „Solo: A Star Wars Story“). Bei Marvel wurde das diesmal einfach durchgewunken. Der Mittelteil von Thor 3, eine für sich stehende Gladiatorenstory mit Jeff Goldblum als nicht hetero-normativen Chef ist nicht nur schmerzlich albern, sondern vor allem auch brutalst überlang. Und das ist das Problem, denn selbstverständlich soll auch der Teil des Publikums, der vor zwei Wochen vom einem ProSieben Chef so schön als übergewichtige Bierdosen-Crowd auf dem Sofa (paraphrasiert jetzt mal) beschrieben wurde, ihre Filme haben, dies führt bei Thor 3 aber dazu, dass der Film sicherlich 30 Minuten zu lang ist. Hier sitzt die Handlung genauso häufig herum wie der Unglaubliche Hulk in diesen Szenen in seinem Sklavenquartier. Das Finale reisst dann aber doch einiges wieder raus, wobei der Film unter seiner knallbunten Oberfläche aber auch nicht verbergen kann, dass er letztlich doch reichlich konventionell ist.
Cate Blanchett wirkt hilflos in einer albernen (schon wieder das Wort) Maske, was haben die aus unserer Galadriel gemacht? Auch Mark Ruffalo geriert sich übertrieben albern (schon wieder das Wort). Dafür ist Tessa Thompson als Asgard-Walküre wunderbar, bitte mehr von ihr. Und, so toll er ja auch ist, schon wieder mal der „Immigrant Song“?
6-7 von 10 Punkten.

Justice League (Zack Snyder, fertig gestellt von Joss Whedon, USA 2017, 120 Minuten)

Das große DC-Teamup wurde in den letzten Tagen eher mäßig bis schlecht besprochen. Also, ich fand den Film richtig toll. Wenn man den Film nicht mögen möchte, findet man zugegeben vieles: Der Bösewicht ist reichlich Banane, der McGuffin mit diesen drei Loot-Boxen tatsächlich mehr als schwach, die Story etwas verworren und die eigentlich dankenswerte kurze Laufzeit von nur exakt 2 Stunden lässt natürlich den vielen Figuren nicht viel Raum.
Wenn man aber Superhelden Filme mag, die mal unprätentiös nicht das Rad neu erfinden wollen, dann kann man diesem Film nur dankbar sein – denn solche Filme gibt es in der Tat wenig. Hier machen Superhelden mal einfach ihr Ding, und zumindest für mich funktionierten die Team-Szenen, mithin die Interaktion der Superhelden, verbal und in den Action-Szenen, ganz hervorragend und waren ein Quell reiner Freude. Dabei gibt es auch viele amüsante Szenen, weshalb ich einfach nicht begreifen kann, warum ich so häufig gelesen habe, dass dem Film Humorlosigkeit unterstellt wird. Aber vermutlich sind diese Leute durch Marvel-Albernheiten bereits schon zu verdorben und goutieren solche Filme nur noch, wenn die Werke sich selbst überhaupt nicht mehr ernst nehmen dürfen.
Flash, Aquaman und Cyborg sind willkommene Ergänzungen des filmischen DC-Kanons, auch wenn es als ein Leser der Comics seltsam anmutet, mit welcher großen Selbstverständlichkeit es zwangsläufig auf diese Helden hinausläuft, denn das DC-Universum hätte auch ansonsten viele, viele weitere Heldinnen und Helden geboten, die auch schon Bestandteil des regelmäßig wechselnden Justice League Line-Ups gewesen sind. Ansonsten ist es einfach eine große Freude, wenn Batman einfach mal nur Batman sein darf (nimm das, Christopher Nolan!), Wonder Woman ihr wunderbares Ding durchzieht und Superman sich rennend das Shirt aufreißt um durchzustarten.
Extrem netter Fan Service, der mir viel Freude gemacht hat: Als Vater von Cyborg wurde niemand geringerer als Joe Morton besetzt, der den Miles Dyson im Fan-Liebling „Terminator 2“ vor einem Vierteljahrhundert spielte. Einziger schauspielerischer Ausfall: Der in „Whiplash“ so grandiose J.K. Simmons kann als neuer Commissioner Gordon (war Gary Oldman wirklich unpässlich?!) keinerlei Akzente setzen und ist nur Stichwortgeber.
8-9 Punkte.

Zu diesem Justice League-Film muss auch diese Diskussion heute sein: Justice League startete deutlich unter den Erwartungen mit 96 Millionen $ in den USA am ersten Wochenende. Das ist nicht nur weniger als der Wonder Woman Solo Film im Frühsommer, der zum Start 103 Millionen Dollar erzielte; insbesondere wenn man direktere Vergleiche anstellt mit Batman vs. Superman (166 Millionen Dollar zum Start) und vor allem mit Marvels eigenem Team-Up, den Avengers (207 Millionen zum Start, die Fortsetzung 191 Millionen) kann man erahnen, wie wenig Freude und wie viel Stille gestern Abend in den Chefetagen von Warner, dem DC-Studio, geherrscht haben muss.
Der Hauptgrund dafür ist ganz einfach, es gibt so viele Zahlen, die das stützen, dass man es inzwischen als eisernes Gesetz festmachen kann: Eine Fortsetzung, auch wenn es nur eine Quasi-Fortsetzung ist wie hier, steht und fällt mit dem Ruf, den der Vorgänger sich erworben hat. Hat der direkte Vorgänger den Zuschauern gefallen und ist entsprechend populär, können selbst deutlich schlechtere Fortsetzungen regelrechte, manchmal atemberaubende Traumzahlen einfahren, hier sei zum Beispiel auf Shrek 2, Transfomers 2 oder Fluch der Karibik 2+3 verwiesen. Bei Justice League haben wir das genaue Gegenteil, der Quasi-Vorgänger Batman vs. Superman hat einen schon legendär schlechten Ruf, so schlecht, dass der Film den gar nicht verdient hat. Sicher hatte Batman vs. Superman seine Probleme und ist in erheblichen Teilen misslungen, hier hat sich aber ein schlechtes Renommee teilweise schon verselbstständigt und natürlich hat dieses negative Auswirkungen auf Justice League gehabt, der immerhin vom selben Team vor und hinter der Kamera stammt. Ob Justice League dann rote Zahlen schreiben wird, ist noch nicht ausgemacht, aber möglich, was für sich genommen schon eine Katastrophe ist bei einem Budget von 300 Millionen $ nur für den Film, da ist das Marketing noch nicht mit eingerechnet.

Über die Folgen dieses Kassenergebnisses zu spekulieren ist einen Tag nach dem ersten Wochenende vielleicht verfrüht, einiges dürfte aber amtlich sein:
1. Zack Snyders Amtszeit als die Regie-Gallionsfigur des DC-Universums dürfte ein für alle Mal beendet sein, was dann auch nichts mit seiner Familientragödie zu tun hat (seine Tochter hatte Selbstmord verübt, er musste den Film einige Monate vor Abschluss verlassen). Vielleicht ist ein Snyder-loses DC-Universum sogar eine positive Entwicklung, wir werden sehen.
2.Auch Avengers-Regisseur Joss Whedon, der ja als Retter für diesen Film eingesprungen war, wird wohl von dem Fallout betroffen sein. Ob er jetzt so bald sein Batgirl-Projekt bei DC angehen kann, dürfte nun wieder fraglich sein.
3. Am wichtigsten vielleicht: Natürlich ist damit dass DC-Extended Universe noch nicht tot, dafür waren insbesondere Wonder Woman, aber auch Suicide Squad viel zu erfolgreich, vermutlich wird sich dieses Universum aber neu ausrichten müssen. Eine direkte Justice League Fortsetzung in bälde, schließlich war dies ja eigentlich mal als Doppel-Film geplant, ist damit praktisch ausgeschlossen. Vermutlich wird sich das DC-Universum neu orientieren und gruppieren müssen, möglicherweise um den zweiten Wonder Woman-Film, den geplanten neuen Batman Film von Matt Reeves (mit gerüchtweise Jake Gyllenhaal als Batman) namens „The Batman“ und vielleicht um einem neuen Superman Film herum, der gerüchtweise ebenfalls auch in Planung sein soll. Für 2020 ist ja ein Green Lantern Corps-Film in Planung, vielleicht kann man danach noch mal einen Justice League Film angehen, mit der Lantern, der dann gleichzeitig ein, um das Lieblingswort in Hollywood zu benutzen, Reboot sein wird.
Dann wohl definitiv nicht mehr mit Ben Affleck als Batman, der die Rolle ja sowieso verlassen möchte. Ob der Fallout um diesen Justice League hier dafür sorgen wird, dass Ray Fisher als Cyborg und Ezra Miller als Flash-Darsteller ihre Rollen und Arbeitsplätze wieder verlieren, muss sich zeigen. Henry Caville als Superman wird sicherlich bleiben und bei Aquaman, da wird alles davon abhängen, wie er sich selbst in seinem Solo-Film nächstes Jahr im Dezember schlagen wird, der von Regie-Wunderkind James Wan (Saw, The Conjuring 1+2, Fast & Furious 7) gestemmt wird.

Eigentlich sind diese Fan Rivalitäten ja albern, als DC-Fan muss man aber schmerzlich feststellen: Nach Wonder Woman war das DC-Universum auf Kurs Augenhöhe mit Marvel, das ist nun erst mal wieder vorbei, seit diesem Wochenende gilt wieder das Verhältnis Platzhirsch vs. Möchtegern.

Epilog:
Kein Superheldenartikel nach diesem Wochenende sollte ohne den vielleicht wichtigsten Neuzugang im Kanon der bewegten Superhelden-Bilder dieses Wochenende auskommen: Die neue Punisher-Serie auf Netflix. Dazu äußere ich mich aber erst, wenn ich die erste Staffel durch habe. Dies aber schon jetzt: Nach den ersten beiden Folgen nimmt die Punisher- TV Serie ganz klar, wiederhole: ganz klar Kurs auf die qualitativ mit Abstand beste Superhelden Serie auf Netflix – oder im TV überhaupt. Ob das auch so bleiben wird, wird sich zeigen, ich gehe aber eigentlich davon aus, und würde darum glatt den Vorschlaghammer das Punishers im Gesicht seiner Feinde verwetten.

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Olis Kulturnotizen

Film: Blade Runer 2049 – Trailer-Jubiläum – Hörspiel: John Sinclair: Brandmal – Games: Red Dead Redemption – Musik: Tangerine Dream, JGB 3, Wolves in the Throne Room

Zunächst mal eine allgemeine Bemerkung. Jede Generation sucht sich ihre eigenen kulturellen Beschäftigungen und neue Formen sorgen häufig für Unverständnis bei den Altvorderen. Das war schon immer so. Da ich zu einer Generation gehöre, die anders als die Generationen davor nicht gewisse Verhaltensweisen und Hobbys aus der Jugend mit 30 Jahren abgelegt hat, weil man dann „zu erwachsen“ dafür sei, und ich auch nicht denke, dass ich diese Verhaltensweisen mit 50 Jahren, oder 70 Jahren ablegen werde, war und bin ich mal gespannt, welche Verhaltensweisen sich die Generation nach mir zulegen wird, die dann bei mir auf Unverständnis trifft – und ob es solche überhaupt gibt. Mit einiger Beruhigung und vielleicht auch Konsternierung darf ich feststellen, dass es diese durchaus gibt. Das sind zum Beispiel Youtuber, die Millionen Abonnenten dafür haben, dass sie dämlich rumzappeln, Amateurschminktipps geben oder sich durch irgendwelche Level von Computerspielen hampeln. Schön, dass wir das geklärt haben

Film
Am Wochenende habe ich „Blade Runner 2049“ gesehen, bei welchem viele Kritiker Meisterwerk-Alarm ausgerufen haben.
Zur Vorbereitung habe ich mir noch einmal das Original, also „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahr 1982 angesehen und will darüber gar nicht viel schreiben, denn der Film ist längst in diversen Bänden vollkommen ausanalysiert und fast zu Tode geschrieben worden. Ich hatte den Film jetzt eine Weile nicht gesehen und war erneut von der famosen, originellen und surrealen Bildsprache vollkommen berückt und angetan. Dies gilt gerade auch für die Momente, die fast schon Giallo-Qualität haben, wenn es sich dabei nicht um Roboter handeln würde. Gemeint sind die Mordszenen mit der Schlangen-Lady im Plastiktütenkostüm, die in einer künstlichen Schneelandschaft zu den elegischen Klängen von Vangelis ihr künstliches Leben durch die Kugeln von Harrsion Ford in den Rücken aushaucht, sowie insbesondere die Erschießung von Daryl Hannah als Pris, der vielleicht surrealste und eigentümlichste Moment des Films. Ich weiß, das haben schon Tausend andere vor mir geschrieben, aber: Gibt es eigentlich tatsächlich noch eine schönere Sterbeszene in der Filmgeschichte als die von Rutger Hauer am Ende? Ich denken, nicht. Interessanterweise, das ist vielleicht meinem Alter geschuldet, empfinde ich die Gewaltspitzen des Films heute als übertrieben, weiß aber natürlich, dass das auch der damaligen Zeit geschuldet war, Anfang der Achtziger waren harte und toughe Filme im Kino kein Problem, sondern eher en vogue, selbst richtiger Schmuddel wie „Death Wish II“ lief da in den großen Sälen der Schuhkarton-Paläste.
Eine letzte Bemerkung noch: Ich habe den Original-Film damals sogar im Kino gesehen, natürlich durch den Fluch der späten Geburt nicht die Erstaufführung, aber immerhin die Aufführung der 10th Anniversary Edition 1992, also den „Zwischen-Director’s Cut“ dem Scott noch einige andere Version folgen ließ. An diesen Kino-Besuch muss ich manchmal noch heute denken, denn es war einer von zwei Kinobesuchen, die mir deutlich machten, dass selbst ein Film, den man schon diverse Male im Heimkino gesehen hat, auf der großen Leinwand noch eine ganz andere Wirkung entfalten kann. Ich habe damals den Mund praktisch nicht mehr zu bekommen. Der andere Film mit einem solchen Erlebnis und Eindruck war übrigens Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“, da war der Überwältigungseffekt ähnlich.

Nun zur Fortsetzung „Blade Runner 2049“, der man vor allem mit Nachdruck das Prädikat mutig verleihen muss. Es ist im heutigen Studio-Umfeld wirklich mutig, einen offensichtlich hoch budgetierten Film in die Kinos zu bringen, der völlig konträr zur Machart aktueller Blockbuster seinen Bildern, Szenen und Figuren sehr viel Raum und Zeit zum atmen gibt. Viele Momente verweilen sehr lange, als wir es durch das ADHS-Kino eines Michael Bay oder auch des MCU gewohnt sind. Dabei langweilt man sich trotzdem in den durchaus langen 163 Minuten von „Blade Runner 2049“ keine einzige Sekunde, für ungeduldige Zuschauer dürfte allerdings das aus dem Original übernommene, eher langsame Tempo eine Herausforderung darstellen. Mutig ebenfalls, dass Denis Villeneuve und sein Team einen gänzlich anderen Weg einschlagen als zum Beispiel J.J. Abrams bei „The Force Awakens“: Viele Regisseure hätten wohl insbesondere die Erinnerung und Nostalgie-Gefühle der Zuschauer bedient, die mit „Blade Runner“ aufgewachsen sind, die Fortsetzung geht aber durch auseigene Wege und hat tatsächlich visuell und stilistisch mit dem Original nur sehr wenig gemein. Man befindet sich zwar erzählerisch im gleichen Kosmos, durch das fast völlige aufgeben der Film Noir-Elemente des Originals ergibt sich aber eine gänzlich andere Herangehensweise, die von den hervorragenden Darstellern glänzend getragen wird, allen voran der wie in „Drive“ herrlich stoische Ryan Gosling und der gerade mimisch diesmal ausgesprochen starke Harrison Ford in seinem längeren Kurzauftritt. „Blade Runner 2049“ hält viele hervorragend inszenierte und erzählte Momente bereit, an denen man sich delektieren kann – für ein Meisterwerk ist er aber vielleicht doch etwas zu unterkühlt. Andererseits, was heißt das? Unterkühlung passt eigentlich perfekt zum Thema und dem als größten SF Meisterwerk aller Zeiten kanonisierten „“2001 – Odyssee im Weltraum“ kann man nun auch nicht unbedingt große Gefühligkeit nachsagen.
Wer am Wochenende etwas die vielen Schlagzeilen verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass der große Mut der Macher sich einmal mehr nicht ausgezahlt hat: „Blade Runner 2049“ startete deutlich unter den nach hiesiger Ansicht viel zu hochgesteckten Erwartungen, was haben die Macher und viele jetzt hyperventilierende Online-Journalisten (wie auf deadline.com) denn erwartet von einem Film, dessen Original der Kernzielgruppe der unter 29-jährigen kaum noch etwas sagt und der über zweidreiviertel Stunden eher durch Szenen imponiert, die zum ertasten und auskundschaften einladen?!
Also: Ganz klare Empfehlung, sicherlich eine der besten und interessantesten Filme des Jahres. Noch klarere Warnung aber an die Zuschauer, die unter filmischer Qualität insbesondere Explosion und Sprüche verstehen, beides gibt es hier so gut wie gar nicht.

Letzte Woche, am 30. September, jährte sich zum 15. Mal die Veröffentlichung des für mich besten Trailers aller Zeiten und er muss schon etwas besonderes sein, wenn ich dessen Jahrestag nach wie vor im Kopf habe und auch ein wenig feiere. Ich meine den Trailer zu „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“. Ich kann mich noch wie heute dran erinnern, wie ich vor 15 Jahren zur Arbeit aufbrach und zum Frühstück schon wusste, dass ich hoffentlich gegen Abend dann den Trailer sehen kann, der für diesen Tag angekündigt war. Und so war es dann auch, und er hält bis heute den einsamen Rekord von über zwei Stunden. Ja, ich hab mir an diesem Tag über zwei Stunden lang diesen Trailer immer und immer wieder angesehen. Das ist dieser Trailer mit der Musik von Clint Mansell namens Lux Eterna in einer speziell für diesen Trailer neu arrangierten Version, das Original findet sich in Darren Aronofskys „Requiem for a Dream“. Den Trailer kann man nicht beschreiben, man muss ihn einfach gesehen haben, insbesondere die zweite Hälfte. Ich bleibe dabei, das ist bisher noch nicht übertroffen worden, obwohl die Trailer des Nachfolgers „Return of the King (2003)“ und auch der Haupttrailer von „Spider-Man 2 (2004)“ nahe dran kamen. Auch noch wie heute weiß ich, wie wahnwitzig hoch die Erwartungshaltung war, als „Die zwei Türme“ dann schließlich in den Kinos anlief. Der erste Teil „Die Gefährten“ war ein dreistündiger Nerdgasmus, dieser Trailer weckte die kühnsten Hoffnungen und es schadete dann wirklich überhaupt nicht, dass Peter Jackson noch einmal eine der besten Filme der ganzen Welt ablieferte. Nein, das schadete wirklich nicht.

Worauf ich mich dieses Jahr besonders freue, hatte ich ja schon mal geschrieben. Das sind nicht unbedingt die beiden großen Fan-Service Monolithen „Star Wars 8“ (MORGEN! FRÜH! NEUER! TRAILER!!!!!!!!!!!) und „Justice League“ (Final Trailer dieses Wochenende erschienen!), bei beiden ist meine Erwartungshaltung noch erstaunlich lauwarm, sondern es ist die Neuverfilmung eines sattsam bekannten, altbackenen Stoffes namens „Mord im Orient Express“ von und mit Kenneth Branagh. Hier noch einmal der Trailer, der mich sehr begeistert hat:

TV Serien
Zum Thema TV Serien, natürlich sehe ich auch schon aus alter Verbundenheit die neue Star Trek Serie Discovery. Diese kommt bisher recht kurzweilig unterhaltsam daher, wenn man aber strengere Maßstäbe anlegen würde, muss man schon konstatieren, dass die Bücher nun alles andere als originell ausgefallen sind und die Episoden somit inhaltlich in ziemlich ausgetrampelten SF Pfaden wandern. Auch sind die Figuren noch nicht ausreichend konturiert durch die Autoren und Darsteller. Gucke ich erstmal weiter.

Enttäuscht hat mich Marvel’s Defenders auf Netflix, die eigentlich ganz schön geschrieben und dargestellt war, aber doch etwas arg Dienst nach Vorschrift verrichtete. Ich meine damit jetzt nicht unbedingt spektakuläre Todesfälle und Explosionen, aber ein paar mehr hübsche Erzähleinfälle wären schon ganz nett gewesen.

Auch ich kann zeitlich nicht hexen und bei meinen diversen anderen Hobbys sind es häufig Serien, die aufgrund ihres extremen Zeitfresserpotenzials bei mir das Nachsehen haben, zwei Sachen habe ich aber zumindest mir mal vorgemerkt: Eine Serie, die mich inhaltlich sehr ansprechen müsste ist „Halt and Catch Fire“ über Computer-Pioniere aus den Achtzigern und Neunzigern, vielleicht finde ich dafür mal die Zeit.
Das andere ist vielleicht die zweite Staffel von „Stranger Things“. Darüber hört und sieht man ja bisher nur Gutes und ich habe zwar die erste Staffel nach der Pilotfolge nicht weiter gesehen, vielleicht bekommt die Serie im Herbst aber noch einmal eine Chance bei mir. Vielleicht habe ich auch einfach Glück und mich trifft irgendwann mal eine Zeitdilatation, so dass ich dazu komme, das alles aufzuholen, was man an Serien gucken könnte oder „müsste“.

Buch
Lektüretechnisch ist bei mir im Moment nicht so viel los, weil ich mich durch einige enorme Ziegelsteine zur Computerspielegeschichte durchwühle, machen wir mit diesem Thema auch gleich weiter.

Games
Ich hatte schon mehrfach erzählt, dass ich nach 15 Jahren meine Gamer-Abstinenz abgelegt habe und nun wieder voll dabei bin, sowohl als Gamer, als auch als Retro-Gamer. Wenn man so lange raus ist, kann man die seitdem erzielten Fortschritte noch viel mehr würdigen und das sind nicht nur die technischen Fortschritte, sondern gerade auch die Fortschritte, die dieses Medium im punkto Immersion und Inszenierung erlebt hat. Ohne jetzt Überraschungen zu verraten, aber die erste Stunde, die ich kürlich mit „Fallout 4“ und „Prey“, zwei halbwegs aktuellen SF Titeln erlebt habe, werde ich die nächsten Jahre nicht vergessen, so perfekt war das inszeniert, und erzählt auch.
Dazu ein krasses Gegenbeispiel, ich habe letzte Woche mal wieder das inzwischen über 20 Jahre alte „Diablo“ gestartet. Dort ist der Einstieg ein echter Abtörner, ja fast ein Coitus Interruptus. Begegnet man zuerst einem Opfer eines schändlichen Verbrechens und schwört für ihn Rache, betritt man dann wütend und hochmotiviert ein Haus – und landet für den Rest des Spiels in einem Dungeon, wie er generischer und 08/15-mäßiger nicht sein könnte. Der große Bruch zwischen Intro/Heranführung und Spiel selbst, da geht vom Spieldesign her echt mehr.

Ansonsten hohle ich im Moment mit Begeisterung „Red Dead Redemption“ (Rockstar, 2010, PS3) nach, auch natürlich im Vorgriff auf den zweiten Teil, der für nächstes Frühjahr angekündigt ist. Als Westernfan ist das für mich ein ganz besonderes Erlebnis und beglückt mich außerordentlich.
Diese Woche hat mich zum Beispiel eine Frau zu einem Pferdewettrennen herausgefordert, das ich verloren habe, weil mein Pferd mich abgeworfen hat. Darüber war ich so sauer, dass ich mein Gewehr genommen und dem Pferd in den Hintern geschossen habe. Das fand das Spiel gar nicht so gut, sodann haben mich der Sheriff und sein Asstent geschossen. Ja, für den Wilden Westen wäre ich wie geschaffen gewesen.

Hörspiele
Vorletzte Woche erschienen gleich mehrere neue John Sinclair Hörspiele, darunter zwei aufwändige und überlange Sondereditionen, durch die ich mich gerade durchhöre. Besonders gespannt war ich auf „Brandmal“, die Sonderedition 7, denn in dieser gibt der TV Promi, Forensiker und Tattoo-Aktivist Mark Beneke ein Gastspiel, und das – durchaus beeindruckend – gleich in dreifacher Ausführung: Er ist nicht nur Co-Autor des Romans, sondern auch tragender Held in der Geschichte selbst, der zusammen mit John Sinclair in dem Fall ermittelt und schließlich spricht Beneke sich im Hörspiel auch noch selbst. Bringen wir das Schmerzhafte kurz hinter uns, bei aller Sympathie für diesen interessanten Menschen merkt man leider extrem deutlich, dass er keine professionelle Sprecher-Ausbildung besitzt, seine Dialoge stechen merklich aus dem professionellen Ensemble als amateurhaft heraus, da haben er Regie wohl bewusst oder unbewusst die Ohren angeklappt. Das Schöne ist aber, dass das eigentlich kaum stört, zu gelungen ist dieses Stunt Casting und vor allem wird Benekes Promistatus in dem Hörspiel selbst augenzwinkernd thematisiert. Ferner sind Dialoge und Inszenierung einfach zu spritzig und gelungen, um sich hier über Kleinigkeiten zu mokieren. Deshalb: Große Empfehlung, Daumen hoch, unbedingt anhören. Vor allem bekommt man viel Hörspiel fürs Geld, anders als die üblichen Sinclair Einstünder läuft „Brandmal“ geschlagene 166 Minuten lang.

Kennt eigentlich jemand die Radiohörspielö-Serie „Der letzte Detektiv“ von Michael Koser, dem Mann, den wir die Radio-Hörspiele um Professor van Dusen verdanken? Das sind Detektiv-Krimis mit ordentlichem SF Einschlag, also in der Regel futuristischen Themen und auch in der Zukunft spielend. Vielen Genrefans empfinden SF Propheten, die richtig lagen, ja immer als besonders befriedigend und wenn ich als Hörer täglich mit Euro zahle und mit Amazons Alexa kommuniziere, kann ich nur staunen, dass der Held dieser Geschichten dies auch schon tut, er bezahlt mit Euros (in der Serie wird der Plural verwendet, der sich nicht durchgesetzt hat) und spricht mit einem Computerassistent ganz ähnlich wie heute Alexa, Siri und co. Und die Hörspiele sind bereits über 30 Jahre alt und entstanden am Anfang der Achtziger! Diese Hörspiele sind leider kommerziell, im Gegensatz zu Professor van Dusen, noch nicht wieder veröffentlicht worden, beziehungsweise eine Veröffentlichung blieb mangels Erfolg schon in den Ansätzen stecken. Aber es soll ja im Internet so ein riesengroßes Videoportal geben, wo man auch nach Hörspielen suchen kann…

Musik
Wer mich kennt, weiß, dass ich an dem Jazz-Pop von Carol Emerald einen Narren gefressen habe, für mich ist sie das Beste, was Holland jemals exportiert hat. Sie hat jetzt eine neue EP herausgebracht namens „Emerald Island EP“, die bei mir seit Wochen rauf und runter läuft. Insbesondere die ersten drei Tracks sind, wie soll ich das sagen, also, wenn man die hört braucht man nicht in den Urlaub fahren. Diese Tracks sind Urlaub pur.

Auch meine Lieblingsband „Tangerine Dream“ hat ein neues Album rausgebracht, „Quantum Gate“ und es ist erstaunlich zu beobachten, dass diese eigentlich so skandalfreie Band nun für heftiges Kopfschütteln gesorgt hat. Zum einen wurde dieses Album viel über eine Pledgekampagne finanziert und ausgerechnet die Leute, die eine Pledge geleistet haben, werden im Moment als letzte mit dem Album beliefert, was nicht gerade für viel Begeisterung sorgt. Schließlich scheinen fast alle Versionen des Albums, die online angeboten werden zum Downloads oder Stream, mit einem heftigen Mastering Fehler versehen sind, der dafür sorgt, dass am Ende fast jeden Tracks eine stille Pause von gut einer Minute(!) erfolgt. Die CD Ausgabe soll davon nicht betroffen sein und die Band gelobt, die entsprechenden Download- und Streaming-Files möglichst bald auszutauschen.

Einige Fans nörgelten schon, dass das neue Album von „Wolves in the Throne Room“, einer der Platz Hirsch im US-Black Metal Bereich, zu kommerziell ausgefallen sei. Mag sein, weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht, denn, was haben wir? Wunderbar düstere Gitarrenwände? Check. Die obligatorische, mysteriöse Dungeon Synth-Passage? Check. Was will ich mehr? Reicht mir.

Viele meiner Laser schütteln ja gerne belustigt oder konsterniert den Kopf, wenn ich von meiner Deutschrap-Begeisterung schreibe. Ich bin dann wiederum belustigt, wenn die Marginalisierungsversuche dieser Musikrichtung immer mehr scheitern. Die beiden Gangster Rap Ikonen Kollegah und Farid Bang veröffentlichen Anfang Dezember ein neues Kollabo-Album, JBG3 natürlich, welches man sich schnell zulegen sollte, denn es wird vermutlich sehr schnell auf dem Index landen. Nun haben die beiden, einzig um dem neuen Kollabo-Album von den Platzhirschen Savas und Sido die Schau zu stehlen, Ende vorletzter Woche mal eben zwei Singles des neuen Albums „Jung, brutal, gut aussehend 3“ als Überraschungscoup gedropped und was passiert? Das gab es in den deutschen Charts so noch nie, beide Singles entern die Top Fünf der allgemeinen Single Charts und der Intro Song „Sturmmaske auf“ geht sogar von der Null auf die Eins. Das ist schon wirklich lustig, ein nicht Radio-tauglicher Song, der eigentlich nur davon handelt, wie die beiden mit den Müttern ihrer Gegner den Beischlaf vollziehen, belegt Platz eins der deutschen Charts. Ja, Savas und Sido müssen sich trotzdem nicht grämen, ihr Album mit prägnantem Haifisch-Cover namens „Royal Bunker“, das mir persönlich in großen Teilen allzu laid-back daherkommt, entert die Album-Charts auf der Eins und schaffte es immerhin paläontologische Absurditäten wie Andrea Berg und die Kastelruther Fratzen von der Spitze zu vertreiben von der Spitze zu vertreiben oder gar nicht erst hin zu lassen.

Das was es für diesmal; wieder wurde dieser Beitrag diktiert und nur einmal durchgesehen, Fehlerfreiheit kann aus Zeitgründen nicht garantiert werden (dafür immerhin keine Paywall!).

Wer auf diesen Beitrag antworten möchte: Ich freue mich darüber. Wahrscheinlich.

Noch immer habe ich nicht ganz für mich geklärt, ob ich diesen Beiträgen eine regelmäßige Frequenz geben soll, werde es vermutlich aber dabei lassen, diese unregelmäßig erscheinen zu lassen, weil ich halt immer nicht genau weiß, wann sich genug Material, Zeit und auch Inspiration zum Verfassen einige Zeilen bei mir angesammelt hat. Also: Wir lesen uns vielleicht morgen, vielleicht auch erst nächste Woche, oder nächsten Monat.

Im Herbst mal John Sinclair lesen

Ein treuer und großer Fan von John Sinclair war ich nie. Trotzdem hat mich die Figur mein Leben lang irgendwie begleitet, auch wenn ich nie viel oder fast nichts von John Sinclair gelesen habe; die phantastischen Elemente waren mir immer zu willkürlich und Rellergerds ABC-Schützen-Schreibstil nicht mein Fall. Ziemlich gerne habe ich Anfang/Mtte der 80er allerdings die Hörspiele des Tonstudio Braun gehört, auch und gerade, weil die heute eher amüsant-belustigend wirkenden harmlosen Schlüpfrigkeiten mich als vorpubertären Jugendlichen noch leicht überfordert hatten. Seit ich Anfang diesen Jahres mit ziemlicher Wucht wieder Hörspiele für mich entdeckt habe, höre ich gerne und häufig die bei Lübbe Audio erscheinenden neuen (naja, gibt es auch bald 20 Jahre..) Sinclair-Hörspiele, die mir in ihrer flotten und gekonnten Machart sehr zusagen, so dass ich inzwischen zu den regelmäßigen Käufern jeder Neuerscheinung zähle. Und auch in die wiederveröffentlichten Tonstudio Braun-Folgen gerne wieder reinhöre. So habe ich beides: Den Retro-Charme der alten Hörspiele und die neuen Hörspiele, die zeigen, dass die Serie John Sinclair cool und tight sein kann.

In den nächsten Monaten werde ich sogar, deshalb schreibe ich das hier, vermehrt Sinclair lesen, denn es erscheinen einige sehr bemerkenswerte Romane. Zunächst (Ende September) zwei interessant klingende Sonderbände, einmal ein Zweiteiler namens „Oculus“ von Wolfgang Hohlbein, der Sinclair als postapokalyptisches, weltumspannendes Fresko neu erzählt. Dann ein Roman namens „Brandmal“, den Sinclair-Regular Florian Hilleberg (Pseudonym Ian Rolf Hill) mit dem bekannten medizinische Forensiker und TV-Promi Dr. Mark Benecke verfasst, und jetzt komm es, das finde ich wirklich bemerkenswert: Benecke ist 1. Co-Autor, 2. tritt im Roman selbst als Figur und Ermittlungspartner von John Sinclair auf und 3. vertont sich wohl im zum Roman erscheinenden Hörspiel auch noch selbst! Wow, was für eine Personalunion! Das hört sich sehr lässig an, das muss ich mal antesten.
Im Januar 2018 werde ich dann gespannt mal reinlesen in „John Sinclair – Dead Zone“ von Dennis Ehrhardt (kommt, warum auch immer, nicht bei Lübbe, sondern bei Fischer/TOR?!), der ja auch für die Hörspielserien verantwortlich zeichnet und als Showrunner von Dorian Hunter längst ein Grusel-Veteran ist. Dead Zone ist, nachdem Perry Rhodan und Jerry Cotton („Neo“ resp. „Reloaded“) es vorgemacht haben, der (überfällige?) Reboot der Serie. Auch hierzu werden Hörspiele erscheinen, die sich, ist ja schwer ‚in‘, in „Staffeln“ gliedern werden. Ob „Dead Zone“ der Serientitel oder nur der Titel der ersten Staffel ist, weiß ich noch nicht.

Der Serie John Sinclair scheint es nach wie vor ziemlich gut zu gehen, sonst würde das Produkt-Universum wohl nicht so expandieren: Neben der Hauptserie (mit drei laufenden Hörspielserien als Begleitung) gibt es ja auch noch drei Spin Ofs: 1. Die Nachwuchs-Serie „Sinclair Academy“ (auch als inszeniertes Hörbuch), 2. der Spin-Of um Bill und Sheilas Sohn Johnny Conolly namens „Dark Land“ (spielt in einer anderen Welt) und 3. sporadisch einzelne Romane als Mini-Reboot modernisiert nacherzählt auf Englisch, auch dazu gibt es schon ein paar englische Hörspiele.

In diesen Serien-Universum kann man also sehr tief eintauchen, wenn man möchte. Immer gemach, erstmal die erwähnten Neuheiten antesten.

Neun Filmkritiken

Die Mumie
(The Mummy, Alex Kurtzman, USA 2017, 110 Minuten)
Gleich vorweg mal aufgeklärt: Die viele Ablehnung, die dem Film seit dem Start entgegen geschlagen ist, liegt weniger an der Qualität des Films, auch wenn dieser wahrlich kein Meisterwerk ist, sondern häufig daran, dass Marketing, Besetzung der Hauptrolle und Platzierung dieser neuen „Mumie“ im Kinosommer bei Publikum und Kritik völlig falsche Erwartungen geweckt haben – Zitat Variety: „ With Tom Cruise in the lead, the revival was poised to be a beat-the-heat, popcorn-flinging summer blockbuster, a nostalgia grab for millennial fans of the 1999 title..“
Nein!
Eben genau das will/soll der Film nicht sein, ob das nun gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Dies ist eben nicht eine Fortsetzung der modernen Mumie-Trilogie von Stephen Sommers (ab 1999), die viele noch positiv im Gedächtnis haben. Nein, dieser neue Mumie Film schielt keinesfalls wie die vorherige Trilogie auf die Indiana Jones-Filme, sondern besinnt sich tatsächlich auf die alten Boris Karloff-Filme aus den 1930ern und zitiert auch andere Horror-Filme von (besonders deutlich) „American Werewolf“ bis „Night of the Living Dead“, sowie insbesondere die vier spanischen „Reitenden Leichen“-Filme mit ihren zum Leben erweckten untoten Kreuzrittern. Daraus bezieht diese „Mumie“ aber auch durchaus ihren Charme, auch wenn die Unentschiedenheit des Films ihn nie richtig fesselnd werden lässt. Er lässt sich zwar auf Horror ein, ist aber als Sommer Blockbuster dafür letztlich zu harmlos und nicht spannend genug, und es war sicherlich nicht die beste Idee, einen eigentlich reinen Horrorstoff in die Hülle eines Tom Cruise-Kinosommervehikels zu wickeln. Denn so bekommen wir schon ein wenig Action, aber nicht zu viel, etwas Humor, aber nicht zu viel, etwas Horror, aber nicht zu drastisch, so dass letztlich von allem nicht zu viel – zu wenig ist. Eine Katastrophe ist der Film nicht (ist das ein Lob?), aber schon irgendwie unrund; der Zug kommt an, aber schlingernd. Das mystische Brimborium macht durchaus Spaß, wenn man sowas mag und die ersten Spurenelemente des neuen Dark Universe (Universals Gegenangebot zum Marvel Cinematic Universe und dem DC Extended Universe) wecken auch Lust auf mehr – nicht, weil man unbedingt die hingeworfenen Handlungsbrocken erklärt oder weitergesponnen haben möchte, sondern einfach, weil dies alles schon Erzählpotential birgt. Das man aber natürlich in Zukunft auch richtig nutzen muss.
Aktivposten sind die toughe und bildhübsche Annabelle Wallis (bitte mehr solche Rollen für die Dame!) als Heldin und Love Interest von Tom Cruise, sowie ein glucksend aufgeblasener Russel Crowe als Nick Fury, äh nein, als (ja DER) Dr. Jekyll und Chef einer Geheimorganisation gegen das Böse™. Schöner Score von Brian Tyler, und vereinzelt gelingen Regisseur Alex Kurtzman einige sehenswerte Einfälle, auch wenn ihn wohl niemand als visionären Filmemacher bezeichnen würde.
Von einem gelungenen, runden Eindruck kann man ernsthaft bei dieser „Mumie“ nicht sprechen, dafür passt zu viel nicht zusammen und vor allem, zu viele Szenen handeln von Menschen, die in halbdunklen Kammern und Hallen herumstehen. Nur herumstehen, ein Glück ist dieses Werk für einen Sommerblockbuster recht kurz ausgefallen und man reitet in deutlich unter zwei Stunden dem Abspann entgegen. Als seltsamer Hybrid eines groß budgetierten Horror-Films ist der Film eine Sichtung aufgrund seiner Schauwerte und des dezenten Gothic-Touches aber durchaus wert. Natürlich vor allem für Zuschauer, die die Universal-Monster sowieso mögen (der Verfasser dieser Zeilen ist da zugegeben voreingenommen). Next Stop: ‚Frankensteins Braut‘ von ‚Gods & Monsters‘-Regisseur Bill Condon im Februar 2019 – das hört sich immerhin toll an. 7/10 Punkte

Fifty Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe
(Fifty Shades Darker, James Foley, USA 2017, 131 Min (extendcd cut)/118 Min Kinofassung)
Die Fortsetzung des großen Erfolgsfilms basierend auf den Millionen-Sellern von E.L. James erweist sich als ziemliche Mogelpackung: „Gefährlich“ ist hier nichts und „dunkler“ ist der Film auch nicht als der Vorgänger, eher im Gegenteil. Die Romanze von Ana und Christian dreht nach einer Versöhnung einfach eine weitere Runde und, nein, gipfelt kann man eigentlich nicht schreiben, also nicht gipfelt sondern enthält 3-4 kurze Sex-Szenen, die in Länge und mangelndem drauf einlassen das höchst seltsame Gefühl beim Zuschauen wecken, dass die Filmemacher diese schnell hinter sich bringen wollen – eine erstaunliche Attitüde bei einem Film, der nun schon hauptsächlich als Erotik-Film vermarktet werden soll. Vielleicht sind die weiblichen Fans dieser Reihe da genügsamer – wenn man z.B. einen Jurassic World-Film fast ohne Dinos in die Kinos bringen würde, würden sich wohl doch einige mehr beschweren. Die Handlung schleppt sich durch bemerkenswert lange 131 Minuten im extended cut von einer Verwicklung und Romance-Standard-Situation (leider ziemlich geschäftig abgehakt alles) zur nächsten, und bevor alles zu sehr still steht, darf Christian mal wieder kurz für maximal vier Sekunden zu der in solchen Filmen üblichen klebrigen Fahrstuhlmusik Ana von hinten.. Abblende. Eine Zod-Hommage („Kneel!“) wird immerhin bleiben von dem Film, die ist grandios – ob gewollt oder nicht, ist ja letztlich egal. Irgendwie sind diese Filme keine völlig totale Katastrophe, nüchtern gerechnet kommt man (und vor allem: Frau) mit einem baccara-Romanheft aus dem Supermarkt aber einfach günstiger weg. 4/10 Punkten.

Nocturnal Animals.
(Tom Ford, USA 2016, 116 Minuten)
Der neue Film von Designer und Regisseur Tom Ford ist diesmal ein komplex und kunstvoll erzählter, düsterer Thriller, der sich freilich etwas zu sehr in seiner Düsternis und Kunstgewerblichkeit gefällt. Die bei Tom Ford üblichen erlesenen Bilder und einige wirklich großartige filmische Momente (wie zum Beispiel die Schlussszene) heben den Film aber schon weit aus der Masse heraus. 8/10 Punkte

Split
(M. Night Shyamalan, USA 2017, 117 Minuten)
Der große Comeback-Film von M. Night Schyalalan erweist sich tatsächlich als unglaublich fesselnd gelungen. Ein grandios gestalteter Thriller, der aus seiner seltsamen Prämisse: ‚Schizophrener Täter mit 23 Persönlichkeiten hält drei junge Frauen gefangen‘ ein Maximum an Wirkung erzielt. James McAvoy empfiehlt sich mit seiner herausragenden Darstellung bereits jetzt für die nächste Oscar-Verleihung. Die Schluss Wendung will nicht so richtig zu dem Film passen, was man aber auch nicht ernsthaft als Vorwurf aufwerfen kann, da die Verbindung zu einer gewissen Trilogie (Teil 3 folgt in anderthalb Jahren) in Shyamalans-Werk sich ja auch erst am Ende erschließen soll. 8/10 Punkten

Sully
(Clint Eastwood, USA 2016, 96 Minuten)
Man kann über Tom Hanks ja denken was man möchte, aber für solche Rollen wurde er geschaffen. Der Film erzählt die wahre Geschichte von der glücklichen Notlandung einer Passagiermaschine auf dem Hudson River aus dem Jahr 2009 nach und übt Kritik an den offiziellen Ermittlungen, wobei er die Flugaufsichtsbehörden in einem schlechten Licht darstellt, was insbesondere bei staatsgläubigen Filmkritikern einigen Backlash erzeugt hatte. Dies ist ein Film, wie ihn nur Clint Eastwood inszenieren kann: Denn er schafft es gleichzeitig packend, spannend und aufregend zu sein, aber auch völlig unaufgeregt und entspannt daher zu kommen. Eastwood erweist sich auch als bemerkenswert konzentriert – nicht jeder Stoff verlangt Eastwoods sonst übliche zwei Stunden Plus, hier kommt er tatsächlich mal mit gut anderthalb Stunden aus, was dem Film sehr gut tut. 8/10 Punkten

La La Land
(Damien Chazelle, USA 2016, 128 Minuten)
Der eine der beiden großen Oscar Gewinner 2016 (neben „Moonlight“) erweist sich bei näherer Betrachtung doch ein wenig als Scheinriese. Dieses grundsympathische Musical um die alten Themen künstlerischer Erfolg vs. künstlerische Integrität erzählt seine sattsam bekannte Geschichte etwas zu sehr so, als wäre es etwas Neues, was doch leicht verwundert. Die Musicalnummern sind eher rar gesät, erstaunlicherweise. Ferner scheint die teilweise hysterische Liebe, die dem Film entgegen geschwappt war, wohl daher auch zu rühren, dass die in solchen Musicalnummern mögliche befreiende visuelle Fantasie in den letzten Jahren im Mainstream-Kino rar geworden ist und viele Zuschauer, die in der Regel sowieso mit Musicals fremdeln, sich dessen entwöhnt haben. Vielleicht ist das etwas ungerecht, aber da waren die MGM-Musicals vor acht Jahrzehnten durchaus gewagter, schmissiger und einfallsreicher. Die in sehr breitem Scope-Format (2,55:1) fotografierten, gesucht schönen Bilder bezaubern trotzdem, ebenso wie die beiden wirklich vortrefflichen und intensiven Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling, weswegen der Film schon sehenswert ist. Vielleicht hatte man von Damien Chazelle nach dem bezwingenden, meisterlichen „Whiplash“ auch einfach etwas anderes erwartet, als ein solch entspanntes Zurücklehnen; was natürlich sein gutes Recht und kein Vorwurf ist. 7/10 Punkten

xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage
(D.J. Caruso, USA 2017, 107 Miuten)
Vin Diesel erweckt seine alte Quasi-James Bond Franchise von vor 15 Jahren wieder zum Leben und gestaltet sie nunmehr im Stile seiner größten Erfolge, der Fast & Furious Filme: Wir bekommen also auch beim dritten Triple-X Film jetzt eine Art Film-Familie und völlig abgedrehte Action Szenen zu sehen. Wobei letztere natürlich auch schon die USPs bei den Vorgängern waren. Das alles ist eine Nummer kleiner als beim großen Bruder F&F in Budget, Aufwand und Einfallsreichtum, trotzdem sehr schön anzusehen, wenn diesmal eine noch deutlich internationalere Besetzung antritt mit großen süd- und ostasiatischen Stars. Letzteres erklärt wohl auch, dass der Film dort ein Riesen-Hit war – nicht aber in den USA. Da inzwischen die Kaufkraft des asiatischen Marktes (vor allem von China) mehr als ausreichend ist um Hollywood-Sequels anzuschieben, dürfte ein Teil 4 irgendwann amtlich sein. Trotz einiger wirklich fulminanter Action-Szenen (Regisseur D.J. Caruso hat sich nach dem katastrophal inszenierten und montierten „Eagle Eye“ (2008) deutlich gesteigert) muss man dem Film ein Verbrechen vorwerfen: Der in der Regel atemberaubende Tony Jaa wird kriminell ungenutzt verschwendet in seiner zu kleinen Rolle. 7/10 Punkten

Lethal Warrior / Kill Zone 2 / SPL 2: A Time for Consequences
(Cheaung Pou-Soi, HK/China 2015, 118 Minuten)
Diese größer aufgestellte Fortsetzung zu dem modernen Hongkong Klassiker SPL von Wilson Yip aus dem Jahr 2005 hat mit dem Vorgänger eigentlich fast nichts gemein, bis auf ein, zwei Namen in der Besetzung, darunter auch Simon Yam, dessen Figur den Vorgänger nicht überlebte und der hier eine andere Rolle spielt. Dies hier ist ein Klopp-Vehikel für Tony Jaa, macht insofern also alles richtig, und enthält einige tolle Momente, vor allem ein wirklich grandios gestaltetes, eindrückliches Finale. Für Martial Arts Fans mehr als sehenswert. 8/10 Punkten

The Perfect Weapon
(Titus Paar, USA/SWE/SP 2016, 89 Minuten)
Kein übliches Steven Seagal-Vehikel (und sein siebenter, wiederhole SIEBENTER Film 2016!!), sondern eine Dystopie um eine Diktatur im ‚Hunger Games‘-Stil. Seagal spielt diesmal den bösen Diktator, der auch kurz einmal seine Martial Arts-Künste zeigen darf. Witze über Steven Seagals Körpergewicht und mangelnde Beweglichkeit die letzten 15 Jahre sind nun mehr als genug gemacht worden, insofern darf man hier eher traurig registrieren, dass man in einer Szene das untrügliche Gefühl hat, dass der arme Seagal sogar seine Arme nur noch schwer hoch bekommt – und alle anderen seiner Action-Szenen höchst seltsam montiert sind, so dass zwar Defizite kaschiert werden, aber keine Wucht aufkommen kann. Der bar jeglicher Einfälle und Esprit inszenierte, budgetmäßig verhungernde Film ist beim Abspann bereits vergessen, auch wenn einige nicht allzu blutige Action-Szenen zumindest leidlich unterhalten. 4/10 Punkte

Ich lese gerade

Vorrede
Fangen wir zwei Mal mit dem Wort eigentlich an. Eigentlich sitze ich schon sehr lange an einem großen Artikel über Hörspiele, dieser wird und wird aber einfach nicht fertig. Ferner hatte ich eigentlich mehr eine Kolumne à la „Olis Kulturnotizen“ mal vor, um die Bereiche Musik, Film und Buch gleichberechtigt abbilden zu können, jetzt ist doch wieder nur ein Leseschwerpunkt daraus geworden, was vielleicht aber auch nicht so schlimm ist, da ich ja immer mal wieder auch Filmkurzkritiken schreibe und zumindest auf Facebook immer mal wieder auf interessante Musikerzeugnisse aus meinen präferierten Genres (Hip Hop, Metal, Electronica) hinweise.

Also, was lese ich im Moment?

Nach wie vor halte ich es so, dass ich diverses nebeneinander lese, was sich sehr bewährt hat, weil ich so unter dem Strich einfach mehr ‚schaffe‘, als wenn ich mich nur auf ganz wenige oder auch nur ein Buch am Tag konzentriere.

Mit viel Freude lese, höre und sehe ich mich im Moment durch den Kanon von Sherlock Homes von Sir Arthur Conan Doyle einmal von vorne bis hinten durch, was ich so vollständig und systematisch noch nie gemacht; auch wenn ich natürlich unzählige Filme, Hörspiele und andere Pastiche-Erzählungen immer mal wieder in meinem Leben genossen habe.
Im Vergleich finde ich hochinteressant, wie das Bild auf Holmes‘ Koprus durch die aktuellen Verfilmungen sich anders gestaltet, als es von Conan Doyle vermutlich gedacht war. So finde ich es bemerkenswert, dass kaum eine moderne Film- und auch andere Erzählung ohne Irène Adler auskommt, die offensichtlich die Phantasie der Autoren beflügelt und häufig als Holmes Geliebte dargestellt wird. Sicher, geschenkt, wenn ein Autor eine Figur in die Welt entlässt, hat sie jedes Recht ein Eigenleben zu entwickeln, auch wenn der Autor das so nicht vorgesehen hat. In diesem Fall Irène Adler ist das Missverhältnis aber besonders krass.
Nicht nur, dass heutzutage Irène Adler häufig als gleichberechtigte Figur neben Holmes eingeführt wird und fast immer sein Love Interest ist, was man ja gerne so machen kann, was aber nun sicherlich nicht von Conan Doyle so vorgesehen war. Denn bei ihm taucht Irène Adler gerade mal in einer einzigen Geschichte auf, auch wenn sie in dieser Geschichte eine der ganz wenigen Menschen (und dann auch noch eine Frau, was der Geschichte einer protofeministische Note gibt) ist, die Sherlock Homes sogar mal in einem geistigen Wettbewerb besiegt hat. Warum diese Figur aber sicherlich nicht so intendiert war, wie sie heute häufig eingesetzt wird, macht die Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“ mehr als deutlich: Nicht nur, dass Irène Adler wohl kurz nach der Geschichte bereits verstorben ist, nein, sie ist insbesondere deswegen nicht als Love Interest des großen Detektives geeignet, weil sie in dieser Geschichte einen in Verkleidung sich herumtreibenden Holmes dazu nötigt, Trauzeuge auf ihrer Hochzeit zu sein, auf welcher sie offensichtlich glücklich einen anderen Mann heiratet. Tja.
Noch eine amüsante Holmes-Beobachtung: Wir alle wissen, dass man Wikipedia und co. nicht immer trauen darf. In diesem Fall darf man zwar mal der offiziellen Wikipedia trauen, aber nicht der speziellen und ansonsten eigentlich sehr guten Sherlock Homes Wiki auf Deutsch, die sich eine bemerkenswerten Lapsus leistet. In der berühmte Geschichte „Die fünf Orangenkerne“, die für Sherlock Holmes eher unbefriedigend damit endet, dass die Täter auf hoher See untergehen, folgt die Zusammenfassung in der Holmes Wiki eben nicht der Conan Doyle-Geschichte, sondern ohne dies gesondert zu kennzeichnen, der Maritim-Vertonung(!), hier:
http://de.sherlockholmes.wikia.com/wiki/Die_f%C3%BCnf_Orangenkerne:_Inhaltsangabe
Die dort beschriebene Konfrontation zwischen Holmes und den Verbrechern im Finale findet nur im Hörspiel von Maritim statt, nicht in der Original-Geschichte. Der offizielle Wikipedia Eintrag gibt die Geschichte dahingegen korrekt wieder. Warum erzähle ich das hier und passe den Wiki-Eintrag nicht einfach an? Weil ich genug Erfahrung mit solchen Wiki-Admins gemacht habe, die stumpf-blockwartmäßig einfach jeder Änderung rückgängig machen, ohne sich in der Sache damit auseinander zu setzen.
Gerne werde ich weiter in Conan Doyles Werk weiter voranschreiten, wobei ich inzwischen die Verfilmungen zeitlich abgekoppelt habe, weil ich sonst nie damit zu Potte, geschweige denn hinterher kommen würde. Im Moment mache ich es so, dass ich mir jeweils eine Original-Geschichte von Steven Fry bei Audible vorlesen lasse, und dann die jeweiligen Hörspiele der BBC, des Imagination Theater (USA), sowie 2-3 deutsche Vertonungen mir anhöre, meist eine Radiovertonung (sofern vorhanden), sowie die Hörspiele von Maritim, Titania Medien oder WinterZeit.

Ich hatte auch schon mal erzählt, dass ich mich im Moment durch sämtliche fast 180 Edgar Wallace-Bücher durchlese. Nach gut 30 Bänden mache ich jetzt einmal eine Pause – verlasse aber den Namen Wallace nicht, sondern beschäftge mich jetzt mal mit den, nennen wir sie mal apokryphen Jugendbüchern, die es mit dem Namen Wallace auf dem Cover gibt.
Was hat es damit auf sich und wie komme ich darauf?
Schuld sind die neuen Hörspiele von Winterzeit Audio, die aktuell die sechs Jugendbücher, die in den Achtzigern verfasst von Dietmar Kuegler erschienen, vertonen. Durch diese Hörspiele zur Recherche angeregt, kam ich schließlich darauf, dass es in den Achtzigern sage und schreibe vier(!) verschiedene Jugendbuch-Serien gegeben hat, die sich mit dem Namen Edgar Wallace schmückten. Dazu kam es Anfang der 80er, weil zum einen der Name Edgar Wallace durch die ganzen TV-Wiederholungen der Rialto-Serie noch sehr populär war und wohl gerade die Schutzrechte für seinen Namen abgelaufen waren. Ferner waren in den Achtzigern Jugendkrimis mit einer Detektiv-Bande à la Die Drei Fragezeichen und TKKG schwer in Mode und höchst erfolgreich, so dass es wie bei Alfred Hitchcock bei den Drei ??? auch Edgar Wallace als eine Art Patron und Mentor für Jugenddetektive fungieren in solchen Geschichten durfte, was manchmal schon sich etwas bizarr liest und anhört. Während bei den eben schon erwähnten Werken von Dietmar Kuegler, die kürzlich beim Blitz Verlag gedruckt und als EBook wieder aufgelegt wurden, und wie gesagt, gerade aktuell bei Winterzeit vertont werden, sich ein Kriminalkommissar von den Werken von Edgar Wallace inspirieren lässt für seine Lösungen, gab es auch Reihen, in denen tatsächlich Jugendliche von Edgar Wallace selbst als Mentor unterstützt wurden, der teilweise als Geisterstimme in brenzligen Situationen Warnungen aussprach (eh?! Ja, so steht es geschrieben!) So unter anderem die Reihe Edgar Wallace und der Fall..von Felix Huby & co. , die es in den Achtzigern auf acht Bände brachte, von denen damals immerhin vier von Karussell vertont worden. Diese Hörspiele wurden Anfang 2000 von Universal auf CD neu aufgelegt und von den acht Abenteuern sind immerhin drei auch wieder als EBook erhältlich, wäre die restlichen fünf gedruckt nur gebraucht zu bekommen sind.
Ferner gab es noch eine Reihe Namens „Das silberne Dreieck“, die es immerhin auf 15 Bände gebracht hat, von welchen fünf inzwischen wieder als E-Book vorliegen, sowie schließlich eine Reihe namens „Edgar Wallace jagt das Phantom“, von denen ungefähr eine Handvoll Bände erschienen. Einen Teil davon hatte ich als Jugendlicher mal in der Hand, das weiß ich. Zu diesen immerhin vier Serien könnte man, wenn man wollte, noch einige der offiziellen Maritim Hörspiele zählen, denn deren 16 Edgar Wallace-Hörspiele wurden in vier Staffeln à vier Hörspiele aufgeteilt, mit jeweils wechselnden Helden und in einer dieser Staffeln ganz bewusst Jugendliche in die Handlungen der Originalromane hinein geschrieben. Sehr gekonnt und gelungen übrigens.

Da ich im Moment große Lust auf solche Jugendkrimis habe, und auch ehrlich gesagt, weil Edgar Wallace Romane so hinter einander sich schon etwas gleichförmig lesen, werde ich mir jetzt erst mal diese Jugendkrimis zu Gemüte führen, lesen und hören.

Wer es in diesem Artikel bis hierher geschafft hat, wird jetzt vermutlich mit den Augen rollen. Sherlock Homes, Edgar Wallace, kommt noch mal irgendwas anderes als, räusper, angestaubte Krimis? Tja, diese Art Krimis haben mich halt als Jugendlicher massiv geprägt, das hält bis heute an und fasziniert mich auch bis heute.

Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, im Moment habe ich auf zivile Krimis wenig Lust und lese lieber ein paar Military Thriller à la Tom Clancy, da ich mit Freude feststellen durfte, dass dessen letzte Werke, die er nach seinem Tod verfasste, Co-Autoren sei Dank, ziemlich gelungen sind. Einer der Co-Autoren heißt unter anderem Marc Greaney und weil mir dessen Bücher, die im Tom Clancy/Jack Ryan-Universum spielen, so gut gefallen haben, lese ich jetzt auch Solo Titel von ihm um seinen Helden Court Gentry, die zwar recht einfach gestrickte harte Action Thriller sind, aber durch ihre temporeiche Schreibe viel Spaß machen. Auch die Mitch Rapp-Romane von Vince Flynn, ebenfalls schon verstorben und durch das Wunder von Co-Autoren weiter aktiv, kann ich empfehlen, diese lesen sich äußerst kurzweilig und spannend, im Herbst kommt „American Assassin“ in die Kinos. Für Fans von Michael Moore und Edward Snowden ist das nichts, nur so als Warnung.
Wenn wir schon bei guilty pleasures sind, auch von James Patterson komme ich irgendwie nicht los, auch wenn er häufig der Prügelknabe der arrivierte Kritik ist, was bei 8-9stelligen(!!!!) Jahreseinkommen ihn wohl aber nur wenig juckt. Kürzlich warb er selbst für seinen neuen Roman mit dem Slogan, dass dies sein bestes Buch seit 20 Jahren sei, worüber sich u.a. Stephen King in einem Tweet lustig machte. Eine solche Aussage von Patterson selbst wäre eigentlich mit Vorsicht zu genießen, festzustellen ist aber, dass das gemeinte „Black Book“ tatsächlich ein ausgesprochen spannender und mitreissender Polizei-Korruptions-Thriller war, den ich hier mit Nachdruck empfehlen kann.

Von meinem kürzlichen Besuch auf dem traditionsreichen Marburg Con habe ich mir drei Bücher mitgebracht, die ich jetzt erst mal hintereinander wech lese:

Das war zum einen „Fischmund“ von Uwe Voehl und Malte S. Sembten, eine eigentlich mal als Heftroman gedachte Horror-Novelle, die dann aber nicht veröffentlicht wurde, weil sie den inhaltlichen Kriterien eines Heftromans nicht entsprach, dazu hätte es u.a. mehr Action bedurft. Nun wurde sie als extrem edles Hartcover in der Edition CL von Erik Hansch posthum aufgelegt, denn Malte S. Sembten ist ja letztes Jahr leider verstorben, so dass dieses Buch auch ein wenig so etwas ist wie sein Vermächtnis. Die Novelle fängt ausgesprochen gut und atmosphärisch an, kann dieses hohe Niveau aber nicht bis zum Ende durchhalten, weil sich trotz erzählter Fremdbeeinflussung Probleme mit der Figurenmotivation einstellen und vor allem allzu sehr auf reichlich abgenutzte Lovecraft-Motive zurückgegriffen wird. Eine schöne Erinnerung an Malte ist dieser traumhaft gestaltete bibliophile Band aber trotzdem.

Ebenfalls aus Marburg mitgebracht hatte ich mir das Bändchen „Drei-Kapellen“ (wirklich mit Bindestrich geschrieben) von Arnold Drebeck und Jörg Kleudgen, in dessen Verlag Goblin Press der handgefertigte, sehr schöne Band auch erschienen ist. Diese Novelle stellt eine Hommage an die Filme von Dario Argento dar und spinnt in angenehm und vor allem kongenialen fieberhaften Tonfall einen Mythos (natürlich, was sonst) um den Mythos der Mütter-Trilogie (Suspira, Inferno, La Terza Madre) des großen italienischen Maestros.

Ebenfalls mitgebracht hatte ich mir noch einen Fantasy-Schmöker aus dem Verlag Torsten Low, den mir auf dem Con zwei der dort anwesenden Autoren, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, auch signiert haben. Der Band muss aber einen Moment warten, denn heute erschien der neue Roman von Michael Crichton, „Dragon Teeth“, der auf dem Cover mal wieder mit einem Saurier-Totenschädel aufwartet, aber kein Jurassic Park-Nachfolger ist, sondern eher ein Western aus der Frühzeit der Paläontologie Mitte des 19. Jahrhunderts. Als immer noch großer Fan von Michael Crichton bin ich sehr froh, dass der Autor sich nicht von seinem Tod vor knapp 10 Jahren hat abhalten lassen, immer mal wieder neue Romane zu veröffentlichen (dies ist bereits der dritte posthume Roman) und ich hoffe das sich in seiner Garage, seinem Dachboden, seinen Festplatten oder seinem Garten noch eine Menge Manuskripte auffinden lassen. Danach dann ist dieser eben erwähnte Fantasy-Schmöker namens „Herbstlande“ dran.

Damit verlassen wir für heute den Bereich der reinen Buchstaben und treten ein in das Reich der Buchstaben kombiniert mit Bildern, also Comics und Mangas.

Als Einzelband sehr empfehlen kann ich die Graphic Novel „Hieronymus Bosch“ von Marcel Ruijters, der das Leben des Hieronymus Bosch in eindrückliche Bilder fasst und auch nicht davor zurück schreckt, die schreckliche Zeit, in der er lebte, in prägnante und eindrückliche Panels zu fassen. Ein toller Band, gibt es auch als Kindle Version für Tablets.

Auch lese ich, schon aus Kostengründen, ganz gerne die als Graphic Novel zusammengefassten Sammelbände der großen US Comicverlage wie Marvel, DC und Image Comics und schließe so gerne Bildungslücken. So lese ich mich im Moment durch den Band „Wolverine – Old Man Logan“, um mich auf die Blu-Ray des Kinofilms „Logan“ vorzubereiten, der auch von einem alternativen, alten Wolverine berichtet. Grandios erzählt und gezeichnet – diese Stimmung dort! Ferner lese ich die Original „Luke Cage – Hero for Hire“ Comics von Anfang der Siebziger, als Blacksploitation ihre Blüte erlebte, um die Netflix-Serie um „Marvel’s Luke Cage“ noch einmal richtig angehen zu können, von der ich bisher nur wenige Folgen gesehen habe. Auch diese Bände machen sehr viel (rohen) Spaß. Schließlich schließe ich mal eine Origin-Bildungslücke um Peter Parker und lese die allerallerersten „Spider-Man“ Geschichten. Ja, die sind simpel gezeichnet und erzählt, machen aber durch viel Fantasie, Sprüche und Tempo enorm Laune. Ich überlege ernsthaft, hier erstmal weiter zu lesen, sind ja nur knapp 600 Bände (argh).

Bei aktuellen amerikanischen Comics kann ich im Moment insbesondere bei Superhelden die Serie „Hulk“ empfehlen, die nicht von dem traditionellen Hulk Dr. Bruce Banner handelt, sondern von She-Hulk Jennifer Walters (beruflich eine Kollegin von mir), eine in sehr ernsten Tonfall und auf hohem Niveau verfasste Serie, die eine sehr befriedigende Lektüre darstellt. Bruce Banner ist ja im Moment bei Marvel nach dem Secret War angeblich tot, bis zu seiner Rückkehr, handelt auch die aktuelle Reihe um einen männlichen Hulk, der „Totally Awesome Hulk“, nicht von Bruce Banner.

Ebenfalls Freude macht mir Moment der X-Men Relaunch, wo über diverse neue X-Men Serien mal wieder die Team-Kader durchgemischt werden und mit recht dynamischen Geschichten überzeugen. Ferner lese ich mich noch durch einige „Wonder Woman“ Origin Storys, von denen es diverse gibt, die man schon vom Namen her („Earth One“, „Year One“) kaum unterscheiden kann und mich entsprechend auf den großen Kinofilm vorzubereiten, auf welchen ich mich schon sehr freue. Früher wäre es mit obszönen Geldausgaben auf Trödelmärkten einher gegangen, heute kann man in der Comixology App völlig problemlos und für sehr wenig Geld zum Beispiel den aller ersten Wonder Woman Auftritt aus dem Dezember 1941(!) nachlesen, in welchem sie u.a. Adolf Hitler (der vom Mars beeinflusst schon mal vor Wut in einen Teppich beißt – großartig!) belauscht und bei einem Baseball-Game aushelfen muss. Kurz hintereinander, ist ja auch beides sehr wichtig.

Schließlich noch Mangas, hier lese ich im Moment zwei Serien bzw. Bände gleichzeitig. Nachdem Naoki Urasawas „20th Century Boys“ zum Besten gehörte, was ich in meinem Leben (nicht nur als Manga) gelesen habe, möchte ich auch seinen anderen Serien eine Chance geben und lese im Moment seinen älteren Hit „Monster“, eine Geschichte um einen japanischen Arzt in Deutschland der Achtziger Jahre, der einen Serienkiller jagt. Diese 18-bändige Serie erschien in den letzten Jahren in Amerika in neun großen Doppelbänden. Ich bin jetzt im zweiten Doppelband und erfreue mich wieder an den hohen Niveau und der brillanten Erzählkunst Uraswas. Ganz tolle Geschichte, echt. Lesen!

Dann habe ich mit der aktuellen Serie „One-Punch Man“ angefangen, die mich aufgrund ihrer Prämisse überzeugt: In Mangas, geht es wie in Comics allgemein ja häufig nur um das eine. Seitenweise, Seite um Seite um Seite – Kloppe und nochmals Kloppe. Diese Serie macht sich darüber lustig, indem sie einen Helden beschreibt, der mal so richtig, ja mal so ganz richtig trainiert hat und jedes Monster und jeden Gegner, egal wie groß und mächtig, mit einem einzigen Schlag umhaut, und wenn der Gegner hoch wie ein Berg ist und mit einem Schlag eine ganze Stadt plättet. Um diesen einen Schlag zu vermeiden tun Freund und Feind alles, und dies birgt sehr viel komisches Erzählpotenzial und macht viel Spaß. „One-Punch Man“ erscheint auf Deutsch bei Kazé Manga, leider nicht digital.

Soweit für heute mal, jetzt ist Schluss, ich will ja äh, nochmal was lesen heute.

Technisches Detail: Um längere Artikel verfassen und das zeitlich wuppen zu können habe ich mir angewöhnt, diese zu diktieren; geht recht gut, auch wenn es der Überarbeitung bedarf.

Vier Filmkritiken

Ong Bak
Prachya Pinkaew, Thailand 2003, 104 Min (DVD PAL)
Endlich mal eine Bildungslücke geschlossen und den großen Durchbruch von Thai-Superstar Tony Jaa gesehen. Wow, schwer beeindruckt. In den fulminanten Stunts ist Tony Jaa dem Altmeister Jackie Chan durchaus ebenbürtig (der ihn auch prompt engagierte) und in den Kampfszenen von einer Eleganz und Durchschlagkraft, dass es nur so eine Freude ist. Grandioser Martial Arts-Film. Grandios. Jetzt schnell mal alle Tony Jaa-Filme nachholen. Sind ja noch nicht so viele. 9/10 Pukte.

The Demon Hunter
(Don’t Kill It), Mike Mendez, Kanada 2016, 89 Minuten
Man nehme die Prämisse des 80er-Klassikers „The Hidden“ von Jack Shoulder (Dämon (damals Alien) läuft Amok und muss ständig den Wirt wechseln) und füge Dolph Lundgren hinzu. Dolph passt perfekt in diese so lässig wie lustig angelegte Rolle, der Film weist ein hohes Tempo auf und die diversen, harten, manchmal albtraumhaften Amok-Szenen würzen Splatter und Humor zu einem enorm unterhaltsamen Film, von dem man sich nicht eine, sondern gleich mehrere Fortsetzungen wünscht – für die Rolle wurde Dolph Lundgren geboren. Sicher als Festival-Liebling gedacht, funktioniert aber auch zu Hause! 8/10 Punkte.

From Vegas To Macau III
Andrew Lau/Wong Jing, China 2016, 112 Minuten
Die moderne Wiederauflage der legendären God of Gamblers-Reihe aus den 90ern fährt mit diesem dritten Teil definitiv gegen die Wand. Waren die beiden Vorgänger noch sehr unterhaltsam, kann dieser Film nur noch damit überzeugen, dass er gespickt mit Stars ist. Karten gespielt wird wenig, ansonsten reagieren vor allem schlecht inszenierter Gigantismus und quälend-alberner Humor. Und der arme Chow Yun-Fat muss ausgerechnet gegen Psy(!) ein Kartenspiel bestreiten. 3/10 Punkte.

Kabali
Pa. Ranjith, Indien 2016, 143 Minuten
Neues Gangsterdrama mit dem tamilischen Superstar Super Star (ja, das ist sein Vorname) Rajinikanth. Man kann alles mal ausprobieren, aber ausgerechnet Rajinikanth nahe zu legen, auf seine üblichen Manierismen zu verzichten und möglichst „normal“ zu spielen, das war keine so tolle Idee. Sein Publikum kommt um seine Manierismen zu sehen, die will es sehen, ich auch. So verbleibt nur ein durchschnittlicher Gangster-Film, wie sie Ram Gopal Varma regelmäßig raushaut, mit deutlichen Scarface-Anleihen, insbesondere in dem immerhin recht wuchtigen und düsteren Finale. Eher mäßig, Rajinikanths Name sorgte aber immerhin dafür, dass Kabali kommerziell einer der größten Kollywood-Hits aller Zeiten wurde. 6/10 Punkte.

Professor Dr. Dr. Dr. van Dusen, die Denkmaschine

Gerne möchte ich hier mal meine Begeisterung für die Kriminalgeschichten mit Professor Dr. Dr. Dr. van Dusen teilen, die insbesondere im Hörspiel reüssieren.

Der von dem amerikanischen Journalisten Jacques Futrelle geschaffene Amateur-Kriminologe van Dusen ist sichtlich von Sherlock Homes inspiriert, aber, und das macht ihn interessant und lässt ihn aus der Masse heraus stechen, eine stark aufgebohrte Version von Sherlock Holmes. Nicht nur, dass van Dusen Holmes wohl geistig überlegen ist, weswegen er auch die „Denkmaschine“ genannt wird – insbesondere in seiner Selbstsicherheit ist er Holmes noch weit überlegen, was schon was heißen muss. In unserer heutigen Zeit der gebrochenen, ironisierten oder bescheidenen Helden ist es einfach eine herrliche Abwechslung, mal einen Helden zu hören, dessen ungebrochene, aufgeblasene Arroganz und Selbstüberzeugtheit keinerlei Grenzen kennt. Das entfaltet mehr Unterhaltungswert, als man glaubt.

Da der deutsche Hörspielmarkt sehr lebhaft ist, erscheint der gute Professor gleich in drei Serien:
1. Dass man heute überhaupt noch von dieser über 100 Jahre alten Figur spricht, liegt insbesondere daran, dass eine Radio Serie vom Rias Berlin (später Deutschlandradio Kultur) von Michael Koser aus den Jahren 1978 bis 1999 einen so guten Ruf hat, und es vor einigen Jahren Sebastian Pobot von Highscore Music endlich gelang, diese Serie aus einem komplizierten rechtlichen Dschungel zu befreien. Zwischen 2010-2015 erschienen zwölf der 77 damals ausgestrahlten Folgen auf CD und als Download, dann war leider erst mal Pause. Jetzt geht es nach über zwei Jahren Funkstille am morgigen Freitag weiter mit der 13. Folge „Wer stirbt schon gerne in Monte Carlo“, und dann hoffentlich in kürzerem zeitlichen Abstand, so dass man noch erleben darf, dass alle 77 Radio Hörspiele als CD oder Downloads wieder zugänglich sind; nachdem Fans viele Jahre vergeblich versucht hatten, ein Archiv aufzubauen und an rechtlichen Schwierigkeiten gescheitert waren. Die Neuveröffentlichungen enthalten als Bonus-Tracks noch Kommentare von Autor Koser und dem Regisseur.
2. Ebenfalls aus dem gleichen Haus kommen ganz neue Fälle mit Professor van Dusen mit offiziellem Segen und unter Mitarbeit von Michael Koser, der immerhin auch inzwischen auf die 80 zugeht. Hier erscheint im Mai bereits die zehnte Folge mit ganz neuen Abenteuern, wobei man sagen muss, dass schon die alte Radioserie sich nur in der ersten Handvoll Episoden an den Original-Vorlagen orientiert und dann eigene Geschichten erzählt hat. Trotzdem darf man dies als direkte Fortsetzung der Radio-Serie betrachten, auch wenn einige der Sprecher nicht mehr verfügbar oder sogar verstorben sind.
3. Schließlich erscheint bei der Romantruhe innerhalb deren Reihe „Sherlock Holmes und Co.“ neben Abenteuern von Doyles Sherlock Holmes und Edgar Allan Poes Figur Auguste Dupin auch noch Abenteuer von Professor van Dusen, die sich wiederum mehr an den Originalvorlagen von Futrelle orientieren sollen. Von den gut 30 Folgen dieser Reihe handeln immerhin 11 von Professor van Dusen bisher, so dass insgesamt fast 100 Hörspiele von ihm auf dem Markt sind.

Verfilmt wurde die Figur praktisch nur ganz selten (zwei Folgen innerhalb einer Reihe „Sherlock Holmes‘ Rivals“ aus den 70ern) und im englischen Sprachraum erschienen kaum Hörspiele von ihm. Kürzlich erschienen innerhalb einer Hörspielreihe der BBC4 namens The Rivals of Sherlock Holmes (die sich an die alte TV-Serie anlehnt) auch zwei van Dusen-Geschichten; die Reihe gibt es u.a. bei Audible.

Der Autor Jacques Futrelle, der aufgrund des Erfolges seiner Figur eine Journalisten-Laufbahn aufgeben und vom Schreiben leben konnte sorgte dafür, dass in kurzer Zeit von 1905-1912 gut 50 van Dusen Geschichten erschienen, von der Kurzgeschichte bis zum ausgewachsenen Roman. Dann starb der Autor leider viel zu früh mit nur 37 Jahren. Wie? Der letzte lebende Anblick, den seine spätere Witwe von ihm sah, war, dass er eine Zigarette mit dem berühmten John Jacob Astor rauchte. An Bord der Titanic, 30 Minuten vor ihrem Untergang am 15. April 1912. Einige neue van Dusen-Geschichten sind dabei mit untergegangen.

Hier einige Links:

Ein Kindle EBook mit wirklich fast allen van Dusen-Texten im Original:

Die Hörspiel-Reihen van Dusen Klassiker & neue Fälle erscheinen beide bei Maritim:
http://www.maritim-hoerspiele.de

Die Reihe Sherlock Holmes & co. erscheint bei der Romantruhe:
https://www.romantruhe.de/audio/krimi-und-thriller/sherlock-holmes-und-co/

Die beste Info-Seite ist diesmal wirklich die Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Professor_van_Dusen

Die offizielle Seite von Michael Koser (umfangreich, aber nicht ganz aktuell) gibt es hier:
http://www.profvandusen.com/

Und, schließlich, eine BBC-Verfilmung eine der ersten und besten van Dusen-Geschichten, „Das sicherste Gefängnis der Welt“, mit Holmes-Darsteller Douglas Wilmer als Van Dusen aus den frühen 70ern:

Und immer daran denken: 2 + 2 ergibt immer 4!

Fünf Filmkritiken

Mal wieder ein paar Filmkritiken, kurz und schmerzlos:

Abteilung Blockbuster:

Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
(Fantastic Beasts and where to find them), David Yates, USA 2016, 133 Minuten
Inhaltich eher loser Harry Potter-Spin of im New York der 20er (kein Harry und kein Hogwarts weit und breit), der allerdings visuell durch die Handschrift des Potter-Stammregisseurs (natürlich bewusst) einen sich sofort heimisch fühlen lässt. Die von Joanne Rowling erdachte neue Story in dem von ihr selbst erschaffenen Universum ist zumindest brauchbar, richtig sehenswert wird der Film dadurch, dass die gigantischen Server-Parks eines Hollywood-Studios mal nicht für die ewig gleichförmige CGI-Massen-Destruktion genutzt werden, sondern für höchst einfallsreiche, fantasievolle, manchmal richtig poetische Bilder bei der Visualisierung der potter-typischen Magie. Braucht man die vier geplanten Fortsetzungen davon? Wohl eher nicht. Eine aber erstmal gerne. 8/10 Punkte

Rogue One: A Star Wars Story
Gareth Edwards, USA 2016, 134 Minuten
Star Wars, Episode 3.9: Wie die Rebellen an die Pläne des Todessterns gelangt sind und warum die „Schwachstelle“ in der Konstruktion des Todessterns doch ihren Sinn hat. Star Wars einmal wirklich als Kriegsfilm und so gut wie ohne Lichtschwerter, Familien-Dynastie-Gedönse und possierliche Viecher. Das tut richtig gut, sorgt allerdings auch dafür, dass dieser gigantische Abenteuerspielplatz namens Rogue One etwas unterkühlt daher kommt, da ändert auch das sogar eher unangenehme Märtyrer- und Aufopferungs-Pathos gegen Ende nichts. Wir wollen aber bei der Sache bleiben: Der Star Wars-Fan (für nichtgläubige ist der Film eher nicht geeignet), der bei einer zentralen Action-Szene und vor allem bei dem gut halbstündigen Finale nicht einen enormen Kick verspürt, der oder die ist noch nicht geboren worden. Fürs Protokoll: Atemberaubend perfekte Schlussszene, die enorm viel Endorphin ausschüttet, allerdings kurzfristig aufgekommenes Gerede über eine Rogue One-Fortsetzung völlig absurd erscheinen lässt: Die völlig nahtlose „Fortsetzung“ existiert seit 40 Jahren. Die Höchstnote können wir aber wegen zu viel Geschwätzigkeit im Mittelteil und etwas arg viel Mythos-Anspielungs-auf-der-Stelle-treten (vor allem bei den Gastauftritten von Schwerverbrechern, Droiden etc.) nicht vergeben. 9/10 Punkten

Fast & Furious 8
(The Fate of the Furious), F. Gary Gray USA 2017, 136 Minuten
Ist das schön, einfach mal einen gut geölten Blockbuster zu sehen, der erstaunlicher Weise in seiner Machart, Gefühle seiner Helden durch massive und realitätsferne Destruktionen auszudrücken, sich sehr stark beim asiatischen (Süden und Fernost) Kino bedient. Die Family spielt befreit auf und dass auf dem Regie-Stuhl erstmals F. Gary Gray (Set it off, The Negotiator, The Italian Job) Platz genommen hat, ist bei dieser Reihe eigentlich ein Selbstgänger: Denn Gray kann nicht nur Action, sondern hat auch ein extrem sicheres Händchen dafür, Helden cool in Szene zu setzen, es ist eine Wonne, in diesem Film Testosteron-Bomber wie Diesel, The Rock und Statham in Action zu sehen. Dafür ist der Erotik-Faktor eher herunter geschraubt, zumindest was nackte Haut angeht, dem Verfasser dieser Zeilen reicht aber eigentlich schon Michelle Rodriguez‘ Schmollmund hinter einem Steuer. Dass Regisseur Gray schon länger im Geschäft ist, merkt man an einem der schönsten Zitate der letzten Jahre, wenn Jason Statham mit Baby auf Chow Yun-Fat in „Hard Boiled“ (John Woo, 1992) machen darf. 8/10 Punkte.

Abteilung Action-Helden

Pound of Flesh
Ernie Barbarash, Kanada 2015, 104 Minuten
Jean Claude van Damme wird in Manila seine Niere geklaut (NICHT FRAGEN!), die eigentlich seine Nichte bekommen sollte. Die Zeit tickt. Interessante Prämisse, und auch wenn das niedrige Budget teilweise sein hässliches Haupt in einer lächerlichen Autoverfolgungsjagd und teilweise spuckend hässlichen Kulissen (schlecht ausgeleuchtete chinesische Lagerhallen, die Manila darstellen sollen) hebt: JCVD ist in blendender Form – obwohl seine Filmfigur ja eigentlich eine ordentliche OP-Narbe durch den Nierenklau hat.. – und es macht viel Spaß, ihm bei seinen Kicks zuzusehen. Für eine DVD-Premiere ein sehr ordentliches Machwerk. 7/10 Punkten.

Die Todeskralle schlägt wieder zu
(Way of the Dragon), Bruce Lee, Hong Kong 1973, 99 Minuten
Wiederbegegnung mit einem frühen Chuck Norris-Film, in welchem er einen amerikanischen Superkämpfer-Bösewicht darstellt, der sich im Finale mit Bruce Lee im Kolosseum zu Rom (bzw. vor deutlich erkennbar gemalten Hintergründen in einem Studio in Hong Kong) prügeln darf. Die Story? Bruce Lee reist von Hong Kong nach Rom um einem Restaurant auszuhelfen, das von Schutzgelderpressern bedroht wird. Für den Bruce Lee-Kult ist der Verfasser dieser Zeilen etwas spät geboren, trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass dieser schon etwas holprig inszenierte Film von der großen Präsenz Bruce Lees lebt, dessen Kämpfe in ihrer Eleganz, Athletik, Grazie und schieren Durchschlagkraft heute noch eine hohe Faszinationskraft haben und den Film hervorragend altern lassen. Eher nervig sind die Stereotype, insbesondere in der kantonesischen Originalfassung gilt: Englisch=Böse, Kantonesisch=Heimat und gut. Natürlich hätte Chuck Norris in Wirklichkeit nie verloren, wie soll das gehen?! Aber im Film darf ja selbst Bruce Lee mal träumen. 8/10 Punkten

Zwei Filmkritiken

Arrival (Denis Villeneuve, USA 2016, 117 Min)
Sehr schön gestalteter SF-Film um einen friedfertigen Alien-Besuch auf der Erde, der zwiespältige Gefühle weckt. Im vergleichbaren Kino-Umfeld ein herrlich unaufgeregter, intelligenter und interessanter Film in schönen Bildern – gleichzeitig ist es aber frustrierend, wie wenig sich die Macher an eine wirkliche Umsetzung der Themen (Determinismus, Wahrnehmung der physikalischen Gesetze, Sprache) in der brillanten und wunderschönen Novelle „Story of your Life“ von Ted Chiang heran getraut haben, die für „Arrival“ adaptiert wurde. Zumal sämtliche (durchaus sehr drastischen) Änderungen gegenüber der Novelle den Film konventioneller machen, als es notwendig gewesen wäre. Aber das war wohl Absicht. Sehenswert ist das alles durchaus trotzdem und vielleicht ist es auch gar nicht möglich, die mit Händen zu greifende Großartigkeit des vielleicht besten SF-Erzählers der Gegenwart in ein adäquates Kinoerlebnis zu transformieren. Das Resultat sind paradoxe Gefühle, wenn der Abspann von „Arrival“ läuft. Man ist zugleich zutiefst befriedigt ob eines gelungenen, schönen Films und unbefriedigt wegen des riesigen Abstandes in jeglicher Hinsicht zur ursprünglichen Novelle von Ted Chiang. 8/10 Punkte

Jack Reacher: Never go back (Edward Zwick, USA 2016, 118 Min)

Die vielen mäßigen bis negativen Kritiken verwundern – vielleicht fehlt vielen Menschen einfach die Dankbarkeit, endlich mal wieder einen gelungenen Mid-Level Thriller zu sehen, der sicherlich nichts Neues an den Tisch bringt, aber über knapp zwei Filmstunden blendend und rasant unterhält. Wer nicht ständig blöde Sprüche und Grinsen braucht, ist hier genau richtig, wenn Tom Cruise es mal von der Rolle vorgeschrieben bekommt, genau dies nicht zu dürfen. Gleiches Recht für alle: Da es unter Androhung von Shitstorms absolut Tabu ist, über die falsche Cup-Größe der Wonder Woman Darstellerin öffentlich zu reden, thematisieren wir hier auch nicht, dass Tom Cruise für die Rolle von Lee Childs Jack Reacher eigentlich ein bis anderthalb Köpfe zu klein ist. Begrüßenswert seine Souveränität (er ist auch Produzent – „A Tom Cruise Production“) sich klar die Show stehlen zu lassen von der atemberaubend großartigen Cobie Smulders (ja, die Maria Hill aus dem MCU), die eine Heldin spielt, an deren entschlossenen, harten Blick und toughen Moves man sich gar nicht satt sehen kann. So geht weibliche Heldin 2017!
Erstaunlich, was in den USA heute an knackenden Knochen und Filmblut bei einem PG-13 zulässig ist (bei uns ist der Film ab 16) und wirklich abartig, dass das Budget von 60 Millionen Dollar noch vor dreißig Jahren zum teuersten Film aller Zeiten gereicht hätte und heute fast in die Kategorie Low Budget gehört. Was dem Vergnügen an diesem herrlich gradlinigen Thriller keinen Abbruch tut. Leider lief der Film bisher nur mäßig gut (auch wenn er seine Kosten eingespielt hat), so dass von den bisher 21 Reacher-Romanen von Lee Child es wohl vermutlich bei diesen zwei Verfilmungen bleibt. Zumindest mit Tom Cruise. 8/10 Punkte